Dubai-Schokolade: Hype, Hintergründe und Kritik
Ich wette, auch ihr habt euch schon gefragt: Was hat es bloß mit dieser mysteriösen Dubai-Schokolade auf sich? Warum flippen gerade alle wegen einer Schokolade aus Dubai aus? Es ist erstaunlich, wie schnell wir uns von Social Media einwickeln lassen. Aber mal ehrlich: Was ist an dieser Schokolade wirklich so besonders?
Was ist Dubai-Schokolade?
Dubai-Schokolade ist Schokolade, die mit Pistaziencreme und Kadaifi gefüllt ist. Die Füllung besteht aus geröstetem und gehacktem Kadaifi („Engelshaar“), gehackten Pistazien bzw. Laut dem Deutschen Patent- und Markenamt gab es in Deutschland zum Stand 4. Dezember 2024 insgesamt 19 aktive Markenanmeldungen, die den Begriff „Dubai“ im Zusammenhang mit Süßwaren umfassen. In Europa wurden mehr als 30 ähnliche Markenanmeldungen für Schokolade registriert.
Als Schokolade wird meist Vollmilchschokolade verwendet, alternativ Bitterschokolade. Neben der Pistaziencreme und den dünnen Teigfäden ist häufig noch Sesam-Mus (Tahini) sowie Vollmilchschokolade enthalten. Die Kombination des Fadenteigs und der Pistazien-Creme verleiht der Schokolade beim Aufbrechen ihr besonderes Aussehen. Diese Schokolade ist knusprig, aber auch cremig. Schokoladig braun, aber auch grün wie eine Pistazie.
Entstehung und Original
„Can’t Get Knafeh of It“ wurde 2021 von Sarah Hamouda, der Gründerin von Fix Dessert Chocolatier, in Dubai entwickelt. Sarah Hamouda kreierte den Schokoriegel, um eine Heißhunger-Attacke während ihrer Schwangerschaft zu stillen. Ein Experiment, das binnen kürzester Zeit eine weltweite Hysterie entfachte. Das Video wird unzählige Male geliked, reposted, gespeichert und vor allem nachgeahmt.
Die Erfindung der Dubai-Schokolade wird Sarah Hamouda zugeschrieben, sie ist die Inhaberin des Unternehmens "Fix Dessert Chocolatier" in Dubai. „FIX wird im Internet als ‘Dubai Chocolate’ bezeichnet, aber wir selbst haben es nie so genannt“, sagt Hamouda. Als die Leute anfingen, Videos im Internet zu sehen und feststellten, dass sie nur in Dubai erhältlich ist, blieb der Name scheinbar auf diese Art hängen. Es wurde zu einer Art Kult.
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Die Schokolade des Originals wird vom Schweizer Hersteller Max Felchlin AG produziert. Die originale Dubai-Schokolade gibt es nur in Dubai an wenigen Orten zu kaufen. Es gibt keine autorisierten Vertriebshändler:innen oder Wiederverkaufende, keinen Laden und auch keine FIX-Franchises in einem anderen Land als Dubai. Die Marke postet regelmäßig Hinweise auf ihren sozialen Kanälen, in denen sie daran erinnert, dass die offiziellen Produkte nur über Deliveroo in Dubai und Abu Dhabi, am offiziellen FIX-Stand im Duty Free des Dubai International Airport Terminal 3, in den Minibars des Jumeirah Marsa Al Arab Resorts und immer dann, wenn besondere Veranstaltungen auf den offiziellen FIX-Kanälen angekündigt werden, erhältlich sind.
Der Hype: Social Media, FOMO und Kultstatus
Die sogenannte Dubai-Schokolade erlebt gerade einen Hype in den sozialen Medien. Gefühlt lieben alle die mit Engelshaar, Pistaziencreme und Sesampaste gefüllte Vollmilchschokolade. Influencer schwärmen von ihr, essen sie genüsslich oder machen sie selbst. Es genügt, wenn ein paar Influencer ihre glamourösen Unboxing-Videos posten, und schon fühlen sich alle, als ob sie etwas verpassen, wenn sie diese Schokolade nicht besitzen. Vier Buchstaben fassen den Hype perfekt zusammen: FOMO - die "Fear of Missing Out".
Der Google-Bericht “Year In Search” zeigte, dass “Dubai Chocolate Bar” im Jahr 2024 weltweit die fünfthäufigste Suche in der Kategorie der Rezepte, Lebensmittel und Getränke war. Die Beliebtheit des Produkts hat sogar Auswirkungen auf den Tourismus. Aida Mohammad Al Busaidy, Associate Vice President of Consumer Advocacy beim Dubai Department of Economy and Tourism (DET), sagt, es gäbe immer mehr Besuchende, die den Erwerb einer Dubai-Schokolade als wesentlichen Bestandteil und Grund für den Besuch des Emirates sehen. “FIX ist mehr als nur ein virales Dessert. Es erzählt eine Geschichte von Unternehmergeist, handwerklicher Qualität und kosmopolitischer Anziehungskraft, die alle das Wesen Dubais widerspiegeln.”
Hunger nach Exklusivität und die Nachahmer
Das Instagram Account verrät, dass die Schokolade nur in Dubai und Abu Dhabi zu erwerben ist. Ein Post warnt eindringlich vor Betrügern. Inzwischen sind weitere Unternehmen auf den Trend aufgesprungen und vermarkten hierzulande Alternativen z.B. in Supermärkten. Längst sind nahezu alle Schokoladen-Hersteller auf den Trend aufgesprungen und stellen ihre eigene Version der Dubai-Schokolade her.
Mit dem Trend kam eine Flut an Trittbrettfahrenden. Der Markt wurde binnen kürzester Zeit mit Produkten geflutet, die anfangs den Namen Dubai-Schokolade trugen. Nun findet man in europäischen Supermärkten fast nur noch Süßigkeiten mit der Bezeichnung Dubai “Style” Schokolade - Betonung auf Style! Mit dem Original haben die meisten Produkte nicht viel zu tun, günstig sind sie dennoch nicht.
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Im Dezember 2024 mahnte ein Importeur andere Hersteller ab, da deren Dubai-Schokolade nicht in Dubai produziert wird. Trotz der Abmahnungen vertreiben zahlreiche Hersteller weiter unter der Bezeichnung Dubai-Schokolade. Bis dann im Januar 2025 ein Gericht in Köln entschied, dass sich nur im Emirat hergestellte Produkte Dubai Chocolate oder Dubai-Schokolade nennen dürfen. Danach folgten weitere juristische Auseinandersetzungen um Marken- und Herkunftsfragen.
Sinn und Unsinn des Preises
Häufig kostet eine Tafel Dubai-Schokolade zwischen 8 und 15 Euro. Die geschickt vermarktete Schokolade hat ihren Preis - um die 15 Euro kostet das begehrte Stück. Für Eberhard Schell, Maître Chocolatier aus Gundelsheim, ist es die Konsistenz. "Wenn man es gut macht, ist es lecker. Durch das Engelshaar hat die Schokolade einen schönen crunchigen Effekt. Doch der Hype hat auch seine Folgen. Von der Sesampaste bis hin zum Engelshaar sei fast alles ausverkauft, so Schell. Die Nachfrage bestimmt den Markt und so ist es auch hier. Dementsprechend sind die Kosten hochgegangen."
Laut Maître Chocolatier Eberhard Schell sei die Herstellung der Schokolade recht aufwändig. Um zu überprüfen, ob der Preis für eine Tafel Dubai-Schokolade gerechtfertigt ist, empfiehlt Schell einen Blick auf die Zutatenliste. Die Pistaziencreme ist die Zutat, die bei der Herstellung am meisten kostet. Darum ist es wichtig, genau hinzusehen, wie viel davon tatsächlich in der Tafel steckt.
DIY und Alternativen
Doch warum teuer kaufen, wenn man das kulinarische Erlebnis auch relativ einfach zuhause selbst herstellen kann? Genau das hat zu einem weiteren Trend geführt. Inzwischen kursieren unzählige Rezepte im Internet und Youtuber erklären Schritt für Schritt, wie man die Schokolade selbst kreiert. Wer also nicht warten möchte und günstiger in den Genuss kommen möchte, findet hier passende Alternativen.
Um dem Original-Geschmack möglichst nahe zu kommen, empfiehlt sich Edelvollmischschokolade zu verwenden. Für die Füllung benötigt man noch zerkleinertes Engelshaar (Kadayif-Fäden z.B. aus türkischen Lebensmittelläden) das mit Butter oder Öl in einer Pfanne geröstet wird. Hinzu kommen noch die typische Pistazien-Creme und Tahini.
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Qualitäts- und Gesundheitskritik
Doch es gibt auch Kritik. Und zwar seitens der Verbraucherschützer. Im Dezember 2024 führte die Lebensmittelüberwachung in Baden-Württemberg eine Untersuchung von acht Proben „Dubai-Schokolade“ durch: Fünf Proben waren unterschiedliche Chargen eines Herstellers aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), drei stammten von verschiedenen Produzenten aus der Türkei. Dabei wurde der Einsatz von Palmöl anstelle von Kakaobutter in den VAE-Proben beanstandet, was eine Verbrauchertäuschung darstellt, da das Produkt nicht den rechtlichen Anforderungen für Schokolade entspricht.
Zudem enthielten die VAE-Proben herstellungsbedingte Verunreinigungen, was ihre Eignung für den menschlichen Verzehr in Frage stellt. In den Proben aus der Türkei wurde nicht deklarierter Sesam nachgewiesen, was für Personen mit Sesamallergie ein Gesundheitsrisiko darstellt. Fast alle untersuchten Proben enthielten zudem künstliche Farbstoffe, die einen höheren Anteil an hochwertigen Zutaten vortäuschten. Stichproben von Dubai-Schokoladen enthüllen erhebliche Mängel.
Die Produkte in den Supermärkten haben nichts mit richtiger Dubai-Schokolade zu tun. Nachdem ich schließlich 80 AED, umgerechnet 19 Euro, für die OG Pistazien-Knafeh-Tafel am offiziellen FIX-Stand im Terminal 3 des Internationalen Flughafens Dubai ausgegeben habe (sie kostet nur 68,25 AED, wenn man sie über Deliveroo bestellt), habe ich anschließend noch eine Reihe von Copycat-Produkten gekauft. Selbst die Verpackungen sind der Vorlage fast identisch, man muss wirklich genau hinsehen um die Namen FEX und FOX (statt FIX) zu erkennen.
Nachhaltigkeit und Ethik
Bei den ganzen Trends stellt sich die Frage, was der steigende Pistazien-Konsum für die Umwelt bedeutet. Pistazien sind ein klassisches Importgut z.B. aus dem Iran, Kalifornien, Spanien oder der Türkei. Die Nachfrage weltweit ist groß und steigend. Dies wiederum verlangt nach mehr Anbauflächen. Pistazienbäume sind zwar anpassungsfähig und trockenresistent, allerdings benötigen die Plantagen viel Wasser. Die Bewässerungsmenge an den Anbauorten übertrifft sogar die der wasserintensiven Kulturen von Avocados und Mandeln.
Im Iran wird hierfür auch das Grundwasser abgepumpt, was zu regelrechten Wasserkrisen führt. Und es sieht so aus, als ob sich auch zukünftig an der Wasserknappheit in diesen Regionen wenig ändern wird. Hinzu kommt noch der Anbau als Monokulturen und der damit verbundene Einsatz von chemischen Düngemitteln und Pestiziden sowie die langen Transportwege des begehrten grünen Schatzes. Dadurch bekommt die leckere Pistaziencreme der überteuerten Dubai-Schokolade einen weiteren, wahrlich bitteren Beigeschmack.
Ernährung und Kalorien
Die Delikatesse mag schmecken, ist aber leider auch eine Kalorienbombe. Immerhin kommt der 200-Gramm-Riegel “Can't Get Knafeh Of It” von FIX mit sage und schreibe 992 Kalorien und 60 Gramm Fett einher. Die in Fett gebratenen Teigfäden sind eher ungesund. Die Zufuhr an Kalorien, Zucker und Fetten unterscheidet also auch bei dieser Schokoladenvariante nicht groß von anderen.
Ist die Dubai-Variante gesünder als normale Schokolade? Das lässt pauschal nicht beantworten, es kommt auf das Rezept bzw. die Inhaltsstoffe an. Greift man z.B. zu einer Schokolade mit hohem Kakaoanteil, reduziert sich der Zuckergehalt entsprechend. Pistaziencreme kann generell gesunde Fette und Proteine enthalten, wobei die Dubai-Schokolade häufig nicht mehr als 10 Prozent davon enthält. Dunkle Schokolade mit einem Kakaoanteil von über 85 % gilt hingegen als gesünder - in Studien zeigt der regelmäßige Verzehr u.a. positive Effekte auf den Cholesterinspiegel.
Rechtliche Lage und Markenfragen
Die Schokolade ist nicht der offizielle Name der Delikatesse, und es gibt für die Schokolade aus Dubai keine geschützte Ursprungsbezeichnung (DOP). Laut dem Deutschen Patent- und Markenamt gab es in Deutschland zum Stand 4. Dezember 2024 insgesamt 19 aktive Markenanmeldungen, die den Begriff „Dubai“ im Zusammenhang mit Süßwaren umfassen. In Europa wurden mehr als 30 ähnliche Markenanmeldungen für Schokolade registriert.
Der Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie ist der Meinung, dass als „Dubai-Schokolade“ bezeichnete Schokoladenerzeugnisse auf der ganzen Welt hergestellt werden dürfen. Im Dezember 2024 mahnte ein Importeur andere Hersteller ab, da deren Dubai-Schokolade nicht in Dubai produziert wird. Trotz der Abmahnungen vertreiben zahlreiche Hersteller weiter unter der Bezeichnung Dubai-Schokolade. Ein Gericht in Köln entschied jedoch im Januar 2025, dass sich nur im Emirat hergestellte Produkte Dubai Chocolate oder Dubai-Schokolade nennen dürfen; es folgten weitere juristische Entscheidungen und Auseinandersetzungen.
Auswirkungen und Perspektiven
Der Google-Bericht, die weltweiten Medienberichte und das starke Interesse zeigen: Der Hype hat Dubai als Marke unterstützt und die Schokolade gar zum Kulturgut Dubais erhoben. Die Beliebtheit des Produkts hat sogar Auswirkungen auf den Tourismus. Während die genauen Daten noch analysiert werden, sind die ersten Marktforschungsergebnisse vielversprechend, so das Dubai Department of Economy and Tourism.
Ob der Hype weiter wachsen wird oder das Ende bereits erreicht ist, bleibt abzuwarten. Wenn die Preise für Kakaobohnen und Pistazien, die beide derzeit hoch sind, weiter steigen, wird dies wahrscheinlich die Attraktivität der Luxusschokolade auf der ganzen Welt beeinträchtigen. Vielleicht wird die Ozempic-Generation in Zukunft aber auch ganz auf Süßigkeiten verzichten. Der Aufwand, den Fans in Kauf nehmen, ist bereits enorm: Kund:innen stellen Wecker, nutzen Bots für Deliveroo-Drops und fliegen extra nach Dubai.
| Aspekt | Kurzbeschreibung |
|---|---|
| Hauptzutaten | Pistaziencreme, Kadayif (Engelshaar), Tahini, Vollmilch- oder Bitterschokolade |
| Erfinderin | Sarah Hamouda, FIX Dessert Chocolatier (Dubai) |
| Preisrange | häufig 8-15 €, Original teurer (Beispiele: 68,25 AED bis 80 AED im Flughafenverkauf) |
| Kritikpunkte | Qualitätsmängel, Einsatz von Palmöl, künstliche Farbstoffe, undeclareter Sesam, Allergierisiken |
| Nachhaltigkeit | hoher Wasserbedarf bei Pistazien, lange Transportwege, Monokulturen |
Die Dubai-Schokolade ist letztlich eine perfekte Fallstudie dafür, wie leicht wir uns vom oberflächlichen Glamour verführen lassen. Am Ende ist das Ganze ein ausgeklügeltes Marketing-Manöver. Die Wahrheit ist, dass es hier nicht nur um Geschmack oder Qualität geht. Nein, es geht um das Image. Dubai-Schokolade klingt nach Luxus, nach Exotik, nach einem Hauch von "1001 Nacht". Viele von uns kaufen das Gefühl mit: das Gefühl, sich etwas Besonderes leisten zu können, dazuzugehören.
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