Honig im Kopf: Filmhandlung, Darstellung von Alzheimer und seine Bedeutung

„Honig im Kopf“ erzählt die Geschichte der ganz besonderen Liebe zwischen der elfjährigen Tilda und ihrem Großvater Amandus Rosenbach. Das humorvolle, geschätzte Familienoberhaupt wird zunehmend vergesslich und kommt mit dem alltäglichen Leben im Hause seines Sohnes Niko nicht mehr alleine klar. Obwohl es Niko das Herz bricht, muss er bald einsehen, dass für Amandus der Weg in ein Heim unausweichlich ist. Doch Tilda will sich auf keinen Fall damit abfinden.

Handlung: Vom Alltag ins Roadmovie

Nachdem die Frau von Amandus Rosenbach gestorben ist und die Trauergäste bei seiner Rede merken, dass etwas im Kopf des Seniors nicht mehr ganz richtig funktioniert, zieht er zur Freude seiner Enkelin Tilda zu seinem Sohn Niko und dessen Gattin Sarah. Auf Drängen seines Sohnes Niko zieht Amandus in dessen Haus nahe Hamburg.

Schnell kommt es im Haus wegen Amandus’ geistigem Zustand zu mehreren kritischen Situationen; u. a. verursacht er bei dem Versuch, einen Kuchen zu backen, beinahe einen Küchenbrand. In seinen „Didi“-Rollen glänzte Hallervorden mit einer Naivität, die eine quasi subversive Wirkung hatte, in Honig im Kopf gelingt es ihm, auch die innere Leere seiner Figur zu transportieren. Nach einer zersägten Gartenhecke und einem gerade noch verhinderten Brand wird Niko und Sarah klar, dass Amandus professioneller Pflege bedarf.

Als Niko, Tildas Vater, beschließt, dass es besser wäre, wenn Amandus in einem Pflegeheim lebt, will sich Tilda damit auf keinen Fall abfinden. Kurzerhand entführt sie ihren Großvater auf eine erlebnisreiche und unvergessliche Reise, um ihm seinen größten Wunsch zu erfüllen: Noch einmal Venedig sehen! Die beiden machen sich heimlich auf den Weg; der Reisebeginn per Auto endet nach wenigen Kilometern mit einem glimpflich verlaufenden Unfall, als Amandus eine rote Ampel ignoriert.

Per Zug geht es bis Bozen, dort verlässt Amandus auf der Suche nach einer Toilette versehentlich den Zug. Seine Enkelin zieht die Notbremse und versteckt sich mit Amandus auf der Bahnhofstoilette, bis die sie verfolgenden Polizisten die Suche aufgegeben haben. Abends werden sie von der Reinigungskraft Erdal gefunden; er vermittelt den beiden eine Weiterfahrt nach Venedig per Schaftransporter. Als dieser von der Polizei angehalten wird, können Amandus und Tilda noch rechtzeitig vor ihrer Entdeckung von der Ladefläche fliehen. Sie finden Unterschlupf in einem Kloster. Die Oberin ist von der Geschichte der beiden so gerührt, dass sie Amandus und Tilda bis nach Venedig fährt.

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Tilda findet ihn am nächsten Morgen auf der Bank wieder, auf der Amandus vor vielen Jahren mit seiner Frau Margarethe gesessen hat. Seine Krankheit ist nun so weit fortgeschritten, dass er Tilda nicht mehr als seine Enkelin und „kleine Prinzessin“ erkennt. In diesem Moment werden die beiden von Niko und Sarah gefunden. Sarah beschließt, ihren Job aufzugeben, um mehr Zeit für die Pflege von Amandus zu haben. Die Ehe von Niko und Sarah ist gerettet, Sarah wird neun Monate nach dem Venedigbesuch Mutter eines Jungen, der nach seinem kranken Großvater benannt wird. Amandus erfährt noch eine glückliche Zeit mit seiner Familie, bis er in Tildas Beisein an Herzversagen stirbt.

Venedig-Szene: Opa und Enkelin auf einer Bank

Figuren und schauspielerische Leistungen

Der ehemalige Landarzt Amandus, der Vater von Niko, hat Alzheimer. Dieter Hallervorden prägt die Figur des Amandus mit Präzision und Zurückhaltung. Was dieser als Komiker berühmt gewordene Mann für ein brillanter Schauspieler in ernsten Rollen ist, zeichnete sich in Grundzügen bereits 1970 in Das Millionenspiel ab. Es ist sicher hilfreich, dass Amandus Rosenbach der bestgeschriebene Charakter ist, der jemals für einen Schweiger-Film erfunden wurde, aber wie Hallervorden die Rolle zum Leben erweckt, ist kaum in Worte zu fassen.

Die elfjährige Tilda hat ihren Großvater schon immer ganz besonders liebgehabt. Es ist unmöglich, beim Anblick Emma Schweigers als Tilda nicht berührt zu sein. Ihr offenes und herzliches Wesen bestimmen den Film, der geschickt die Balance zwischen tragischen und komischen Momenten hält. Emma Schweigers Darstellung verleiht Tilda eine kindliche Hartnäckigkeit, die den Film trägt.

Til Schweiger selbst spielt Tildas Vater Niko, setzt aber die Rolle der Eltern ganz uneitel in den Hintergrund und überlässt seiner Tochter und Dieter Hallervorden die Bühne. Wie immer kann Til Schweiger auf ein starbesetztes und spielfreudiges Ensemble setzen, wo jeder seine Rolle mit Überzeugung und großer Lust verkörpert.

Porträt Amandus: Dieter Hallervorden in einer ruhigen Szene

Darstellung von Alzheimer und pädagogische Aspekte

Was ist Alzheimer überhaupt? Der Kinderarzt erklärt es Enkelin Tilda im Film so: Das Gehirn ist wie ein Bücherregal. Mal fällt dieses Buch um. Und mal jenes Buch. Je nach Tagesverfassung kann sich auch ein Buch mal wieder aufstellen. Aber: Schreitet Alzheimer fort, fallen immer mehr Bücher ganz aus dem Regal. Der Überbegriff von Alzheimer ist Demenz. Vergleicht man es mit einer Landkarte, wäre Demenz der Kontinent.

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Emma Schweiger erklärt es im Film „Honig im Kopf“ so: „Menschen mit Alzheimer putzen dreimal hintereinander die Zähne. Weil sie sich nicht mehr erinnern können, dass sie es eben schon gemacht haben. Aber sie wissen noch, dass sie vor 25 Jahren Zahnseide benutzt haben.“ Daten aus der Vergangenheit und Erinnerungen an die Kindheit sind dementen Menschen noch lange präsent. Aber sie wissen nicht mehr, was gerade vorhin war. Dies kann man nutzen, wenn man mit ihnen umgeht. Man kann ihnen von früher erzählen: Erlebnisse aus ihrem eigenen Alltag. Die Geschichten, die sie früher immer selber erzählt haben. Sogar bei einer fortgeschrittenen Demenz können Erinnerungen an ihren Lebenslauf noch ein Lächeln auf das Gesicht zaubern.

Auf diese Art kann man demente Menschen erreichen: Gibt es Erinnerungen, die mit Emotionen verbunden sind? Amandus Rosenbusch zum Beispiel gab im Film eine Vermisstenanzeige nach seiner verstorbenen Mutter auf. Die Mutter weckte sicher gewaltige Gefühle bei ihm. Amandus könnte man abholen, indem man auf seine Mutter zu sprechen kommt: Wie war sie? Was hat sie gemacht? Vielleicht findet man dann sogar eine Brücke zu einem geistlichen Thema: Dankbarkeit, Gnade, Gottes Liebe.

Der Kinderarzt im Film hat Tilda ebenfalls erklärt, wie sie mit ihrem dementen Opa umgehen kann: „Er braucht Liebe und Verständnis. Das Gefühl, dass du ihn verstehst.“ Gemeinsam mit Warner Bros. Entertainment veröffentlicht VISION KINO ein Filmheft für die Bildungsarbeit mit jungen Menschen ab 8 Jahren. Anhand vielfältiger Aufgaben können sie sich mit der Geschichte des Films beschäftigen und werden über die Krankheit aufgeklärt. Die unverkrampfte Konfrontation wird unterstützt und eine Brücke zum eigenen Leben geschlagen.

Grafik: Bücherregal-Metapher für Alzheimer

Inszenierung, Schnitt und dramaturgische Diskussion

Schweiger macht Familienfilme - für die ganze Familie und mit familiären Themen. Er hat es - mit seinen Mitteln - glänzend gelöst. Handwerklich auf professionellem Niveau. Die Kameraarbeit fängt Landschaften und Venedig eindrucksvoll ein; gerade Venedig erscheint wie ein Bildertraum, der für Opa und Enkelin endlich wahr geworden ist.

Gleichzeitig ist der Film ungewöhnlich schnell geschnitten. „Honig im Kopf“ ist ungewöhnlich schnell geschnitten. Doch dabei verzettelt er sich nie und beweist, dass er ein guter Geschichtenerzähler ist. Ohne Rhythmus, unmotiviert; das sieht bisweilen aus, als sei der Film schon zigmal gerissen und jedesmal nur notdürftig geklebt worden, bemängeln Kritiker. Viele Setups ergeben intern kaum einen Sinn, sondern existieren nur, um zu zeigen, in welch blöde Situation Amandus sich wieder hineinmanövriert hat.

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Die peinlichen Momente offenbaren das Dilemma dieses Films: Es geht um Alzheimer. Und es ist ein Til-Schweiger-Film. Til Schweiger ist ein Mann des populären Kinos, der sehr genau auf professionelle Strukturen und dramaturgische Schaltpunkte im Drehbuch achtet. Ein Christian Petzold würde diese neuralgischen Szenen sicher anders inszenieren - keine Musik, wenige Schnitte, Gesichter, Betroffenheit. Womöglich wäre die Szene einfühlsamer; nur jeder zehnte Zuschauer, der „Honig im Kopf“ gesehen hat, würde sich den Christian-Petzold-Film ansehen.

Rezeption, Erfolge und Kontroversen

In Deutschland erreichte der Film 7,19 Millionen Kinobesucher. Damit ist er der erfolgreichste im Jahr 2014 gestartete Kinofilm und belegt den 6. Platz der erfolgreichsten deutschen Filme in der Bundesrepublik seit 1968. Das internationale Einspielergebnis liegt bei über 60 Mio.

Volker Bleeck von TV Spielfilm befand den Film als „berührend“. Die Frankfurter Neue Presse bezeichnete den Film als „sehenswert“; unterm Strich sei Til Schweiger „die Auseinandersetzung mit dem schwierigen Thema bestens gelungen“. Rudolf Worschech von epd Film vergab 4 von 5 Sternen und bezeichnete „Honig im Kopf“ als „warmherzigen Film über das Thema Alzheimer.“

Die Darstellung eines an Alzheimer Erkrankten wurde teils auch heftig kritisiert. Joachim Kurz von der Kino-Zeit bewertet „Honig im Kopf“ als ein „echtes Ärgernis“ und kritisierte insbesondere die Deutsche Alzheimer Gesellschaft dafür, dass sie Schweigers Film Authentizität und einen realistischen Blick bescheinigte. Die Zeit schrieb: „Über die Geschichte des Kranken erfährt man am Ende so gut wie nichts, aber das in maximaler Sentimentalität, die nur von sich selbst ergriffen sein will.“

Bei der Film-Community Moviepilot kam es zu systematischer Manipulation der Zuschauerwertungen; nach Prüfung und Löschung fingierter Bewertungen sank der Bewertungsschnitt deutlich. Bereits 2016 wurde eine englischsprachige Neuverfilmung angekündigt, bei der Schweiger Produktion und Regie übernehmen sollte; die Neuverfilmung mit Nick Nolte in der Hauptrolle lief in den USA Ende November 2018 eingeschränkt an.

Trailer und Interviews: Hintergründe zu Honig im Kopf

Hintergrund: Produktion, Team und Adaptionen

„Honig im Kopf“ ist eine deutsche Tragikomödie von Til Schweiger aus dem Jahr 2014. Schweiger spielte eine der Hauptrollen, führte Regie und schrieb zusammen mit Hilly Martinek das Drehbuch. Die weiteren Hauptrollen sind mit Emma Schweiger und Dieter Hallervorden besetzt; in Nebenrollen sind unter anderem Jan Josef Liefers, Fahri Yardım und Tilo Prückner zu sehen.

Die Dreharbeiten fanden zwischen April und Juli 2014 in Hamburg, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Südtirol und Venedig statt. Das Herrenhaus Altfresenburg diente als Wohnhaus der Filmfamilie Rosenbach. „Honig im Kopf“ feierte am 15. Dezember 2014 Weltpremiere und startete am 25. Dezember in den deutschen Kinos. Die Bühnenfassung des Filmdrehbuchs stammt von Florian Battermann; die niederdeutsche Erstaufführung feierte 2016 im Ohnsorg-Theater.

Bedeutung des Films

„Honig im Kopf“ betrachtet die Zerbrechlichkeit menschlicher Beziehungen im Schatten einer fortschreitenden Demenz. Die Tragikomödie zeigt, wie Liebe und Verantwortung an Grenzen stoßen, wenn ein geliebter Mensch langsam verschwindet. Im Mittelpunkt steht Amandus, dessen geistiger Abbau das Familienleben ins Wanken bringt. Enkelin Tilda weigert sich, den Großvater in fremde Hände zu geben, und begibt sich mit ihm auf den Weg nach Venedig.

Der Film macht das Thema Demenz für ein breites Publikum zugänglich, verbindet Humor und Tragik und eröffnet damit Gesprächs- und Bildungsräume. Indem die Geschichte aus der Perspektive eines Kindes erzählt wird, gelingt eine Brücke zur Jugend und zur Frage, was „die Krankheit der alten Leute“ mit Kindheit und Jugend zu tun hat. Das Filmheft von VISION KINO unterstützt die Nutzung des Films in der Bildungsarbeit mit jungen Menschen ab 8 Jahren.

Aspekt Kurzbeschreibung
Genre Tragikomödie / Familienfilm
Regie / Drehbuch Til Schweiger (Regie) und Hilly Martinek (Drehbuch-Mitarbeit)
Hauptdarsteller Dieter Hallervorden, Emma Schweiger, Til Schweiger
Thema Alzheimer / Familienbeziehungen / Verantwortung
Kritik Gelobt für Emotionen und Hallervordens Leistung; kritisiert für Schnitt, Konstruiertheit und Sentimentalität
Erfolg 7,19 Millionen Kinobesucher in Deutschland; Top-10 der erfolgreichsten deutschen Filme seit 1968

„Honig im Kopf“ ist somit ein Film, der polarisierte: Er wurde sowohl als berührend und lehrreich gelobt als auch für seine stilistischen Mittel und seine Darstellung der sozialen Realität kritisiert. Unbestritten aber ist die starke Performance von Dieter Hallervorden und die Fähigkeit des Films, das komplexe Thema Alzheimer in ein emotionales Narrativ zu fassen, das viele Zuschauer erreicht.

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