Gicht: Ursachen, Symptome, richtige Ernährung und die Rolle von Honig
Gicht ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die durch erhöhte Harnsäurewerte im Blut gekennzeichnet ist. Sie zählt heute zu den häufigsten entzündlichen Gelenkerkrankungen und betrifft vor allem Männer ab mittlerem Alter. Charakteristisch für Gicht ist das schubweise Auftreten plötzlicher, extrem schmerzhafter Gelenkentzündungen, meist am großen Zeh, aber auch an anderen Gelenken. Gicht entsteht durch Ablagerungen von Harnsäurekristallen, die zu Entzündungen und, bei ausbleibender Behandlung, zu dauerhaften Gelenkschäden führen können.
Was ist Gicht und wie entsteht sie?
Bei Gicht handelt es sich um eine Purin-Stoffwechselerkrankung, bei der durch einen dauerhaft erhöhten Harnsäurespiegel (Hyperurikämie) Harnsäurekristalle ausfallen und sich in Gelenken, Schleimbeuteln und sogar Organen ablagern. Die Harnsäure im Körper entsteht beim Abbau von Purinen. Purine sind lebenswichtige Bestandteile jeder Körperzelle und werden sowohl über die Nahrung aufgenommen als auch im Körper selbst hergestellt. Die Harnsäure wird normalerweise zu einem großen Teil über die Nieren ausgeschieden und zu einem geringen über den Stuhl.
Steigt die Harnsäurekonzentration im Blut über einen kritischen Wert (meist > 6 mg/dl bei Männern und > 6,0 mg/dl bei Frauen), können sich Kristalle bilden, die bevorzugt in kühleren Körperbereichen wie den Zehen, Füßen oder Händen eingelagert werden. Dort verursachen sie die typischen Entzündungssymptome der Gicht.
Ursachen: Genetik und Lebensstil als entscheidende Faktoren
Die primäre Gicht ist in den allermeisten Fällen genetisch bedingt. Entweder scheiden die Nieren genetisch vorgegeben zu wenig Harnsäure aus, oder der Körper produziert zu viel davon, allerdings liegt letzteres deutlich seltener vor. Untersuchungen zeigen, dass allein die genetische Prädisposition das Risiko, an Gicht zu erkranken, um das 100-fache erhöhen kann. Allerdings muss Hyperurikämie nicht zwangsläufig zum Gichtanfall führen - dies hängt stark vom Lebensstil ab.
Zu den wichtigsten begünstigenden Faktoren zählen:
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- Ernährung mit hohem Purinanteil (vor allem viel Fleisch, Wurst, Innereien, Meeresfrüchte)
- Regelmäßiger Alkoholkonsum, insbesondere Bier und Spirituosen
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Übermäßiger Konsum von Fruchtzucker (Fruktose), v.a. in Softdrinks, Säften und Fertigprodukten
- Chronischer Stress
- Bestimmte Medikamente (z. B. Diuretika, Zytostatika)
Die sekundäre Gichtform kommt seltener vor und tritt als Folge anderer Erkrankungen (wie Nierenleiden, Leukämien) oder im Zusammenhang mit Arzneimittel-Einnahme auf.
Ursächliche Mechanismen: Fruchtzucker und Harnsäurespiegel
Neue Forschung hat gezeigt, dass Fruchtzucker die Harnsäureausscheidung in den Nieren behindert und so Gichtanfälle fördern kann. Besonders kritisch ist aber nicht der gelegentliche Verzehr von frischem Obst, sondern der hohe Gehalt an Fruktose in industriell hergestellten Produkten wie Softdrinks, Fruchtsäften, Müsliriegeln, Eiscreme und Fertiggerichten. Wenn auf der Zutatenliste Begriffe wie Fruktosesirup, Glukose-Fruktose-Sirup oder Maissirup auftauchen, sollten Menschen mit Gicht Vorsicht walten lassen.
| Lebensmittel | Puringehalt (mg/100g) | Bemerkung |
|---|---|---|
| Innereien (Leber, Niere) | 300-600 | Sehr purinreich - meiden! |
| Hülsenfrüchte | 40-70 | In Maßen erlaubt |
| Milch, Joghurt, Quark | <10 | Sehr purinarm - empfohlen |
| Bier (0,5 l) | 120-160 | Hoher Puringehalt, ungünstig |
| Fleisch, Wurst | 130-200 | Limitieren |
| Frischobst | <15 | Unproblematisch bei Gicht |
Symptome: Typische Anzeichen eines Gichtanfalls
Ein Gichtanfall entwickelt sich meist innerhalb weniger Stunden und betrifft oft ein einziges Gelenk, typischerweise das Grundgelenk des großen Zehs (Podagra). Zu den Symptomen zählen:
- Plötzliche, starke Schmerzen im betroffenen Gelenk
- Schwellung und Rötung
- Überwärmung der Haut
- Starke Berührungsempfindlichkeit (z. B. Schmerz durch Bettdecke)
- Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl
Ohne Behandlung gehen die Beschwerden oft nach ein bis zwei Wochen zurück. Bleibt der Harnsäurespiegel weiter hoch, treten Anfälle in immer kürzeren Abständen auf. Es können sich Gichtknoten (Tophi) im Gewebe und auch Harnsäuresteine in Nieren und Blase bilden.
Gicht und Begleiterkrankungen
Gicht ist häufig mit weiteren Stoffwechselstörungen wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Adipositas und Diabetes mellitus vergesellschaftet. Ärzte sprechen deshalb beim gemeinsamen Auftreten von einem metabolischen Syndrom.
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Diagnose der Gicht
Die Diagnose stützt sich auf die Symptomatik, Blutuntersuchungen (Harnsäure, Entzündungsparameter) sowie das Nachweisen von Harnsäurekristallen in der Gelenkflüssigkeit mittels Gelenkpunktion. Röntgenaufnahmen oder Ultraschall können weiterführend eingesetzt werden, um fortgeschrittene Schäden zu erkennen.
Therapie: Was tun bei Gicht?
Akuter Gichtanfall
Im akuten Schub steht die Schmerz- und Entzündungsbekämpfung im Vordergrund. Hierzu werden in der Regel nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac als klassische Schmerzmittel eingesetzt. Auch Colchicin, eine Substanz aus der Herbstzeitlosen, wird oft verordnet; sie unterbindet die Einwanderung von Entzündungszellen und kann auch zur Anfallsprophylaxe dienen. Kortison kann gegebenenfalls eingesetzt werden, entweder systemisch oder als Spritze ins betroffene Gelenk.
Dauertherapie
Um die Harnsäurewerte dauerhaft unter 6 mg/dl zu senken und neue Anfälle zu vermeiden, kommen Urikostatika wie Allopurinol und Febuxostat zum Einsatz, die die Bildung von Harnsäure hemmen. Benzbromaron (Urikosurika) fördert die Harnsäureausscheidung in den Nieren - hier ist besonders auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Eine neue Medikamentengruppe sind Biologika wie Canakinumab, die bei speziellen Situationen zum Einsatz kommen.
Ernährung bei Gicht: Empfehlungen und Verbote
Eine Ernährungsumstellung gilt als essenzieller Bestandteil der Gichtbehandlung und -prävention:
- Ernährung sollte primär pflanzlich, energie- und fettarm sein.
- Wenig Fleisch, Wurst, fette Fischsorten und ganz selten Innereien.
- Milchprodukte, fettarmer Käse, Joghurt und Eier sind empfehlenswert.
- Hülsenfrüchte, Spargel oder Pilze sind in Maßen erlaubt und gelten als gesundheitlich unbedenklich.
- Purine aus Gemüse, Kartoffeln, Getreide, Pilzen und Nüssen erhöhen den Harnsäurespiegel nicht signifikant und senken sogar das Gichtrisiko.
- Stark einschränken: Alkohol, insbesondere Bier und Spirituosen sowie Softdrinks und industriell gesüßte Produkte mit Fruktose oder Fruktosesirup.
- Reichlich trinken: mindestens 2 Liter Wasser, Mineralwasser oder ungesüßte Tees. Hydrogencarbonatreiches Mineralwasser unterstützt die Ausscheidung von Harnsäure.
Wichtig: Radikale Diäten oder Fastenkuren sind zu vermeiden, da sie durch schnellen Abbau von Körperfett und Muskeln einen akuten Gichtanfall auslösen können. Ein moderates, langsames Erreichen von Normalgewicht ist zielführend und schont die Gelenke.
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Der Einfluss von Honig auf Gicht
Honig enthält neben Glukose auch Fruktose. In kleinen Mengen ist natürlicher Honig für Menschen mit Gicht in der Regel unbedenklich. Anders als industrieller Fruktosesirup bringt Honig jedoch neben Zucker auch wertvolle Enzyme, Vitamine und Antioxidantien mit. Dennoch sollten Gichtpatienten Honig, wie auch andere Süßungsmittel, nur sparsam verwenden, um den Harnsäurespiegel nicht unnötig zu erhöhen. Es empfiehlt sich, insgesamt den Zuckerkonsum inklusive Honig bei Gicht zu begrenzen.
Antworten auf häufig gestellte Ernährungsfragen bei Gicht
- Brot: Vollkornbrote eignen sich besonders gut.
- Fleisch: Mageres Rind, Kalb, Geflügel ohne Haut in Maßen erlaubt.
- Obst: Frischobst in zwei Portionen pro Tag ist unproblematisch.
- Bananen: Ihr Kalium unterstützt den Abbau von Harnsäure. Dennoch: In Maßen genießen.
- Vitamin C: Mäßig fördert es die Harnsäureausscheidung.
- Milchprodukte und Eier: Purinarm - besonders empfohlen.
- Kaffee: Reduziert sogar leicht den Harnsäurespiegel und ist in Maßen unbedenklich.
Prävention: Wie lässt sich Gicht langfristig verhindern?
Mit einer gesunden, ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung, Bewegungsförderung und Normalgewicht können Betroffene das Risiko für Gichtanfälle stark reduzieren. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr verdünnt die Harnsäure im Blut und fördert deren Ausscheidung. Klassische Gichtdiäten mit strengen Verboten werden heute durch flexible, individuelle Ernährungskonzepte ersetzt, die die Lebensfreude erhalten und das Risiko für weitere Erkrankungen senken.
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