Herstellung und Zutaten von Kunsthonig in der DDR
Kunsthonig spielte im Alltag der DDR eine bemerkenswerte Rolle, insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Knappheit und begrenzter Verfügbarkeit von echtem Bienenhonig. Der sogenannte „Kunsthonig“ - heute meist als Invertzuckercreme bekannt - war nicht nur ein preiswerter Ersatz beim Kochen und Backen, sondern auch ein eigenständiges Erlebnis im DDR-Lebensgefühl. Im Folgenden beleuchten wir, wie Kunsthonig hergestellt wurde, welche Zutaten benötigt wurden und weshalb er für viele DDR-Bürger alltäglich war.
Was ist Kunsthonig?
Ein anderes Produkt, das es im Westen wohl nur in der unmittelbaren Nachkriegszeit gegeben hat, ist der Kunsthonig. Rein chemisch handelt es sich um eine konzentrierte Zuckerlösung, die auf 90 Grad erhitzt und dann mit Säure versetzt wird, wobei Glukose und Fruktose entstehen. Mit einem Wasseranteil von 20 Prozent und etwas Aroma, vielleicht sogar mit einem Anteil echtem Honig, entsteht eine dickflüssige Masse, die mit ein bisschen gutem Willen im Geschmack an Honig erinnert.
Beim Kunsthonig handelt es sich also nicht um ein reines Naturprodukt, sondern vielmehr um eine gezielt hergestellte Zuckerlösung, die echten Honig zwar geschmacklich ähnelt, sich aber deutlich in Herkunft und Herstellungsprozess unterscheidet.
Warum war Kunsthonig in der DDR so beliebt?
Zu DDR-Zeiten habe ich aus Kostengründen unsere Lebkuchen mit Kunsthonig anstelle von echtem Bienenhonig gebacken. Obwohl es sicher mehr Imker gab als heute, war der Honig knapp und teuer (ein Kilo kostete zehn Mark) und diente oft als materielle „Währung“ zum Bezahlen von Handwerkerleistungen oder als Tauschobjekt bei der Beschaffung knappen Materials. Wenn es klappt, ist der Kunsthonig eine günstige Alternative zum echten Honig.
- Honig war knapp und teuer.
- Kunsthonig diente als preiswerter Ersatz beim Backen - besonders für Lebkuchen und andere Spezialitäten.
- Viele DDR-Bürger stellten Kunsthonig selbst her, wenn echter Honig nicht vorhanden war.
Zutaten für die Herstellung von Kunsthonig
Sowas kannst du relativ simpel selber herstellen. Etwas Wasser, etwas Zucker und etwas Milchsäure. Mischen und Einkochen, fertig. Nachtrag: Kannst statt Milchsäure auch Zitronensäure nehmen. Hauptsache etwas Säure ist da.
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| Zutat | Menge / Hinweise |
|---|---|
| Zucker | Basiszutat - z.B. Haushaltszucker |
| Wasser | Zur Auflösung und Verarbeitung |
| Milchsäure oder Zitronensäure | Sorgt für Umwandlung der Saccharose in Glukose und Fruktose (Invertzucker) |
| Aromen | Optional: Vanillin oder etwas echter Honig |
Der Kunsthonig wurde ja nicht nur in Kriegszeiten hergestellt, sondern war z. B. auch in der ehemaligen DDR sehr beliebt. Ganz Pfiffige sollen den Kunsthonig sogar in Heimarbeit hergestellt haben.
Herstellungsprozess: Schritt für Schritt
Die Zutaten in einen Topf geben und bei 80° C eine Stunde köcheln lassen. Die Masse darf nicht stark sprudeln und eine höhere Temperatur als diese 80° C haben. Nach 10 Minuten wird die klare Flüssigkeit langsam dunkler, nach 20 Minuten zusätzlich zäher. Nach einer Stunde hat das Gemisch eine Konsistenz wie Sirup und schmeckt ähnlich wie Zuckerrübensirup. ACHTUNG HEISS!
Bei unserem ersten Versuchsansatz haben wir die Masse nicht lange genug köcheln lassen. Sie dickte nicht an. Beim zweiten Versuch köchelte die Masse etwas zu stark, sodass der Kunsthonig nach dem Abkühlen hart wie ein riesiges Bonbon wurde.
Wichtig ist also, auf die Temperatur und die Kochdauer zu achten: Zu kurze Zeit ergibt zu flüssigen Honig, zu langes oder zu heißes Kochen macht ihn hart. Die perfekte Zubereitung ergibt eine sirup-artige, goldgelbe Creme.
Zusätzliche Informationen zu Anwendung und Lagerung
Kunsthonig und Fett erwärmt man vorsichtig bis der Honig geschmolzen ist. Dann arbeitet man nacheinander alle Zutaten in den Teig ein. Hirschhornsalz und Pottasche werden getrennt voneinander mit ganz wenig heißem Wasser aufgelöst und ebenfalls untergerührt. Diesen Teig lässt man am besten eine Nacht kühl gestellt ruhen. Am nächsten Tag streicht man diese Teigmenge auf zwei Bleche und bäckt bei 200°C. Den noch heißen Kuchen teilt man mit einem scharfen Messer in kleine Stücke.
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Kunsthonig heute: Invertzucker und Ersatzprodukte im Handel
Unter diesem Namen wirst Du ihn allerdings nicht mehr finden, eher als Invertzuckercreme oder Frucht-Glukose-Sirup. Es gibt z. B. die „Wibine Invertzuckercreme Backzutat und Brotaufstrich“ in Supermärkten. Wenn du nach Kunst-"honig" suchst, musst du nach Invertzucker fragen. Der wird auch heute noch hergestellt und hauptsächlich für die Lebkuchen- und Pralinenproduktion verwendet. Meist wird er mit Stärke angereichert und zu einer Creme verarbeitet.
Kunsthonig und die vegane Ernährung
Auch die anderen veganen Tierproduktersatzprodukte sind mehr Chemie als sonstwas. Veganern geht es ja nicht darum, chemiefrei zu essen und zu leben, sondern ohne Tierprodukte. Also ohne Fleisch, Milch, Honig, Eier, Wolle, Seide, Leder etc. Niemand der um sein Essen kämpfen muss, wir ein Ei oder Milch ablehnen, weil es vom Tier kommt.
Der gesellschaftliche Kontext: Kunsthonig als Teil des DDR-Alltags
Das DDR Museum in Berlin widmet eine Dauerausstellung dem Alltag in der DDR, wie er sich in den Gebrauchsgegenständen gezeigt hat. Die Faszination liegt darin, dass neben Mangel und Mängeln ein besonderer Stil zum Ausdruck kommt. Neben den Bildern vermitteln sie das damalige Lebensgefühl. So heißt es in dem Kapitel über den „Einkauf“: Jäger und Sammler. Der „pfiffige DDR-Bürger“ habe stets einen Einkaufsbeutel mit sich geführt. Die DDR-Bürger waren ein Volk der Jäger und Sammler, immer auf der Pirsch. Und dann folgen Schilderungen, wie jedes einzelne Stück in den Läden von „Mutti“ genau geprüft wurde, etwa das Bier für „Vati“: Sie hob Flasche für Flasche gegen das Licht, um zu prüfen, ob es darin unliebsame Gersten- oder Malzrückstände gab.
Kunsthonig war also ein typisches Alltagsprodukt in einem System, das von Knappheit und Erfindungsreichtum geprägt war - ein Stück gelebte Geschichte und ein typisches Beispiel für die Kreativität und Anpassungsfähigkeit der DDR-Bürger.
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