Honig nicht geschleudert: Herstellung, Besonderheiten und Unterschiede zur konventionellen Honiggewinnung

Honig fasziniert seit jeher mit seiner Vielseitigkeit, den positiven Eigenschaften für Gesundheit und Genuss, der natürlichen Herstellungsweise und der enormen Vielfalt an Sorten und Geschmacksprofilen. Besonders Honig, der nicht geschleudert wird, nimmt einen einzigartigen Platz in der Welt der Bienenprodukte ein. In dieser umfangreichen und detaillierten Übersicht erfahren Sie alles über die Herstellung von Honig ohne Schleuderung, die Besonderheiten dieser Methode und die Unterschiede zu konventionellen Verfahren.

Was bedeutet „Honig nicht geschleudert“?

Im Gegensatz zur gängigen Praxis, den reifen Honig mit einer Honigschleuder aus den Waben zu extrahieren, wird bei Honig ohne Schleuderung auf eine mechanische Zentrifuge verzichtet. Stattdessen erfolgt die Honiggewinnung durch das Pressen der Waben oder auch durch das tropfenweise Austreten des Honigs aus aufgeschnittenen oder umgedrehten Waben. Diese traditionelle Methode wird vor allem bei Wabenhonig und Presshonig angewendet. Die Gewinnung des Honigs kann auch ohne Schleudern, durch Einschmelzen der honiggefüllten Waben, über gelindem Herdfeuer, erfolgen. Das Wachs sammelt sich an der Oberfläche und ist erkaltet abzuheben. Darunter befindet sich der reife Honig, der abgefüllt, verschlossen und trocken aufbewahrt, unbegrenzt haltbar ist.

Presshonig: traditionelle Methoden der Honiggewinnung

Imker, die ihren Honig nur für den Eigenbedarf gewinnen, greifen oft auf diese Methode zurück, da sie sich mit wenigen Völkern bewährt hat und ausreichend Ernte bringt. Bei dieser Honiggewinnung durch Pressen ergibt sich ein gesünderer Honig, da er nicht so intensiv mit Luft in Berührung kommt. Honig aus wenig bebrüteten Waben ist ebenfalls gesünder und länger haltbar durch den Propoliseintrag und eventuell Futtersaftreste. Honig aus unbebrüteten Waben gilt als der Beste.

Wabenhonig und Jungfernwaben: Besonderheiten für Gesundheit und Geschmack

Viele Imker loben Honig aus Jungfernwaben, also Waben, die noch nicht bebrütet wurden. Der Grund: Weniger Rückstände, ein reiner Geschmack und eine längere Haltbarkeit. Der Honig oxidiert beim Pressen weniger stark als beim Schleudern, wo er durch Luftbläschen durchsetzt ist - das begünstigt den Erhalt wichtiger Inhaltsstoffe. Einige Fachleute schätzen den Propoliseintrag in wenig bebrüteten Waben, denn Propolis wirkt antibakteriell und trägt zur Gesundheit und Haltbarkeit des Honigs bei.

Allerdings gibt es auch kritische Stimmen. Honig aus Brutwaben kann muffelig wirken, da darin Larvenkot und Milbenkot enthalten sein können, was eine Desinfektion und Reinigung durch Propolis notwendig macht. Nach Meinung eines Imkers aus Luxemburg werden solche Waben sogar als „Jauchewaben“ verschrien. Trotzdem konsumierten Menschen jahrhundertelang auch Honig aus bebrüteten Waben, ohne gesundheitliche Probleme.

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Presshonig versus Schleuderhonig - Qualitätsmerkmale im Vergleich

Eigenschaft Presshonig Schleuderhonig
Herstellungsweise Waben auspressen oder einlaufen lassen Mechanische Extraktion (Zentrifuge)
Luftkontakt Wenig Viel
Inhaltsstoffe Geringere Oxidation
Mehr Propolis
Stärker oxidiert
Weniger Propolis
Geschmack Intensiv, eigenständig Fein, sortenspezifisch
Haltbarkeit Länger (bei wenig bebrüteten Waben) Sehr lang, aber abhängig von Hygiene und Wassergehalt

Herstellungsprozess von Honig ohne Schleuderung

Die Herstellung beginnt wie bei jedem Honig zuerst mit der Sammelarbeit der Bienen. Für 500 g Blütenhonig müssen ca. 2 Millionen Pflanzen angeflogen werden. Wieder im Bienenstock angekommen, überreicht die Sammelbiene den Nektar an sogenannte Stockbienen, die für seine Weiterverarbeitung verantwortlich sind und den Blütennektar in speziellen Waben speichern. Die Biene macht Honig, indem sie Nektar aus Blüten sammelt und in ihren Honigmagen transportiert. Im Honigmagen wird der Nektar mit Enzymen vermischt und eingedickt. Zurück im Bienenstock geben die Bienen den eingedickten Nektar in die Waben ab. Dort wird der Honig von den Bienen weiter bearbeitet, bis er reif ist. Schließlich wird der reife Honig in den Waben verschlossen, bis er geerntet wird.

Im Bienenstock lagert der Honig nun und reift. Die Bienen sorgen dafür, dass zusätzliche Feuchtigkeit entweicht, indem sie mit ihren Flügeln fächeln. Der Wassergehalt sinkt auf etwa 18-20%, erst dann ist der Honig haltbar. Sind die Waben mit einer dünnen Wachsschicht überzogen, ist der Honig reif und kann entnommen werden. Das Entnehmen der Waben erfolgt vorsichtig und ohne Verletzung der Bienen. Besonders wichtig: Der Honig soll nicht auskühlen und kein Wasser aus der Luft ziehen.

Der Weg des Honigs: Von der Blüte zur Wabe

Beim Pressvorgang werden die Waben herausgeschnitten und mechanisch ausgepresst - entweder mit einer speziellen Honigpresse oder einfachen Hilfsmitteln wie einem Lochbrett, Wellholz oder auch durch Einschmelzen. Der Honig läuft aus, das Wachs wird getrennt. In der Warrebienenbeute beispielsweise ist der Geschmack nicht negativ beeinflusst; im einjährigen Wabenbau bleibt der Honig rein.

Die Rolle von Propolis und natürliche Waben

Die Zellen werden gereinigt, mit einem dünnen Propolisfilm ausgestrichen und erst danach mit Honig gefüllt. Propolis hat antioxidative, antibakterielle und schützende Eigenschaften. Dadurch erhält Presshonig ein interessantes gesundheitliches Profil. Honig aus wenig bebrüteten Waben ist besonders gesund, da der Propoliseintrag und evtl. Futtersaftreste die Haltbarkeit und Inhaltsstoffe stärken.

Honig wird meist als Naturprodukt, ohne Zusatzstoffe und industrielle Verarbeitung, erzeugt - guter Honig ist kein makelloses Industrieprodukt, sondern trägt die Handschrift eines Jahres. Seine sensorische Vielfalt ist vergleichbar mit Wein.

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Honigsorten und Konsistenz bei nicht geschleudertem Honig

Honig aus dem Nektar verschiedener Pflanzenarten beinhaltet bis zu 500 Duftstoffe. Auch spezielle Sortenhonige - z. B. Akazien-, Linden-, oder Löwenzahnhonig - entstehen, wenn die Bienen gezielt in bestimmten Trachtgebieten eingesetzt werden. Honigtauhonige, die aus Honigtau zahlreicher Baumarten entstammen, sind eine Besonderheit mit dunkler Farbe, kräftigem, malz-würzigem Aroma und vielen Mineralstoffen.

Konsistenz und Geschmack sind variabel: Honig kann flüssig, cremig oder steinhart sein. Gerade beim Raps-Honig setzt die Kristallisation besonders schnell ein. HonigKristallisation ist ein natürlicher Prozess und ein positives Indiz für Echtheit, im Vergleich zu einigen Industriehonigen, die eben nicht kristallisieren.

Regionale Unterschiede und ökologische Aspekte

Der unmittelbare Standort der Bienenvölker in der ökologischen Honigerzeugung wird sorgsam nach dem Wohlbefinden der Bienen ausgewählt, und befindet sich ausschließlich auf ökologisch wertvollen Naturschutzflächen, zertifiziert ökologischen biogärtnerischen, biolandwirtschaftlichen oder naturnahen Waldbiotop-Flächen, in deren Umkreis keine Gefahr der Kontamination des Honigs mit Feinstaub oder Pestiziden zu erwarten ist. Die Bestäubung der Flora und Nutzen für die Fauna findet bei der Öko-Imkerei ganzjährig statt. Nur der dabei entstehende kleine Überschuss an Honig wird entnommen. Den Hauptteil der Ernte benötigen die Bienen selbst.

Ökologische Imkerei: Standort und Umweltbedingungen

Regionale Unterschiede wie Boden- und Klimaverhältnisse haben einen direkten Einfluss auf das Trachtangebot (Nektar, Pollen und Honigtau) für Honigbienen. Deshalb ist Honig auch nie gleich Honig. Ähnlich wie bei einem guten Wein kann man auch beim Honig verschiedene Farben, Buketts, Geschmacksrichtungen und Aromanuancen erkennen und jeden „Jahrgang“ neu genießen.

Industrielle Honigproduktion vs. traditionelle Methoden

Bei der konventionellen, meist industriellen Honigproduktion wird der Standort oftmals nicht ganzjährig genutzt, sondern es wird gewandert, ohne Ruhepause. Die Bienen werden häufig auf konventionelle, teilweise gentechnisch manipulierte Monokulturen gesetzt, unter Einsatz großer Mengen teilweiser verbotener, gesundheitsschädlicher und umweltschädlicher Pestizide. Es wird kein reifer Honig geerntet, sondern ein wasserähnliches Gemisch aus Sirupen und Nektar. Die Honigverfälschungen mit Sirup sind ein Skandal und wirklich schlimm für die vielen ehrlich arbeitenden Imker*innen.

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Traditionelle Methodik: Vorteile und Nachhaltigkeit

  • Damit bleibt Wabenbau und Honiggeschmack natürlich und rein.
  • Die Honigernte erfolgt schonend und im Einklang mit den Naturprozessen im Bienenvolk.
  • Honig ohne Schleuderung ist weniger oxidiert, behält seine natürlichen Inhaltsstoffe und hat oft ein intensiveres Aroma.
  • Die Herstellung ist ökologisch sinnvoll und trägt zur Nahrungssicherheit der Menschheit bei.
  • Die ökologischen Imkerei gibt der Agrarwende einen wichtigen Dreh- und Angelpunkt.
Presshonig: Traditionelle Honiggewinnung im Video

Rechtliche Bestimmungen und Qualitätskriterien

Honig ist gesetzlich eindeutig definiert: reifen lassen. Weder Zusätze noch industrielle Verarbeitung sind erlaubt. Gute Qualität wird anhand des Wassergehaltes, der Herkunft und der Sortenreinheit bestimmt. Schleuderhonig ist immer „kalt geschleudert“, denn Honig kann nur bei maximal 25-30 °C geschleudert werden, andernfalls würde das Bienenwachs schmelzen und die Wabe zerstören. Es ist unmöglich, Honig anders als kalt zu schleudern. Der Zusatz “kaltgeschleudert” auf dem Honigglas-Etikett ist seit 2011 unzulässig - dies ist lediglich eine werbliche Irreführung. Am besten kauft man Honig direkt beim Imker oder in einem Shop, der regionalen Honig anbietet. Dann kann man sicher sein, dass im Honig noch alle Nährwerte vorhanden sind.

Zusammenfassung

  • Honig, der nicht geschleudert wird, wird meist durch das Pressen oder Einschmelzen der Waben gewonnen.
  • Presshonig ist intensiver im Geschmack, gesünder und oxidiert weniger.
  • Wabenhonig aus Jungfernwaben gilt als hochwertigster Honig.
  • Ökologische Herstellungsweise und ein respektvoller Umgang mit Bienen und Natur prägen die Qualität.
  • Industrielle Methoden sind im Vergleich weniger naturnah und führen oft zu Qualitätsverlusten und Verfälschungen.
  • Honig muss nach gesetzlichen Vorgaben naturbelassen und ohne Zusätze sein.
Honigsorten: Presshonig, Wabenhonig und Schleuderhonig im Vergleich

Tipps für Anfänger in der ökologischen Imkerei

  • Die ersten zehn Jahre verlangen große Opfer, man muss Konsum, Urlaub und Einkommen weitgehend entbehren und sich an einen konsequent ökologischen Lebensstil gewöhnen, mit etwa doppelt so vielen Arbeitsstunden als üblich.
  • Bevor Anschaffungen getätigt werden, sollten Anfänger über den Tellerrand hinausschauen und sich verschiedene Arten der Bienenhaltung ansehen.
  • Anfänger brauchen einen guten Mentor/Lehrer und viele Ratgeber, das können auch Bücher oder YouTube-Videos sein.
  • Die Weisheit liegt in der Fülle der Ratgeber - nicht nur auf Institutionen und Vereinsfunktionäre verlassen.
  • Ökologisch vorgehen: Die Richtlinien für Ökologische Bienenhaltung des DEMETER-, BIOLAND- und BIOKREIS-Verbandes besorgen und eine Richtung wählen.
  • Der Standort im Februar während der Schneeschmelze prüfen - warm, trocken, windstill und angenehm.

Viele Anfänger fragen sich, besonders beim Honig aus Eigenproduktion, wie lange das Naturprodukt genießbar bleibt. Honig hat eine bemerkenswerte Haltbarkeit, vor allem wenn er korrekt, trocken und dunkel gelagert wird.

Imkerei für Anfänger: Bienenhaltung und Honiggewinnung ohne Schleuder

Das Gefühl, die ersten eigenen Honiggläser nach der traditionellen Methode zu füllen, ist unbeschreiblich. Es verbindet Dankbarkeit gegenüber den Bienen, Freude an der Arbeit, und das Bewusstsein, ein besonders gutes Lebensmittel gewonnen zu haben, das Gesundheit und Genuss vereint.

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