Flavonoide in Schokolade: Wirkung auf Stammzellen und kardiovaskuläre Gesundheit
Die Bohnen des Kakaobaums (Theobroma cacao) sind reich an Flavonoiden. Flavonoide gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen beziehungsweise Phenolen und verleihen vielen Gemüse- und Obstsorten ihre rote, blaue, hellgelbe und violette Farbe und den typischen Geschmack. Sekundäre Pflanzenstoffe verleihen Obst und Gemüse nicht nur Farbe und Geschmack, sondern sind vermutlich auch für ihre gesundheitsfördernde Wirkung mitverantwortlich. Sie liefern im Unterschied zu primären Pflanzenstoffen wie Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett keine Energie und sind nicht lebensnotwendig. Außerdem kommen sie in Lebensmitteln meist nur in geringen Mengen vor.
Flavonoiden wird eine entzündungshemmende sowie blutfett- und blutzuckerregulierende Wirkung zugeschrieben. Sie wirken der Verdickung und der Minderung der Elastizität von Gefäßwänden entgegen und beugen so der Entwicklung von Arteriosklerose und ihren Folgeschäden vor. Sie erhöhen die Stickstoffmonoxid-Freisetzung in Gewebezellen der Blutgefäße. Stickstoffmonoxid erweitert die Gefäße und verbessert den Transport von Sauerstoff und Nährstoffen zu den Organen. Das Gewebe ist elastischer und der Blutdruck wird reduziert. Sie hemmen Enzymsysteme, die bei zu starker Aktivität zelltoxische Substanzen an das Gewebe der Gefäße abgeben. Sie wirken entzündungshemmend, in dem sie die Bildung von Botenstoffen vermindern, die eine Entzündung in den Gefäßen auslösen oder aufrechterhalten. Gleichzeitig werden Gene für Botenstoffe aktiviert, die wiederum antioxidative Enzymsysteme hochregulieren, also die Entgiftung von Fremdstoffen verbessert.
Flavonoide, Flavanole und Epicatechin: Wirkmechanismen
Flavanole, eine Untergruppe der Flavonoide, kommen in vielen Früchten z. B. Weintrauben, Äpfeln, Aprikosen, aber vor allem auch in Tee und Schokolade vor. Die größte Wirkung hatte dabei das Epicatechin, das im Kakao in besonders hoher Konzentration vorkommt. Flavanole senken vermutlich nicht nur den Blutdruck, sondern erhöhen auch die Elastizität der Blutgefäße. In einer Studie verbesserte die Einnahme von Kakaoflavanolen bei gesunden Männern und Frauen die Funktion des Endothels (Gefäßwand). Gleichzeitig sank der Blutdruck und die Cholesterinwerte verbesserten sich.
Flavonoide wirken stabilisierend auf den Cholesterin- und Triglyceridstoffwechsel, sodass einer Atherosklerose entgegengewirkt wird. Sie wirken der Zusammenlagerung von Thrombozyten im Blut entgegen, sodass das Risiko für einen Verschluss der Gefäße verringert wird. Fördern die Elastizität der Blutgefäße und tragen so zu einem gesunden Blutfluss in allen Blut- und Kapillargefäßen sowie Organen bei. Gesunde, elastische Blutgefäße und ein normaler Blutfluss sind Bestandteil einer gesunden Durchblutung. Viele Studien mit Kakaoflavanolen zeigten genau diese Wirkung.
Auswirkungen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfall
Schon rund 63 g pro Woche oder ein kleines Stück regelmäßig täglich verzehrt, kann die Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu erleiden, um bis zu 17 Prozent senken. Zu diesem gesundheitsförderlichen Effekt tragen insbesondere die in den Kakaobohnen befindlichen Flavonoide (Pflanzenfaserstoffe) aus der chemischen Gruppe der Polyphenole bei. Einzelstudien belegen diese günstige präventive Wirkung jetzt auch im Detail für Risikogruppen von kardiovaskulären Erkrankungen.
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Ein amerikanisches Forscherteam beobachtete jüngst in einer Studie mit übergewichtigen Erwachsenen, dass der Genuss von dunkler, flavanolreicher Schokolade schon über einen Zeitraum von vier Wochen hinweg den Durchmesser der Oberarmarterie vergrößern und den Blutdurchfluss beschleunigen kann. Australische Wissenschaftler sehen im täglichen Verzehr von dunkler Schokolade eine wirksame und auch relativ kostengünstige präventive Strategie zur Risikosenkung von kardiovaskulären Ereignissen bei Menschen, die am metabolischen Syndrom leiden.
Bei bereits an Bluthochdruck erkrankten Personen sank durch regelmäßige Aufnahme von vorzugsweise dunkler Schokolade, Flavanol-reichen Getränken oder ausgewählten Nahrungsergänzungen mit Kakaoflavanolen der Blutdruck. Bei gesunden Probanden sahen die Wissenschaftler keine Effekte auf den Blutdruck. In einer aktuellen Langzeitstudie mit Kakaoflavanolen in Kapselform zeigten die Wissenschaftler, dass in der Interventionsgruppe die Rate der kardiovaskulären Todesfälle um 27 % verringert war.
Wirkung auf Gehirn, Gedächtnis und neurovaskuläre Kopplung
Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass Kakaoflavanole die altersbedingten Veränderungen der Blutgefäße abmildern und Herz und Gefäße auch bei gesunden und jungen Menschen schützen können. Gedächtnisleistung: Kakaoflavanole können sich positiv auf die Gehirnfunktionen auswirken. In einer Studie führte die tägliche Einnahme von Flavanolen aus der Kakaobohne bei älteren Erwachsenen zwischen 50 und 75 Jahren über einen Zeitraum von 12 Wochen in Gedächtnistests zu besseren Leistungen.
Eine Forschergruppe um Farzaneh Sorond von der Harvard Medical School hat untersucht, wie sich Kakaokonsum auf die geistigen Fähigkeiten von Senioren auswirkt. Die Forscher ermittelten zudem, wie der Blutfluss in einer wichtigen Arterie im Gehirn anstieg, wenn die Probanden eine schwierige Aufgabe lösten. Das galt als Maß dafür, wie gut das Denkorgan auf nötige Ressourcen zugreifen kann; der Fachbegriff dafür lautet neurovaskuläre Kopplung (NVK). Bei Probanden, bei denen die neurovaskuläre Kopplung zu Studienbeginn schlecht war, zeigte sich eine Veränderung.
Die Ergebnisse sind jedoch nicht einheitlich: In einer Studie mit 60 älteren Probanden war es vollkommen egal, welchen Kakao die Teilnehmer getrunken hatten; die Forscher deklarierten beide Probandengruppen zu einer einzigen: der Gemeinschaft der Kakaotrinker. Die Studienlage ist gemischt, und Experten mahnen zur Vorsicht bei der Interpretation einzelner Arbeiten.
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Einfluss auf das Immunsystem, Entzündungen und Darmflora
Immunsystem: Flavanole beeinflussen das Immunsystem, insbesondere die angeborene Entzündungsreaktion und die Immunreaktion des Körpers und des Darms. Die anti-entzündliche Wirkung steht dabei im engen Zusammenhang mit der Darmflora. Diese hat viele Aufgaben im Körper und ist unter anderem für das Immunsystem von Bedeutung. Zur gesunden Darmflora zählen auch Bakterien, die sich von den Bestandteilen des Kakaos ernähren und sie in diesem Zuge umwandeln. Das Endprodukt sind entzündungshemmende Stoffe.
Darüber hinaus gibt es inzwischen auch Daten, die den Schluss zulassen, dass sich Stoffe im Kakao über Zwischenstufen auch positiv auf das Immunsystem auswirken können. In einer Studie wurde die Aktivierung von T-Zellen beobachtet, die eine wichtige Rolle in unserem Immunabwehrsystem spielen.
Flavonoide und Stammzellen
Belz führt mehrere günstige Wirkungen der Flavonoide an: Durch eine Erweiterung der Arterien werde ein zu hoher Blutdruck gesenkt. Die Zusammenlagerung von Blutplättchen werde vermindert. Zudem mindern Flavonoide Entzündungsreaktionen im Körper, und die Bildung von Stammzellen wird gesteigert. Die Bildung von Stammzellen wird gesteigert - diese Aussage wird in einigen Übersichtsarbeiten und Expertenmeinungen genannt und ist Teil der vorgeschlagenen positiven biologischen Wirkmechanismen der Flavonoide.
Flavonoide aktivieren Gene für Botenstoffe, die wiederum antioxidative Enzymsysteme hochregulieren, und können so die Entgiftung von Fremdstoffen verbessern; sie beeinflussen Signalwege, die an Zellproliferation und Differenzierung beteiligt sind. Inwiefern diese Effekte bei Menschen in vivo zu einer nachhaltigen Stimulation von Stammzellen führen und welche klinische Relevanz dies hätte, ist Gegenstand aktueller Forschung und noch nicht abschließend geklärt.
Bioverfügbarkeit, Verarbeitungsprozess und Dosierung
Der Flavanolgehalt kann je nach Sorten, dem Herkunftsland der Kakaofrüchte und den jeweiligen klimatischen Bedingungen variieren. Der Gehalt an Flavanolen nimmt mit zunehmendem Grad des Verarbeitungsprozesses (Röstung, Fermentierung, Alkalisierung) ab. Kakaomasse aus leicht fermentierten Kakaobohnen hatte in Untersuchungen den höchsten Gehalt an Flavanolen, danach folgt in absteigenden Konzentrationen Kakaomasse aus stark fermentierten Kakaobohnen, dunkle Schokolade und mit geringen Werten zum Schluss die Milchschokolade.
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Dunkle Schokolade mit bis zu 90 % Kakaoanteil und wenig Zuckergehalt kann bis zu 200 mg / 100g Epicatechin enthalten. Schwankungen gibt es insbesondere bei Schokolade, da je nach Kakaoanteil auch der Flavanol- beziehungsweise Epicatechin-Gehalt variiert. Die Bioverfügbarkeit von Flavanolen, also die Menge der aufgenommenen Substanz, die dem Körper nach dem Verzehr zur Verfügung steht, ist bei einfach gebauten Flavanolen besser als bei komplexeren Strukturen. Sie wird zudem von der Zubereitungsart und dem gleichzeitigen Konsum von Aufnahme-hemmenden Lebensmittelbestandteilen beeinflusst.
Es gibt keine einheitlichen Verzehrempfehlungen für Flavanole. Wer aber Flavanole in großen Mengen über bestimmte Lebensmittel wie etwa Schokolade zu sich nimmt, der riskiert auf Dauer Übergewicht. Da jedoch die Flavanol-Aufnahme von Mensch zu Mensch und je nach Ernährungsweise stark schwankt, können Nahrungsergänzungsmittel mit Flavanolen/Kakaoflavanolen sinnvoll sein. Sie gewährleisten eine gleichbleibend hohe Aufnahme.
Nutzen versus Risiken: Kalorien, Zucker und moderate Aufnahme
Die einen warnen davor, dass Schokolade viele Kalorien hat und entsprechend dazu führt, dass man zunimmt. Die anderen schwören darauf, dass Schokolade die beste Nervennahrung überhaupt ist. Tatsächlich ist Schokolade jedoch nicht gleich Schokolade, es kommt also stark darauf an, um welche Art von Schokolade es geht. Vollmilchschokolade kann tatsächlich zur Kalorienbombe werden, wenn man zu viel davon isst, weiße Schokolade erst recht, enthält sie doch kaum noch Kakao, sondern in erster Linie Zucker. Dunkle Schokolade ab einem Anteil von 70% Kakao hat jedoch einige Vorteile für die Gesundheit. Erstens enthält sie deutlich weniger Zucker, je höher der Kakao-Anteil, desto geringer die Zuckermenge.
Die positiven Auswirkungen auf die Laune sind zwar auch bei Vollmilchschokolade spürbar, hier sind die Ursachen jedoch andere: Der enthaltene Zucker löst eine Reaktion des Belohnungssystems im Gehirn aus, eine kurzfristige Angelegenheit. Umgekehrt geht das Ankurbeln der Leistungsfähigkeit gar nicht, wie man lange gedacht hat, auf den Zucker in der Schokolade zurück, sondern auf den Kakao.
Dunkle Schokolade wird ein hilfreicher Bestandteil von gesunder Ernährung sein, solange ihre relativ hohe Kalorienzahl an anderer Stelle eingespart wird. In Maßen genossen, hat zumindest dunkle Schokolade eine positive Wirkung auf die Gesundheit. Nach einer Langzeitstudie könne der tägliche Verzehr von einem Stück Schokolade das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken, "insbesondere für Schlaganfälle".
Praktische Empfehlungen und Alternativen
Wer Flavanole gezielt nutzen möchte, sollte auf hochwertige dunkle Schokolade mit hohem Kakaoanteil setzen. Als Orientierung nennt eine Expertin maximal 100 Gramm pro Woche, also rund 15 Gramm pro Tag. Eine sinnvolle Alternative zu Schokolade mit geringerem Kakao-Anteil ist die dunkle Schokolade in jedem Fall. Um in den gesundheitlichen Nutzen der Schokolade zu kommen, sollten durchschnittlich 53,5 mg Flavonoide pro Riegel enthalten sein.
Praktische Zubereitungen, die den Flavonolgehalt nutzen, sind zum Beispiel:
- Mit einem Rohkakao-Shake kann man das reine Kakaopulver in Rohkostqualität auf geschmackvolle Weise zu sich nehmen.
- Selbst gemachte Trinkschokolade aus Kakao und Mandelmilch ist eine sehr feine Möglichkeit, Antioxidantien aus Kakao sowie gleichzeitig all die positiven Eigenschaften der Mandel zu genießen.
- Selbst hergestellte Tafel: Die Schokolade sollte hohe Kakaogehalte aufweisen (mindestens 60 - 70 %, gerne auch mehr), mit geringen Mengen eines akzeptablen Süßungsmittels gesüßt sein und mit besten Fetten zubereitet sein (z. B. Bio-Kokosöl, Bio-Kakaobutter).
Tabelle: Typische Flavanolquellen und Anmerkungen
| Lebensmittel | Bemerkung |
|---|---|
| Dunkle Schokolade (≥70% Kakao) | Hoher Flavanolgehalt, weniger Zucker; abhängig von Verarbeitung |
| Rohkakao / Kakaopulver | Sehr hohe Flavanolkonzentration bei schonender Verarbeitung |
| Tee (grün, schwarz) | Wichtige Flavonoidquelle (z. B. Catechine) |
| Beeren (Blaubeeren, Erdbeeren) | Flavonoide mit antioxidativer Wirkung |
| Äpfel, Orangen, Weintrauben | Vielfalt an Flavonoiden, positive Effekte bei kombinierter Zufuhr |
Forschungslage, Limitationen und offene Fragen
Viele Ergebnisse basieren auf Beobachtungsstudien, die keinen eindeutigen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang belegen können. So lasse sich nicht sicher sagen, ob die positiven Effekte tatsächlich auf den Konsum dunkler Schokolade zurückzuführen sind oder eher darauf, dass deren Konsumenten insgesamt einen gesünderen Lebensstil pflegen. Die Studien sind heterogen: Manche randomisierte Studien zeigen klare Effekte auf Gefäßfunktion oder Blutdruck bei Risikogruppen, andere Studien zeigen keine Unterschiede zwischen flavanolreichen und flavonoidarmen Präparaten.
Die Frage, ob Flavonoide die Bildung von Stammzellen beim Menschen langfristig und klinisch relevant fördern, bleibt Teil aktueller Forschung. Einige Experten berichten, dass Flavonoide die Bildung von Stammzellen steigern, doch sind die biologischen Signalwege komplex, und klinisch relevante Resultate müssen noch bestätigt werden.
Fazit für die Praxis
Bereits ein moderater Konsum von dunkler Schokolade mit möglichst hohem Kakaoanteil ermöglicht eine Aufnahme von Flavanolen, jedoch wird deren Konzentration stark vom Verarbeitungsprozess der Kakaobohne beeinflusst. Dunkle Schokolade kann als Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung positive Effekte auf Gefäßfunktion, Blutdruck, Entzündungsprozesse, Immunfunktion und möglicherweise auf kognitive Fähigkeiten haben. Gleichzeitig sind Kalorien- und Zuckerbilanz zu beachten, und Flavonoide sind kein Ersatz für Medikamente oder einen gesunden Lebensstil.
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