Honig im Kopf – Filmkritik und ausführliches Fazit

Der Film "Honig im Kopf" gehört zu den meistdiskutierten Werken des deutschen Regisseurs und Schauspielers Til Schweiger. Im Zentrum steht die berührende Geschichte des ehemaligen Tierarztes Amandus (gespielt von Dieter Hallervorden), der nach dem Tod seiner Frau mehr und mehr in den Strudel der Alzheimer-Erkrankung gerät. Sein Sohn Niko (Til Schweiger) nimmt ihn bei sich auf, was insbesondere für die elfjährige Enkelin Tilda (Emma Schweiger) eine große Freude bedeutet - für die Schwiegertochter Sarah (Jeanette Hain) hingegen eine zusätzliche Belastung. Schnell eskaliert die Situation, sodass die Idee, Amandus in ein Pflegeheim zu bringen, entsteht. Tilda hat jedoch andere Pläne und begibt sich mit ihrem Opa auf eine abenteuerliche Reise nach Venedig, wo er einst seine Flitterwochen verbrachte.

Filmplakat und Hauptcharaktere von Honig im Kopf

Ernsthaftigkeit und Umgang mit Alzheimer

Schweigers Umgang mit dem Thema Alzheimer ist oberflächlich und dumm. Das Drehbuch umgeht komplett die Realität. Jeder, der privat davon betroffen ist, weiß, dass das hier hochglanzoptik für die Leinwand ist. Til Schweiger und Hilly Martinek, die Autorin des Originaldrehbuchs, beteuern, dass alle Szenen mit Bezug zur Alzheimer-Erkrankung buchstäblich aus dem Leben gegriffen sind und auf persönlichen Erfahrungen beruhen. Und tatsächlich ist das ernsthafte Anliegen, die Krankheit glaubhaft darzustellen, jederzeit zu spüren. So sind die von Tilda aus dem Off beigesteuerten Erklärungen zum richtigen Umgang mit der gefürchteten Demenz einleuchtend und informativ (da nimmt man auch gern in Kauf, dass sie für ein 11-jähriges Mädchen doch deutlich zu clever und abgeklärt ausfallen).

Obwohl der Film an einigen Stellen ehrlich zu Tränen rühren kann - besonders durch Hallervordens realistische Darstellung - bleibt der Umgang mit Alzheimer deutlich hinter dem Realismus anderer Alzheimer-Filme wie „An ihrer Seite“ oder „Still Alice“ zurück. Die „lustigen Momente“ sind lediglich hole Schenkelklopfer mit Witzen über Gurken bei Nonnen und anderem geschmacklosen Zeugs. Für Menschen, die selbst von Alzheimer betroffen sind, wirken viele Szenen schlichtweg wie eine zu schön gefärbte Leinwandrealität.

Symptome und Verlauf von Alzheimer grafisch dargestellt

Schauspielerische Leistungen und Charaktere

Die Hauptrollen sind perfekt besetzt, Dieter Hallervorden ist absolut glaubwürdig und ich finde es einfach nur schön, ihn auch in seriöseren Rollen zu sehen, obwohl ich als Kind seine "Blödel Filme" geliebt habe. Dieter Hallervorden liefert nach seiner mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichneten Darbietung in „Sein letztes Rennen“ eine weitere hervorragende Leistung ab und macht aus Amandus einen willensstarken und eigensinnigen Mann, der mit Humor und Charakter gegen das Vergessen kämpft, ohne die Momente von Resignation und Verlorenheit zu beschönigen. Nicht zu albern und mit viel Würde spielt er den Alzheimerkranken und zeigt so, was für ein toller Schauspieler er ist.

Positiv aufgefallen ist nur Didi und mit Abstrichen E. Schweiger (auch wenn ihre Rolle eindimensional und aufgesetzt rüberkommt). Der Rest des Cast blieb blass. Jeanette Hains („Der Vorleser“) ebenfalls betrogener Sarah wiederum bleiben ähnliche Rachemanöver versagt. Sie fällt dafür mit ihrem hysterischen Unverständnis für den kranken Amandus („Er hat meine Hecke ruiniert“) unangenehm auf, ehe sie unerwartet handzahm wird und am Ende sogar bereit ist, ihren Job aufzugeben (was für den Herrn des Hauses gar nicht erst in Frage kommt).

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Porträt Dieter Hallervorden als Amandus

Regie, Drehbuch und typische Schweiger-Formel

In den Tagen und Wochen vor dem Kinostart seines neuesten Werks hat Superstar Til Schweiger wieder kräftig die Werbetrommel gerührt. Und so wenig überraschend wie diese inzwischen vertraute Vermarktungsstrategie fällt dann auch der fertige Film aus: Obwohl Schweiger sich mit „Honig im Kopf“ an einem ernsten Thema versucht, folgt er erneut der Erfolgsformel von „Keinohrhasen“, „Kokowääh“ und ihren jeweiligen Fortsetzungen.

Es wäre besser, wenn Til Schweiger nicht alle Schlüsselpositionen (Regisseur, Produzent, Drehbuchautor, Schauspieler) selbst bekleiden würde. Schweiger ignoriert konsequent die Kritiker seiner letzten Filme, da er die selben dummen Fehler gemacht hat, die er schon bei seinen letzten Filmen zeigte. Seine eigene Rolle bleibt komplett ohne Konturen - dieser Niko zeigt nur Leben als er einem Nebenbuhler (Gastauftritt: Jan Josef Liefers) die Fresse poliert.

Mögliche Fehler der typischen Schweiger-Inszenierung

Große Schwächen: Musik, Länge und Konstruktion

Der Film ist unnötig lang, wodurch er an vielen Stellen langweilig und einige Szenen unnötig wirken. Zu viele kitschige Popsongs, die Handlung wirkt arg konstruiert und unlogisch. Die ständige Popmusik ist unfassbar nervig, das hätte der Film, vor allem bei der ernsten Thematik nicht gebraucht. Und dann natürlich Schweigers Schauspielkunst selbst: der Mimikverweigerer, der jeden Satz runternuschelt, zeigt auch hier wieder stolz, warum er der am meist überschätzte Schauspieler Deutschlands ist.

Mit 138min ist der Film auch zu lang ausgefallen, was nicht heißt, dass viel passiert oder man viel über Alzheimer lernt. Schöne Bilder, gefühlige Musik, Humor und Emotionalität werden erneut in hemmungslosen Dosen verabreicht, doch die typische Schweigersche Familienkomödie verträgt sich nicht sonderlich gut mit der ambitionierten Alzheimer-Studie. Die Nebenfiguren und Konflikte sind bestenfalls rudimentär ausgearbeitet.

Storyboard mit ausgewählten Filmszenen und Popsong-Einsatz

Handlung und emotionale Momente

Eine turbulente Reise beginnt... Wie Emma Schweiger, die hier nach „Kokowääh“ (1 und 2) zum dritten Mal eine Hauptrolle für ihren Vater spielt, geduldig nachfragt, sich alte Geschichten erzählen lässt und ihrem Film-Opa das Gefühl gibt, gebraucht zu werden, ist immer wieder rührend. So muss Emma Schweiger den lange gefürchteten Augenblick, in dem Tilda von ihrem Opa nicht mehr erkannt wird, durchnässt von einem Vollbad in der Lagune bewältigen (nach einer ebenso hektischen wie überflüssigen Actioneinlage) und hat zudem in der zu knapp bemessenen Zeit kaum eine Chance, einen der Situation angemessenen Ausdruck zu erzielen.

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Die Tränen wirken deshalb nicht nur in dieser Szene zwar ehrlich gemeint, aber dennoch aufgesetzt. Neben emotionalen Momenten gibt es eine Reihe von Szenen, die lediglich klischeehaft und konstruiert erscheinen - etwa die Autofahrten, Blechschäden und unnötige Szenen im Nonnenkloster. Die Bemühungen der Darstellerkollegen um Wahrhaftigkeit werden vom Regisseur immer wieder unterlaufen.

Filmsequenz: Reise nach Venedig, emotionale Momente

Tabelle: Pro und Kontra von "Honig im Kopf"

Pro Kontra
Dieter Hallervorden spielt authentisch & berührend Thema Alzheimer oberflächlich umgesetzt
Beeindruckende Bilder und starke Momente Film unnötig lang & mit vielen überflüssigen Szenen
Einzelne emotionale Sequenzen Kitschige und störende Popsongs
Rührende Beziehungen zwischen Tilda und Opa Handlung wirkt konstruiert und wenig realistisch
Einige humorvolle Momente Schweiger in zu vielen Schlüsselpositionen

Online-Bewertungen und Marketing

Ein Blick auf die User-Wertungen hat mich jetzt spontan dazu veranlasst, auch eine kurze Bewertung zum Film abzugeben. Denn der Til ist ein ganz ausgefuchster Jung, und lässt die gesammelte Fake-Account-PR-Horde hier antanzen, um seinen Film zu pushen. Und das so plump, dass ich nur noch den Kopf schütteln kann. Es ist natürlich völlig legitim, einer potenziell hoffnungslosen Situation optimistisch begegnen zu wollen und sie mit ein wenig Kinomagie und Humor abzufedern - aber wenn der Opa mit einer Schusswaffe hantiert oder begleitet von der Enkelin eine haarsträubende Autofahrt mit reichlich Blechschaden unternimmt, dann kommt der lebensgefährliche Ernst der Lage einfach zu kurz.

Online-Kritiken und Wertungen zu Honig im Kopf

Fazit: Kinderkino mit Alzheimer-Light-Zutat

Fazit: "Honig im Kopf" ist in erster Linie wie gemacht für junge Teenager. Der Film hätte ein Meisterwerk werden können, da er im Wechsel sehr bewegend und lustig ist. Leider ist der Film kein Meisterwerk, weil das Gesamtwerk durch alberne Elemente einen negativen Gesamteindruck hinterlässt. Die 1 1/2 Sterne gibt es ganz alleine für Dieter Hallervorden. Einfach nur klasse... und herzzereissend (Y). Nach diesen ganzen offensichtlichen Fake-5-Sterne-Wertungen hier (von neuen Usern mit Erst-Wertungen) mal eine ernste Kritik: Die schauspielerischen Leistungen von Didi Hallervorden, Emma Schweiger und auch von Til Schweiger sind sehr gut, aber das Drehbuch und die insgesamt zu bemühten, überlangen, humorvollen und musikalisch kitschigen Elemente verhindern, dass aus "Honig im Kopf" ein ernsthaftes, nachhaltiges Drama über Alzheimer wird.

Szene: Tilda mit Opa - emotionale Beziehung

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