Hitler Sport Schokolade Geschichte und Hintergrund
Verführerisches Aroma und zart-schmelzender, vollmundiger Geschmack - die Geschichte der Schokoladenmarke, die heute als Ritter Sport bekannt ist, beginnt mit einer jungen Frau, die beim ersten Probieren von Schokolade beschließt: „Ich will die süße Köstlichkeit zu meinem Beruf machen.“
Gründung und frühe Jahre
1912 gründeten Clara und Alfred Eugen Ritter in Stuttgart-Cannstatt eine Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik. Die Gründung der Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik durch Alfred Eugen Ritter und Clara Ritter legt den Grundstein für die Schokoladengeschichte von Ritter Sport.
Die erste Schokoladenmarke des Unternehmens, Alrika (für Alfred Ritter Cannstatt), kam 1919 auf den Markt. Die erste Fertigung und Produktion fanden in Bad Cannstatt statt; hier wurden die ersten "Ritter"-Pralinen hergestellt und verkauft.
In der Schokoladen- und Zuckerwarenhandlung lernte Clara ihren späteren Ehemann Alfred Ritter kennen. Die beiden heirateten und gründeten die Schokoladenfabrik Ritter. Die Platzverhältnisse in Bad Cannstatt wurden schnell zu eng. Im idyllischen Waldenbuch entsteht der neue Firmensitz. Ein Bus brachte die Facharbeiter täglich von Bad Cannstatt nach Waldenbuch und zurück.
Clara Ritter: Idee und Motivation für das Quadrat
Im Prolog lernen die Leser Clara als junges Mädchen kennen, die schon damals vor Verzücken die Augen schloss, als sie ein Stückchen Schokolade bekam. Für Clara ist schnell klar: ihre Liebe zur Schokolade will sie zum Beruf machen.
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Clara machte schon früh Versuche mit Kakao und Milch. So eröffnete sie 1909 ihre erste Schokoladen- und Zuckerwarenhandlung. Später folgte noch ein zweites Geschäft.
Um Claras Idee nachvollziehen zu können, muss man wissen, dass die Schokoladenfabrik in Waldenbuch neben einem Sportplatz lag. Die Sport- und Fußballfans nahmen sich zum Training immer eine Tafel Schokolade mit. Bei einem spannenden Spiel war leckere Nervennahrung auch ungeheuer wichtig.
Damals war es üblich, zu solchen Veranstaltungen ein Jackett zu tragen. Die Schokolade wurde also in der Jacketttasche mitgenommen. Die Tafeln hatten für gewöhnlich eine längliche Form - die in den Jacketttaschen gerne brach. Damit die Schoki also sicher und ohne Bruch bis zum Sportplatz durchhielt, musste sie eine passendere Form bekommen. So kam Clara auf die bahnbrechende Idee des Schokoquadrats!
Die quadratische Tafel war zwar von der Fläche etwas kleiner, dafür aber dicker und genauso schwer wie eine Langtafel. Dadurch brach sie nicht so leicht. Der Vorschlag von Clara Ritter lautete: "Machen wir eine Schokolade, die in jede Jackentasche passt, ohne zu brechen und das gleiche Gewicht wie eine normale lange Tafel hat." Sie wird unter dem Namen "Ritter's Sport Schokolade" lanciert.
Einführung der Ritter Sport Tafel und Markenentwicklung
1932 führte das Unternehmen die Marke Ritter Sport für quadratische Schokoladen ein. Damit wurde eine der wichtigsten Marketingregeln - „sei anders als die anderen“ - sowohl durch die Form als auch durch den Namen befolgt.
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Fast alle anderen Schokoladen kamen in länglicher Form daher, mit Ausnahme der berühmten dreieckigen Toblerone. Keine andere war quadratisch. Die Firma Ritter produzierte aber weiterhin auch „normale“ Schokoladen in der klassischen Form und den Standardgeschmacksrichtungen wie Vollmilch, Vollmilch-Nuss oder Zartbitter.
1970 wurde zusammen mit neuen Sorten - wie der ersten Joghurt-Schokolade - der Slogan „Quadratisch. Praktisch. Gut.“ eingeführt und erstmals bundesweit Fernsehwerbung geschaltet. Was war so genial daran? Ein neues Nutzungskonzept: die quadratische Schokolade lud durch einfache Handhabung und praktische Verpackung ein, sich auch selbst etwas zu gönnen.
Produkte, Verpackung und technische Innovationen
Ab 1947 war die Schokolade in braunem Zellophan verpackt, bis Ritter 1974 bunte Verpackungen einführte, wodurch jede Sorte farblich unterschieden werden konnte. Zudem wurden 1976 die Schlauchbeutelverpackung und die Knick-Öffnung eingeführt. Die geschützte Knick-Pack-Öffnung erlaubt das Öffnen des Schokoladenquadrates mit einem Knick. Die Packung ist mit der dabei entstehenden Lasche wieder verschließbar.
Die Sorten von Ritter-Sport-Schokolade bestehen aktuell aus Standardsorten, Nusssorten, Single-Origin-Sorten und weiteren Sondersorten. Die Verpackung jeder Sorte hat eine eigene Farbe, zum Beispiel Gelb für Ritter Sport Knusperflakes oder Weiß für Ritter Sport Joghurt. Neben den klassischen 100-Gramm-Tafeln wird das Sortiment durch regelmäßig saisonal angebotene Geschmacksrichtungen, Mini- oder 250-Gramm-Tafeln ergänzt.
| Aspekt | Detail |
|---|---|
| Markteinführung Quadrat | 1932 unter dem Namen "Ritter's Sport Schokolade" |
| Slogan | „Quadratisch. Praktisch. Gut.“ (seit 1970) |
| Verpackungsinnovation | Schlauchbeutel & Knick-Öffnung (1976) |
| Sorten | Standards, Nuss, Single-Origin, Sondersorten |
Geschichte während Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
Während des Nationalsozialismus erhielt das Unternehmen keine Zuteilungen für Kakao, da Alfred Eugen Ritter nicht bereit war, in die NSDAP einzutreten. Ab 1935 wich das Unternehmen auf die Produktion von kakaofreien Süßwaren wie Geleeartikel, Fondant und Erfrischungssticks aus. Mit dem Kriegsausbruch 1939 sank die Produktion, musste 1940 komplett eingestellt werden und die Fabrikgebäude wurden von anderen Firmen genutzt.
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Unmittelbar nach dem Krieg produzierte die Firma Ries & Hetzel in der Schokoladenfabrik Zahnpasta. Im Zuge der Entnazifizierung durch die Alliierten wurde Alfred Eugen Ritter von der amerikanischen Besatzung zum stellvertretenden Bürgermeister in Waldenbuch ernannt, da er nachweislich nicht Mitglied der NSDAP war.
Wachstum, Familienführung und Unternehmensstruktur
Zwischen 1920 und 1926 verdoppelte sich die Mitarbeiterzahl von 40 auf 80 Beschäftigte. 1978 stieg die dritte Generation ins Unternehmen ein, Alfred Theodor Ritter und seine Schwester Marli Hoppe-Ritter kamen in den Beirat und brachten zunehmend soziale, Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsfragen in die Unternehmensführung ein.
Die Alfred Ritter GmbH & Co. KG ist seither in Familienbesitz. Gesellschafter sind neben Alfred Theodor Ritter und Marli Hoppe-Ritter auch ihre Kinder Tobias und Tim Hoppe sowie Moritz, Lukas und Dora Ritter. 2016 wurde die Ritter und Hoppe KG gegründet, die nach Umfirmierung in R² Holding sukzessive in eine Holdinggesellschaft umgebaut wurde. Das Mutterunternehmen des Konzerns ist die „R² Holding GmbH & Co. KG“ in Karlsbad/Baden.
Im Geschäftsjahr 2022 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von 561,5 Mio. Euro. Im selben Jahr waren 1.783 Mitarbeiter für den Konzern tätig. Zum Konzern gehören 15 inländische und 11 ausländische Tochterunternehmen mit Standorten in Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Italien, Österreich, Russland, Singapur, den Niederlanden, Frankreich, China und Nicaragua.
Nachhaltigkeit, Kakao-Anbau und soziale Verantwortung
Als erster namhafter deutscher Tafelschokoladenhersteller stellten sie ihr gesamtes Kakaosortiment auf zertifizierten Kakao um. Seit 2018 beziehen sie nur noch zertifizierten Kakao. Die Familie Ritter kaufte Land in Nicaragua und stieg damit selbst in den nachhaltigen Kakaoanbau ein. Insgesamt wurden 1,5 Mio. junge Kakaobäume gepflanzt; die erste Ernte war 2017.
Das Wirtschaftsprojekt CACAONICA in Nicaragua unterstützt lokale Kleinbauern beim nachhaltigen Kakaoanbau. Dieses Projekt verbessert die Lebensbedingungen der von der Landwirtschaft lebenden Familien und bremst gleichzeitig die Abholzung des Regenwaldes.
Seit 2020 hat das Unternehmen sein Ziel erreicht, ein klimaneutrales Unternehmen zu werden (TÜV NORD CERT Standard TN-CC 020). Bis 2025 wollen sie vollständig klimaneutral sein, inklusive aller Partner und Aspekte der Lieferkette.
Kontroversen, Rechtliches und Produktkritik
Über Jahre zog sich ein Rechtsstreit zwischen Ritter und Mondelēz International über die Markenfähigkeit der Form. Nachdem sich Mondelēz zunächst vor dem Bundespatentgericht mit dem Argument durchsetzte, das Markengesetz verbiete den Schutz von Formen, die durch die Art der Ware bedingt seien, unterlag Mondelēz im Oktober 2017 vor dem Bundesgerichtshof, der entschied, dass Ritter Sport den Markenschutz vorläufig behalten dürfe.
Im Januar 2008 ermittelte das Bundeskartellamt gegen elf deutsche Süßwarenhersteller; bis Anfang 2013 wurden in vier Verfahren Geldbußen von knapp über 60 Mio. Euro verhängt, darunter eine Geldbuße in Höhe von insgesamt 7,5 Mio. Euro auch gegen die Alfred Ritter GmbH & Co. KG.
Die Sorte „Voll-Nuss“ wurde Ende November 2013 von der Stiftung Warentest mit „mangelhaft“ bewertet. Der Bewertung lag die Annahme zugrunde, dass der nachgewiesene Aromastoff Piperonal in den benötigten Mengen nicht auf „natürliche“ Weise gewonnen werden könne. Im November 2013 erwirkte das Unternehmen eine einstweilige Verfügung, die der Stiftung die Behauptung verbot, Ritter Sport verwende chemisch hergestellte Aromen in seiner Nuss-Schokolade. Im Januar 2014 bestätigte das Landgericht München I die Entscheidung.
Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 geriet das Unternehmen in Kritik, da es weiterhin an dem Geschäft in Russland festhielt. Chef Andreas Ronken verwies darauf, dass 200 Jobs in Deutschland an dem Russlandgeschäft hingen und der Verkauf auch wichtig für die Kakaobauern in Westafrika sowie in Mittel- und Südamerika sei. Investitionen und Marketingaktivitäten in Russland seien jedoch gestoppt worden.
Innovation, Sortiment und Markenführung
Seit 1932 führt das Unternehmen die Marke Ritter Sport für quadratische Schokoladen. Fast alle Produkte der Marke sind Tafelschokoladen. Zeitweise gab es neben „Jamaika Rum“ auch die Sorten „Ritter Fresh“ und „Ritter Nuss“. Seit 2021 gibt es „Ritter Sport Gin“ und seit 2025 „Ritter Sport Whisky“.
Mitte 2009 veröffentlichte das Unternehmen eine Rangliste der damals fünf beliebtesten bzw. meistverkauften Standardsorten. In der Mini-Version der Schokoladentafeln (etwa 17 Gramm je Tafel) sind entweder sieben (Bunter Mix) oder vier Sorten (Mix des Jahres) in unterschiedlicher Stückzahl in einer Sammelpackung verpackt. Darüber hinaus gibt es laktosefreie Sorten (Vollmilch und Voll-Nuss, seit 2012).
Die geschützte Knick-Pack-Öffnung und die farbcodierten Verpackungen gehören heute zu unverwechselbaren Markenbestandteilen. Dank einer beispielhaft konsistenten Markenführung sind heute zahlreiche Standardsorten und Sondereditionen der legendären Schokoladenquadrate in rund 100 Ländern erhältlich.
Unternehmenszahlen, Museum und Gegenwart
Im Geschäftsjahr 2022 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von 561,5 Mio. Euro. Im selben Jahr waren 1.783 Mitarbeiter für den Konzern tätig. Neben dem Werk in Waldenbuch befindet sich seit 2005 das Museum Ritter, das sich dem Quadrat in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts widmet.
Die Führung des Unternehmens liegt weiterhin in Familienhand. 2026 übernahmen Moritz Ritter und Tim Hoppe, beides Urenkel der Unternehmensgründer, gemeinsam den Vorsitz der Geschäftsführung. Alfred Theodor Ritter führte Ritter Sport aus der Krise und engagiert sich seit Jahrzehnten intensiv für die Umwelt.
Wesentliche Meilensteine
- 1912: Gründung der Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik durch Clara und Alfred Eugen Ritter in Stuttgart-Cannstatt.
- 1919: Einführung der Marke Alrika.
- 1932: Lancierung der quadratischen „Ritter's Sport Schokolade“.
- 1940-1945: Produktionsunterbrechung und Umstellung während des Krieges.
- 1970: Einführung des Slogans „Quadratisch. Praktisch. Gut.“ und bundesweite Werbung.
- 1974-1976: Einführung bunter Verpackungen sowie Schlauchbeutel und Knick-Öffnung.
- 2012-heute: Ausbau der internationalen Struktur, Nachhaltigkeitsinitiativen und Kauf von Kakaoplantagen in Nicaragua.
Von 1912 bis heute hat sich Ritter Sport den Herausforderungen der Zeitgeschichte gestellt und ist mit ihnen gewachsen. Die Erfindung der Schlauchbeutelverpackung mit der revolutionären Knick-Pack-Mechanik unterscheidet die Tafelschokolade letztendlich von herkömmlichen Langtafeln und entwickelte sich schnell zu einem unverwechselbaren Markenbestandteil.
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