Was ist Honigtau von Blattläusen? Detailliertes Wissen über Entstehung, Bedeutung und Nutzung
Honigtau ist eine klare, klebrige Flüssigkeit, die auf den Blättern, Stängeln und Trieben von Pflanzen zu finden ist. Das besondere daran: Er entsteht nicht durch die Pflanzen selbst, sondern ist ein Abfallprodukt - genauer die zuckerhaltige Ausscheidung - von saugenden Insekten wie Blattläusen, Schildläusen, Blattflöhen, Zikaden und der Weißen Fliege. Am bekanntesten und bedeutendsten als „Honigtauerzeuger“ sind die Blattläuse.
Wie entsteht Honigtau?
Mit ihren Saugrüsseln stechen Blattläuse die Leitungsbahnen (Siebröhren, Phloem) von Pflanzen an, in denen diese ihre Nährstoffe transportieren. Da dort der Saft unter hohem Druck steht, müssen die Blattläuse im eigentlichen Sinne nicht saugen, sondern nehmen den Saft auf bequeme Art passiv auf. Pflanzensaft ist reich an Zucker und enthält nur wenig Aminosäuren und andere stickstoffhaltige Verbindungen, die für die Blattläuse aber lebenswichtig sind. Daher müssen sie enorme Mengen Saft aufnehmen, um den Bedarf an Aminosäuren zu decken.
Den überschüssigen Zucker und das Wasser, das sie nicht verwerten können, scheiden die Insekten als Honigtau aus. Der zuckerhaltige, flüssige Honigtau wird rektal ausgeschieden. Das ausgeschiedene Tröpfchen bleibt oft am Körper der Insekten hängen oder wird abgespritzt. Dieser Honigtau lagert sich dann als glänzende, klebrige Schicht auf den Blättern und Stängeln ab.
Zusammensetzung und Eigenschaften von Honigtau
Honigtau ist klar wie Tau und klebrig wie Honig, wodurch sich auch der Name der Flüssigkeit ableitet. Die Hauptbestandteile sind verschiedene Zucker: Rohrzucker (Saccharose), Fruchtzucker (Fructose) und Traubenzucker (Glucose). Daneben finden sich Aminosäuren, Mineralstoffe, Spurenelemente, Ameisensäure, Zitronensäure und sogar Vitamine. Der Wasseranteil kann rasch durch Verdunstung sinken, sodass sich die Zuckerkonzentration (bis zu 95%) weiter erhöht - deutlich mehr als im Blütennektar.
Auch weitere Zucker wie Maltose, Trehalose, Melezitose, Raffinose sowie Oligosaccharide kommen vor, abhängig von Insekten- und Pflanzenart. Melezitose, Raffinose und L2 sind beispielsweise in Fichten- und Tannenhonigen besonders stark vertreten. In geringeren Mengen enthält Honigtau auch andere Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralien oder sogar pflanzenspezifische Sekundärstoffe.
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| Hauptbestandteile | Honigtau (%) | Blütennektar (%) |
|---|---|---|
| Saccharose | 30-60 | 20-45 |
| Fructose | 10-25 | 25-40 |
| Glucose | 10-20 | 20-40 |
| Weitere Zucker | 5-25 | 5-15 |
Welche Insekten produzieren Honigtau?
Blattläuse (Aphidina) sind die wichtigsten und bekanntesten Produzenten von Honigtau. Auch Schildläuse (Coccina, insbesondere die Napfschildläuse = Lecanien), Zikaden (Auchenorrhyncha) und Blattflöhe tragen zur Honigtauproduktion bei. Sogar die aus Amerika stammende Reblaus war einst für eine Katastrophe im europäischen Weinbau verantwortlich. Für die Honigproduktion sind jedoch Blattläuse von besonderem Interesse, da sie große Mengen Honigtau liefern.
Die meisten Blattlausarten werden nach ihren Wirtspflanzen benannt: Rosenblattlaus, Grüne Pfirsichblattlaus, Gefleckte Kartoffelblattlaus oder Schwarze Bohnenlaus. Aber auch die Weiße Fliege sowie bestimmte Zikaden können als Honigtauquelle dienen.
Auswirkungen und Kreislauf: Interaktionen mit anderen Organismen
Honigtau lockt eine Vielzahl von Lebewesen an. Ameisen zum Beispiel nutzen ihn als Nahrung und gehen mit den Läusen eine enge Form der Symbiose ein: Sie "melken" die Blattläuse, indem sie sie mit ihren Fühlern „betrillern“ und so zur Ausscheidung von Honigtau animieren. Im Gegenzug beschützen Ameisen die Blattlauskolonien vor Fressfeinden wie Marienkäfer- oder Florfliegenlarven und sorgen sogar für den Transport der Läuse zu neuen Weidegründen.
Auch Bienen, Schwebfliegen und Florfliegen nehmen den süßen Honigtau gern auf. In Wäldern werden riesige Mengen Honigtau produziert - Bienen sammeln ihn und erzeugen daraus den begehrten, dunklen und würzigen Waldhonig. Für viele Pilzarten, insbesondere Rußtaupilze, bildet Honigtau einen ausgezeichneten Nährboden. Diese besiedeln den zuckerhaltigen Belag auf den Blättern, bilden einen schwarzen Film und behindern die Photosynthese der Pflanzen.
Ökologische Bedeutung von Honigtau
- Wichtige Nahrungsquelle für Ameisen, Bienen, Wespen, Schwebfliegen und Florfliegen
- Grundlage für Waldhonig, ein beliebtes Bienenprodukt
- Verursacht Ansiedlung von Schwärze- und Rußtaupilzen (Capnodiales)
- Beschleunigt symbiotische Beziehungen ("Trophobiose") zwischen Blattläusen und Ameisen
Honigtau und Pflanzen - Schaden oder Nutzen?
Honigtau selbst ist nicht direkt giftig für die Pflanzen. Die eigentliche Gefahr liegt darin, dass auf dem zuckerhaltigen Belag Pilze, insbesondere Rußtau, wachsen, die die Blätter schwärzen und die Lichtaufnahme blockieren. Die Folge: Weniger Photosynthese - die wichtigsten Lebensvorgänge der Pflanzen werden gestört, sie wachsen langsamer oder verkümmern sogar. Beschädigt wird dabei meist das Pflanzengewebe nicht direkt von den Pilzen, sondern durch Lichtmangel.
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Das Phänomen kennt jeder, der sein Auto oder Fahrrad im Sommer unter Linden oder Ahorn parkt: Schon nach wenigen Stunden bedeckt eine klebrige Schicht den Lack - es handelt sich dabei um herabtropfenden Honigtau. Insbesondere Linden und Eichen sind im Sommer Honigtau-„Hotspots“, weil sich hier die Blattlauspopulation explodieren kann.
Honigtau vs. Guttation
Viele Pflanzenbesitzer verwechseln Honigtau mit Guttation - dem natürlichen Wasserausstoß der Pflanzen an den Blatträndern oder Blattspitzen bei hoher Luftfeuchtigkeit. Der Unterschied: Guttationstropfen sind klar, geruchlos und nicht klebrig.
Honigtauhonig (Waldhonig): Vom Ausscheidungsprodukt zum Delikatesshonig
Bienen sammeln Honigtau (besonders im Spätsommer und Herbst) von Nadelhölzern und Laubbäumen im Wald. Im Bienenstock verarbeiten sie ihn - wie Blütennektar - zu Honig. Honigtauhonige sind meist rotbraun bis dunkelbraun, kräftig-aromatisch und enthalten einige spezielle Zuckerarten und Mineralstoffe, die Blütenhonig fehlen. Aufgrund ihrer Seltenheit sind sie besonders begehrt und teuer.
Sorten wie Fichten-, Tannen-, Pinien-, oder Eichenhonig sind typische Vertreter von Honigtauhonigen (Waldhonig). Sie unterscheiden sich hinsichtlich Zuckerzusammensetzung, Mineralstoffgehalt, Aroma und Farbe deutlich von Blütenhonigen. Melezitose, Raffinose und weitere Oligosaccharide sind charakteristische „Honigtauelemente“.
Praktischer Umgang: Wie lässt sich Honigtau auf Pflanzen bekämpfen?
Honigtau lässt sich auf Pflanzen nicht direkt bekämpfen - hier ist das Ziel, die verursachenden Schädlinge zu entfernen. Dazu gehören mechanische Methoden (kräftiges Abduschen mit Wasser, Abwischen), natürliche Feinde (z.B. Marienkäferlarven, Florfliegen, Schwebfliegen), biologische Pflanzenschutzmittel (Kaliseifenlösung, Neemöl, Rapsöl) oder ggf. chemische Pflanzenschutzmittel. Wichtig bleibt: Starke und gesunde Pflanzen sind weniger anfällig. Der Belag lässt sich gut mit lauwarmem Wasser von den Blättern abwaschen.
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- Pflanzen regelmäßig auf Schädlinge und Ameisenstraßen kontrollieren
- Bei massivem Lausbefall Nützlinge fördern oder gezielt absprühen
- Neuzugänge in „Quarantäne“ halten, um Ausbreitung zu verhindern
- Blätter sauber halten, regelmäßig reinigen
Wussten Sie schon…? Interessante Fakten rund um Honigtau und Blattläuse
- Honigtauproduktion ist im Sommer in Wäldern so hoch, dass pro 10.000 m² Fläche bis zu 400 Liter Honigtau täglich produziert werden.
- Blattläuse können sich explosionsartig vermehren: Ein Weibchen bringt täglich bis zu fünf Klone hervor.
- Ameisen „melken“ Blattläuse, indem sie sie mit ihren Fühlern massieren.
- Honigtauhonig enthält oft mehr Mineralstoffe als Blütenhonig und bleibt lange flüssig.
- Bestimmte Sorten von Waldhonig (Honigtauhonig) sind in Europa sehr begehrt und erzielen hohe Preise.
Honigtau ist somit mehr als nur ein Nebenprodukt - er ist Teil eines komplexen ökologischen Netzwerks und Grundlage für besondere Honigsorten, aber auch ein Thema für Pflanzenfreunde im Alltag.
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