Deutscher Honig: Import- und Exportmarktanalyse

Die Nachfrage nach Honig in Deutschland übersteigt die heimische Produktion deutlich, sodass der Großteil des in Deutschland vertriebenen Honigs aus dem Ausland stammt. Jeder Deutsche konsumiert im Durchschnitt 1,1 Kilogramm Honig pro Jahr. Damit ist Deutschland weltweiter Spitzenreiter im Bezug auf den Honigverbrauch. Der gesamte Honigverbrauch der Deutschen liegt bei ca. 88.000 Tonnen im Jahr (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, 2012.).

Gesamtmarkt: Produktion, Verbrauch und Versorgungslage

In Deutschland gibt es allerdings nur ca. 700.000 Bienenvölker, die jeweils ca. 30 Kilogramm im Jahr produzieren. Damit wird die Nachfrage der deutschen Konsumenten bei weitem nicht gedeckt, weshalb der Großteil des in Deutschland vertriebenen Honigs aus dem Ausland stammt. Die Honigproduktion in der EU lag 2018 bei 209.000 Tonnen. Nach Angaben der EU-Kommission werden diese von 600.000 Imkern aus mehreren Millionen Bienenstöcken produziert. Klar ist: Den Honigkonsum in der EU kann die europäische Honigproduktion nur etwa zur Hälfte befriedigen. Deshalb werden jährlich etwa 200.000 Tonnen Honig in die EU importiert.

Honig ist und bleibt beliebt: Über ein Kilogramm Honig verbrauchten wir Deutschen in den letzten Jahren jährlich pro Kopf. Der natürlich süße Geschmack führt zu einer enormen Nachfrage, die so hoch ist, dass unsere heimischen Bienen nicht genug produzieren können. Da es sich bei Honig um ein reines Naturprodukt handelt, das weder von Menschen noch maschinell erzeugt werden kann, sind die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland und ganz Europa auf Importe angewiesen.

Deutschland Honigverbrauch Karte / Infografik

Importe nach Deutschland: Herkunftsländer und Mengen

Die Europäische Union importiert Honig vor allem aus China. Das zeigen aktuelle Zahlen, die das Statistische Amt der EU (Eurostat) veröffentlicht hat. Demnach wurden 2023 insgesamt 163.700 t Honig aus Drittstaaten in die Gemeinschaft eingeführt; davon stammten 60.200 t beziehungsweise 37 % aus China. Gemäß den Zahlen von Eurostat importierte die Bundesrepublik 41.000 t und damit ein Viertel der Gesamtmenge. Nach vorläufigen Angaben importierte Deutschland 2025 rund 67.700 Tonnen Honig.

Die mengenmäßig wichtigsten Herkunftsländer für Honig waren Argentinien (18 Prozent), Ukraine (15 Prozent), Chile (9 Prozent) und Mexiko (8 Prozent). Die Ukraine, Argentinien und Rumänien stellen die drei führenden Lieferländer von Honig nach Deutschland dar. Rund 16.309 Tonnen Honig hat Deutschland im Jahr 2024 aus der Ukraine importiert. Dies entspricht einem Anteil von etwa 22 Prozent an den Honigimporten.

Lesen Sie auch: Regionale Honigvielfalt in Deutschland entdecken

Im Jahr betrifft das rund 80.000 Tonnen Importhonig, vor allem aus Argentinien, Mexiko und der Ukraine (jeweils 12.000 bis 13.000 Tonnen). Aber auch China gehört mit rund 5.000 Tonnen jährlich zu den Groß-Importeuren. In aller Regel erfahren Verbraucher das aber nicht. Auf der Verpackung wird oft nicht einmal der Erdteil genannt, auf dem der Honig geerntet wurde. Auf dem Etikett steht dann zum Beispiel nur "Aus EU- und Nicht-EU-Ländern". Verbraucherschützer fordern seit Langem genauere Angaben.

Qualität, Fälschungen und Kennzeichnung

Als Naturprodukt darf Honig keine Zusatzstoffe enthalten. Aber: Der Nektar gehört laut dem Deutschen Berufsimkerbund zu den weltweit am meisten verfälschten Lebensmitteln. Oft wird reiner Honig mit Zusätzen gestreckt. Mit gängigen Untersuchungsmethoden lassen sich davon nicht alle entdecken. Experten sprechen hier von einem Wettlauf zwischen Fälschern und Laboren - ähnlich wie beim Doping im Sport. Manchmal werden Farbstoffe oder Fremdpollen hinzugefügt. Auf großen chinesischen Online-Handelsplattformen werden zum Beispiel industriell erzeugte Fruktose-Sirups zur Streckung von Honig angeboten.

China ist mit knapp einer halben Million Tonnen der größte Honigproduzent der Welt, und mit 132.000 Tonnen Ausfuhren pro Jahr auch Exportweltmeister. Hier wird der Honig in der Regel schon unreif aus den Stöcken entnommen. Die frühe Entnahme hat aber auch Nachteile: Auf den langen Transportwegen in China können sich im Honig Hefen bilden, die wiederum zu Gärung führen können. Erkennbar ist dies etwa an starker Schaumbildung oder einem alkoholischen Geruch direkt nach dem Öffnen.

Handel innerhalb der EU und Exporte

Auch innerhalb der EU kommt es zum Handel mit Honig. So werden durchschnittlich 135.000 Tonnen Honig zwischen den Mitgliedstaaten pro Jahr gehandelt. Dazu zählt beispielsweise Honig, der in einem Mitgliedstaat abgefüllt und in einem anderen verkauft wird. Alle Mitgliedstaaten exportieren Honig in andere EU-Länder und auch beim Import sieht es ähnlich aus. Die Zahlen des Binnenhandels zeigen auch, wo viel und wo wenig Honig konsumiert wird. In Spanien, Ungarn, Rumänien und Italien wird vergleichsweise wenig Honig gegessen. Demgegenüber ist der Honigkonsum in Deutschland, Dänemark, Belgien und den Niederlanden höher als die inländische Produktion.

In Drittstaaten verkauft wurde vor allem Honig aus Spanien. Laut den Luxemburger Statistikern beliefen sich die betreffenden Lieferungen 2023 auf 7.100 t; das waren 29 % der gesamten EU-Ausfuhren. An deutschem Honig wurden 5.500 t außerhalb der EU abgesetzt. Gefragt war der Honig der EU-Imker vor allem im Vereinigten Königreich, wohin 4.300 t oder 17 % der Ausfuhren geliefert wurden. Weitere wichtige Abnehmer waren Saudi Arabien mit 3.500 t und die Schweiz mit 3.400 t.

Lesen Sie auch: Original Käsekuchen Rezept

EU Binnenhandel Honig Flussdiagramm

Deutsches Angebot: Imkerei, Marken und Vertriebskanäle

Die Mehrheit des in Deutschland produzierten Honigs stammt von Hobby- bzw. Nebenerwerbsimkern, die in der Regel ihren Honig direkt an der Haustür oder über einen lokalen Wochenmarkt vertreiben. Nach Angaben des Länderinstituts für Bienenkunde Hohen Neuendorf beträgt die durchschnittliche Völkerzahl pro Imker 9 Stück, womit eine Produktion von ca. 270 Kilogramm im Jahr erreicht wird (Bienefeld, 2013).

Die Mehrheit der Hobbyimker in Deutschland vertreibt den Honig in Gläsern mit dem Etikett des Deutschen Imkerbundes. Nur aufgrund eines kleinen Stempels ist ersichtlich, von welchem Imker der Honig stammt. Diese einheitliche Verpackung (Glas, Deckel & Etikett) wurde in den letzten 15 Jahren nicht überarbeitet und spricht eher eine ältere Zielgruppe an. Es handelt sich daher nicht um ein „Lifestyle“- sondern um ein reines Konsumprodukt.

Insgesamt gibt es auf dem deutschen Honigmarkt viele verschiedene weitere Honigmarken, beispielsweise Langnese oder die Eigenmarken der Discounter, welche fast ausschließlich über Supermärkte vertrieben werden. Diese Marken haben ein Sortiment an unterschiedlichen Honigsorten, welche sich dadurch unterscheiden dass das die Bienen den Nektar von unterschiedlichen Blüten bezogen haben. Die großen Honigproduzenten lassen gewöhnlicherweise jede einzelne Charge qualitativ im Labor untersuchen, die in den Handel geht. Dabei orientieren sie sich an den "Leitsätzen für Honig" und der "Deutschen Honigverordnung". Hier sind etwa für Sortenhonige Mindestmengen für Pollen vorgegeben.

Es gibt allerdings keine Marke, die eine Auswahl an Zusatzstoffen für den Honig anbietet, um ihn dem persönlichen Geschmack anzupassen und ihm eine einzigartige Note zu geben. Es gibt auch kleinere Unternehmen, welche es nicht in den Supermarkt geschafft haben und ihren Honig über Bäckereien oder das Internet vertreiben. Zusätzlich wird der meiste Honig welcher über den Handel vertrieben wird aus dem Ausland importiert. Nur etwa 20 Prozent des in Deutschland verkauften Honigs wurde hier auch produziert (Deutscher Imkerbund e.V.).

Marktnachfrage, Verbrauchsverhalten und Verkaufsfrequenz

Nach einer Umfrage des Ifak Institutes aus den Jahren 2008-2009, bei welcher 20.165 Haushalte aus Deutschland teilgenommen haben, erwerben 27,6 Prozent der Haushalte in Deutschland einmal im Monat Honig. 9,3 Prozent der Befragten erwerben sogar noch häufiger als einmal im Monat Honig (Ifak Institut, Media Markt Analysen, 2008). Nach einer Marktstudie der Axel Springer AG verwenden 37 Prozent der deutschen Konsumenten mehrmals pro Woche Honig beim Frühstück (Axel Springer Media Impact , 2009. S. 57).

Lesen Sie auch: Deutscher Honig: So kennzeichnen Sie ihn richtig!

Honige aus dem Supermarkt bestehen meistens aus Mischungen aus aller Welt. Grund: Die Honige einer Marke sollen immer gleich schmecken - so wie es der Verbraucher von seiner gewohnten Marke erwartet. Bei einem Honig direkt vom Imker ist das anders. Der Geschmack variiert von Jahr zu Jahr und hängt stark von klimatischen Bedingungen ab. Bei einem Honig direkt vom Imker ist das anders. Der Geschmack variiert von Jahr zu Jahr und hängt stark von klimatischen Bedingungen ab.

Interview mit Imker: Markt und Qualitätsfragen

Risiken für die Produktion: Schädlinge, Wetter und Erträge

Nach aktueller Erhebung wurden im Jahr 2025 deutschlandweit rund 976.400 Bienenvölker gehalten - eine Abnahme um fast vier Prozent zum Vorjahr. Die Honigerzeugung hingegen stieg deutlich an. Dies lässt sich auf den hohen durchschnittlichen Honigertrag pro Volk von 39,4 Kilogramm zurückführen. Damit übertraf der Ertrag je Volk das bisherige Rekordjahr 2023 mit 36,3 Kilogramm um 3,1 Kilogramm. Grund dafür waren günstige Witterungsverhältnisse. Ungünstigere Witterungsverhältnisse, insbesondere Regenwetter, halten die Bienen im Stock und verhindern Nektarsammlung. Die Honigerzeugung in Deutschland insgesamt belief sich 2025 auf rund 38.600 Tonnen. Im Vergleich der Bundesländer verzeichnete Bayern mit etwa 7.790 Tonnen die höchste Produktionsmenge, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit circa 7.240 Tonnen. Der Honigverbrauch in Deutschland lag 2025 laut vorläufigen Zahlen bei 86.700 Tonnen. Dies entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von 1.038 Gramm.

Nach wie vor ist die Varroamilbe weltweit der bedeutendste Parasit der Westlichen Honigbiene. Allerdings ist die Asiatische Hornisse ebenfalls ein bekannter und bedeutender Schädling. Eine Bekämpfungspflicht bestand bisher gemäß Artikel 16 der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 als invasive Art auf EU-Ebene, da die Arten als zweitgrößte Gefahr für die Biodiversität gelten. Mittlerweile erfolgte eine Umstufung von Art. 16 in Art. Belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse, inwieweit die Asiatische Hornisse eine besondere Gefährdung für die menschliche Gesundheit darstellt oder in welchem Umfang sie Einfluss auf die Erträge oder den generellen Bestand von Bienenstöcken hat, liegen bisher nicht vor.

Wirtschaftliche Kennzahlen: Werte von Importen und Exporten

Insgesamt erreichten die EU-Einfuhren von Honig laut Eurostat 2023 einen Wert von 359,3 Mio. €. Die Ausfuhren summierten sich wertmäßig auf 146,0 Mio. €, wobei das Volumen allerdings lediglich 24.900 t erreichte. Geliefert wurde der Honig aus Drittstaaten insbesondere nach Deutschland. Für Deutschland lagen nach vorläufigen Angaben die Exporte 2025 bei 19.600 Tonnen.

Der Handel mit Honig innerhalb der EU, wie auch der Import von Honig in die EU, sind somit entscheidend, um die Versorgung der Bevölkerung mit dem Naturprodukt sicherzustellen. Die Hürden für den Export in die EU sind jedoch sehr hoch. Länder, die Honig in die EU einführen möchten, müssen durch die EU zunächst geprüft werden und die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen. Aus Ländern, die die Voraussetzungen nicht erfüllen, darf kein Honig in die EU importiert werden. Im Gegensatz zu den Zahlen zur Honigproduktion sind die Zahlen zum Import von Honig sehr genau. Importe werden schließlich durch den Zoll und anderen Behörden erfasst und lassen sich gut nachvollziehen.

Spezialsegmente: Fairtrade und Bio

Im Jahr 2023 wurden auf dem deutschen Markt 883 Tonnen Fairtrade-Honig im Wert von 10,12 Millionen Euro abgesetzt. Im vergangenen Jahrzehnt hat der Honig aus fairem Handel an Bedeutung gewonnen. Dennoch stellt Fairtrade-Honig ein eher kleines Segment im fairen Handel dar. Die wichtigsten Fairtrade-Produkte waren zuletzt Kaffee und Südfrüchte, wie Bananen. Der Bio-Anteil von Fairtrade-Honig lag im Jahr 2023 bei sieben Prozent.

Praktische Hinweise für Verbraucher

  • Auf Honigen muss ein Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben sein.
  • Honig sollte kühl, trocken, dunkel und geruchsneutral aufbewahrt werden.
  • Der hohe Zucker- und der geringe Wassergehalt sowie die Inhibine, das sind keimhemmende Wirkstoffe, verhindern, dass sich Bakterien und andere Mikroorganismen vermehren können.
Indikator Zahl / Jahr
Pro-Kopf-Verbrauch Deutschland 1,1 kg / ca. 1.038 g (2025 vorläufig)
Gesamtverbrauch Deutschland ca. 86.700 - 88.000 t
Inländische Produktion (D) ca. 38.600 t (2025)
Importe nach Deutschland ca. 41.000 t (2023) / 67.700 t (2025 vorläufig)
Bedeutende Herkunftsländer Argentinien, Ukraine, Chile, Mexiko, China

Weitere Informationen rund um das Thema Honig und Imkerei finden Sie auf unserer Themenseite.

tags: #deutscher #honig #import #und #export #markt

Populäre Artikel: