Gelee Royal: Wirkung, Inhaltsstoffe und Anwendung des Weiselfuttersafts

Von den Bienen erschaffen, für die Königin reserviert - Gelée Royale ist das wertvollste Geheimnis des Bienenstocks. Diese außergewöhnliche Substanz ist im Bienenstock für die Bienenkönigin reserviert. Was ist Gelée Royale? Gelée Royale ist eine milchig-weiße, leicht säuerlich schmeckende Substanz, die von Ammenbienen zur Fütterung der Bienenkönigin produziert wird.

Herstellung und Gewinnung

Die Herstellung des königlichen Gelée obliegt allein den Bienen. Um Gelée Royale zu produzieren, sondern die Hypopharynxdrüsen der Ammenbiene einen Saft in den Mund der Biene ab, wo er mit Sekreten aus den Mandibeldrüsen und der Honigblase gemischt wird. Nur zwischen ihrem 4. und 12. Lebenstag produzieren junge Arbeiterinnen als “Ammenbienen” das Gelée Royal, um die Larven und die Königin damit zu füttern.

Die Gewinnung von Gelée Royale ist eine anspruchsvolle Aufgabe, da Bienen ihn nur in kleinen Mengen produzieren. Der Imker bringt dafür Kunststoff-Näpfchen in die Waben ein und bestückt diese mit einer winzigen Larve. Nach drei Tagen wird die Larve entfernt und der Vorrat an Gelée Royale (pro Zelle rund 0,3 Gramm) abgesaugt. Die Gewinnung ist sehr arbeitsintensiv und lohnt sich in gemäßigteren Klimazonen kaum. In wärmeren Regionen mit einer längeren Bienensaison kann der Gesamtertrag eines Volkes bis zu 500 Gramm betragen. Entsprechend hoch sind die Preise.

Naturnah wirtschaftende Imker lehnen die Produktion von Gelée Royale ab, da das Entfernen der Königin für das Bienenvolk eine extreme Stresssituation und einen massiven Eingriff in das Gleichgewicht des Volkes bedeutet. Die Ernte von Gelée Royal ist äußerst aufwendig und wird daher nur von wenigen Imkern betrieben.

Optik, Geschmack und Lagerung

Gelée Royal hat eine gallert-artige Konsistenz, die an Wackelpudding erinnert. Zuweilen kann es auch milchig oder schleimig wirken. Es hat eine weißliche bis gelbliche Farbe und ein Aroma, das viele Honigliebhaber so gar nicht von einem Bienenprodukt erwarten würden: säuerlich mit einer bitteren Note im „Abgang“.

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Frisches Gelée Royale kann gekühlt bei 0 bis 5 Grad Celsius bis zu einem halben Jahr aufbewahrt werden, tiefgefroren ohne Nährstoffverlust zwei bis drei Jahre. Frisches Gelée Royal verliert seine Wirkstoffe, wenn es mehr als vier Stunden Licht und Luft ausgesetzt ist. Daher sollte das Gelée Royal am besten im Kühlschrank lichtgeschützt (z.B. in einem dunklen Glas) gelagert werden. Die Aufbewahrung in der Tiefkühltruhe ist auch ohne Qualitätsverluste möglich, jedoch sollte es nur einmalig aufgetaut werden. Gelée Royal Kapseln und Tabletten mit gefriergetrockneten Gelée Royal kann auch bei Raumtemperatur aufbewahrt werden.

Illustration Bienenstock und Produktion von Gelée Royale

Zusammensetzung und Inhaltsstoffe

Gelée Royale enthält alle für die Entwicklung der Bienen wichtigen Nährstoffe sowie Enzyme und Bienenhormone. Rohstoffe sind Pollen und Honig. Neben 60 bis 70 Prozent Wasser sind 11 bis 25 Prozent Zucker (Fruktose, Glukose, Saccharose), 9 bis 18 Prozent Proteine und Aminosäuren sowie 2 bis 8 Prozent Fette enthalten. Darüber hinaus sind vor allem B‑Vitamine enthalten. Gelée Royal enthält Eiweiße, Zucker, Fette sowie Mineralien, Spurenelemente und 16 Vitamine.

Der Gehalt an 10‑Hydroxy‑2‑decensäure, einer Fettsäure, ist ein Merkmal für die Produktqualität (1 bis 6 Prozent). Die 10‑Hydroxy‑2‑decensäure wurde bislang nur im Weiselfuttersaft gefunden und bekam im englischen Sprachraum deshalb den Namen „Queen Bee Acid“.

BestandteilGehalt (typisch)
Wasser60-70 %
Zucker (Fruktose, Glukose, Saccharose)11-25 %
Proteine / Aminosäuren9-18 %
Fette2-8 %
10‑Hydroxy‑2‑decensäure (stufenbildend)1-6 %
B‑Vitamine & MineralienSpuren, variable Mengen

Biologische Wirkung bei Bienen und Epigenetik

Königinnen und Arbeitsbienen unterscheiden sich anatomisch und physiologisch stark, obwohl sie die gleichen Gene haben: Arbeitsbienen sind unfruchtbar und sie leben im Sommer nur drei und im Winter sechs Wochen. Die Eier legenden Königinnen dagegen haben eine Lebenserwartung von drei bis vier Jahren. Diese Differenzierung ist unter anderem auf ihre unterschiedliche Ernährung zurückzuführen. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Bienen erhalten Larven, die in Königinnenzellen liegen, ausschließlich das hochkonzentrierte Gelée Royale, an dessen Bildung beide Drüsen gleichermaßen beteiligt sind.

Australische Gen-Forschungen zeigten, dass die unterschiedlichen Futterbestandteile offensichtlich Entwicklungsgene ausschalten und somit die Differenzierung der Larve zur Königin möglich machen. Faktisch ist das Genom von Arbeiterin und Königin identisch. Der Unterschied: Durch Lebenseinflüsse lagern sich Methylverbindungen an bestimmte Sequenzen der DNS an und sorgen dafür, dass diese Abschnitte nicht mehr abgelesen werden. Wie Ernährung und Umgebung das Erbgut eines Lebewesens verändern kann, untersuchen Wissenschaftler im Fach der Epigenetik.

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Anwendung beim Menschen: Kosmetik, Nahrungsergänzung und Apitherapie

Gelée Royale ist ein beliebter Inhaltsstoff in Anti‑Aging‑ und Pflegeprodukten. Gelée Royal überzeugt in der Kosmetik durch die möglichen Effekte: Gelée Royal Gesichtsfluid, Creme und Serum können regenerierend, straffend und feuchtigkeitsaktivierend wirken. In Pflegeprodukten soll Gelée Royal auf natürliche Weise die Haut straffen und somit für ein jüngeres Aussehen sorgen - so lautet zumindest das Werbeversprechen. Doch der Effekt ist nicht nachgewiesen. Hinzu kommt, dass Inhaltsstoffe in Cremes oder Lotionen meist nicht tiefer als bis in die obersten Hautschichten vordringen können und somit allenfalls oberflächlich wirken.

Gelée Royale wird heute praktisch nur noch als Nahrungsergänzungsmittel (NEM) angeboten, vereinzelt auch in Honigprodukten (darf dann nicht Honig heißen) gemischt. Gelée Royale wird frisch in Trinkampullen und gefriergetrocknet in Kapseln verkauft, teilweise gemischt mit Propolis oder Blütenpollen, aber auch mit Extra‑Vitaminen (z.B. Vitamin C) oder Aloe vera angereichert. Frisch ist Gelée Royale in Honig, Trinkampullen oder Kapseln zu kaufen. Auch gefriergetrocknet in Kapseln oder als Pulver findet Gelée Royale den Weg in viele Geschäfte.

Die Einnahme von Gelée Royal in Kapselform ist besonders praktisch. Das Gelée Royal wird dazu gefriergetrocknet und in eine Kapselhülle gefüllt. Kapseln werden häufig auch als Kombinationspräparate angeboten, beispielsweise Gelée Royal mit Propolis und Blütenpollen. Bei der inneren Einnahme liegt die Normaldosis bei 500 mg pro Tag. Als sogenannte Schönheits- oder Aufbaukur wird generell eine Dauer von drei bis sechs Wochen empfohlen. Dafür nehmen Sie Trinkampullen, Tabletten oder Kapseln täglich nach den Angaben des Herstellers ein.

Produktvarianten Gelée Royale: Ampullen, Kapseln, Creme

Wissenschaftliche Evidenz und Zulässigkeit von Gesundheitsaussagen

Das Problem: Gelée Royale ist ein Naturprodukt, dessen Inhaltsstoffe je nach Saison, Bienenvolk oder Futtermittel schwanken. Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA hat die von Herstellern eingereichten Werbeaussagen (Claims) geprüft und festgestellt, dass kein ursächlicher Zusammenhang zwischen diesen und dem Verzehr von Gelée Royale besteht. Aussagen, wonach Gelée Royale die Immunabwehr unterstützt oder positive Wirkungen auf den Stoffwechsel, Blutgefäße, Drüsenfunktionen, Hautgesundheit, Vitalität sowie Herzgesundheit und normale Cholesterin‑ bzw. Blutfett‑Spiegel habe, sind somit irreführend und damit unzulässig.

Wird auf der Verpackung oder in der Werbung auf Vitamine und Mineralstoffe hingewiesen, müssen diese Mikronährstoffe eindeutig benannt und die genauen Mengen pro Tagesdosis und in Prozent des Referenzwertes angegeben werden. Mit den üblichen Dosierungsempfehlungen kann nicht mit Vitaminen angereichertes Gelée Royale keinen Beitrag zur Bedarfsdeckung mit diesen Mikronährstoffen leisten. Diese Aussage bezieht sich dann jedoch nicht auf das Gelée Royale, sondern auf das zugesetzte Vitamin C.

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Humanstudien, die eine Wirksamkeit von Bienenprodukten gegen Krebs zeigen, gibt es nicht. Diskutierte Effekte von Gelée Royale auf den Blutzucker-Spiegel, die Leberfunktion sowie das Körpergewicht konnten bisher ebenfalls nicht nachgewiesen werden. Einige klinische Studien (z. B. zur Aufnahme über sechs Monate) lieferten teils positive, aber nicht ausreichend belastbare Ergebnisse; viele Untersuchungen sind klein, heterogen oder an Tieren und in vitro durchgeführt.

Sicherheitsaspekte, Kontaminanten und gesetzliche Regelungen

Achtung: Gelée Royale kann bei empfindlichen Personen zu teilweise schweren, lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen führen können. Das gilt insbesondere für Personen, die an Atopie oder Asthma bronchiale leiden. Auch wer auf Bienen- oder Wespenstiche allergisch reagiert, sollte besser auf die Produkte verzichten. Ebenso schwangere und stillende Frauen. Frauen, die an einem hormonabhängigen Brustkrebs leiden, sollten Produkte mit Gelée Royale meiden, da diese das Krebswachstum fördern können.

Das Bundesinstitut für Arzneimittelforschung und Medizinprodukte (BfArM) forderte in 2000 für Arzneimittel mit Gelée Royale einen Warnhinweis wegen möglicher allergischer Reaktionen. Arzneimittel mit Gelée Royale müssen einen diesbezüglichen Warnhinweis tragen, Nahrungsergänzungsmittel nicht, sollten es aber eigentlich. Die Verbraucherzentralen fordern die Hersteller auf, wegen des hohen Gefährdungspotentials freiwillig Warnhinweise auf ihre Verpackungen zu drucken und nicht auf den Gesetzgeber zu warten.

Gelée Royale kann Pyrrolizidinalkaloide (PA) enthalten. PA sind natürliche Inhaltsstoffe verschiedener Pflanzen und können beim Menschen das Erbgut schädigen und Krebs hervorrufen. Ihre Abbauprodukte sind giftig für die Leber. Sie werden über die Blütenpollen in die Bienenprodukte eingetragen. Seit Juli 2022 gelten Höchstmengenregelungen für PA in Nahrungsergänzungsmitteln (VO (EU) 2020/2040). Die gesetzliche Höchstmenge beträgt dann für Nahrungsergänzungsmittel mit pflanzlichen Inhaltsstoffen einschließlich Extrakten 400 µg/kg; auf Pollenbasis 500 µg/kg. Auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) können ein Problem sein. Höchstmengen für Gelée Royale sind in der Kontaminanten-Verordnung VO (EU) 2023/915 geregelt.

Bienenprodukte aus osteuropäischen und asiatischen Ländern waren in der Vergangenheit wiederholt durch Rückstände von Arzneimitteln oder Pflanzenschutzmitteln auffällig, z. B. Antibiotika, Mittel gegen Milben oder andere Rückstände. Von 2002 bis 2004 bestand in der EU ein Einfuhrverbot für bestimmte Erzeugnisse tierischen Ursprungs (auch für Gelée Royale) aus China wegen ungenügender Kontrollsysteme.

Suchen Sie nach Packungshinweisen oder fragen Sie beim Hersteller/Importeur nach, ob deren Gelée-Royale-Produkte auf Pyrrolizidinalkaloide und Tierarzneimittelrückstände untersucht wurden.

Qualitätsstandards und Herkunft

Gelée Royale wird heute vor allem in China und Südostasien (90 Prozent) sowie in Osteuropa produziert. Bio-Produkte gibt es fast gar nicht. Für Gelée Royale gibt es eine internationale ISO‑Norm (ISO 12824:2016) mit zwei unterschiedlichen Qualitäten. Diese unterscheiden sich in der Art der Fütterung. In der hochwertigen bekommt das Bienenvolk nur die natürliche Nahrung. Für das geringer wertige Gelée Royale erhalten die Bienen zusätzlich Futterlösungen, üblich unter anderem in China. Diesbezügliche Angaben findet man bei den angebotenen Produkten leider nicht.

Anwendungshinweise und Gegenanzeigen

Wenn Sie Gelée Royale kaufen möchten, werden Sie mit einer Reihe an Darreichungsformen konfrontiert. Möchten Sie Gelée Royale innerlich zur allgemeinen Stärkung verwenden oder äußerlich für eine gepflegte Haut? Die Wahl des richtigen Produkts hängt maßgeblich vom gewünschten Anwendungsziel ab. Gelée Royal in Honig ist eine geschmacklich mildernde Alternative zu Trinkampullen.

Bei der Einnahme von puren Gelée Royal oder Trinkampullen ist die sublinguale Einnahme besonders empfehlenswert, d. h. das Gelée Royal unter die Zunge legen und langsam aufnehmen. Bei der inneren Einnahme liegt die Normaldosis bei 500 mg pro Tag. Als sogenannte Schönheits- oder Aufbaukur wird generell eine Dauer von drei bis sechs Wochen empfohlen. Bei der Anwendung sollte auf Inhaltsstoffe und Zusatzstoffe (z. B. zugesetztes Vitamin C) geachtet werden, denn viele Werbeaussagen beziehen sich auf diese Zusätze und nicht auf das Gelée Royale selbst.

Gelée Royal kann bei empfindlichen Personen starke allergische Reaktionen auslösen. Bei Asthmatikern kann das bestehende Asthma verschlimmert werden oder einen Asthmaanfall auslösen. Es wird von Wechselwirkungen von Gelée Royale mit Blutgerinnungshemmern und anderen Medikamenten (z. B. Temozolomide) berichtet. Aus Tierversuchen ist ein Einfluss von Gelée Royale auf die Blutgerinnung bekannt.

Fazit (kein abschließender Abschnitt)

Gelée Royale ist das Sekret, mit dem Bienenköniginnen gefüttert werden. Als Larve erhalten die zukünftigen Königinnen besonders viel des kostbaren Futtersaftes von Ammenbienen. Das Sekret enthält alle für das königliche Wachstum erforderlichen Nährstoffe sowie Enzyme und Bienenhormone. Die Bienenköniginnen leben viel länger als ihre Artgenossen und legen Eier für den Bienennachwuchs. Allerdings fehlt für viele der behaupteten gesundheitlichen Effekte beim Menschen eine belastbare wissenschaftliche Grundlage, und es bestehen deutliche Sicherheits- und Qualitätsfragen (Allergierisiko, Rückstände, Pyrrolizidinalkaloide).

Dokumentation: Herstellung und Gewinnung von Gelée Royale

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