Hilft Honig gegen Corona? Wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Hinweise

Coronaviren und andere Erreger gelangen über die Schleimhaut in Mund, Nase und Rachen in den Körper. Die Frage, ob Honig - insbesondere spezielle Sorten wie Manuka-Honig - gegen SARS-CoV-2 hilft, berührt dabei mehrere Bereiche: antivirale Eigenschaften von Honig in Laborstudien, traditionelle Hausmittel-Anwendungen zur Linderung von Atemwegsbeschwerden und die Abgrenzung zu geprüften Schutzmaßnahmen wie Impfung und Maskentragen.

Was macht Honig biologisch wirksam?

Gleichwohl enthält Honig auch spezifische natürliche Bestandteile, die antibiotisch und konservierend wirken. Zu den konservierenden Stoffen gehören Substanzen, die primär von den Pflanzen stammen und mit dem Nektar oder Honigtau eingetragen werden. Das sind zum Beispiel Methylglyoxal, diverse organische Säuren und zum Teil auch Glucoseoxidase sowie Inhaltsstoffe, die erst durch die Produktion des Honigs durch die Bienen entstehen.

Das von den Bienen zugesetzte Enzym Glucoseoxidase befördert die Umwandlung von Glucose, also Fruchtzucker, zu Gluconsäure und Wasserstoffperoxid. Beide Säuren wirken auf einige Mikroorganismen hemmend. Weiterhin enthalten Honige unterschiedliche Mengen an Flavonoiden, die in den Rohstoffen Nektar und Honigtau enthalten sind, sowie im Propolis, dem Kittharz, der als dünner Film von den Bienen auf die Waben aufgetragen wird. Aus diesem Film gehen Flavonoide in den Honig über und übertragen ihre antibakterielle Wirkung auf diesen.

Nicht zuletzt enthalten Honige viel Zucker (etwa 85% Fructose und Glucose). Dieser zieht osmotisch Flüssigkeit aus dem umgebenden Gewebe, verringert so Wundödeme und unterstützt die Wundreinigung, da den Keimen dadurch das lebensnotwendige Wasser entzogen wird.

Manuka-Honig Glas und Löffel

Von Hausmitteln zu Studien: Was sagt die Forschung zu Honig und Atemwegsinfektionen?

Für viele gilt Honig als gesundes Süßungsmittel und wird oft sogar als Hausmittel gegen Husten und kleinere Wunden angepriesen. Aufgrund seiner antimikrobiellen Eigenschaften wurde Honig früher vor allem als Wundauflage angewendet. Inzwischen ist jedoch klar: Honigsorten, die von verschiedenen Blütenpflanzen stammen, unterscheiden sich erheblich in ihrer Zusammensetzung und daher auch in ihrer Fähigkeit, Bakterien abzutöten.

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Einige Honigsorten wie zum Beispiel der Manukahonig aus Neuseeland und Australien haben durch den Inhaltsstoff Methylglyoxal erwiesenermaßen eine antibiotische Wirkung. Dies belegen inzwischen auch medizinische Studien. Manukahonig gilt als Allheilmittel - er wird in manchen Studien als hilfreich gegen bakterielle Infektionen der Haut oder der Schleimhaut beschrieben. Manuka-Honig kann seine Wirkung äußerlich als Pflaster oder eingenommen auf Mundschleimhaut und Speiseröhre entfalten, da das Methylglyoxal beim Verzehr spätestens im Dünndarm abgebaut wird.

Der normale Honig aus dem Supermarkt ist für medizinische Zwecke jedoch nicht geeignet. Für das Auftragen auf offenen Wunden muss immer der sterilen medizinischen Variante der Vorzug gegeben werden. Manukahonige aus dem Lebensmittelhandel eignen sich jedoch nur für den Verzehr und sollten keinesfalls auf Wunden aufgebracht werden. Als Naturprodukt kann er Keime enthalten und dadurch die Entzündung der Wunden sogar verstärken.

Honig gegen Husten und Halsschmerzen

Vor allem Kindern wird Honig gerne verabreicht, um Hustenreiz zu lindern. Inzwischen gibt es Hinweise darauf, dass Honig die Absonderung von Schleim und akuten Husten bei Kindern reduzieren kann. Für eine optimale Wirkung empfehlen Wissenschaftler Kindern ab einem Jahr eine Einzeldosis von 2,5 Millilitern, einzunehmen vor dem Zubettgehen. Der klassische heiße Tee mit Honig kann bei Erkältungen Linderung verschaffen.

Speziell: Honig und SARS-CoV-2 - gibt es direkte Belege?

Die vorhandenen Erkenntnisse zu Honig betreffen vor allem antimikrobielle Wirkungen gegen Bakterien und die Linderung von Husten oder Halsschmerzen. Konkrete, robuste klinische Belege dafür, dass Honig eine Infektion mit SARS-CoV-2 verhindert oder therapeutisch relevant die Viruserkrankung Covid-19 heilt, fehlen bislang. Manukahonig enthält zwar Methylglyoxal und hat in Studien antibakterielle Effekte gezeigt, doch antivirale Wirksamkeit gegen SARS-CoV-2 ist nicht hinreichend belegt.

Wichtig ist die Abgrenzung: Heilen lässt sich Covid-19 durch Gurgeln oder durch Honig nicht. Forschende der Ruhr-Universität Bochum haben gezeigt, dass einige Mundspülungen Sars-CoV-2-Viren im Reagenzglas abtöten können - das ist jedoch ein Laboreffekt und bedeutet nicht, dass diese Mittel eine Infektion verhindern oder die Krankheit heilen. Ebenso gilt: Bei allen Nasen- oder Rachen-Anwendungen ist die Wirkung meist kurzfristig und kann nicht den Schutz durch Impfungen und weitere Schutzmaßnahmen ersetzen.

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Laborprobe und Pipette

Wann kann Honig sinnvoll eingesetzt werden?

Honig kann unterstützend zur Linderung von Symptomen dienen: er befeuchtet die Schleimhaut, lindert Halsreizungen und kann bei Hustenreiz Erleichterung bringen. Sortenreiner Manukahonig kann aufgrund seiner Inhaltsstoffe bei Hals- und Racheninfekten für Linderung sorgen. Für äußerliche Wundbehandlung ist nur medizinisch aufbereiteter, sterile Honig (medical honey) geeignet - gewöhnlicher Speisehonig ist hierfür nicht zugelassen.

Die Bezeichnung „natürliches Antibiotikum“ ist irreführend, denn Honig könne helfen, Wundinfektionen zu vermeiden und damit indirekt den Verbrauch von Antibiotika zu senken, ersetzt aber keine konventionelle Therapie bei schweren Infektionen. Tiefgreifende, bis zum Knochen reichende Wundinfektionen müssen zudem immer parallel mit konventionellen Antibiotika behandelt werden.

Sicherheitsaspekte

  • Säuglinge und Kleinkinder bis zu einem Jahr sowie immungeschwächte Personen sollten auf den Verzehr von Honig verzichten, weil Honig Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum enthalten kann.
  • Manukahonige aus dem Handel sind nur für den Verzehr zugelassen; für Wunden ist sterile medizinische Qualität erforderlich.
  • Honig ist kalorienreich und kann bei übermäßigem Verzehr das Risiko von Übergewicht, Karies und Diabetes erhöhen.

Praktische Empfehlungen im Kontext von Covid-19

Der wichtigste Schutz gegen das Coronavirus (SARS-CoV-2) bleibt die Impfung. Damit wird eine spezifische Immunität gegen die Viren aufgebaut. Ebenso bleiben Maskentragen und Abstand wirksame Maßnahmen: Forschende des Max-Planck-Instituts haben gezeigt, dass eine gut sitzende Maske (z. B. FFP2) eng am Gesicht liegen muss, um vor einer Corona-Ansteckung zu schützen.

Honig kann ergänzend bei Symptomen wie Husten und Halsschmerzen eingesetzt werden - als Hausmittel z. B. im Tee oder pur bei Erwachsenen - jedoch nicht als Ersatz für Schutzmaßnahmen, Impfungen oder ärztlich verordnete Therapien. Wenn Sie Kontakt mit vielen Menschen hatten oder Symptome entwickeln, sind geprüfte medizinische Maßnahmen und im Verdachtsfall Tests und ärztliche Beratung angezeigt.

Erklärung: Warum Impfung gegen Corona am wichtigsten ist

Wissenschaftliche Lücken und Forschungsbedarf

Grob zusammengefasst gilt: Honig besitzt nachgewiesene antibakterielle Eigenschaften und kann in bestimmten, definierten Situationen (steriler medizinischer Honig bei Wunden, symptomatische Linderung bei Husten) nützlich sein. Für eine antivirale Wirksamkeit gegen SARS-CoV-2 liegen derzeit jedoch keine ausreichend belastbaren klinischen Studien vor, die eine präventive oder therapeutische Anwendung von Honig bei Covid-19 empfehlen würden. Weitere Forschung wäre nötig, um mögliche direkte antivirale Effekte spezifischer Honigsorten gegen SARS-CoV-2 zu klären.

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Kurzinfo: Was belegt ist und was nicht

Frage Aktueller Befund
Hilft Honig bei Husten und Halsschmerzen? Ja, lindernd bei älteren Kindern und Erwachsenen; bei Kindern ab 1 Jahr empfohlen.
Ist Honig antivirale Behandlung gegen SARS-CoV-2? Nein - keine belastbaren klinischen Belege, nur einzelne Laboreffekte und Hinweise für antimikrobielle Wirkung.
Kann Honig Wundinfektionen ersetzen? Medizinischer Honig kann ergänzen, ersetzt aber nicht notwendige Antibiotika bei schweren Infektionen.
Ist Manuka-Honig als Nahrungsergänzung sinnvoll? Er kann symptomatisch unterstützen; als teures Produkt jedoch kein Ersatz für Impfung oder ärztliche Therapie.

Fazit für die Praxis

Honig - insbesondere medizinisch aufbereiteter Honig - hat klare antimikrobielle Eigenschaften und kann lokal bei Wundversorgung oder symptomatisch bei Halsschmerzen und Husten helfen. Für SARS-CoV-2 gibt es jedoch keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege, die Honig als wirksame Prävention oder Therapie gegen Covid-19 bestätigen. Die Impfung bleibt der wichtigste Schutz, Nasen-Mund-Schutz und Hygieneregeln sind weiterhin zentral. Honig kann ergänzend zur Symptomlinderung genutzt werden, sollte aber nicht als Ersatz für medizinische Maßnahmen betrachtet werden.

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