Honigproduktion und Vermarktung: Wirtschaftliche Aspekte, Bedeutung und Herausforderungen
Honig ist nicht nur eines der ältesten Nahrungsmittel der Menschheit, sondern stellt heute einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor und Ökosystemdienst dar. Die Honiggewinnung und -vermarktung unterliegt in Deutschland und Österreich vielfältigen Herausforderungen und Entwicklungen, die sowohl ökonomische als auch ökologische und gesellschaftliche Aspekte umfassen.
In diesem Beitrag analysieren wir außerordentlich detailliert die aktuelle Honigproduktion in Deutschland und Österreich, beleuchten deren wirtschaftliche Bedeutung durch Bestäubungsleistungen, gehen auf die Herausforderungen der Vermarktung ein und werfen einen Blick auf innovative Initiativen sowie gesetzliche Entwicklungen.
Honigproduktion in Deutschland: Zahlen und Trends
Laut aktueller Erhebung wurden im Jahr 2025 deutschlandweit rund 976.400 Bienenvölker gehalten - eine Abnahme um fast vier Prozent zum Vorjahr. Die Honigerzeugung hingegen stieg deutlich an. Dies lässt sich auf den hohen durchschnittlichen Honigertrag pro Volk von 39,4 Kilogramm zurückführen. Damit übertraf der Ertrag je Volk das bisherige Rekordjahr 2023 mit 36,3 Kilogramm um 3,1 Kilogramm. Grund dafür waren günstige Witterungsverhältnisse.
Die Honigerzeugung in Deutschland insgesamt belief sich 2025 auf rund 38.600 Tonnen. Im Vergleich der Bundesländer verzeichnete Bayern mit etwa 7.790 Tonnen die höchste Produktionsmenge, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit circa 7.240 Tonnen.
Der Honigverbrauch in Deutschland lag 2025 laut vorläufigen Zahlen bei 86.700 Tonnen. Dies entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von 1.038 Gramm. Nach vorläufigen Angaben importierte Deutschland 2025 rund 67.700 Tonnen Honig und exportierte 19.600 Tonnen. Die mengenmäßig wichtigsten Herkunftsländer für Honig waren Argentinien (18 Prozent), Ukraine (15 Prozent), Chile (9 Prozent) und Mexiko (8 Prozent).
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Herausforderungen und Schädlinge
Nach wie vor ist die Varroamilbe weltweit der bedeutendste Parasit der Westlichen Honigbiene. Allerdings ist die Asiatische Hornisse ebenfalls ein bekannter und bedeutender Schädling. Eine Bekämpfungspflicht bestand bisher gemäß Artikel 16 der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 als invasive Art auf EU-Ebene, da die Arten als zweitgrößte Gefahr für die Biodiversität gelten. Die Dunkelziffer der vorhandenen Nester wird, sowohl seitens Naturschutz als auch seitens der Imkerinnen und Imker, hoch eingeschätzt. Mittlerweile erfolgte eine Umstufung. Belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse, inwieweit die Asiatische Hornisse eine besondere Gefährdung für die menschliche Gesundheit darstellt oder in welchem Umfang sie Einfluss auf die Erträge oder den generellen Bestand von Bienenstöcken hat, liegen bisher nicht vor.
Wirtschaftlicher Wert der Bestäubung und Bienenprodukte
Die volkswirtschaftliche Leistung der Imkerei in Deutschland beträgt jährlich insgesamt etwa 1,7 Milliarden Euro. Allein mit ihrer Bestäubungsarbeit erwirtschaften die Insekten schätzungsweise rund 1,6 Milliarden Euro pro Jahr. Diese Zahl ist dreizehnmal so hoch wie die Wertschöpfung der Honig- und Bienenwachsproduktion, die bei rund 120 Millionen Euro liegt. Ohne Insektenbestäubung wären die im Anbau erzielten Erlöse im Schnitt 41 Prozent geringer, allerdings mit großen Abweichungen.
Grund dafür ist: Die verschiedenen Kulturen sind mehr oder weniger stark auf eine Insektenbestäubung angewiesen. Während es bei Äpfeln, Birnen, Kirschen oder Pflaumen durchschnittlich 65 Prozent mehr Ertrag gibt, wenn ihre Blüten von Insekten bestäubt werden, sind es bei Raps, Sonnenblumen, Soja oder Ackerbohnen 25 Prozent und bei Gemüse im Schnitt 42 Prozent. Je nach Gemüsesorte variiert dieser Wert zwischen fünf Prozent bei Bohnen, Paprika und Tomaten und 95 Prozent bei Kürbis und Zucchini.
| Kulturpflanze | Ertragssteigerung durch Bestäubung |
|---|---|
| Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen | 65% |
| Raps, Sonnenblumen, Soja, Ackerbohnen | 25% |
| Gemüse (Durchschnitt) | 42% |
| Bohnen, Paprika, Tomaten | 5% |
| Kürbis, Zucchini | 95% |
Historische Entwicklung und Methoden der Honiggewinnung
Die Ausbeutung wild lebender Bienenvölker durch den Menschen reicht bis zu den Anfängen der Menschheitsgeschichte zurück. Als bisher älteste Darstellung gilt eine circa 12.000 Jahre alte Felsmalerei in den Höhlen von Arana bei Bicorp (Valencia, Spanien).
Für Österreich ist die Bienenzucht seit über 1000 Jahren dokumentiert. Die ersten schriftlichen Zeugnisse über die Bienenzucht im heutigen Österreich stammen aus dem 8. Jahrhundert nach Christus. In der Stiftungsurkunde des Klosters Mondsee in Oberösterreich ist eine Schenkung des Bayernherzogs Odilo verzeichnet, in der auch vier Zeidler (cidlarios) angeführt sind. Die Zeit der Reformation, beginnende Zuckerimporte aus Überseekolonien und schließlich im 17. Jahrhundert der Dreißigjährige Krieg brachten die einst blühende Imkerei zum Erliegen.
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Ein wesentlicher Impuls für die Modernisierung der Imkerei folgte wenig später mit der Erfindung der Honigschleuder durch den k.k. Major Emil von Hruschka (1819-1888). Das Honigernteverfahren widerspiegelt die Struktur der Bienenhaltung. Die Bienen werden schonend von den Waben entfernt. Beim Entnehmen der Honigwaben werden die Bienen durch händisches Abklopfen oder Abkehren (Besen oder Geflügelfeder) von den Waben entfernt. Eine weitere Erntemethode ist der Einsatz der „Bienenflucht“. Der Honig wird sorgfältig durch Zentrifugieren in Honigschleudern geerntet. Der geschleuderte Honig durchläuft unmittelbar danach ein Doppelsieb, um Wachsteile abzufangen. Anschließend wird er in Edelstahlgefäßen gelagert.
Produkte der Imkerei und deren Besonderheiten
- Blütenhonig, Akazienhonig, Alpenrosenhonig, Lindenblütenhonig, Kastanienhonig, Waldhonig sowie weitere Spezialitäten
- Bienenwachs: Ein bedeutendes Nebenprodukt, Verwendung als Rohstoff für die Herstellung von Kerzen, Kosmetik oder in der Pharmaindustrie
- Gelèe Royale, Propolis und Blütenpollen: Nebenprodukte mit besonderem gesundheitlichem Wert, z.B. in der Apitherapie
- Bienengift: Anwendung in der Medizin
Der durchschnittliche Honigertrag liegt in Deutschland bei ca. 39,4 kg pro Volk. Je nach Trachtherkunft kann die Honigfarbe von wasserklar (z.B. Robinienhonig) oder fast weiß (z.B. Rapshonig) bis fast schwarz (z.B. Waldhonig) variieren und der Geschmack von mild bis sehr herb.
Honigvermarktung: Wege, Probleme und Perspektiven
Honig wird meist direkt ab Hof an die Konsumenten vertrieben. Größere Nebenerwerbs- und Erwerbsbetriebe beliefern vorrangig den Handel. Vor allem die Vermarktung über den Handel stellt die Imkereibranche vor große Herausforderungen. Der Absatzanteil von inländischem Honig im Handel beträgt nur 24,2 Prozent. Der Rest kommt aus dem Ausland.
Für die Konsumenten ist bislang die Herkunft des Honigs auch nicht klar erkennbar. Auf dem Etikett steht bei der Herkunft beispielsweise „Mischung von Honigen aus EU und Nicht EU Ländern“. Die Herkunft des Honigs ist für viele Verbraucher ein wichtiger Faktor bei ihrer Kaufentscheidung basierend auf persönlichen Präferenzen, ethischen Überlegungen und Qualitätserwartungen.
Eine verbesserte Herkunftskennzeichnung von Honig kann dazu beitragen, die Transparenz, Verbraucherinformation und Qualität in der Honigindustrie zu fördern, während sie gleichzeitig lokale Produzenten unterstützt und bewusstes Einkaufen erleichtert. Dies soll mit der Änderung der EU-Honigrichtlinie 2001/110, die durch die Mitgliedstaaten bis zum 14. Dezember 2025 in nationales Recht umzusetzen ist, geschehen. Die Vorschriften gelten dann ab dem 14. Juni 2026.
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Importhonig: Analyse und Bedeutung
Deutschland kann seinen Honigbedarf nicht aus eigener Produktion decken. 70 Prozent des Honigs in deutschen Regalen stammen aus Importen. Importhonig sichert die Versorgung, schafft globale Partnerschaften, bringt Vielfalt ins Glas und ist ebenfalls Imkerhonig, nur nicht vom Imker „nebenan“ - sondern von Imkereien weltweit. Gleichzeitig unterliegt er denselben strengen Qualitätsstandards wie heimischer Honig.
Moderne Analyseverfahren zur Überprüfung der Authentizität können zusätzliche Sicherheit schaffen, sollten aber vor dem Einsatz stets wissenschaftlich fundiert überprüft und transparent gemacht werden. Ein Beispiel hierfür ist die DNA-Analyse, die all diese notwendigen Voraussetzungen zum jetzigen Zeitpunkt nicht erfüllt. Die DNA-Profile von Honig sind nicht standardisiert. Nachweis interlaboratorischer Reproduzierbarkeit (sog. Ringversuche) fehlt. Der Honig-Verband unterstützt die Weiterentwicklung der DNA-Analyse ausdrücklich - aber auf wissenschaftlicher Basis. Importhonig bringt eine einzigartige Vielfalt in die Regale: von mild-blumigen Sorten bis hin zu kräftigwürzigen Aromen.
Sorten wie Manuka-, Orangenblüten- oder Eukalyptushonig sind in Deutschland nicht produzierbar, erfreuen sich jedoch besonderer Beliebtheit bei den Verbraucher:innen. Diese Vielfalt ist ein Gewinn für Verbraucher:innen: Sie profitieren ganzjährig von einer großen Auswahl und stabilen Preisen.
Innovative Vermarktungsplattform - Beispiel Honigtreu
Honigtreu ist eine Genossenschaft von Bioland-Imkereien aus Berlin und Brandenburg, die seit ihrer Gründung im Jahr 2023 sechs erfahrene Imkereien vereint. Die Bienenvölker der Mitglieder stehen an verschiedenen Standorten in der Lausitz, dem Havelland, Berlin, dem Barnimer Land und der Feldberger Seenlandschaft. Statt auf weite Wanderungen zu setzen, arbeiten die Imkereien bewusst standortnah.
Die Prinzipien von Honigtreu sind klar und konsequent: Es kommt ausschließlich eigener Honig ins Glas, jede Charge bleibt ein unverfälschtes Unikat und wird auf dem Glas mit der jeweiligen Imkerei ausgezeichnet. Eine Mischung von Chargen findet nicht statt. Transparenz wird großgeschrieben: Alle Produkte sind bis zur jeweiligen Imkerei zurückverfolgbar. Honigtreu steht für regionales Erleben - kein anonymes Sortenprodukt, sondern authentische Honigvielfalt. Die Genossenschaft bietet verschiedene Honig-Abos an, mit denen Kunden bequem und regelmäßig Bio-Honig direkt vom Imker erhalten können.
Während einzelne Imkereien oft mit den Herausforderungen der Vermarktung kämpfen, schafft Honigtreu eine gemeinsame Plattform. So können die Betriebe ihre Kräfte bündeln, Synergien nutzen und zugleich ihre Eigenheiten bewahren. Die Vision von Honigtreu ist klar: Faire Strukturen für Imker schaffen, den Schutz der Kulturlandschaften fördern und das Bewusstsein für Qualität über Quantität stärken.
Bestäubungsleistung: Grundlage für Ernte, Vielfalt und Zukunft
Bestäubung zählt zu den wichtigsten Ökosystemdiensten unserer Zeit. Honigbienen sichern Erträge in Landwirtschaft und Gartenbau, stabilisieren Ökosysteme und verbessern die Qualität zahlreicher Kulturen. Rund 80 % der heimischen Blütenpflanzen sind auf Bestäubung durch Insekten angewiesen - ein Großteil davon wird von Honigbienen übernommen (Umweltbundesamt).
Honigbienen steigern Erträge und sichern die Qualität der Ernte. Der ökonomische Wert der Bestäubungsleistung durch Honigbienen übertrifft den Wert der Honigproduktion um ein Vielfaches. Schätzungen gehen allein für Deutschland von einem jährlichen volkswirtschaftlichen Nutzen in Milliardenhöhe aus (Julius Kühn-Institut).
Studien der Welternährungsorganisation (FAO) und des Julius Kühn-Instituts zeigen, dass die wirtschaftliche Bedeutung der Bestäubung weltweit auf mehrere hundert Milliarden US-Dollar jährlich geschätzt wird. Honigbienen sind dabei die wichtigste Einzelart unter den Bestäubern (BMEL - Bedeutung der Bestäubung).
Regionale Besonderheiten: Österreich im Überblick
Etwa 30.000 Imkerinnen und Imker sichern in Österreich mit etwa 400.000 Bienenvölkern die Bestäubung der Wild- und landwirtschaftlichen Nutzpflanzen. Die jährlichen Produktionsmengen an Honig schwanken zwischen 4.000 und 7.000 Tonnen. Der Selbstversorgungsgrad liegt zwischen 40 Prozent und 60 Prozent.
Die Haupthonigproduktionsgebiete liegen in den Ackerbaugebieten im Osten und Südosten Österreichs. Die Frühtracht besteht hier aus Obstblüte und Rapshonig. Danach folgt die Blüte der Robinie gefolgt von Sommer- und Winterlinde. Ebenso wichtig ist der Waldhonig, dessen Grundsubstanz, der Honigtau, vor allem an Fichten und Tannen produziert und von den Bienen gesammelt wird. In den wärmebegünstigten Lagen vor allem im Südosten der Steiermark wird eine besondere Honigspezialität geerntet: Honig von der Edelkastanie.
Honigqualität, Analyse und Verbraucherpräferenzen
Der Honig muss die Qualitätsnorm für Honig des Codex Alimentarius Austriacus und der Honigverordnung (BGBL.II Nr. 166/2004) erfüllen. Auch der Zeitpunkt der Kristallisation ist herkunftsbedingt. Die botanische und geografische Herkunft eines Honigs wird mittels mikroskopischer Pollenanalyse bestimmt.
Honig besitzt antibakterielle Eigenschaften aufgrund seiner Zusammensetzung als gesättigte Zuckerlösung, seines sauren pH-Wertes und Inhibinen. Um Enzyme und Inhibine zu erhalten, soll Honig zwecks Verflüssigung nicht lange über 45 °C erwärmt werden. Für eine Sortenangabe auf dem Honiggals müssen allerdings auch die chemisch-physikalischen und organoleptischen Merkmale des Honigs trachttypisch sein (siehe Qualitätsuntersuchung).
Honig als Kulturgut und ökologisches Symbol
Honig ist mehr als ein Lebensmittel - er ist Kulturgut, Naturprodukt und ein Symbol für Nachhaltigkeit. Die Bienenvölker sorgen nicht nur für die Produktion von Honig, sondern auch für die Bestäubung von Millionen Nutz- und Wildpflanzen und liefern damit einen unersetzlichen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt.
Zusätzlicher Nutzen und Engagement für den Bienenschutz
Kleine Taten mit großer Wirkung: Jede bienenfreundliche Pflanze - ob Staude, Strauch oder Baum - trägt dazu bei, dass Bienen Nahrung finden und ihre wichtige Arbeit fortsetzen können. Insbesondere auch im eigenen Garten oder auf dem Balkon kann Biodiversität aktiv unterstützt werden.
- Bienenpatenschaften: Privatpersonen oder Unternehmen können mit einer Patenschaft den Bienenschutz aktiv fördern.
- Schwarmfang: Ansprechpartner und professionelle Hilfe bei Bienenschwärmen.
- Imkerei erleben: Führungen und Informationsveranstaltungen stärken das Bewusstsein für die Bedeutung von Bienen und deren Schutz.
Der Bestäubungsnutzen der Honigbienen wurde durch den Lehrer Christian Conrad Sprengel erkannt. In seinem 1793 veröffentlichten Buch "Das entdeckte Geheimnis der Natur bei der Befruchtung der Blumen" forderte Sprengel deshalb, dass "der Staat ein stehendes Heer von Bienen" haben müsste.
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