Glasuren für Tonarbeiten: Anleitung, Arten und Anwendung
Glasur ist eine entscheidende Komponente beim Töpfern, die deinen Keramikstücken nicht nur Farbe und Glanz verleiht, sondern auch ihre Oberfläche schützt und wasserdicht macht. Beim Glasieren spielen super viele Faktoren mit, z.B. die Brenntemperatur, die Beschaffenheit des Tons und natürlich auch die Kombination der Farben. Vor dem Glasieren ist es wichtig, deine Keramikstücke gründlich zu reinigen und zu trocknen.
Bevor du dich ans Glasieren machst, ist es entscheidend, die passende Glasur für dein Vorhaben auszuwählen. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, die über den reinen Farbton hinausgehen:
- Art des Tons: Die Zusammensetzung des Tons beeinflusst, wie die Glasur auf dem Endprodukt aussieht und sich verhält. Poröser Ton kann beispielsweise dazu neigen, Glasur tiefer aufzunehmen, während dichter Ton eine glattere Oberfläche erzeugen kann.
- Brennbereich: Nicht alle Glasuren sind für denselben Brennbereich geeignet. Einige Glasuren sind für niedrige Temperaturen ausgelegt, während andere für hohe Temperaturen benötigt werden.
- Gewünschte Ästhetik: Überlege dir, welchen ästhetischen Effekt du mit deinem Keramikstück erzielen möchtest. Transparente Glasuren können die natürliche Textur und Farbe des Tons betonen, während matte Glasuren eine weichere, subtilere Ästhetik erzeugen.
- Farbwahl: Die Farbwahl der Glasur beeinflusst maßgeblich die Wirkung deines Keramikstücks. Überlege dir, welchen Farbton oder Farbkombinationen am besten zu deinem Projekt passen.
Vorbereitung des Werkstücks
Als erstes muss das Werkstück von Staubresten befreit werden. Wische unsaubere Stellen und den Boden gründlich ab. Die meisten Töpferarbeiten werden glasiert, wobei die Glasur zwei wichtige Funktionen hat. Zum einen schützt sie die Keramik und macht sie langlebig, zum anderen sorgt sie für eine ansprechende Optik, indem sie der Oberfläche einen bestimmten Farbton, ein Muster oder auch Glanz verleiht.
Glasurarten und ihre Eigenschaften
Flüssigglasuren
Flüssigglasuren sind bereits fertig angemischt und man kann sofort loslegen. Sie lassen sich sehr leicht verarbeiten, indem man sie entweder zwei bis drei Mal mit dem Pinsel aufträgt oder verdünnt über das Stück gießt. Sie haften super gut und ich persönlich habe die besten Erfahrungen mit den Glasuren von Botz gemacht. Die Farben tropfen nicht, sehen immer ziemlich exakt aus wie auf der Farbkarte und haben eine etwas zu hohe Temperatur bei meinem letzten Hochbrand problemlos weggesteckt. Flüssigglasuren, die bei der gleichen Temperatur gebrannt werden, können miteinander vermischt und übereinander aufgetragen werden, um so verschiedene Muster und unterschiedliche Farbtöne zu erzielen.
Pulverglasuren
Pulverglasuren sind, wie die Bezeichnung bereits nahelegt, in Pulverform erhältlich und werden vor der Verarbeitung mit Wasser angerührt. Das genaue Mischungsverhältnis ist auf der Verpackung angegeben. Die Glasur sollte eine Konsistenz haben, die etwa zwischen Milch und Kondensmilch liegt. Um Klümpchen auszuschließen, sollte die Glasur zudem durch ein Sieb gegossen werden. Pulverglasur ist in der Regel günstiger als Flüssigglasur, enthält dafür aber auch kein Stellmittel (das das Absinken der Glasur verhindert, sodass man zwischendurch immer wieder aufrühren muss) und kein Mittel, mit dem die Glasur besser am Ton haftet.
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Aber gerade wenn man viele oder große Stücke glasiert, ist Pulverglasur super praktisch, da man sie in einer recht großen Menge anrühren und über die geschrühte Ware schütten kann. Außerdem geht es viel schneller als die Glasuren drei Mal mit dem Pinsel aufzutragen. Pulverglasuren können aber auch mit einem breiten, weichen Borstenpinsel aufgetragen werden. Genauso wie Flüssigglasuren können auch Pulverglasuren miteinander vermischt und übereinander aufgebracht werden, wenn die Brenntemperatur gleich ist.
Kaltglasur
Kaltglasur ist ein Zweikomponentenmaterial aus einem auf Epoxidharz basierenden Harz und einem Härter (cycloaliphatisches Diamin), das im Mischungsverhältnis 1:1 verarbeitet wird. Durch das Vermischen entsteht ein hochwertiger, lackartiger Flüssigkunststoff, der bei Raumtemperatur zu einem glänzenden, kratzfesten Überzug oder festen Formkörper aushärtet. Die transparente Kaltglasur kann als kratzfeste, chemikalienbeständige Lasur auf Kacheln, Vasen, Terrakotta-Schalen, Tischplatten, Modeschmuck, reliefartigen Bildern, selbstgegossenen Skulpturen aus keramischer Gießmasse oder modellierten Tonfiguren, Holzkästen, Dekorationsgegenständen aus Glas, Metall, Stein, Keramik, Pappe etc. aufgetragen werden.
Arten des Glasurauftrags
Beim Auftragen der Glasur stehen dir verschiedene Techniken zur Verfügung, die jeweils ihre eigenen Vor- und Nachteile haben:
- Streichen: Das Pinseln ist die traditionellste Methode zum Auftragen von Glasur und ermöglicht eine präzise Kontrolle über das Endresultat. Du verwendest einen Pinsel, um die Glasur gleichmäßig auf die Oberfläche des Keramikstücks aufzutragen, wodurch du feine Details und Muster erzeugen kannst. Dabei sollte die Glasur in einer gleichmäßigen und eher dünnen Schicht aufgebracht werden. Werden mehrere Schichten aufgetragen, erfolgt jeder Anstrich quer zu dem vorherigen und sorgt für ein gleichmäßiges Ergebnis.
- Eintauchen: Das Eintauchen ist eine effektive Methode, um größere Keramikstücke gleichmäßig mit Glasur zu bedecken. Du tauchst das Keramikstück einfach in einen Behälter mit flüssiger Glasur, wodurch eine gleichmäßige Schicht auf der gesamten Oberfläche entsteht.
- Gießen: Beim Gießen wird die flüssige Glasur über das Keramikstück gegossen, wodurch ebenfalls eine gleichmäßige Schicht entsteht.
- Sprühen: Das Sprühen ist besonders nützlich, wenn du eine dünnere oder gleichmäßigere Schicht Glasur auftragen möchtest. Du verwendest eine Spritzpistole oder einen Sprühapplikator, um die Glasur fein zu verteilen.
Tipps und Besonderheiten beim Glasieren
Für Glasurproben werden Probeteile aus Ton benötigt, die vor dem Auftragen der Glasur im Schrühbrand bereits geschrüht sein müssen. Die wohl einfachste Variante sind liegende Proben aus rechteckigen Tonplatten. Für eine detailliertere Untersuchung des Flussverhaltens einer Glasur empfehlen sich stehende Proben, z.B. kleine gedrehte Becher oder aufrecht stehende Tonplatten.
Soll die Glasur nicht mit dem Pinsel aufgetragen werden, sondern der Auftrag durch Spritzen, Tauchen oder Schwenken erfolgen, können streichfähige Flüssigglasuren mit Wasser verdünnt werden. Die fertig glasierte Töpferarbeit sollte einen Tag lang trocknen, danach kann sie gebrannt werden. Im Unterschied zu Flüssigglasuren enthalten Pulverglasuren im Normalfall keinen Glasurleim.
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Das Einbrandverfahren
Klassischerweise werden Töpferwaren glasiert, nachdem sie den Rohbrand unbeschadet überstanden haben und von sämtlichen Fett- und Staubresten befreit sind. Als Alternative gibt es aber auch noch das sogenannte Einbrandverfahren. Hierbei wird der Rohbrand ausgelassen und die Töpferarbeit stattdessen glasiert, wenn sie durchgetrocknet ist. Da sich jeder Ton ein wenig anders verhält, ist es deshalb sinnvoll, das Einbrandverfahren zunächst an einem Musterstück auszuprobieren. Für das Einbrandverfahren können sowohl Flüssig- als auch Pulverglasuren verwendet werden.
Kreativität & Fehlerkultur
Das Töpfern und Glasieren ist ein kreativer Prozess, der Raum für Experimente und künstlerische Freiheit bietet. Man kann sie miteinander kombinieren, übereinander auftragen und herrlich experimentieren oder einfach “auf Nummer sicher” gehen und die fertigen Effektglasuren verwenden. Scheue dich nicht davor, verschiedene Glasuren zu kombinieren, neue Techniken auszuprobieren und deiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Ich möchte die Fails nicht unter den Tisch kehren, denn schlechte Ergebnisse gehören zum Lernen genauso dazu.
Es ist aber super wichtig, dass ihr eure Experimente schriftlich festhaltet! Ich habe angefangen, die Glasuren fotografisch zu dokumentieren. Am Anfang habe ich es mir immer nur in einem Buch notiert, konnte hinterher dann aber oft die Glasur nicht mehr zuordnen. Nach dem Brand hat man keine Ahnung mehr, wie genau man ein tolles Ergebnis erzielt hat und kann es dann auch nicht wiederholen.
Kaltglasur: Spezialanwendungen und Sicherheitsaspekte
Kaltglasur kann auf Formteile aus Styropor aufgetragen bzw. zum Verkleben von Styropor mit anderen Materialien (GFK, Metall etc.) verwendet werden. Sie lässt sich auf verschiedenste Untergründe auftragen und ist daher besonders vielseitig. Nach dem Anschmischen verändert die Kaltglasur mit zunehmender Zeit ihre Viskosität. Das eröffnet je nach Verarbeitungszeitpunkt unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten:
| Zeit nach dem Mischen | Konsistenz | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| Direkt nach dem Mischen | sehr dünnflüssig | Imprägnieren von Textilgeweben (z. B. Lampenschirme) |
| ca. 30 Minuten | honigartig | Beschichten senkrechter Flächen (Vasen, Flaschen, Schalen) mit dem Spatel |
| ca. 60 Minuten | dickflüssig | Beschichten von Schmuckstücken; Reparatur von Porzellan |
| ca. 90 Minuten | zähflüssig | Tropfen- und Struktureffekte, Gischt-/Wellenimitation im Modellbau |
Sicherheitshinweis: Bei der Verarbeitung möglichst Hautkontakt vermeiden - Schutzhandschuhe tragen. Beim Arbeiten mit Spritzpistolen unbedingt eine Schutzbrille tragen. Bei Augen- oder Hautkontakt mit Kaltglasur sofort mit fließendem, kaltem Wasser abspülen und einen Arzt aufsuchen.
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Beispiele und Experimente mit Kaltglasur
Schmuckstücke können beschichtet, Porzellan repariert oder komplexe Farbeffekte erzeugt werden. Besonders beeindruckend sind Techniken, bei denen farbige Kaltglasur aufgetragen und mit Werkzeugen (z. B. Streichholz, Zahnstocher) ineinandergeschoben oder gezogen wird, sodass kunstvolle Muster und Übergänge entstehen. Auch die sogenannte Kerzentechnik, bei der auf Kerzenruß gezielt Glasureffekte erzielt werden, erweitert das künstlerische Ausdrucksspektrum.
Landschaftsmodellbau: Bewegtes Wasser, Gischt etc. wird mit der bereits zähflüssigen, fast sirupartigen Kaltglasur hergestellt, die dazu nochmals kräftig aufgerührt wird, sodass die gewünschte Wellen- oder Gischtstruktur entsteht. Die Glasur kann dafür zusätzlich eingefärbt werden.
Häufige Probleme und Tipps zur Fehlervermeidung
- Der Auftrag der Glasur muss gleichmäßig erfolgen - zu dicke Schichten fließen ab, zu dünne erscheinen fleckig oder matt.
- Feuchte, fettige oder staubige Stellen verhindern das gleichmäßige Haften der Glasur.
- Die fertig glasierte Töpferarbeit sollte mindestens einen Tag lang trocknen, bevor sie gebrannt wird, damit keine Blasen oder Risse entstehen.
- Handelt es sich um ein Gefäß, sollten der Boden und der untere Teil aber nur einmal glasiert werden, um ein Ablaufen der Glasur zu verhindern.
- Unbedingt darauf achten, dass bei Perlen und Anhängern keine Glasur in die Lochungen gelangt - dies kann sonst zum Verkleben und zu Schäden führen.
- Unbedingt die Angaben des Glasurherstellers zur Brenntemperatur einhalten.
Praxistipps aus Erfahrungen und Projekten
Da das hier mein Töpfertagebuch, teile ich meine Ergebnisse mit euch, vielleicht gefällt euch ja das Eine oder Andere Stück recht gut und ihr möchtet die Glasur auch mal ausprobieren. Die Teile wurden alle (bis auf eine Ausnahme) bei 1240 Grad gebrannt. Hier ist die Glasur ein wenig gelaufen, aber das gefällt mir super gut, weil es diese gerade Form etwas auflockert. Die Namen stehen hier nicht dran, aber die Glasuren sind von Botz und heißen „Sonnenfeuer“ (unten) und „Morgentau“ (oben). Morgentau ist meine Lieblingsglasur.
Töpfern und Glasieren bleibt ein faszinierender und experimenteller Prozess, der viele Möglichkeiten bietet, sich kreativ zu entfalten und dabei einzigartige, individuelle Keramikobjekte zu erschaffen. Alles Liebe, seid kreativ!
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