Honig mit Alkohol kombinieren: Herstellung und Verwendung von Honiggetränken
Honig wird seit tausenden von Jahren zur Herstellung alkoholischer Getränke verwendet. Die Kombination von Honig und Alkohol reicht von spontan entstandenem vergorenem Honig bis hin zu raffinierten Rezepten, bei denen Honig unvergoren dem alkoholischen Getränk zugesetzt wird. Diese Vielfalt bietet zahlreiche Möglichkeiten, honighaltige alkoholische Getränke selbst herzustellen oder genussvoll zu entdecken.
Traditionelle Honig-Alkoholika: Bärenfang, Honigbier und Met
Bärenfang - Der würzige Honiglikör aus Ostpreußen
Bärenfang, auch unter dem Namen Meschkinnes bekannt, ist ein traditioneller Honiglikör, der seit dem 15. Jahrhundert in Ostpreußen hergestellt wird und bis heute in osteuropäischen Ländern wie Polen (wo er als Krupnik bekannt ist) beliebt ist.
Für die Herstellung von Bärenfang wird der Honig nicht vergoren, sondern einfach mit hochprozentigem Alkohol vermischt, was die Herstellung im Vergleich zu anderen Honiggetränken besonders einfach macht. Üblicherweise werden Honig, Alkohol und Gewürze wie Vanille, Zimt, Nelken oder Zitronenschalen kombiniert. Blütenhonig wird bevorzugt, da Waldhonig den Likör bitter machen kann.
Der Alkohol sollte möglichst geschmacksneutral sein, z. B. Weingeist (Primasprit), da Wodka das Aroma ungünstig beeinflussen kann. Ein Pfund Honig wird typischerweise in etwa 700 ml Alkohol aufgelöst. Nach Zugabe der Gewürze lagert der Likör mindestens eine Woche, kann dann filtriert und in dunklen Flaschen bei Zimmertemperatur aufbewahrt werden.
Bärenfang schmeckt pur als Dessertlikör, verfeinert Tee oder warme Milch und eignet sich bestens zum Veredeln von Kuchen und Nachspeisen.
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Honigbier - Die bittersüße Erfrischung mit langer Tradition
Honigbier, etwa in Form des Honey Ale, gewann in den letzten Jahren neue Popularität. Medien berichteten über den ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, der eine Brauanlage für Honigbier im Weißen Haus anlegte.
Anders als Bärenfang wird Honig beim Honigbier vergoren. Hierbei wird der Honig mit Wasser, Hopfen und eventuell Malz zu einer vergärbaren Maische verarbeitet. Die Bierhefe sorgt für die alkoholische Gärung, wobei das Bier üblicherweise einen Alkoholgehalt von circa 6 % erreicht.
Honigbier besticht durch seine süß-bittere Balance und bietet eine spannende Alternative zu klassischen Bieren. Es kann pur genossen werden, als winterliches Glühbier mit Gewürzen oder als Zutat für herzhafte Biersoßen dienen.
Interessant für Imker ist, dass auch Honig mit höherem Wassergehalt, der sonst nicht verkäuflich ist, für Honigbier verwendet werden kann.
Met - Der göttliche Honigwein mit uralter Geschichte
Met, auch als Honigwein bezeichnet, zählt zu den ältesten alkoholischen Honiggetränken, die schon vor Tausenden von Jahren in vielen Kulturen entstanden. Seinen Ursprung hat Met unter anderem in nordischen und germanischen Traditionen, wo er als Trank der Götter galt.
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Honigwein entsteht durch Vergärung einer Lösung aus Honig und Wasser mit Reinzuchthefe, wodurch ein aromatischer Wein mit etwa 15 % Alkohol entsteht. Die Herstellung erfordert einen Gärballon, der einen sauerstofffreien Gärprozess ermöglicht, während entstehende Gase entweichen können.
Met wurde historisch oft mit Gewürzen oder Fruchtsäften wie Apfelsaft verfeinert. Heute ist Met auf Mittelaltermärkten und in der Metal-Szene sehr populär und wird auch in breiteren Bevölkerungsgruppen immer bekannter. Er trinkt sich sowohl gekühlt als sommerliche Erfrischung, als auch erwärmt mit Gewürzen als Alternative zu Glühwein.
Herstellung von Honiglikör: Praktische Anleitung
Die Herstellung eines Honiglikörs, zum Beispiel nach Art von Bärenfang, ist einfach und fördert die individuelle Kreativität. Die wesentlichen Zutaten sind Honig, Alkohol und Gewürze.
- Alkoholwahl: Am besten eignen sich geschmacksneutrale Spirituosen wie Weingeist (Primasprit), Korn oder Vodka. Hochprozentiger Alkohol (60-70 %) wird meist mit Wasser auf etwa 25-35 % Alkoholgehalt verdünnt.
- Honig: Blütenhonig wie Raps-, Akazien- oder Sommerblütenhonig ist ideal, da er mild schmeckt. Waldhonig kann den Likör eher herb oder bitter machen.
- Gewürze: Klassisch sind Zimtstangen, Vanilleschoten, Nelken und Zitronen- oder Orangenschalen. Dabei sollte nur unbehandeltes Zitrusschalen-Äußeres ohne weiße Haut verwendet werden, um Bitterkeit zu vermeiden.
Die Herstellung verläuft folgendermaßen:
- 400-500 g Honig in etwa 700 ml Alkohol bei Raumtemperatur langsam und vorsichtig durch Rühren auflösen. Auf Erhitzen über 40 °C sollte verzichtet werden, um wertvolle Honigstoffe wie Enzyme nicht zu zerstören.
- Gewürze zufügen und den Ansatz gut verschließen.
- Den Likör an einem dunklen, kühlen Ort mindestens 3 Wochen, besser 6-8 Wochen, reifen lassen. Dabei kann das Gefäß täglich geschüttelt werden, damit sich die Aromen gut verbinden.
- Nach der Reifezeit den Likör filtrieren, zum Beispiel durch Kaffeefilter oder spezielle Likörfilter.
- Den fertigen Honiglikör in sterile Flaschen abfüllen und mit passenden Etiketten versehen.
Die genaue Berechnung des Alkoholgehalts ist wichtig, um Geschmack und Haltbarkeit sicherzustellen. Üblich sind etwa 35 % vol, weniger als 15 % vol ist für den Verkauf nicht zulässig und kann zur Nachgärung führen. Online-Alkoholrechner erleichtern die Berechnung unter Berücksichtigung der Volumenkontraktion.
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Rechtliche Rahmenbedingungen und Vermarktung für Imker
Imker, die Honiglikör herstellen und verkaufen, profitieren von besonderen rechtlichen Regelungen:
- Die Imkerei gilt rechtlich als landwirtschaftlicher Betrieb. Die Verarbeitung eigener Produkte, wie das Herstellen von Honiglikör, zählt zu den landwirtschaftlichen Tätigkeiten der "1. Verarbeitungsstufe".
- Für Imker mit bis zu 30 Bienenvölkern wird steuerlich Liebhaberei angenommen - es besteht keine Gewinnerzielungsabsicht. Bis 70 Völker kann ein jährlicher Pauschalgewinn von 1.000 Euro angesetzt werden.
- Nach EU-Vorgaben müssen Liköre mindestens 15 % vol Alkohol und 100 g Zucker pro Liter enthalten. Der in Honig enthaltene Zucker erfüllt die Zuckeranforderung.
- Ein professionelles Etikett mit Bezeichnung ("Likör" oder "Honiglikör"), Herstellerangaben, Nettofüllmenge und Alkoholgehalt ist erforderlich. Gesundheitsbezogene Aussagen sind bei Alkohol verboten.
Imker können ihren Honiglikör direkt ab Hof, auf Bauernmärkten und über lokale Feinkostläden verkaufen. Die schonende Kaltmazeration und handwerkliche Herstellung in kleinen Chargen sind Verkaufsargumente, ebenso wie die Verwendung von Honig aus eigener Imkerei.
Weitere Honigspirituosen und Verwendungsmöglichkeiten
Neben den klassischen Varianten gibt es viele weitere honighaltige alkoholische Getränke wie den kanarischen Ronmiel, den kroatischen Gvirc oder den antiken Mulsum. Auch Honigliköre mit Zusatz von Kräutern, Gewürzen und Früchten bieten eine breite Palette.
Feiner Bienenhonig kann auch als Zutat für Rumlikör (z. B. Arehucas Ronmiel), Gin mit Honig oder diverse Spiced Spirits auf Rum- oder Whiskeybasis dienen. Im Mix entstehen attraktive Longdrinks und Cocktails, die besonders in der kalten Jahreszeit als Heißgetränke sehr beliebt sind.
Honiglikör verleiht zudem Süßspeisen und Desserts eine besondere Note und ist ein wunderbares Geschenk, das mit seiner goldgelben Farbe und dem warmen Duft überzeugt.
Praxis-Tipps für die Herstellung und Verwendung von Honigalkoholika
- Honig nie über 40 °C erwärmen, um Enzyme und wertvolle Inhaltsstoffe zu erhalten.
- Das Gefäß während der Reifezeit regelmäßig schütteln, um Aromen zu verteilen.
- Bei Bedarf mit Alkohol und Wasser die Süße und den Alkoholgehalt feinjustieren.
- Gewürze sparsam dosieren und nach Geschmack anpassen.
- Honig mit höherem Wasseranteil kann für Honigbier oder Met ohne Problem genutzt werden.
- Auch Propolis kann dem Honiglikör zur Abrundung beigefügt werden.
- Viele Hobbybrauer lagern Honiglikör längere Zeit in Holzfässern (z. B. Eiche), um komplexe Aromen zu entwickeln.
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