Hans Zimmer und der Soundtrack von Dune: Entstehung, Entwicklung und Komposition der Wüstenklänge

Für seine Musik zum ersten Teil von "Dune" bekam der deutsche Filmkomponist Hans Zimmer einen Oscar. Vor dem Kinostart von "Dune. Part Two" sprach Zimmer darüber, dass er gerne Neues ausprobiert. "Manchmal kann es auch ein Genre sein, von dem ich nichts weiß, damit es ein neues Abenteuer wird", sagte er der Deutschen Presse-Agentur in London.

Für den 66-jährigen Hans Zimmer, der die Science-Fiction-Romane von Frank Herbert nach eigener Aussage als Teenager verschlungen hat, ist "Dune" eine Herzensangelegenheit. Die Fortsetzung des Science-Fiction-Epos nach dem Buch von Frank Herbert führt weltweit die Kinocharts an. Und wie beim ersten Teil ist Zimmer wieder verantwortlich für die monumentale Klangwelt. Zimmer entwickelte für "Dune" sogar spezielle Musikinstrumente und synthetisierte alle Schlagzeuge im Soundtrack. Er brachte anachronistische Elemente wie Dudelsäcke ein und erschuf eine Welt aus fremdartigen, exotischen Klängen und Stimmen.

Hans Zimmer bei der Arbeit im Studio

Musikalische Experimente und die Suche nach neuen Klängen

Hans Zimmer liebt musikalische Experimente und probiert bei der Arbeit gern Neues aus. Um für den Wüstenplaneten Arrakis eine authentische akustische Atmosphäre zu schaffen, nutzte Zimmer Instrumente und Techniken, die weit über das Standard-Hollywood-Repertoire hinausgehen. Zimmer hat gesagt, dass er immer auf der Suche nach neuen Sounds ist, die es noch nicht gibt. Physical-Modeling-Instrumente sind eine weitere Möglichkeit, einzigartige Sounds zu entwickeln. Synthesizer wie Baby Audio Atoms oder Applied Acoustics Systems Chromaphone, die das Verhalten verschiedener Klangkörper virtuell nachbilden, sind dafür geradezu wie gemacht!

Aus verfremdeten Instrumenten und Gesängen, selbst gebauten Gerätschaften und Synthesizern entsteht das klangliche Abbild des Wüstenplaneten Arrakis und seiner Bewohner. Teile des Soundtracks entstanden laut Hans Zimmer schon, bevor der Regisseur Denis Villeneuve überhaupt mit der Verfilmung des zweiten Teils der Science-Fiction-Saga begonnen hatte. Als er mit der mit einem Oscar ausgezeichneten Musik zu „Dune: Part One“ (2021) fertig war, schrieb der Komponist einfach weiter - zum einen, weil er den Regisseur durch seine Musik inspirieren wollte, und zum anderen, weil er sich absolut sicher sein konnte, dass die Produktionsfirma grünes Licht für den zweiten Teil geben würde. Berichten zufolge waren etwa anderthalb Stunden Musik bereits fertig, als das Filmprojekt konkreter wurde.

Kompositorische Besonderheiten: Die Stimme als zentrales Element

Wie schon beim ersten Teil kommt dem Gesang im Soundtrack zu „Dune: Part Two“ eine entscheidende Rolle zu. Besonders die markante Stimme von Loire Cotler bohrt sich in das Gedächtnis der Kinobesucher und verleiht dem Soundtrack einen einzigartigen Charakter. Wie schon bei „Dune: Part One“ werden viele Stimmen zudem drastisch mit Effekten verfremdet, um fremdartiger, mystischer oder bedrohlicher zu klingen. Ein Linguist entwickelte sogar eine eigene Sprache!

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Loire Cotler bei einer Scoring-Session

Die Vokalanteile bleiben ein bestimmendes Element der Komposition: Die Sängerin Loire Cotler (mit der Zimmer bereits bei X-Men: Dark Phoenix zusammengearbeitet hat) steuert mit ihrem elektrisierenden Klagegesang die Stimme für den Orden der Bene Gesserit bei. Gleich der Beginn des Filmes verstört: Es erklingt keine klassische orchestrale Ouvertüre, sondern eine Art mysteriöser Kehlkopfgesang, der für die Saurokar (die Elitetruppe des Emperators) steht: Die verzerrt klingende Stimme entstand, indem sie von Zimmer durch den Kompressor gejagt wurde.

Die Bedeutung des Gesangs und die Verbindung von Charakteren

Zimmer suchte nach einer Möglichkeit, die Fremen, die Atreides-Familie und die Bene Gesserit auf geheime Weise zu verbinden und das auf eher spirituelle Weise. "Die Sache war also die, dass ich - selbst als Teenager - immer die Frauenstimmen hörte. Und Denis [Villeneuve] dirigierte mich in gewisser Weise zu unserer Spiritualität hinter diesen Stimmen." Ein Gedanke war, dass einzig und allein die menschliche Stimme [in Dune] rein bleiben sollte. Tatsächlich blieb sie aber nicht rein, das ist Quatsch. Ich habe unaussprechliche Dinge damit angestellt. Aber für mich fühlte es sich sehr danach an, dass wir die Gelegenheit hatten, eine Welt zu bauen, eine Welt zu erfinden und dieser Idee treu zu bleiben und sie konsequent durchzuziehen.

Unkonventionelle Instrumentation: Von Duduk bis Dudelsack

Auch die vielen seltenen, alten und exotischen Instrumente tragen dazu bei, die Atmosphäre einer entfernten, fremden Welt zu erschaffen. Neben anderen ungewöhnlichen Holzblasinstrumenten verwendet Hans Zimmer zum Beispiel eine Duduk - ein traditionelles Instrument aus Armenien, meisterhaft gespielt von Pedro Eustache. Andere Flöten werden auf unkonventionelle Art gespielt oder entfremdet, um zum Beispiel luftige, flüsternde Klänge zu erzeugen.

  • Duduk für exotisches Flair
  • 30 Dudelsäcke beim Marsch der Atreides
  • Elektrisches Cello mit Fuzz-Effekt (Tina Guo)
  • Selbst entwickelte und manipulierte Schlaginstrumente

Zimmer synthetisierte alle Schlagzeuge im Soundtrack und brachte anachronistische Elemente wie Dudelsäcke ein, die für einen Sci-Fi-Soundtrack merkwürdig anmuten, bei Dune aber hervorragend funktionierten. Zusammen mit Musiker und Instrumentenbauer Chas Smith hat Zimmer über viele Monate am reichhaltigen Instrumentarium für die Filmmusik getüftet, wobei immer wieder manipuliert, verfremdet und rekombiniert wurde, um Dune seine charismatische, nie ganz fassbare Klanglandschaft zu geben.

Dudelsack-Marsch: Szene aus Dune mit Atreides und Dudelsäcken

Dynamik zwischen Musik und Sounddesign

Zimmer arbeitete dabei eng mit Sounddesigner Mark Mangini zusammen, um sicherzustellen, dass die musikalische Untermalung und das allgemeine Sounddesign des Films gut zusammenpassen. Außerdem arbeitete er eng mit den beiden Musikern Chas Smith und Guthrie Govan zusammen. Eine solche Zusammenarbeit gestaltet sich immer aber auch schwierig. Laut Zimmer hätten sie alle in ihren Köpfen Dinge gehört, die sich nicht beschreiben lassen und unmöglich zu gestalten sind. Am Ende seien sie einfach Menschen gewesen, die am Rande des Machbaren zusammengearbeitet hätten.

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Soundgestaltung für den Wüstenplaneten Arrakis

Die schweren Mauern der Hauptstadt werden durch sich auftürmende Klangwände gespiegelt, in denen Bassfundament, Schlagwerk und E-Gitarren kulminieren. Flöten wie das Duduk verströmen exotisches Flair; stets vermeint man das Rauschen des unbarmherzigen Windes zu hören. Zimmer Musik überträgt den Flügelschlag der Ornithopter in seine Musik, die Sandwürmer brodeln sich aus der Tiefe des Sandes hervor.

Der Wüstenwind sei eine große Inspirationsquelle gewesen, denn jeder sei dazu gezwungen, mit der Umgebung zu leben, mit den Klängen, die der Planet selbst erzeugt. Zimmer nennt den Wind, der nicht heult, sondern eher leise durch die Wüste pfeift, singt.

Arrakis: Architektur und Atmosphäre des Wüstenplaneten

Charakter- und Parteienbezogene Musikgestaltung

Die Musik, die das Haus Harkonnen begleitet, beiße und belle und alles, was es dazu bräuchte, so Zimmer, seien ein Deutscher und ein Verzerrer. Wie der in Frankfurt geborene Komponist darlegt, hätte er hierzu sein tiefstes, finsterstes, tiefschwarzes Herz ergründet und sich davon leiten lassen.

Ob die spirituelle Schwesternschaft der Bene Gesserit, die Truppen des Imperators, die Harkonnen, die ihre Macht um jeden Preis erhalten wollen oder die Fremen, deren Existenz ständig von der Auslöschung durch die Besatzer bedroht ist - musikalisch werden diese Parteien durch eigene Klangebenen repräsentiert.

Partei/Charakter Musikalisches Element Instrumente bzw. Technik
Bene Gesserit Klagegesang, mystische Vokaleffekte Loire Cotler, Spracheffekte
Atreides Archaischer Marsch Dudelsäcke
Harkonnen Bedrohliche, dunkle Klänge Verzerrte Instrumente, tiefe Bässe
Fremen Wüstenklänge, Wind-Flair Duduk, Flöten, Windgeräusche

Die Inspiration: Frank Herberts Roman und die Eigenheiten von Dune

Um sich inspirieren zu lassen, tauchte Zimmer auch tief in seine Erinnerungen an den Roman von Frank Herbert ein, von dem er schon sein Leben lang ein Fan ist. Er rief sich die Eindrücke in Erinnerung, die ihm der Roman vermittelte und von wem dieser wirklich handelte, um herauszufinden, welche Klänge für den Film die besten seien. "An was ich mich noch erinnerte, war die Idee, dass Dune einem auf sehr clevere Art und Weise den Eindruck vermittelt, dass Paul Atreides der Held ist. Dabei sind im Roman eigentlich die Frauen die starken Charaktere", erklärt Zimmer.

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Die Familie Atreides wird als neuer Hüter des begehrten Spice, dessen Abbau für den Machterhalt des Imperiums von strategischer Bedeutung ist, nach Arrakis berufen. In der Wüste lauern monströse Würmer und die Sandstürme erreichen apokalyptische Dimensionen.

Making of: Hans Zimmer Dune Soundtrack und Arrakis-Klänge

Soundtrack-Formate und musikalische Referenzen

Reichlich clever von Zimmer, sich musikalisch auf die damaligen Elektronik-Pioniere zu beziehen, bei denen er davon ausgehen konnte, dass sie zumindest beim älteren Publikum sinnfällige Assoziationen auslösen würden. Nicht minder bemerkenswert wie die Filmmusik ist auch ihre Zweitverwertung auf Tonträger: Dune gibt es nämlich in gleich drei Fassungen: Neben dem Original-Soundtrack, der über 74 Minuten die Musik im Film nachzeichnet, empfiehlt sich das zwei CDs umfassende Dune Sketchbook, auf dem Zimmer die zentralen Ideen der Filmmusik zu konzertanten Suiten weiterentwickelt hat. Spätestens in dieser äußerst hörenswerten Form fällt ein weiterer Bezugspunkt der Komposition auf: Denn beim Hören kommen etwa die instrumentalen avantgardistischen Konzept-Alben von Künstlern wie Jean-Michel Jarre, Mike Oldfield, Vangelis und Tangerine Dream aus den 70er- und 80er-Jahren in den Sinn.

Soundtrack-Version Merkmale Länge
Original-Soundtrack Filmmusik im Filmkontext ca. 74 min
Dune Sketchbook Konzertante Suiten, musikalische Ideen vertieft über 100 min

Das Sketchbook bietet trotz der ausschweifenden Länge von über 100 Minuten sogar die beste Repräsentation der Musik, weil die Bearbeitungen es Zimmer erlauben, musikalische Gedanken zu vertiefen und reizvoll mit Elementen des Minimalismus zu spielen.

Die Rolle der Filmmusik im Sci-Fi-Genre und Zimmers Vision

Im Zoom-Chat mit IGN erklärte Zimmer, welche bedeutende Rolle Filmmusik in Sci-Fi-Filmen immer einnehmen muss. "Science-Fiction-Soundtracks bieten dem Komponisten eine immense Freiheit, wenn es darum geht, eine Welt zu erschaffen und musikalisch uneingeschränkt zu arbeiten, mit Klangfarben, die zuvor nicht mal existierten. Man wird darum gebeten, wortwörtlich eine Welt zu erschaffen." Für Zimmer stellen - in keiner spezifischen Reihenfolge - Blade Runner, Alien, Star Wars und Forbidden Planet die besten Sci-Fi-Soundtracks dar, wenngleich er auch die Filmmusik zu Gattaca wertschätzt.

In seiner beeindruckenden Dune-Interpretation reduziert Denis Villeneuve Frank Herberts komplexe politische Ränkespiele zu einem bizarr-exotischen Weltenbau, der das audiovisuelle Erleben des Wüstenplaneten vor Dialoge und Plot stellt. Entsprechend interessiert sich auch die Filmmusik von Hans Zimmer weniger für die narrative Ebene des Filmes. Seine Komposition eröffnet stattdessen vielfältige Klangräume, in denen Architektur und Geografie resonieren.

Infografik: Entwicklung und Aufbau des Dune-Soundtracks

Fazit: Meilenstein der modernen Filmmusik

Selten gab es in der Kinogeschichte auf der Tonspur einen so präsenten, die immersive Filmerfahrung bereichernden Klangraum wie ihn Zimmer hier bietet. Dune ist auch ohne Vergleich außergewöhnlich genug und in seiner Fusion von Musik und Sound Design ein cineastischer Meilenstein in der Entwicklung hin zur atmosphärischen Filmmusik.

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