Ist Marzipan histaminarm oder histaminhaltig? Ein umfassender Überblick für Betroffene mit Histaminintoleranz

Eine Histaminintoleranz betrifft immer mehr Menschen und wirft zahlreiche Fragen zum alltäglichen Essverhalten auf. Zahlreiche Betroffene stehen vor der Herausforderung, ihre Ernährung so umzustellen, dass sie möglichst beschwerdefrei leben können. Besonders Süßigkeiten stehen dabei oft im Fokus der Unsicherheit - darunter auch Marzipan.

Histaminintoleranz: Was ist das und wie wirkt Histamin im Körper?

Histamin ist ein Eiweißstoff, der im Körper einige Aufgaben erfüllt. Er ist ein Teil der Immunabwehr, reguliert den Blutdruck, die Darmaktivität und die Produktion von Magensaft. Zusätzlich beeinflusst Histamin einen ausgewogenen Schlaf-Wach-Rhythmus. Biochemisch gehört Histamin zur Gruppe der biogenen Amine, die als Abbauprodukte aus Aminosäuren entstehen und natürlicherweise in zahlreichen pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln vorkommen.

Histamin im Körper: Aufgaben und Wirkung

Nach dem Essen wird überschüssiges Histamin bei gesunden Menschen im Dünndarm mithilfe des Enzyms Diaminoxidase (DAO) abgebaut. Ist das Enzym zum Abbau von Histamin nicht ausreichend vorhanden, kommt es zu einem Überschuss, der bei Betroffenen zu unterschiedlichen Symptomen führt: Von Hautreizungen wie Jucken, Nesselsucht und Rötungen über Hitzegefühl, Herzrasen, Kopfschmerzen bis zu Asthma. Die Beschwerden treten oft direkt nach dem Essen auf, können aber auch noch bis zu 24 Stunden danach auftreten.

Diagnose und Behandlung einer Histaminintoleranz

Das Krankheitsbild der Histaminintoleranz ist nicht voll erforscht und eine genaue Diagnose ist in der Regel ein längerer Prozess. Es gibt keine Tests, mit denen eine Histamin-Unverträglichkeit schnell ermittelt werden kann. Das medizinische Fachpersonal geht in der Diagnostik nach dem Ausschlussverfahren vor und nutzt einen Ernährungstest in drei Phasen: zunächst eine möglichst histaminfreie Ernährung, später allmähliche Wiedereinführung, und abschließend einen langfristigen Ernährungsplan.

  • Phase 1: Histaminfreie Ernährung
  • Phase 2: Testweise Wiedereinführung von Histamin
  • Phase 3: Individueller Ernährungsplan mit Arzt und Ernährungsberater

Zusätzlich kann die Einnahme von Vitaminpräparaten (z.B. Vitamin C und Vitamin B6) helfen, die Beschwerden zu erleichtern, da sie als Cofaktoren das Enzym beim Abbau von Histamin unterstützen.

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Histaminintoleranz Diagnostik und Behandlungsschema

Histaminhaltige und histaminarme Lebensmittel: Wo steht Marzipan?

Histamin kommt in vielen Lebensmitteln natürlich vor. Besonders lang gelagerte oder fermentierte Produkte (wie gereifter Käse oder abgehangene Wurst) enthalten hohe Mengen. Sogenannte Histaminliberatoren wie Schokolade, Nüsse oder Alkohol, aber auch einige Obst- und Gemüsesorten, können im Körper gespeichertes Histamin freisetzen, unabhängig vom eigenen Histamingehalt des Lebensmittels.

Gerade schokoladige Leckereien werden von Betroffenen oft schlecht vertragen. Und auch Lakritze und Marzipan sollten Sie besser meiden. Marzipan gilt damit als potenziell problematisch für Menschen mit Histaminintoleranz. Das liegt daran, dass sowohl die enthaltenen Mandeln als auch weitere Inhaltsstoffe als „Histaminliberatoren“ bezeichnet werden. Sie sorgen dafür, dass Histamin im Körper freigesetzt wird.

Marzipan: Inhaltsstoffe und mögliche Auswirkungen bei Histaminintoleranz

Marzipan besteht überwiegend aus Mandeln und Zucker. Nüsse enthalten zwar kein Histamin, gelten aber als Liberatoren. Das bedeutet, dass sie dafür sorgen, dass der Eiweißstoff im Körper freigesetzt wird. Zusätzlich können industrielle Marzipanprodukte Zusatzstoffe wie Konservierungs- und Farbstoffe (z.B. Tartrazin, Chinolingelb) enthalten, die die Histaminfreisetzung fördern.

  • Mandeln: Histaminliberator, meist nicht histaminreich, aber problematisch für HIT-Betroffene
  • Zucker: histaminfrei
  • Industrielle Zusatzstoffe: können Histaminfreisetzung fördern

Backwaren mit Zusatzstoffen, Fertigbackmischungen sowie Marzipan, Schokolade und Nougat sind für Menschen mit Histaminintoleranz eher ungeeignet. Als „histaminreich / Histamin freisetzend“ werden Marzipan und braune/dunkle Schokolade in entsprechenden Tabellen gelistet.

Marzipan: Nährstoffe und Zusatzstoffe

Alternativen zu Marzipan für Menschen mit Histaminintoleranz

Greifen Sie lieber auf Gummitiere, Popcorn, Bonbons und Chips ohne Hefeextrakt oder Geschmacksverstärker zurück. Auch Apfelchips, Kokoschips, süßes Popcorn und Sesamriegel (Bio, ohne Zusatzstoffe) sind meist verträglich. Weiße Schokolade (in Maßen), Gebäck ohne Schokolade und Zusatzstoffe sowie Marmeladen aus verträglichem Obst können als genussvolle Alternativen dienen.

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Unverträgliche Süßigkeiten Meist verträgliche Alternativen
Marzipan, Schokolade, Nougat, Lakritze Popcorn, Gummitiere, Apfelchips, Sesamriegel
Bonbons mit Farbstoffen und Zusatzstoffen Marmeladen aus Apfel, Birne, Quitte

Worauf ist bei Marzipan-Produkten im Alltag zu achten?

Grundsätzlich gilt: Bereiten Sie Lebensmittel immer möglichst frisch zu und erwärmen Sie Ihre Gerichte kein zweites Mal. Vermeiden Sie Produkte mit vielen Zusatzstoffen und achten Sie auf die Zutatenliste, insbesondere bei industriell hergestellten Marzipanprodukten. Die Qualität der Inhaltsstoffe, die Lagerdauer sowie der Verarbeitungsgrad bestimmen maßgeblich den Histamingehalt und die Verträglichkeit.

Eine Fachperson für Ernährung ist die richtige Ansprechperson für alle Fragen. Die AOK Sachsen-Anhalt unterstützt Sie bei dieser Umstellung mit verschiedenen Gesundheitskursen, die sich mit Ernährung und Lebensmittelunverträglichkeiten beschäftigen.

Tipps zur histaminarmen Ernährung

Individuelle Verträglichkeit und Selbsttest

Jeder Einzelne sollte die eigene Verträglichkeit von Marzipan vorsichtig austesten. Aufgrund der individuellen Unterschiede bei Histaminintoleranz kann gelegentlich eine kleine Menge Marzipan toleriert werden, bei anderen aber Beschwerden auslösen. Die Gestaltung des Speiseplans ist daher individuell und in Phasen vorzunehmen, wobei immer auf die eigenen Symptome geachtet werden sollte.

Der Zusammenhang zwischen den Beschwerden und einem Überschuss an Histamin aus der Nahrung konnte bisher allerdings nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden. Dennoch empfiehlt die Mehrheit der Leitlinien und Ratgeber, Marzipan zumindest zeitweise zu meiden und durch verträgliche Alternativen zu ersetzen.

  • Marzipan besser meiden
  • Individuelle Testung unter ärztlicher Anleitung
  • Auf verträgliche Alternativen zurückgreifen

Zusammenfassung: Marzipan und Histaminintoleranz

Marzipan ist für Menschen mit Histaminintoleranz nicht direkt histaminreich, gilt aber als „Histaminliberator“ und enthält Inhaltsstoffe, die Beschwerden verursachen können. Betroffene sollten Marzipan meiden, insbesondere industriell hergestellte Produkte. Frischere, unverarbeitete Süßigkeiten ohne Nüsse und Zusatzstoffe können meist ohne Probleme genossen werden. Jeder sollte individuell prüfen, ob und wie viel Marzipan vertragen wird, und sich bei Unsicherheiten ärztlich beraten lassen.

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Histaminintoleranz: Sichere und unsichere Süßigkeiten

Weitere Hinweise

Einzelfallbezogene Rechtsauskünfte und persönliche Beratung können wir leider nicht anbieten. Sollten noch Fragen zu Ihrem konkreten Sachverhalt verbleiben, wenden Sie sich bitte an die unter Service genannten Anlaufstellen. Eine Ernährungsumstellung ist die Behandlungsform, die Betroffenen ein möglichst beschwerdefreies Leben ermöglicht. Ihr Hausarzt sollte aber auf jeden Fall über die Unverträglichkeit informiert werden.

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