Dunkle Schokolade Fairtrade: Vorteile und Herstellung
Wer beim Naschen auf Nachhaltigkeit setzen will, sollte zu Fairtrade-Schokolade greifen. Denn mittlerweile ist bekannt, dass es bei der Herstellung von Schokolade häufig nicht sonderlich fair zugeht. Hier erfahren Sie, worauf Sie beim Kauf von Fairtrade-Schokolade achten sollten.
Warum Fairtrade beim Kakaoanbau wichtig ist
Kakao ist der Rohstoff hinter der süßesten aller Leckereien: Schokolade. Bitter sind jedoch die Anbaubedingungen, die hinter unserer geliebten Nervennahrung stecken. Kakaobäuerinnen und -bauern auf der ganzen Welt leben oft in Armut. Noch immer gehören Armut und Kinderarbeit zum Alltag der afrikanischen Kakaofarmerinnen und Kakaofarmer. Allein in der Elfenbeinküste und Ghana arbeiten etwa 1,5 Millionen Kinder auf Kakaoplantagen. Armut ist die Hauptursache von Kinderarbeit.
Die Kakaoernte und -verarbeitung bedeutet viel Handarbeit: nach der Ernte schlagen die Erzeugerinnen und Erzeuger die Kakaoschoten mit der Machete auf, um die Kakaobohnen freizulegen. Diese werden dann bis zu sieben Tage lang fermentiert und anschließend sorgfältig getrocknet. Die Bohnen werden gereinigt, verpackt und transportiert.
Der Kakaobaum braucht es warm und schön feucht. Idealerweise wird er unter naturnahen Bedingungen im Wald oder zwischen Schattenbäumen kultiviert - das gilt vor allem für Bio-Kakao. Der weit größte Teil, wird aber leider konventionell auf gerodetem Land und in voller Sonne angebaut. Deshalb muss eine intensive Bewässerung, unter Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, für intensives Wachstum sorgen.
Produktion von dunkler Schokolade: Rohstoffe und Verarbeitung
Schokolade besteht in der Regel aus Kakao, Milch und Zucker. Selbstverständlich müssen bei einer Bio-Schokolade alle Bestandteile aus ökologischem Anbau stammen. Wichtigste Zutat ist der Kakao, eine Baumfrucht aus Ländern des Globalen Südens. Je nachdem, wie hoch der Anteil der Kakaobestandteile ist, lassen sich verschiedene Schokoladensorten unterscheiden. So enthält weiße Schokolade kein dunkel färbendes Kakaopulver, sondern nur die Kakaobutter. In Milchschokolade stecken mindestens 25 Prozent Gesamtkakaotrockenmasse, in Vollmilchschokolade 30 Prozent und bei Zartbitterschokolade sind es 50 Prozent.
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Besonders hoch ist der Anteil an Flavonoiden, einer Gruppe von färbenden und schützenden Stoffen, die zu den Polyphenolen gehören. Studien zufolge können Flavonoide mit ihrer antioxidativen Wirkung die Haut vor UV-Schäden schützen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen entgegenwirken. Gerade für die bittere Note sind einige der sekundären Pflanzenstoffe verantwortlich, die dunkle Schokolade gesund machen - vor allem sogenannte Polyphenole.
Die reifen Kakaoschoten werden vom Baum geerntet und aufgeschnitten, um die feuchten Bohnen im Inneren freizulegen. Diese werden dann bis zu sieben Tage lang fermentiert und anschließend sorgfältig getrocknet. Trotz all dieses Aufwands und obwohl der Kakaosektor ein milliardenschwerer Wirtschaftszweig ist, leben viele Kakaobäuerinnen und -bauern in Armut.
Fairtrade-Siegel und ihre Bedeutung
Verschiedene Label versprechen einen ethisch korrekten Schokogenuss. Allerdings gibt es bei Zeichen zum fairen Handel keine staatlichen Vorgaben, was genau fair oder nachhaltig ist. Die am häufigsten verwendeten Zeichen auf Schokolade sind Fairtrade und Rainforest Alliance. Was man über die Siegel auch wissen sollte: Sie lindern die Probleme etwas, sie lösen sie aber nicht. Sie sind keine Garantie dafür, dass die Bäuer:innen von ihrer Arbeit leben und sich aus der Armut befreien können.
UTZ / Rainforest Alliance
Das UTZ-Siegel prangt auch auf Schokoladen von Discounterketten. Ihre Hersteller verpflichten sich dazu, Unterkünfte und medizinische Versorgung für die Arbeiter auf den Kakao-Plantagen zu stellen und Kinderarbeit zu vermeiden. Auch Umweltauflagen müssen erfüllt werden, beispielsweise ein maßvoller Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden. Um ein Bio-Produkt handelt es sich bei dem verwendeten Kakao allerdings nicht.
Umweltschonender ist der Kakao bei Fairtrade-Schokolade mit Rainforest-Alliance-Certified-Siegel produziert. Hier wird Wert auf heimische Pflanzen und umweltverträgliche, erlaubte Pestizide gesetzt. Die Rainforest Alliance setzt sich dafür ein, dass die Erträge der Bauern für ihren Kakao steigen.
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Fairtrade und GEPA
Noch fairer geht es bei der Herstellung von Schokolade zu, die das "Fairtrade"-Siegel trägt. Hier werden Mindestpreise für den Kakao garantiert. Zudem fördert Fairtrade Gemeinschaftsprojekte vor Ort. Die Sozialstandards sind bei Fairtrade deutlich strenger als bei den beiden zuvor genannten Siegeln.
Am strengsten sind die Auflagen beim Handelshaus Gepa. Gepa verbietet nicht nur Kinderarbeit, sondern arbeitet direkt mit demokratisch organisierten Kleinbauerngenossenschaften zusammen. Darüber hinaus legt Gepa bei der Herstellung seiner Produkte Wert auf Rohstoffe aus Bio-Anbau. Gepa zahlt für eine Tonne Kakao plus Prämie mindestens 3.500 Dollar, also deutlich mehr als bei einer Fairtrade-Zertifizierung nötig.
Vorteile von Fairtrade für Produzenten und Umwelt
- Angemessene Existenzgrundlagen: Die Fairtrade-Strategie für existenzsichernde Einkommen setzt sich für einen Lebensunterhalt ein, der die Betriebskosten der Kakaobäuerinnen und -bauern deckt und genug für grundlegende Menschenrechte wie nahrhaftes Essen, Gesundheitsversorgung und Bildung bietet.
- Mindestpreise und Prämien: Der Fairtrade-Mindestpreis dient als Sicherheitsnetz, wenn die Weltmarktpreise fallen. Für biologischen Anbau gibt es einen Aufschlag. Außerdem erhalten die Kooperativen einen zusätzlichen finanziellen Aufschlag, die Fairtrade-Prämie, die sie nach eigenem Ermessen investieren können.
- Schutz der Kinderrechte: Schulungen und Beratung vor Ort dienen dazu, das Bewusstsein für die Rechte von Kindern auszubauen. Ein neues Programm unterstützt Fairtrade-zertifizierte Kakao-Kooperativen in Côte d'Ivoire und Ghana darin, Kinder- und Zwangsarbeit zu verhindern und zu bekämpfen.
- Gleichstellung der Geschlechter: Die Women's School of Leadership von Fairtrade Africa fördert Frauen als Führungskräfte in Kakaokooperativen.
- Gemeinschaftliche Organisation: Bei Fairtrade schließen sich Kleinbäuerinnen und -bauern in Genossenschaften zusammen, um Investitionen zu tätigen und ihre Verhandlungsposition zu stärken.
- Schutz der Wälder und Klimaresilienz: Fairtrade unterstützt agroforstliche Ansätze, die Böden verbessern, Klimaresilienz stärken und gleichzeitig ganzjährige Ernten ermöglichen.
Fairchain: Mehr Wertschöpfung vor Ort
Der Fairchain-Ansatz sieht vor, den gesamten Produktionsprozess im Herkunftsland der Rohstoffe zu belassen und so die Kontrolle in die Anbauländer zu bringen. Das Besondere an fairafric ist, dass wirklich von der Bohne bis zur fertig verpackten Tafel die Schokolade Made in Ghana ist. Die eigentliche Wertschöpfung also - bei der aus Roh-Kakao das wertvolle "braune Gold", Schokolade, wird - findet in Westafrika statt.
Seit Herbst 2020 produziert fairafric in einer neu gebauten, solarbetriebenen Fabrik nahe der Hauptstadt Tema in Ghana. Die Nachfrage nach fairafric-Schokolade ist groß, zumal dort viele neue Arbeitsplätze geschaffen werden und am Ende auch mehr bei den Produzenten, also den Kakaobauern, hängen bleibt. Fairafric zahlt für eine Tonne Bio-Kakao eine Prämie von 692 Dollar. Stammen die Bohnen aus dem Dynamischen Agroforst-Anbau liegt die Prämie bei 842 Dollar pro Tonne.
Wie du als Verbraucher dunkle Fairtrade-Schokolade richtig auswählst
Bessere Schokolade erkennst du zum Beispiel an Fairhandels-Siegeln wie etwa Fairtrade. Die Siegel stehen zunächst einmal für etwas Gutes: eine Zertifizierung soll die Löhne und Produktionsbedingungen verbessern und die strukturelle Entwicklung vor Ort fördern. Der Einsatz bestimmter Chemikalien ist untersagt und Kinderarbeit verboten.
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Faire Schokolade muss zum Beispiel nicht zwingend Bio sein. Und umgekehrt bedeutet Bio nicht automatisch fair. Beim Kauf einer Fairtrade-Schokolade ist Bio eine weitere Möglichkeit, verantwortungsvoller Schokolade zu genießen. Ein Biosiegel steht für einen schonungsvollen Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen. So verbietet Bio etwa den Einsatz von giftigen Pflanzenschutz- und Düngemitteln.
Häufig ist schon eine ellenlange Zutatenliste kein gutes Zeichen. Man muss kein:e Ernährungsexpert:in sein, um zu wissen, dass Zutaten, die sich kaum aussprechen lassen und die man nicht gerade mit Schokolade assoziiert, in der Schokolade nichts zu suchen haben. Faire Produkte und Unternehmen gibt es in Supermärkten und online.
Herausforderungen und Grenzen von Zertifizierungen
Obwohl die Fairtrade-Siegel helfen, bleiben Probleme bestehen: Faire Schokolade muss zum Beispiel nicht zwingend Bio sein, und umgekehrt bedeutet Bio nicht automatisch fair. Bei unter 2.500 US-Dollar pro Tonne Kakao hat sich der Preis am Weltmarkt derzeit eingependelt. Wie viel einzelne Kakaobauern davon sehen, ist eine andere Frage.
Über Fairtrade-Schokolade wird zumindest versucht, mit einem Garantiepreis und Prämien der Ausbeutung von Kakaobauern entgegenzuwirken. Umgekehrt müssen viele Kriterien umgesetzt werden, um überhaupt für Fairtrade zertifiziert zu werden. Fairtrade-Preise lassen sich jedoch nicht von den gezahlten Dumpingpreisen vor Ort entkoppeln und so lebt auch ein Großteil der fairtrade-zertifizierten Kakaobauern unterhalb des Existenzminimum.
Das Inkota-Netzwerk bewertet die wichtigsten Nachhaltigkeitssiegel und Programme der Händler im Kakaoanbau: am besten schneiden fairafric und Gepa ab. Aber das reicht nicht. "Bisher garantieren nur wenige Label, dass Kakaobäuerinnen und -bauern einen existenzsichernden Preis erhalten“, bedauert Birgit Eichmann. Es gebe jedoch erste Schokoladenunternehmen, die auskömmlich bezahlen. Dazu gehören bisher Fairafric und die GEPA.
Tipps: Welche dunkle Schokolade kaufen?
- Auf Fairtrade- oder GEPA-Labels achten; bei GEPA sind viele Produkte zudem biozertifiziert.
- Wenn möglich Bio + Fairtrade wählen (z. B. Naturland Fair, GEPA Bio-Fair-Produkte).
- Anteil an Kakao beachten: Für gesundheitliche Vorteile eher Zartbitter/Bitterschokolade mit hohem Kakaoanteil (z. B. 70 % und mehr).
- Kurze, bekannte Zutatenliste bevorzugen und auf versteckte Zusatzstoffe oder Palmfett achten.
- Fairchain-Produkte unterstützen, die Verarbeitung im Herkunftsland fördern.
Tabelle: Vergleich wichtiger Siegel (Kurzüberblick)
| Siegel | Garantierter Mindestpreis | Bio-Kriterien | Schutz vor Kinderarbeit |
|---|---|---|---|
| Fairtrade | Ja, Fairtrade-Mindestpreis | Bei Bio-Produkten zusätzlich | Verboten, Programme zur Prävention |
| GEPA | Ja, deutlich über Fairtrade | Viele Produkte biozertifiziert | Verboten, strenge Sozialstandards |
| Rainforest Alliance | Nein (Prämie geringer) | Nein zwingend | Verpflichtungen, aber keine Mindestpreise |
| UTZ | Nein | Nein zwingend | Grundanforderungen, aber weniger streng |
Wer die Situation von Kakaobäuerinnen und -bauern verbessern möchte, sollte zu fair gehandelter Schokolade greifen. Fairtrade-Kakao ist gut für die Menschen, den Planeten und die Wirtschaft. Bio-Fairtrade-Schokolade bietet in der Lieferkette bessere Bedingungen für Mensch und Natur.
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