Echter deutscher Lindenhonig — Merkmale und Herstellung

Lindenhonig ist eine besondere Honigsorte, die in unterschiedlichen Erscheinungsformen als Lindenblütenhonig oder Lindenhonig (mit Honigtauanteil) vorkommt. Lindenblütenhonig stammt von den Blüten der Sommer-, Winter- oder Silberlinde. Lindenhonig dagegen ist vorwiegend von dem von der Lindenzierlaus produzierten Honigtau und in der Regel ein Mischhonig aus Honigtau- und Blütentracht. Die Besonderheit bei Lindenhonig besteht darin, dass es sich sowohl um einen Blütenhonig als auch um einen Honigtauhonig handeln kann.

Botanik und Blüte der Linde

Linden (lat. Tilia) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Lindengewächse. Heimisch sind in Mitteleuropa vor allem die Winterlinde (Tilia cordata) und die Sommerlinde (Tilia platyphyllos). Linden erkennt man an den herzförmigen Blättern und den blütenbildenden Dolden, die nach unten hängen. Winterlinden blühen von Ende Juni bis Juli, Sommerlinden starten etwas 14 Tage früher. Sommerlinden wachsen bis zu einer Höhe von 40 Metern und können mehrere 100 Jahre alt werden.

Der Duft der Linden ist während der Blüte sehr intensiv und wirkt auf Bienen und auch Hummeln geradezu betörend. Linden ziehen Bienen und Hummeln auch wegen des hohen Ertrags an Blütennektar an. Ein Lindenbaum bietet Bienen für etwa 20 kg Honig Pollen und Nektar. Weltweit gibt es knapp vier Dutzend verschiedene Lindenarten; etwa 20 Lindenarten sind in Mitteleuropa beheimatet. Der größte zusammenhängende Lindenwald Deutschlands findet sich in Sachsen-Anhalt in der Nähe von Colbitz.

Lindenbaum in Blüte; Nahaufnahme Blütenstände

Nektar, Honigtau und Sammelverhalten der Bienen

Schon beim Aufsammeln werden Nektar und Honigtau durch die Bienen verarbeitet und mit körpereigenen Sekreten angereichert. Um den Honigtau nutzen zu können, sind die Bienenvölker auf die Mitarbeit anderer Insekten angewiesen. Zu diesen Insektenarten gehören beispielsweise Schildläuse, Blattflöhe und Zikaden. Sie nehmen den Pflanzensaft der Lindenbäume auf und scheiden ihn wieder aus. Diese Ausscheidungen haften an den Oberflächen der gesamten Pflanze und werden in der Fachsprache Honigtau genannt.

Die Bienen müssen sehr schnell sein, weil der Honigtau binnen kurzer Zeit ein Opfer von Rußtaupilzen werden kann. Das heißt, die Haltbarkeit des Honigtaus hängt davon ab, wie schnell sich die Rußtaupilze auf die Lindenbäume ausbreiten können. Gibt es in der Nähe bereits befallene Pflanzen, eignet sich der Honigtau im schlimmsten Fall schon nach wenigen Stunden nicht mehr für die Honigproduktion durch die Bienenvölker.

Lesen Sie auch: Regionale Honigvielfalt in Deutschland entdecken

Honigbildung im Stock und Reife

Im Bienenstock transportiert die Stockbiene das Sammelgut von einer Wabenzelle zur anderen und entzieht dem Honig durch Verdunstung Wasser. Zusätzliches Wasser verdunstet durch nächtliches Fächeln des Bienenvolkes. Später verschließt die Biene die Zellen mit einer dünnen Wachsschicht und schützt so den fertigen Honig vor fremden Einflüssen. Für 500 g Blütenhonig müssen ca. 2 Millionen Pflanzen angeflogen werden.

Ernte und klassische Verarbeitungsschritte

Zuerst müssen die Zelldeckel von den Waben entfernt werden, dies nennt man entdeckeln. Die Honigschleuder dreht sich so schnell, dass der Honig aus den Zellen geschleudert wird. Honig wird erst dann geschleudert, wenn er reif und haltbar ist. Übrigens: Schleuderhonig ist immer „kalt geschleudert“.

Je nach Sorte wird der Honig dann einige Tage oder Wochen lang regelmäßig gerührt. Manche Sorten mehrmals am Tag. Je nach Sorte kristallisiert Honig mit unterschiedlichem Tempo: Desto mehr Fructose enthalten ist, desto länger bleibt ein Honig flüssig. So ist z. B. im Rapshonig der Traubenzucker-Anteil relativ hoch, weshalb er sehr schnell hart wird.

Honigschleuder und entdeckelte Wabe

Eigenschaften von Lindenblütenhonig vs. Honigtau-Lindenhonig

Lindenblütenhonig hat einen kräftig-aromatischen Geschmack nach Menthol und Lindenblütentee. Je höher der Anteil an Blütennektar ist, desto eher schmeckt er minzig-frisch und je nach Tracht auch leicht nach Zitrone. Entsprechend riecht Lindenblütenhonig nach Pfefferminze, Menthol und Salbei. Lindenblütenhonig ist in flüssigem Zustand hellgelb und klar.

Enthält der Honig Honigtau, so führt dies zu einer dunkleren Farbe und zu einem Geschmack nach Malz und Karamell. Ist der Lindenhonig dunkel, ist der Anteil des darin enthaltenen Honigtaus hoch. Auf einen hohen Nektaranteil bei Lindenblütenhonig weisen die hellen Farbnuancen hin. Je zarter der Mentholduft ausgeprägt ist, desto höher ist bei Lindenhonig als Mischform der Anteil des Honigtaus.

Lesen Sie auch: Deutscher Honig: So kennzeichnen Sie ihn richtig!

Organoleptische Merkmale

  • Farbe: von hellgelb bis dunkelbraun (abhängig vom Honigtauanteil)
  • Aroma: minzig-herb, mentholisch, teils salbeiartig; bei Honigtau-Anteil malz-karamellig
  • Konsistenz: cremig bis flüssig; Rohhonig kann kristallisieren und marmorieren
  • pH-Wert: etwa 4,3 (mittlerer saurer Bereich)

Inhaltsstoffe und ernährungsphysiologische Eigenschaften

Den größten Teil der Inhaltsstoffe von Lindenhonig machen Kohlenhydrate aus; sie bringen es bei 100 g Honig auf einen Anteil von rund 75 g. Er enthält etwas mehr Fruchtzucker (Fruktose) als Traubenzucker (Glucose). An weiteren Zuckerarten finden sich Saccharose, Turanose, Maltose, Isomaltose und Erlose. Der Anteil von Eiweiß ist mit 0,4 g pro 100 g sehr gering. Die gleiche Menge liefert rund 300 kcal.

Zudem bringt Lindenhonig ätherische Öle mit, die für seinen starken Duft und sein kräftiges Aroma verantwortlich sind. Mineralstoffe wie Kalium und Magnesium steuern Muskel- und Nervenfunktionen. Enzyme wandeln den Zucker im Honig um und produzieren antibakterielle Stoffe. Aromastoffe können das Immunsystem stimulieren.

Chemische Zusammensetzung von Honig (schematisch)

Rohhonig, Demeter-Qualität und schonende Verarbeitung

Roher Honig, auch Rohhonig genannt, ist ein Honig, der so naturbelassen wie möglich verarbeitet wurde. Er wird ohne ihn zu erhitzen, zu filtern oder zu schleudern, abgefüllt. Rohhonig wird nicht erhitzt oder nur leicht erwärmt, um ihn besser abzufüllen. Er wird nur grob abgesiebt, um Pflanzenreste und andere Fremdstoffe herauszufiltern.

Ziel in der Demeter-Imkerei ist es, möglichst alle wertvollen Inhaltsstoffe inkl. der Geschmacksstoffe des Honigs zu bewahren. Und das geht nur, wenn der Honig zum Erntezeitpunkt direkt ins Honigglas abgefüllt wird. Später müsste der Honig zum Abfüllen erwärmt und dadurch verflüssigt werden, aber das würde die wertvollen Enzyme schädigen und ist daher in der Demeter-Imkerei nicht erlaubt. Ganz korrekt gesagt: nur in Ausnahmefällen und dann nur bis 35 °C.

Demeter-Imker dürfen Honig nach der Ernte nicht standardmäßig erwärmen, sondern müssen ihn ohne Zwischenlagerung sofort nach der Ernte in die Verkaufsgläser abfüllen. Abgefüllt im Glas reift so ein Demeter-Honig auf natürliche Weise wie ein Wein im Holzfass, wird trüber, vielleicht farblich heller und fester. So können sich Marmorierungen und kleine Kristalle bilden.

Lesen Sie auch: Echter Honig von Breitsamer im Test

Demeter-Richtlinien für die Imkerei

  • Bienenstöcke müssen aus natürlichen Materialien wie Holz bestehen; synthetische Farben, Lacke oder Kunststoffe sind nicht erlaubt.
  • Bienen sollen ihren Wabenbau so weit wie möglich selbst gestalten.
  • Im Winter müssen die Bienen mit ihrem eigenen Honig gefüttert werden; Zuckerfütterung nur in Notfällen.
  • Natürliche Vermehrung durch Schwarmtrieb; keine Flügelstutzungen an Königinnen.
  • Nur natürliche und zugelassene Mittel bei der Behandlung von Krankheiten.
  • Schonende Honigernte und schonende Verarbeitung; nur grobes Absieben, keine Standarderwärmung über 35 °C.
  • Blühflächen: Bevorzugung biologisch-dynamisch bewirtschafteter Flächen.

Durch diese strengen Demeter-Vorschriften entstehen für den Demeter-Imker deutlich höhere Kosten. Die Bienenvölker der Imkerei Heilmann gehen mit durchschnittlich 70 % eigenem Honig in den Winter. Auch ist die Zufütterung mit Demeter-Zucker teurer. Ebenfalls werden die Transportstrecken auf maximal 30-60 Minuten begrenzt, um Stress für die Bienen zu vermeiden.

Abfüllen von Rohhonig in Gläsern (imkerei)

Qualitätskriterien: „Echter deutscher Honig“

Der Deutsche Imkerbund hat für seine Honige Maßstäbe angesetzt, die weit über die Anforderungen der EU-Verordnung hinausgehen. Honig mit dem Gütesiegel "Echter deutscher Honig" darf ausschließlich aus Deutschland stammen und muss naturbelassen sein, das heißt, ihm darf nichts entzogen oder hinzugefügt werden. So dürfen etwa honigeigene Bestandteile wie Pollen nicht herausgefiltert werden und der Honig darf nicht wärmebehandelt sein. Der Imker füllt ihn direkt aus den geschleuderten Waben ab.

Aufgrund der strengen Qualitätsrichtlinien bedeutet das maximal 18 % Wassergehalt für Honige, die unter der Marke Echter Deutscher Honig vermarktet werden sollen.

Regionale Herkunft und Einfluss auf Geschmack

Regionale Unterschiede wie Boden- und Klimaverhältnisse haben einen direkten Einfluss auf das Trachtangebot (Nektar, Pollen und Honigtau) für Honigbienen. Deshalb ist Honig auch nie gleich Honig. Ähnlich wie bei einem guten Wein kann man beim Honig verschiedene Farben, Buketts, Geschmacksrichtungen und Aromanuancen erkennen und jeden „Jahrgang“ neu genießen.

Beispielhafte Erntegebiete: Müncheberg in Brandenburg, das Alteburger Land in Thüringen oder andere Regionen mit reichen Lindenbeständen liefern charakteristische Lindenhonige. Je nach Ort und Jahr variiert Aroma, Farbe und Konsistenz.

Lagerung, Haltbarkeit und sensorische Veränderungen

Honig reagiert empfindlich auf Temperatur. Wird er zu lange einer hohen Hitze ausgesetzt, können wichtige Inhaltsstoffe und Enzyme sowie Aroma und die ursprüngliche Viskosität verloren gehen. Daher empfiehlt es sich, den Honig möglichst in einem dunklen und kühlen Raum oder in einem Schrank zu lagern.

Honig kristallisiert über kurz oder lang; je nach Zuckerspektrum geschieht dies schneller oder langsamer. Desto mehr Fructose enthalten ist, desto länger bleibt ein Honig flüssig. Abgefüllt im Glas reift ein naturbelassener Honig und kann trüber oder fester werden; Geschmack und Cremigkeit können von Glas zu Glas leicht variieren.

Verwendung in Küche und Hausapotheke

Die geschmacklichen Eigenschaften von Lindenhonig prädestinieren ihn für den Einsatz als Süßungsmittel für Lindenblütentee. Ein Löffel Lindenhonig in einer Tasse Lindenblütentee unterstützt die schweißtreibende und fiebersenkende Wirkung und wirkt wohltuend und beruhigend. Lindenhonig wird traditionell bei Erkältungskrankheiten, Halsschmerzen und Kehlkopfentzündungen eingesetzt.

In der Küche verfeinert Lindenhonig Süßspeisen und Desserts, eignet sich zum Backen von Kuchen, Brot oder Keksen, rundet Salatdressings ab und passt besonders gut zum Süßen kräftiger Tees wie Schwarztee oder Oolong. Dunkle Sorten wie Wald- oder Tannenhonig passen besonders gut zu Wild und kräftigen Fleischarten. Beim Backen mit Honig darauf achten, dass Honig süßer schmeckt als normaler Zucker und stärker bräunt.

Lindenhonig im Tee; Löffel mit cremigem Honig

Herkunftshinweise und Verbraucherinformation

Nur rund 20 % des in Deutschland verkauften Honigs stammen aus Deutschland. Der Rest wird importiert, vor allem aus Mexiko, Argentinien und Rumänien. Hersteller günstiger Honige werben oft mit Begriffen wie "Landhonig" oder "Imkerhonig", die deutschen Ursprung suggerieren können. Nur bei genauem Blick aufs Etikett findet man oft den Hinweis "Mischung von Honig aus EG-Ländern und Nicht-EG-Ländern".

Wer nach hochwertigem, naturbelassenem rohen Honig sucht, sollte auf Siegel wie z. B. Demeter achten, da für sie die strengsten Qualitätsstandards gelten. Hinweis: Aktuell angebotener Lindenhonig kann cremig gerührter Lindenblütenhonig aus Deutschland oder ein Mischhonig mit Honigtauanteil sein - stets auf Deklaration achten.

Kurze Tabelle: Unterschiede Lindenblütenhonig vs. Lindenhonig (mit Honigtau)

MerkmalLindenblütenhonigLindenhonig (Honigtau-Mischung)
HerkunftNektar der LindenblüteNektar + Honigtau (z. B. von Lindenzierlaus)
Farbehellgelb bis grünlich-weißdunkler, malzig-braun
Aromamentholisch, pfefferminzartigmalzig, karamellig
Konsistenzflüssig bis cremigflüssig, teils zähflüssiger
Hinweistypisch BlütenhonigMischform; Honigtaubeteiligung erhöht
Herstellungsprozess: von der Wabe bis ins Glas - schonende Demeter-Imkerei

Ob auf Brot oder im Tee: Lindenhonig ist vielseitig verwendbar und geschätzt. Wer reinen, naturbelassenen Lindenblütenhonig oder kräftigen Lindenhonigtauhonig aus Deutschland sucht, sollte auf Herkunftsangaben, Verarbeitungshinweise und Gütesiegel achten. Jetzt vollmundigen Lindenhonig aus deutschen Lindenbeständen genießen.

tags: #echter #deutscher #lindenhonig #merkmale #und #herstellung

Populäre Artikel: