Ist in Marzipan Alkohol enthalten? Ein umfassender Blick auf Zutaten, Kennzeichnung und gesundheitliche Aspekte
Alkohol versteckt sich häufiger in Lebensmitteln als viele Verbraucher:innen vermuten. Gerade bei Süßwaren wie Marzipan sind viele unsicher, ob darin Alkohol enthalten ist und wie relevant dies für ihre Gesundheit oder bestimmte Lebensphasen - etwa Schwangerschaft oder Alkoholverzicht - sein könnte.
Nur selten ist Alkohol als Zutat deutlich gekennzeichnet, und häufig führen Hersteller den Zusatz von Alkohol nur in der Zutatenliste auf. Diese steht meist auf der Verpackungsrückseite und ist oft schwer lesbar. Die Kennzeichnung von Alkohol ist rechtlich nicht für alle Lebensmittel vorgeschrieben, weshalb bei vielen Produkten Unsicherheit besteht.
Alkohol im Marzipan: Erforderlich oder optional?
Ja, in Marzipan ist Alkohol enthalten, aber nur in sehr geringen Mengen. Zwar ist Alkohol nicht zwingend notwendig, um Marzipan herzustellen, aber viele Hersteller machen ihn trotzdem rein. Der Alkohol wird meist als geschmacksgebende Komponente, zur Verbesserung der Haltbarkeit oder als Lösungsmittel für Aromen eingesetzt - denn manches Aroma entfaltet sich erst mit Hilfe von Alkohol.
Eine Internetrecherche zeigt, dass der Hersteller ein vergleichbares Produkt OHNE Alkohol anbietet. Wer Marzipan natürlich selbst herstellt, weiß genau was drin ist und kann Alkohol umgehen. Häufig wird bei industriell hergestelltem Marzipan alkoholhaltiges Rosenwasser verwendet, das jedoch in so geringer Menge enthalten ist, dass es kaum ins Gewicht fällt.
In vier getesteten Produkten fanden sich versteckte Mengen Alkohol zwischen 0,2 und 0,6 Gramm je 100 Gramm Marzipan, die aber nicht betrunken machen. Die gute Nachricht ist, dass sehr, sehr wenig enthalten ist. Es ist sogar so wenig, dass einige Obstsäfte (z.B. Traubensaft hat bis zu 1%) schon mehr Alkohol enthalten - also absolut nicht schlimm.
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Oft stecken in den zur Weihnachtszeit beliebten Marzipan-Kartoffeln, süßen Schweinchen, Kuchen mit Marzipan oder Plätzchen kleine Mengen Alkohol. Aber Marzipan gibt es auch ganz ohne Alkohol - insbesondere traditionelle Sorten wie Lübecker Marzipan, das vollständig auf Alkohol und Konservierungsstoffe verzichtet.
Unterschiedliche Kennzeichnungsregeln und Zutatenlisten
Verpackte Lebensmittel: Nur wenn Alkohol als Zutat verarbeitet worden ist, muss der Hersteller diesen in der Zutatenliste aufführen. Dort kann er aber unter verschiedenen Begriffen angegeben sein - wie zum Beispiel Trinkalkohol, Ethanol, Ethylalkohol oder Äthanol.
Weitere alkoholhaltige Zutaten sind beispielsweise Spirituosen wie Arrak, Cognac, Marc de Champagne, Sherry oder Calvados. Aber: Wird Alkohol nur als Trägerstoff (beispielsweise für Aromen) eingesetzt, ist eine Kennzeichnung im Zutatenverzeichnis nicht verpflichtend. So können verarbeitete Lebensmittel Alkohol enthalten, ohne dass es erkennbar ist. Einige Hersteller kennzeichnen auch dann freiwillig.
Bei unverpackten Lebensmitteln gibt es keine Kennzeichnungspflicht. Beinhalten zum Beispiel lose verkaufte Pralinen Alkohol, muss das nicht gekennzeichnet werden. Für Gerichte im Restaurant oder Kuchen im Café gilt das ebenso.
Warum benutzen Hersteller Alkohol für Marzipan?
- Alkohol dient als Lösungsmittel der Aromen.
- Er verstärkt das Aroma und sorgt für eine bessere Haltbarkeit.
- Der Alkoholanteil wird oft aus Kostengründen gewählt.
Der Alkohol ist unter anderem zuständig für die Aromabildung. Den Herstellerfirmen ist aber nicht unbedingt eine umfassende Deklaration vorgeschrieben, insbesondere bei festen Lebensmitteln.
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Frisch gebackene Aufbackbrötchen - sie können Alkohol enthalten, wenn auch nur in sehr geringen Mengen. Gerade für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen keinen Alkohol zu sich nehmen - zum Beispiel trockene Alkoholiker - können schon geringe Mengen schädlich sein. Etliche Lebensmittel enthalten Alkohol, auch solche bei denen Verbraucher nicht unbedingt damit rechnen.
Produktbeispiele: Wo versteckt sich Alkohol?
Gerade fertige Kuchen, Desserts, Kuchenrollen oder -riegel mit Füllung, Süßigkeiten, Milchbrötchen, Backrohlinge oder Eis können Alkohol enthalten. Aber auch andere Süßigkeiten mit Marzipan enthalten Alkohol, der - wie hier - oft nur in der Zutatenliste auf der Rückseite deklariert ist.
Auf den Verpackungen der einzelnen Croissants ist zwar eine Zutatenliste abgebildet, diese versteckt sich jedoch hinter einer breiten Pfalz. Nicht selten liegen Milchbrötchen in der Brotbox für Kita oder Schule - hier rechnet man nicht mit einem Alkoholzusatz.
Messungen: Wie viel Alkohol steckt tatsächlich im Marzipan?
Die winzigen Mengen zwischen 0,2 und 0,6 Gramm je 100 Gramm Marzipan machen nicht betrunken. Auch Fruchtsaft und Essig enthalten ähnliche Mengen Alkohol, die aber durch natürliche Gärung entstehen. Dabei kommt der Alkoholgeschmack nicht zur Geltung.
| Lebensmittel | Alkoholgehalt (g/kg oder g/Liter) |
|---|---|
| Spirituosen-Pralinen | bis zu 63 g/kg |
| Weingelee | 35 g/kg |
| Marzipan | 0,2-0,6 g/100g |
| Fruchtsaft (Traubensaft) | bis zu 10 g/Liter |
| Mischbrot | 2-4 g/kg |
Gesundheitliche Bewertung: Marzipan für Kinder, Schwangere und Alkoholverzichter
Selbst Kinder essen Marzipantorte, und nirgendwo ist bekannt geworden, dass über diese übliche Menge eine gesundheitliche Schädigung aufgetreten ist. Du isst ja wahrscheinlich auch Obst und da ist ja ebenfalls Alkohol drin.
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Zum Schutz des ungeborenen Kindes sollten Schwangere keinen Alkohol zu sich nehmen, auch nicht in kleinen Mengen. Dennoch können sie Marzipan bedenkenlos naschen - der enthaltene Alkohol ist zu gering, um negative Auswirkungen zu haben.
Manchmal wird Marzipan mit alkoholhaltigem Rosenwasser abgeschmeckt. In so geringer Menge ist der Alkohol aber nicht schädlich für das Baby. Auch manche Fruchtsäfte weisen natürlicherweise niedrige Alkoholgehalte auf und dürfen in üblichen Mengen von Schwangeren getrunken werden.
Viele schätzen Marzipan als süße, relativ naturbelassene Nascherei. In industriell produzierter Marzipanrohmasse findet sich darüber hinaus oft Invertzuckersirup sowie das Feuchthaltemittel Invertase. Darüber hinaus können für den typischen Marzipangeschmack Bittermandeln beigesetzt sein. Sie enthalten das Amygdalin, eine Vorstufe der Blausäure.
Rohmarzipan, Edelmarzipan und Lübecker Marzipan: Unterschiede und Tradition
Die Basis eines jeden Marzipans ist die Marzipanrohmasse - eine Komposition aus Mandeln, Zucker und Wasser. Für einfaches Marzipan reicht es nach dem Lebensmittelrecht aus, wenn es mindestens zur Hälfte aus Marzipanrohmasse besteht. Der Rest darf Zucker sein.
Bei Lübecker Marzipan liegt der Zuckergehalt der Rohmasse spürbar niedriger: Der Zuckergehalt der Rohmasse darf höchstens 35% betragen. Lübecker Marzipan verzichtet vollständig auf Alkohol und Konservierungsstoffe. Diese bewusste Reduktion sorgt nicht nur für einen unverfälschten Genuss, sondern auch für eine angenehm natürliche Haltbarkeit von 2-3 Monaten.
Wie erkennt man Alkohol im Marzipan?
Falls du im Supermarkt Marzipan kaufen willst, kannst du auf die Zutatenliste schauen. In den meisten Marzipan Produkten ist Alkohol drinnen. Aber das ist alles so gering, ich würde mir keinen Kopf machen. Es ist so oft in Dingen Alkohol drinnen, von denen man das gar nicht denkt.
Die Verbraucherzentrale fordert deutliche Hinweise auf alkoholhaltigen Lebensmitteln. "Verbraucherbeschwerden zeigen, dass viele Menschen die Angabe von Alkohol in der Zutatenliste übersehen", sagt Stephanie Wetzel, Koordinatorin des Projekts "Lebensmittelklarheit" im Verbraucherzentrale Bundesverband.
Die Kennzeichnung bleibt ein Problem, denn auf kleinen Packungen mit weniger als 10 cm² Oberfläche müssen Hersteller kein Zutatenverzeichnis aufdrucken.
Fazit: Marzipan und Alkohol - realistische Risikobewertung
Obwohl die Kennzeichnung von Alkoholgehalten seit langem bekannt ist und häufig kritisiert wurde, haben bisher weder Politik noch Hersteller bei der Kennzeichnung nachgebessert. Lebensmittel können mitunter Alkohol enthalten, ohne dass dies gekennzeichnet werden muss.
Für Menschen, die Alkohol meiden müssen oder wollen, ist es daher mitunter schwierig, sich über den Alkoholgehalt der entsprechenden Lebensmittel zu informieren.
Zum Schutz von Kindern und abstinenten Erwachsenen ist es ratsam, auf Produkte zu achten, bei denen explizit „ohne Alkohol“ deklariert ist oder eine klare Zutatenliste vorliegt. Alternativ kannst du Marzipan selbst herstellen - dann weißt du ganz genau, was drinsteckt. Das Rosenwasser kannst du problemlos durch Orangensaft ersetzen, Zucker durch Honig.
Marzipan und weitere Zutaten: Bittermandeln, Persipan und Mandelqualität
Bittermandeln beeinflussen den Geruch und Geschmack stark. Ihrem Öl verdankt Marzipan sein typisches, leicht bitteres Aroma. Allerdings müssen Bittermandeln sorgfältig dosiert werden, da aus ihrem Inhaltsstoff Amygdalin im menschlichen Verdauungstrakt giftige Blausäure abgespalten werden kann.
Vielleicht hast du schon einmal von Persipan gehört. Es handelt sich um einen günstigeren Marzipan-Ersatz, der statt Mandeln das Innere von Aprikosenkernen enthält. Auch Aprikosenkerne enthalten Amygdalin in vergleichbarer Menge wie Bittermandeln. Deshalb sind sie für den Rohverzehr nur bedingt geeignet.
Mandeln sind anfällig für Schimmelpilze, welche das Gift Aflatoxin abgeben können. Die Mandeln der Testprodukte waren offenbar recht gut kontrolliert. In sieben fanden sich nur geringe Spuren von Aflatoxinen.
Alkohol in anderen Lebensmitteln - ein Überblick
Viele Lebensmitteln des täglichen Konsums enthalten geringe Mengen an Alkohol (gemeint ist hierbei die chemische Verbindung Ethanol). Gerade Kinder sollten nicht frühzeitig an den Geschmack von Alkohol gewöhnt werden.
Fruchtsäfte, Kefir, Sauerkraut oder Brot enthalten durch natürliche Gärung Alkohol, der geschmacklich meist nicht zu bemerken ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung erläuterte, dass Ethanol aus natürlichen Gärungsprozessen nicht kritisch im Hinblick auf eine Rausch auslösende oder toxische Wirkungen sei - auch bei Verzehr größerer Mengen und durch "empfindliche Untergruppen" in der Bevölkerung.
Marktrecherche und Messungen - Tabelle der Ethanolgehalte
Das LGL hat im Rahmen eines breit angelegten Schwerpunktprojektes den Ethanolgehalt in verschiedenen marktüblichen Lebensmitteln ermittelt und dabei über 1200 potentiell alkoholhaltige Lebensmittel untersucht. Die höchsten Alkoholgehalte wurden mit 63 Gramm pro Kilogramm in spirituosenhaltigen Pralinen und 35 Gramm pro Kilogramm in einem Weingelee festgestellt.
| Lebensmittel | Alkoholgehalt |
|---|---|
| Spirituosen-Pralinen | bis zu 63 g/kg |
| Weingelee | 35 g/kg |
| Marzipan | 0,2-0,6 g/100g |
| Traubensaft | bis zu 10 g/Liter |
| Mischbrot | 2-4 g/kg |
| Überreife Bananen | bis zu 7,37 g/kg |
In der gesamten Literatur der Kinderheilkunde ist kein Fall bekannt, bei der über diese Lebensmittel aufgenommene Alkoholmenge eine gesundheitliche Schädigung aufgetreten ist. Deshalb ist es weiterhin richtig, dass ein vermehrter Konsum dieser kohlenhydratreichen Lebensmittel empfohlen wird, sowohl Kindern als auch Erwachsenen.
Die Anwesenheit von geringen Ethanolmengen ist in vielen Lebensmitteln kaum vermeidbar.
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