Glasur für Fliesen: Eigenschaften, Herstellung und Anwendungsbereiche
Keramikfliesen sind aufgrund ihrer Langlebigkeit und Pflegeleichtigkeit ein beliebtes Material für Oberflächenbeschichtungen. Glasierte Fliesen, insbesondere solche aus Feinsteinzeug, bieten eine Kombination aus Ästhetik und Funktionalität, die sie für eine Vielzahl von Anwendungen geeignet macht. Dieser Artikel beleuchtet die Eigenschaften, Herstellungsprozesse und Anwendungsbereiche von glasierten Fliesen, um eine umfassende Übersicht über dieses vielseitige Material zu bieten.
Was sind Keramikfliesen?
Als Keramik werden Baustoffe bezeichnet, die aus natürlichen, keramischen Rohstoffen hergestellt und gebrannt werden. Keramikfliesen, zu denen die führenden definitiv Feinsteinzeugfliesen und Glasur gehören, verschönern jede Oberfläche und sind sehr robust und haltbar. Ob man sich für glasierte oder unglasierte Fliesen entscheidet, ist eine Frage des Designs und der zu erwartenden Beanspruchung. In stark beanspruchten Bereichen wird man eher zu unglasierten Fliesen tendieren, in anderen eher zu glasierten Fliesen, da manche Oberflächeneffekte sich nur mit Glasuren realisieren lassen.
Fliesen oder Platten, deren Oberfläche kleiner als 90 Quadratzentimeter ist, werden Mosaikfliesen genannt.
Glasierte Fliesen: Zusammensetzung und Eigenschaften
Eine Glasur ist eine Fliese, die aus Ton, Talkumpulver und Sand, kombiniert in entsprechenden Anteilen, entsteht. Es ist ein leichtes und relativ leicht zu verarbeitendes Material. Aufgrund seiner Eigenschaften hat es jedoch gewisse Einschränkungen bei der Verwendung. Die technischen Parameter ermöglichen eine Wandmontage, jedoch aufgrund der geringen Bruchfestigkeit und der leicht zerkratzbaren Oberfläche, eignen sie sich nicht für den Boden.
Glasierte Fliesen sind besonders einfach zu reinigen, denn die Oberfläche ist glatt und geschlossen. Sie sind schmutzabweisend und fleckenbeständig. Allgemein sind glasierte Fliesen empfindlicher als unglasierte Fliesen. Die Abriebgruppe gibt Auskunft über die Strapazierfähigkeit der glasierten Fliese.
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Unterschiede zu Feinsteinzeugfliesen
Worin besteht der Unterschied zwischen einer Feinsteinzeugfliese und einer Keramikglasur? Zunächst liegt der Unterschied in den Rohstoffen, aus denen eine Feinsteinzeugfliese hergestellt wird. Feinsteinzeug ist eine Mischung aus verschiedenen Arten von Ton, Sand und Feldspat. Die Glasur enthält fein gemahlenen Sand, Ton und Talkumpuder. Auch das Herstellungsverfahren ist anders: Feinsteinzeug wird unter hohem Druck gepresst und bei hohen Temperaturen (ca. 1100-1200°C) gebrannt.
Feinsteinzeugfliesen können im Außenbereich verwendet werden.
Vorteile von glasierten Fliesen aus Feinsteinzeug
Glasierte Fliesen aus Feinsteinzeug vereinen ästhetische Schönheit mit außergewöhnlicher Funktionalität.
- Robuste Haltbarkeit: Fliesen aus glasiertem Feinsteinzeug sind äußerst widerstandsfähig gegen Abnutzung und mechanische Belastungen. Sie sind ideal für stark beanspruchte Bereiche wie Eingangsbereiche, Küchen und Badezimmer geeignet, da sie den täglichen Anforderungen standhalten.
- Wasser- und Fleckenresistenz: Die Glasur verleiht den Fliesen eine wasserabweisende Eigenschaft, wodurch sie nahezu unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit und Flecken sind. Dies macht sie besonders pflegeleicht und ideal für Feuchträume.
- Pflegeleichtigkeit: Dank ihrer glatten, glasierten Oberfläche sind diese Fliesen äußerst pflegeleicht. Schmutz und Flecken lassen sich mühelos abwischen, und die Fliesen behalten ihren glänzenden Look über lange Zeit hinweg.
- Ästhetische Vielseitigkeit: Fliesen mit Glasur sind in einer Vielzahl von Farben, Mustern und Oberflächen erhältlich. Ob klassisch, modern oder luxuriös - sie bieten unzählige Gestaltungsmöglichkeiten und können an jeden Einrichtungsstil angepasst werden.
- Langlebigkeit: Die widerstandsfähige Glasur schützt die Fliese vor Kratzern, Abrieb und Verfärbungen. Glasierte Feinsteinzeugfliesen sind darauf ausgelegt, ihre Schönheit und Funktionalität über viele Jahre hinweg zu bewahren.
- Wärme- und Kältebeständigkeit: Feinsteinzeugfliesen sind extrem temperaturbeständig und halten sowohl hohen als auch niedrigen Temperaturen stand, ohne ihre Struktur oder Farbe zu verändern. Das macht sie geeignet für sowohl Innen- als auch Außenanwendungen.
- Rutschfestigkeit: Viele glasierte Feinsteinzeugfliesen bieten rutschfeste Eigenschaften, die die Sicherheit in feuchten Bereichen, wie zum Beispiel Badezimmer oder auf Terrassen, erhöhen.
Herstellungsprozess von glasierten Fliesen
Die Herstellung feinkeramischer Fliesen ist aufwändiger und komplizierter als die von grobkeramischen Produkten.
Schlickerherstellung
Sowohl bei Steingutfliesen als auch bei Steinzeugfliesen steht am Anfang der Produktion die Herstellung des so genannten Schlickers. Dafür werden zunächst die weichen Inhaltsstoffe Ton und Kaolin (Porzellanerde) unter Wasserzugabe verrührt und die harten Rohstoffe Quarzsand und Feldspat gemahlen. Anschließend vermischt man die weiche Masse mit dem Mahlpulver - fertig ist der Schlicker. Danach wird die feuchte Schlickermasse so stark getrocknet, dass am Ende das Rohstoffgemisch als trockenes Pulver vorliegt. Dies geschieht in der Regel per Sprühtrocknung. Der Schlicker durchläuft dafür eine spezielle Maschine, den so genannten Sprühturm, in den ein Heißluftstrom mit einer Temperatur bis zu 220°C geblasen wird. Dadurch entsteht ein feines Pulver, dem je nach Fliesenmodell auch noch Farbpigmente hinzugefügt werden können. Dieses Pulver wird dann in speziellen Pressmaschinen unter hohem Druck zu Steingut- beziehungsweise Steinzeug-Rohlingen geformt. Anders als grobkeramische Platten werden Fliesen also trocken gepresst. Die so entstehenden Rohlinge sind allerdings noch sehr instabil - man kann sie problemlos per Hand zerbrechen. Außerdem enthalten sie auch nach dem Durchlaufen des Sprühturms noch eine Restfeuchte von etwa 6%. Dieses Wasser wird den Rohlingen entzogen, indem sie bei etwa 150°C einen Trockenofen durchlaufen.
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Brennverfahren: Einbrand vs. Zweibrand
Die weiteren Produktionsschritte können sich unterscheiden, je nachdem, ob Steingut- oder Steinzeugfliesen hergestellt werden. Steingut wurde früher ausschließlich im so genannten Zweibrandverfahren hergestellt. Dabei kommen die getrockneten Rohlinge zunächst bei Temperaturen bis zu 1.200°C in einen Ofen. Durch diesen ersten Brenndurchgang entstehen die wesentlichen Materialeigenschaften, die wir von Fliesen kennen. Aus dem anfangs noch brüchigen Rohling wird ein fester keramischer Scherben. Durch die hohen „Backtemperaturen“ verschmelzen die zusammengepressten Bestandteile des Rohlings. Erst nach diesem Brenndurchgang werden die Fliesen glasiert. Dazu trägt man gemahlenes Glaspulver, das mit Wasser vermischt wird, auf die Steingutoberfläche auf. Anschließend folgt ein zweiter Brennvorgang mit geringeren Temperaturen. Dabei schmelzen die Glasteilchen und bilden somit die Fliesenglasur.
Steinzeugfliesen wurden dagegen früher ausschließlich im Einmalbrandverfahren hergestellt. Bei Steinzeug erfolgt der Brennvorgang mit Temperaturen über 1.200°C und damit oberhalb der Sinterungsgrenze, bei der der Feldspat schmilzt. Deshalb ist Steinzeug dichter und fester, und man kann auch unglasierte Fliesen herstellen, die trotzdem sehr wasserbeständig sind. Doch auch glasierte Steinzeugfliesen wurden lange Zeit nur einmalig gebrannt. Die Glasur wird dafür bereits vor dem ersten (und einzigen) Brenndurchgang auf den Rohling aufgebracht. Der Nachteil dieses Verfahrens: Manche Glasuren - vor allem farbintensive Varianten - vertragen nicht die hohen Temperaturen von mindestens 1.200°C.
Mittlerweile hat die Fliesenindustrie ihre Produktionsmethoden erweitert und fertigt heute auch Steingutfliesen im ökonomischeren Einmalbrandverfahren. Das funktioniert natürlich nur mit Glasuren, die den hohen Temperaturen des ersten Brenndurchgangs gewachsen sind. Umgekehrt werden auch Steinzeugfliesen mitunter zweimalig gebrannt, wodurch man ansonsten ausgeschlossene Glasurvarianten realisieren kann. Insgesamt dominiert bei der heutigen Fliesenproduktion allerdings das Einmalbrandverfahren.
Glasurauftrag und Design
Die Glasur gestaltet die Fliese farblich. Glasuren gibt es in unterschiedlichen Glanzgraden: matt, halbmatt und glänzend. Die Glasur wird werkseitig aufgetragen.
Mithilfe moderner Bearbeitungstechniken lassen sich Fliesen ganz nach individuellem Wunsch herstellen. Die Methode der Fliesenverlegung und insbesondere ihre Verbindung ist durch Schneiden der Fliesenränder auf 45 Grad oder durch die Verwendung spezieller Abschlussstreifen möglich.
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Immer öfter kehren Designer und Investoren zu handgefertigten oder mit alter Technologie hergestellten Keramikfliesen zurück. Solche Fliesen zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht identisch sind, es kann Abweichungen in der Dimension sowie in den verwendeten Mustern und Farben geben. Gegenwärtig werden solche Keramiken am häufigsten aus Mexiko und Nordafrika, Tunesien oder Marokko nach Europa geliefert.
Sowohl glasierte Fliesen als auch Terrakotta- oder Feinsteinzeugfliesen können mit vom Künstler handbemalten Mustern verziert und auf ähnliche Weise koloriert werden. In letzter Zeit kommen dekorative Elemente in Form von Patchwork-Fliesen immer mehr in Mode. Patchwork kann in verschiedenen Mustern und in verschiedenen Farben oder Farbschattierungen auf die Oberfläche aufgebracht werden.
Die Abmessungen von Keramikfliesen können von kleinen, z.B. 5 x 5 cm, bis hin zu großen Fliesen reichen.
Glasierte vs. Unglasierte Fliesen: Ein Vergleich
Schon bei der Herstellung unterscheiden sich glasierte und unglasierte Fliesen, so erhalten glasierte Fliesen eine deckende Glasur als Schutz und Nutzschicht. Bei unglasierten Fliesen unterscheidet man 2 Typen, den mit geschlossener und den mit offener Oberfläche. Bei Cotto-Platten ist die Oberfläche offenporig daher werden diese Platten nach dem verlegen mit einer schützenden Wachsschicht eingepflegt. Anders verhält es sich z.B. bei unglasierten Feinsteinzeug-Fliesen hier verglast durch die hohen Temperaturen beim Brennen der Scherben und es entsteht eine geschlossene Oberfläche.
Unglasierte Feinsteinzeugfliesen sind äußerst strapazierfähig und widerstandsfähig. Die Oberfläche und der Scherben - der Körper der Fliese - haben die selbe Farbe. Kleine Beschädigungen in der Fliese fallen daher kaum auf. Unglasierte Fliesen können dem Innenraum einen rustikalen Charme verleihen und werden außerdem im Außenbereich verlegt. Häufig kommen unglasierte Fliesen in öffentlichen Gebäuden zum Einsatz. In der Regel wird empfohlen, die unglasierte Fliese zu versiegeln, sofern dies nicht werkseitig bereits erfolgt ist.
Oberflächenbehandlung von Fliesen
Die Oberfläche von polierten Fliesen wird abgeschliffen, so dass die Fliese glänzt. Durch den Schliff werden kleine Poren geöffnet. In der Regel empfehlen die Hersteller, die polierte Fliese nachträglich zu imprägnieren, wenn dies nicht bereits werkseitig erfolgt ist. Die Imprägnierung dringt in die Poren, verschließt diese und verhindert dadurch, dass Schmutz, Flüssigkeiten, Fette und Öle in die Fliese eindringen. Die Imprägnierung dringt - im Gegensatz zur Versiegelung - tief in die Poren der Fliese ein und schützt das Material. Fliesen können auch nur teilweise poliert werden.
Fliesen können auf unterschiedliche Weise versiegelt werden. Allgemein ist die Versiegelung ein Schutzfilm, der die Oberfläche der Fliese schützt und meist erkennbar ist. Die Versiegelung verleiht der Oberfläche einen Glanz, vermindert zugleich allerdings die Rutschfestigkeit. Die keramische Versiegelung wird werkseitig vorgenommen durch einen speziellen Herstellungsprozess. Die Oberfläche der Fliese wird verdichtet, wodurch die Fliese vor Verschmutzungen geschützt wird.
Belastungsklassen glasierter Fliesen
Glasierte Bodenfliesen aus Steinzeug oder Feinsteinzeug werden im Einbrandverfahren hergestellt und eigenen sich für Wand- und Bodenflächen. Mit Glasuren lassen sich neben rutschhemmenden Oberflächen auch sehr glatte Oberflächen erzeugen. Die Eigenschaften dieser Fliese sind von der Härte des Scherbens (Grundkörpers) und sehr stark auch von der Härte der Glasur abhängig. Die Glasuren werden nach ihrer Widerstandskraft in Belastungsklassen eingeteilt:
- Klasse 3: z.B. Privater Wohnbereich mit wenig kratzender Verschmutzung
- Klasse 4: z.B. Läden, Ausstellungen und gewerbliche Küchen
- Klasse 5: z.B. Einkaufszentren
Die Zuordnung zu den Belastungsklassen erfolgt nach genormten Verfahren. Die glasierte Fliese wird hier einer definierten schleifenden Belastung ausgesetzt und anhand von visuellen Beurteilung der entsprechenden Belastungsgruppe zugewiesen.
Durchgefärbte Fliesen: Ein Missverständnis?
Durchgefärbt ist ein Begriff, der irreführend sein kann, da er meist nicht das hält, was sich der Kunde darunter vorstellt. Bei Fliesen mit sehr einfachem Design, wie Gewerbefliesen ohne großen ästhetischen Ansprüchen oder Cotto, mag dies noch zutreffen. Seit Einführung der digitalen HD Inkjet Technologie wird die Farbe des Scherbens nur noch gefärbt. Einfach erklärt, alle hellen Fliesen erhalten einen hellen Scherben, alle dunklen einen dunklen, daher sieht man häufig eine Farbabweichung zwischen Körper und Oberfläche.
Extrem belastbare unglasierte Fliesen
Durch den monolithischen Aufbau sind unglasierte Feinsteinzeug-Fliesen extrem belastbar. Bei unglasierten Fliesen wird der Widerstand gegen Tiefenverschleiß (Abnutzung) bei einer definierten Belastung aus dem tatsächlichen Materialabtrag ermittelt. Eine Prüfung auf visuelle Veränderungen findet nicht statt, daher werden hier keine Belastungsklassen angegeben, sondern das Volumen des ermittelten Tiefenverschleißes.
Anwendung von glasierten Fliesen
Wandfliesen
Klassische Wandfliesen haben meist einen Scherben aus porösem Steingut und eine durchscheinende oder deckende Glasur. Diese Fliesen eignen sich wegen ihres weichen Scherbens nur für die Wand. Durch ihre meist sehr glatte Oberfläche sind sie sehr reinigungsfreundlich und für den Fliesenleger gut zu verarbeiten.
Bodenfliesen
Glasierte Fliesen aus Steinzeug oder Feinsteinzeug werden im Einbrandverfahren hergestellt und eigenen sich für Wand- und Bodenflächen.
Weitere Anwendungsbereiche
Ein wesentlicher Aspekt bei der Auswahl von Fliesen ist die Reinigung. Sie sind äußerst ästhetisch und in fast jeder gewünschten Farbe erhältlich.
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