Entzündungshemmende Wirkung von Honig: Wissenschaftliche Studien und Anwendungen
Es kratzt im Hals oder Ihr Kind hat sich das Knie aufgeschlagen und die Wunde hat sich entzündet: Haben Sie schon einmal daran gedacht, hier Honig als Heilmittel zu verwenden? Tatsächlich wirken einige Honigsorten entzündungshemmend und werden aufgrund ihrer antibakteriellen Wirkung für die Behandlung von Entzündungen oder Wundinfekten verwendet. Der normale Honig aus dem Supermarkt ist dafür jedoch nicht geeignet.
Historischer und biologischer Hintergrund
Schon seit Jahrtausenden nutzen Menschen Honig von wilden Bienen, um Wunden zu heilen oder Infektionen zu bekämpfen. Die Bienenspeise wird von je her als Arznei gegen vielerlei Erkrankungen sowie zur Wundheilung hoch geschätzt. Die wohl bekannteste Anwendung des Bienenprodukts bezieht sich auf Husten infolge einer Erkältung.
Bienen sammeln einerseits den Nektar aus Blüten, andererseits den Honigtau, der sich vorwiegend an Nadelbäumen finden lässt. Über den langen Bienen-Saugrüssel gelangt der Nektar zunächst in die Speiseröhre und anschliessend in den Honigmagen, wo er gesammelt wird. Die Stockgenossinnen nehmen die Ernte der Sammlerinnen in Empfang. In der Folge dieser Weitergabe steigt der Enzymgehalt des unreifen Honigs enorm an.
Welche Inhaltsstoffe sind für die entzündungshemmende Wirkung verantwortlich?
Gleichwohl enthält Honig auch spezifische natürliche Bestandteile, die antibiotisch und konservierend wirken. Sie dienen wahrscheinlich primär dazu, im Bienenstock die eingelagerte Nahrung, also den Honig und die Pollen, zu konservieren. Zu den konservierenden Stoffen gehören Substanzen, die primär von den Pflanzen stammen und mit dem Nektar oder Honigtau eingetragen werden. Das sind zum Beispiel Methylglyoxal, diverse organische Säuren und zum Teil auch Glucoseoxidase sowie Inhaltsstoffe, die erst durch die Produktion des Honigs durch die Bienen entstehen.
Das von den Bienen zugesetzte Enzym Glucoseoxidase befördert die Umwandlung von Glucose, also Fruchtzucker, zu Gluconsäure und Wasserstoffperoxid. Beide Säuren wirken auf einige Mikroorganismen wie zum Beispiel die Bakterien Staphylococcus aureus oder Steptococcus mutans hemmend. Weiterhin enthalten Honige unterschiedliche Mengen an Flavonoiden, die in den Rohstoffen Nektar und Honigtau enthalten sind, sowie im Propolis, dem Kittharz, der als dünner Film von den Bienen auf die Waben aufgetragen wird. Aus diesem Film gehen Flavonoide in den Honig über und übertragen ihre antibakterielle Wirkung auf diesen.
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Nicht zuletzt enthalten Honige viel Zucker (etwa 85% Fructose und Glucose). Dieser zieht osmotisch Flüssigkeit aus dem umgebenden Gewebe, verringert so Wundödeme und unterstützt die Wundreinigung, da den Keimen dadurch das lebensnotwendige Wasser entzogen wird.
Medizinisch relevante Honigsorten: Manuka und medizinischer Honig
Einige Honigsorten wie zum Beispiel der Manukahonig aus Neuseeland und Australien haben durch den Inhaltsstoff Methylglyoxal erwiesenermaßen eine antibiotische Wirkung. Dies belegen inzwischen auch medizinische Studien. Manukahonig aus dem Lebensmittelhandel eignet sich jedoch nur für den Verzehr und sollte keinesfalls auf Wunden aufgebracht werden. Als Naturprodukt kann er Keime enthalten und dadurch die Entzündung der Wunden sogar verstärken.
Manukahonige können ihre Wirkung auch lediglich äußerlich als Pflaster oder eingenommen auf Mundschleimhaut und Speiseröhre entfalten, da das Methylglyoxal beim Verzehr spätestens im Dünndarm abgebaut wird. Für das Auftragen auf offenen Wunden muss jedoch immer der sterilen medizinischen Variante der Vorzug gegeben werden.
Labor- und Klinische Studien: Wirksamkeit gegen Bakterien und multiresistente Erreger
Schwedische Wissenschaftler haben herausgefunden, warum sich Honig so gut als natürliches Antibiotikum eignet. Diese Mikroben machen den Honig haltbar und schützen die Bienen außerdem vor Krankheitserregern. Die in der Studie eingesetzten Honigsorten wirkten im Labor gegen alle getesteten Erreger, darunter auch multiresistente Bakterien. Was entscheidend ist: Die Bakterien passten sich nicht an und entwickelten keine Resistenz gegenüber dem Honig, wie dies bei Antibiotika der Fall ist.
In kleineren Studien konnte jedoch gezeigt werden, dass Honig im Vergleich zu einer konventionellen Wundbehandlung eine beschleunigte Wundheilung erzielt. Außerdem belegen mehrere Studien, dass das lokale Immunsystem in der Wunde durch den Honig günstig beeinflusst wird und die Wunde mit mehr Sauerstoff versorgt wird. Folge: Die Wundheilung vollzieht sich besser, der Körper kann schneller mehr neues Gewebe bilden.
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Die in einer Studie eingesetzten Honigsorten im Labor zeigten eine Wirkung gegen alle getesteten Erreger, darunter auch multiresistente Bakterien. Blaser: Effect of medical honey on wounds colonised or infected with MRSA, 2007. (PDF)
Honig bei Erkältungen und Husten: Meta-Analysen und Studienlage
2020 hat eine Metaanalyse der Universität Oxford aus 14 klinischen Studien mit 1.761 Teilnehmern gezeigt: Honig ist bei Erkältungssymptomen, besonders Husten und Halsschmerzen, mindestens so wirksam wie rezeptfreie Medikamente - und in mehreren Vergleichen überlegen. Die bisher umfassendste Auswertung zur Wirkung von Honig bei Erkältungen erschien im August 2020 im Fachmagazin BMJ Evidence-Based Medicine. Zwei der Studien zeigten, dass Erkältungssymptome bei mit Honig behandelten Personen um ein bis zwei Tage kürzer andauerten.
Ergebnis: Honig wirksamer als Antihistaminika, Hustenstiller und Schmerzmittel bei Husten und Erkältungssymptomen. Hustenfrequenz und -schwere: deutlich reduziert. Symptomdauer: in zwei Studien um 1-2 Tage verkürzt. Schlussfolgerung der Autoren: „Honig ist wirksamer und weniger schädlich als übliche Therapeutika und vermeidet Schäden durch Antibiotikaresistenz." Wichtige Einschränkung der Autoren: Die Studienlage ist heterogen - unterschiedliche Honigsorten, unterschiedliche Darreichungsformen, überwiegend Kinder als Testpersonen in neun der 14 Studien. Nur zwei Studien testeten gegen Placebo. Die Forscher selbst fordern größere, placebokontrollierte Studien.
Honig wirkt bei Erkältungssymptomen nicht über einen einzigen Wirkstoff, sondern über mehrere parallele Mechanismen. Honig ist viskos. Er legt sich als dünne Schutzschicht über die Schleimhäute im Rachen - hemmt das Andocken von Krankheitserregern mechanisch, hält die Schleimhaut feucht und vermindert Reizhusten. Das Enzym Glucoseoxidase produziert in Verbindung mit Feuchtigkeit kontinuierlich niedrige Konzentrationen Wasserstoffperoxid (H₂O₂) - antibakteriell wirksam, ohne gesundheitsschädlich zu sein. Dieser Mechanismus ist nur in rohem, nicht erhitztem Honig aktiv.
Sicherheit, Risiken und gesetzliche Rahmenbedingungen
Trotz dieses Wissens untersagt das Gesetz (LFGB § 12) sowie die Health-Claims-Verordnung die gesundheitsbezogene Werbung. Fragen zur medizinischen Anwendung von Honig und zu bestimmten Erkrankungen dürften daher nur Mediziner beantworten, betont Friedrich. Professor Dr. Simon, Experte für pädiatrische Onkologie und Infektiologie, weist jedoch darauf hin, dass die Bezeichnung „natürliches Antibiotikum“ irreführend sein kann. Honig könne helfen, Wundinfektionen zu vermeiden und damit indirekt den Verbrauch von Antibiotika zu senken.
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Säuglinge, Kinder unter einem Jahr und Personen mit eingeschränktem Immunsystem sollten zudem wegen möglicher Keime im Honig vollständig auf den Verzehr verzichten. Der Honig kann Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum enthalten. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Darmflora noch nicht ausgereift, so dass sich das Bakterium im Darm ansiedeln und dort lebensgefährliche Gifte produzieren kann.
Abgesehen davon weist Professor Dr. Simon darauf hin, dass auch steriler medizinischer Honig nicht in jedem Fall für die Behandlung von Wunden geeignet ist. Wichtig sei in jedem Fall, das Gesamtkonzept der Wundpflege im Blick zu behalten und sonstige Ursachen für die gestörte Wundheilung auszuschließen. Tiefgreifende, bis zum Knochen reichende Wundinfektionen müssten zudem immer parallel mit konventionellen Antibiotika behandelt werden. Insgesamt lässt sich sagen, dass Honig als natürliches Antibiotikum eine konventionelle Behandlung in vielen Fällen nicht ersetzen, aber doch ergänzen kann.
Roher Honig vs. erhitzter Speisehonig
Die Oxford-Studie verwendet in den ausgewerteten Studien verschiedene Honigsorten - und die Autoren weisen selbst darauf hin, dass Honig kein standardisiertes Produkt ist. Ein Honig aus dem Supermarkt, der auf 70 °C erhitzt wurde, hat den physikalischen Schleimhautfilm und den osmotischen Effekt noch - aber die enzymatische Wirkung über Glucoseoxidase ist weitgehend verschwunden. Wer von der vollständigen Wirkbreite profitieren will, die die Forschung beschreibt, braucht rohen, nicht erhitzten Honig.
Prof. Karsten Münstedt, Chefarzt und Imker: „Kaltgeschleuderter Bienenhonig besitzt eine entzündungshemmende und antibiotische Wirkung. Die Inhaltsstoffe des Honigs werden durch das Erhitzen allerdings zerstört. Deshalb lieber ein bis zwei Teelöffel Honig am Tag pur essen." - Apotheken Umschau. Dieser Hinweis gilt für Schleuderhonig, der schon bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen schonend verarbeitet wird.
Praktische Anwendungsempfehlungen aus Studien und Praxis
- Bei leichteren Erkältungssymptomen, Reizhusten und Halsschmerzen ist Honig eine gut belegte, nebenwirkungsarme Unterstützung.
- Honig direkt auf die Schleimhaut wirken lassen, 30 Min. 1-2 TL pur, 30 Min. Nicht unter 12 Monaten.
- Für das Auftragen auf offenen Wunden muss immer der sterilen medizinischen Variante der Vorzug gegeben werden.
- Bei Fieber über 39 °C, anhaltenden Symptomen über 7 Tage, oder starken Schmerzen immer ärztlichen Rat suchen.
Weitere potenzielle Nutzen laut Studien
Honig enthält Flavonoide und Polyphenole, also die sekundären Pflanzenstoffe, die entzündungshemmende Eigenschaften mitbringen, die im Körper antioxidativ wirken. Antioxidantien bekämpfen instabile Moleküle im Körper, besser bekannt als die freien Radikale. Freie Radikale können die Zellen schädigen und oxidativen Stress verursachen, der wiederum zu Herzkrankheiten und Alzheimer führen kann.
Die Ergebnisse einer Studie zeigen auch: Der Verzehr von Honig kann dabei helfen, die „schlechten“ Cholesterinwerte zu senken. Gleichzeitig soll regelmäßiges Konsumieren von Honig das „gute“ Cholesterin erhöhen. Studienergebnisse liefern auch Hinweise dafür, dass Honig die Blutfettwerte verbessern, den Herzschlag regulieren und das Absterben gesunder Zellen verhindern kann.
Tabelle: Wichtige Wirkmechanismen von Honig (Kurzüberblick)
| Wirkmechanismus | Effekt |
|---|---|
| Osmotischer Effekt (hoher Zuckergehalt) | Entzieht Mikroorganismen Wasser, hemmt Wachstum |
| Glucoseoxidase → H₂O₂ | Kontinuierliche antibakterielle Wirkung (nur in rohem Honig) |
| Methylglyoxal (Manuka) | Starke, trachtabhängige antibakterielle Wirkung |
| Flavonoide / Polyphenole | Antioxidativ und entzündungshemmend |
| Physikalischer Film (Viskosität) | Schutz und Befeuchtung der Schleimhäute, mechanische Barriere |
Qualität, Rückstände und Herkunft
Die Honigqualität in Deutschland ist grundsätzlich gut. Da Honig ein unverarbeitetes Naturprodukt ist, finden sich aber durchaus Spuren von unerwünschten Stoffen in den Stichproben. Doch die gemessenen Werte sind im Regelfall so niedrig, dass sie weit unter den gesetzlich vorgeschriebenen Höchstmengen für Rückstände liegen. Das gilt auch für Honige aus dem Ausland, bei denen die gemessenen Werte zum Teil etwas höher ausfallen können.
Stadthonige und Landhonige unterscheiden sich nach Aussage des Instituts für Bienenkunde Celle des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) in Bezug auf ihre Qualität: Im Landhonig waren eher Rückstände von Pflanzenschutzmitteln zu finden und im Stadthonig war der Gehalt von Schwermetallen wie Blei und Cadmium höher als in denen vom Land. Allerdings waren diese Spuren insgesamt alle nur in unwesentlichen Mengen enthalten. Verantwortlich ist unter anderem das natürliche Filtersystem der Bienen.
Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen
Säuglinge, Kleinkinder bis zu einem Jahr sowie immungeschwächte Personen sollten nach Angabe des Bundeszentrums für Ernährung auf den Verzehr von Honig grundsätzlich verzichten. Der Honig kann Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum enthalten. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Darmflora noch nicht ausgereift, so dass sich das Bakterium im Darm ansiedeln und dort lebensgefährliche Gifte produzieren kann.
Honig ist kein Medikament - er ersetzt keine ärztliche Behandlung bei ernsten Erkrankungen. Bei tiefen oder schlecht heilenden Wunden sowie bei schweren Erkrankungen ist von Selbstversuchen mit Honig allerdings unbedingt abzusehen. Tiefgreifende, bis zum Knochen reichende Wundinfektionen müssten zudem immer parallel mit konventionellen Antibiotika behandelt werden.
Fazit zu Studienlage und praktikablem Nutzen
Wissenschaftliche Studien über Honig zeigen eindeutig, dass er antibakterielle, entzündungshemmende und regenerative Eigenschaften hat, was ihn zu einer äußerst wertvollen Zutat in der natürlichen Medizin macht. Zwar sind die Studien heterogen und Honig ist kein standardisiertes Produkt, doch die Evidenz ist besonders stark für die symptomatische Behandlung von Husten und bei lokalen Wundauflagen mit medizinisch aufbereitetem Honig.
Die Wissenschaft ist eindeutig: Honig ist ein wirksames Hausmittel bei Erkältungssymptomen - besser als viele rezeptfreie Mittel und ohne deren Nebenwirkungen. Aber der Teufel steckt im Detail: Diese Wirkung entfaltet sich vollständig nur bei rohem, nicht erhitztem Honig, der seine Enzymaktivität bewahrt hat. Supermarkt-Honig, der auf 70 °C erhitzt wurde, ist biochemisch ein anderes Produkt als kalt gepresster Rohhonig.
Honig kann eine konventionelle Behandlung in vielen Fällen nicht ersetzen, aber doch ergänzen. Für das Auftragen auf offenen Wunden muss jedoch immer der sterilen medizinischen Variante der Vorzug gegeben werden. Säuglinge, Kinder unter einem Jahr und Personen mit eingeschränktem Immunsystem sollten zudem wegen möglicher Keime im Honig vollständig auf den Verzehr verzichten.
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