DVD Alles auf Zucker! — Inhalt und Hintergründe
Alles auf Zucker! beschreibt voller Witz und Ironie den temporeichen Hürdenlauf seines Helden Jaeckie Zucker. Letzte Hoffnung des Ex-DDR-Sportreporters: das Erbe seiner Mutter. Doch die verlangt in ihrem Testament, dass Jaeckie sich mit seinem Bruder Samuel versöhnt, einem orthodoxen Juden.
Jaecki Zucker (Henry Hübchen) steckt in Schwierigkeiten. Dem einst renommierten Sportreporter und Lebemann ist die Frau (Hannelore Elsner) davongelaufen, und der Gerichtsvollzieher sitzt ihm im Nacken. Jetzt kann nur noch ein Sieg beim mit 100.000 Euro dotierten Pool Billard Turnier helfen. Leider stirbt unmittelbar vor Turnierbeginn Jaeckis Mutter. Und Mammas Testament hält eine besondere Überraschung parat: Das Erbe fällt ihren Söhnen nur dann zu, wenn sich die seit über 40 Jahren verfeindeten Brüder Samuel (Udo Samel) und Jakob versöhnen, das jüdische Gesetz einhalten und samt ihrer Familien sieben Tage strengste Totenwache halten.
Handlung im Detail
Im wahrsten Sinne des Wortes „spielend“ hat der zu DDR-Zeiten beliebte Sportreporter und Lebemann die Wende überstanden - doch jetzt steht ihm das Wasser bis zum Hals: Der Gerichtsvollzieher droht mit Knast und seine Frau Marlene (Hannelore Elsner) mit Scheidung. Für den gewitzten Billardspieler gibt es nur noch eine Hoffnung: Das mit 100.000,- € dotierte „European Pool Turnier“!
Als das Telegramm seines Bruders eintrifft, steckt er mal wieder mitten im Schlamassel. Er hat sich verzockt, ist bös verprügelt worden, seine Frau Marlene hat ihn rausgeschmissen und will die Scheidung; sein Sohn Thomas, Filialleiter einer Bank, hetzt ihm den Gerichtsvollzieher auf den Hals. Einziges Licht am Horizont: ein hochdotiertes Billardturnier, das Jaeckie zu gewinnen hofft.
Doch ausgerechnet jetzt reist sein Bruder mit Frau und Kindern an; zur Beerdigung und um anschliessend - so will es das Testament - gemeinsam mit Jaeckies Familie Schiva zu halten, eine siebentägige Totenwache. Erst hinterher, und nur wenn die beiden Brüder Frieden schliessen, bekommen sie das Erbe. Da selbst Marlene bereit ist mitzuspielen und sich wieder mit ihm versöhnt, lässt sich auch Jaeckie darauf ein. Freilich, sein Billardturnier will er noch immer gewinnen. Kurzerhand täuscht er am Grab seiner Mutter einen Herzinfarkt vor.
Lesen Sie auch: Vom Arbeiterjungen zum Schlagerstar: Ben Zuckers Karriere
Konflikte und komödiantische Elemente
Während Marlene einen Crashkurs in Sachen jüdischer Tradition absolviert und die orthodoxe Verwandtschaft mit koscheren Häppchen versorgt, hat Jaecki ganz andere Probleme im Kopf. Im Stile fröhlichen Boulevardklamauks sorgt Levy für reichlich Durcheinander. Samuels laszive Tochter macht sich an den stotternden Thomas ran, und Jaeckies Tochter outet sich als Lesbe.
Levy und Co-Autor Holger Franke schöpfen das gängige Komödienreservoir ziemlich weitreichend aus; ganz gelassen und routiniert. Vom im Vorfeld viel beschworenen jüdischen Alltag bleibt wenig mehr übrig als eine nichtssagende Patina. Ein bisschen «Mischpoche», ein wenig «Massel Tow», die wunderbar ausgelassene, vom jüdischen Klezmer inspirierte Musik, hie und da ein jüdisches Witzchen. Von allem ein bisschen packt Levy in sein Humorallerlei, mal augenzwinkernd, mal plump, nur nie zu kompliziert.
Figuren und Darsteller
- Jaecki / Jakob Zuckermann - Henry Hübchen: Das Herzstück des Films ist fraglos Jaeckie Zucker, famos verkörpert von Henry Hübchen. Ein charismatischer Antiheld, der alles und alle um sich herum verblassen lässt.
- Samuel - Udo Samel: Der erzkonservative, orthodoxe Bruder, dessen Ankunft die Welten aufeinanderprallen lässt.
- Marlene - Hannelore Elsner: Jaeckies resolute Ehefrau, die zwischen Zorn und Mitspielen schwankt und einen Schnellkurs im Koscher-Sein absolviert.
- Weitere Darsteller: Steffen Groth, Golda Tencer-Szurmiej u.a.
Die anderen Rollen sind stark besetzt, gut gespielt, aber schwach geschrieben. Eindimensionale Figuren, die sich kaum entwickeln und wenn, dann abrupt. Eine psychologische Dynamik erzeugen diese Scherenschnittcharaktere nicht.
Figurendarstellung und Erzählperspektive
Als Jakob Zuckermann seine jüdische Herkunft leugnet, indem er flapsig behauptet: „mit dem Club habe ich nichts zu tun“, wird klar, warum Levy diese künstliche Erzählperspektive wählt: um seine Hauptfigur aus dem Off mit frecher Schnauze eben solche Sätze sagen zu lassen. Jetzt sind die Zuschauer auf der sicheren Seite; nicht nur der Regisseur ist Jude, sondern sogar die nichtjüdische Identifikationsfigur. Von nun an darf gelacht werden, nicht über, sondern mit Juden, wie Paul Spiegel, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, bemerkt.
Regie, Team und Gestaltung
Dani Levy: Thematik und Stil. Thematisch waren Dani Levys Filme (»Stille Nacht«, »Meschugge«) bisher eher schwer angelegt. „Als nächstes drehe ich eine Komödie“, prophezeite er bei seinem Schauburg-Besuch zur Dresden-Premiere von »Väter« im September 2002. Nun hat er seine Komödie fertiggestellt - und was für eine.
Lesen Sie auch: Wie Familie und Glaube in "Alles auf Zucker" aufeinandertreffen
Stab: Barbara Buhl (Redaktion), Charly F. Koschnick (Kamera), Elena Bromund (Schnitt), Niki Reiser (Musik), Christian M. Goldbeck (Szenenbild), Lucie Bates (Kostümbild), Risa Kes (Casting), Marcos Kantis (Herstellungsleitung), Sonja B.
Kamera/Bildgestaltung: Carl-F. Den Anzug ohne Krawatte, das Hemd zerknittert, oben offen, das Gesicht zerschlagen, aber die Zigarette locker im Mundwinkel und das Billardqueue geschmeidig zwischen den Fingern: das ist Jaeckie Zucker. Halbseidener Zocker und Berliner Lebenskünstler, Spezialität: Hals aus der Schlinge ziehen.
Stil, Musik und Tonfall
Genauso wie Jaeckie «berlinert»: für alle leicht verständlich. Gerade darin aber zeigt sich Levys grösste Errungenschaft. Es gelingt ihm, das Spektrum jüdischer Themen im deutschen Film zu erweitern. Vielleicht muss Alles auf Zucker dafür eine reine, simple Happy-End-Komödie sein, die sich auf keinen ernsthaften Tonfall einlässt. Gut möglich. Als Wegbereiter für neue jüdische Einflüsse im deutschen Kino sollte man den Film jedenfalls im Auge behalten.
Die wunderbar ausgelassene, vom jüdischen Klezmer inspirierte Musik trägt viel zur Stimmung bei und unterstreicht den leichtfüßigen Tonfall des Films.
Rezeption und Bewertung
Levy und sein Team liefern eine Cultural-Clash-Komödie, die leidlich amüsant mäandriert. Am Anfang dreht sich alles um die Erbschaft, später geht es dann um andere, familiäre Werte. Eine moralische Läuterung, die wohl nicht ausbleiben durfte. Entsprechend pflichtschuldig wird sie abgehandelt. Denn eigentlich interessieren Schicksale in Alles auf Zucker nicht. Die Charaktere sind bloss Vehikel für muntere Dialoge und gutgelaunte Situationskomik.
Lesen Sie auch: Musik im Film "Alles auf Zucker"
Wer zu den ersten Zucker-Besuchern gehören und Jaeckies Geschichte zudem noch im alten Jahr erleben möchte, der sei herzlich zur exklusiven Preview am Mittwoch, dem 29. erschienen.
Fakten zur DVD
| Titel | Alles auf Zucker! |
|---|---|
| Dauer | 95 Minuten |
| FSK | 6 |
| Produktion | Deutschland, 2004 |
| Verleih | Warner Bros. |
| Regie | Dani Levy |
| Hauptdarsteller | Henry Hübchen, Hannelore Elsner, Udo Samel, Steffen Groth, Golda Tencer-Szurmiej |
Dem schlitzohrigen Zocker Jaeckie Zucker steht das Wasser bis zum Hals - seine Frau droht ihm mit der Scheidung, der Gerichtsvollzieher mit dem Knast. Letzte Hoffnung des Ex-DDR-Sportreporters: das Erbe seiner Mutter. Doch die verlangt in ihrem Testament, dass Jaeckie sich mit seinem Bruder Samuel versöhnt, einem orthodoxen Juden. Welten prallen aufeinander, als Samuel mit seinem ganzen Familienclan in Jaeckies chaotischem Haushalt anrückt - doch die beiden verfeindeten Sturköpfe haben keine Wahl: Sie müssen sich zusammenraufen... R: Dani Levy.
tags: #DVD #Alles #auf #Zucker #Inhalt #und


