Die Geschichte der Erfindung der Milchschokolade durch Daniel Peter

Die Erfindung der Milchschokolade zählt heute zu den großen Momenten der Lebensmittelgeschichte und ist eng mit dem Namen Daniel Peter aus der Schweiz verbunden. Die Entwicklung dieser süßen Köstlichkeit war geprägt von Pioniergeist, Experimenten und der Zusammenarbeit verschiedener Schokoladenmacher - vor allem aber vom schweizerischen Erfinder Daniel Peter, dessen Leistung die Milchschokolade zur beliebtesten Form der Schokolade weltweit gemacht hat.

Milchschokolade mit Schweizer Alpen im Hintergrund

Europäische Schokoladegeschichte: Von der "Speise der Götter" bis zu neuen Rezepten

Seit Jahrhunderten versüßten sich europäische Adeligen ihr höfisches Leben mit der "Speise der Götter". Einem Gemisch aus Kakao, Zucker und Milch, das die Seefahrer aus der Neuen in die Alte Welt zurückgebracht hatten. Der Legende nach soll es sogar ein Schweizer gewesen sein, ein cioccolatiero aus dem Tessiner Bleniotal, der die spanische Königin Margarethe von Österreich im Jahr 1600 erstmals mit einer heißen Trinkschokolade beglückt hat.

Die feste Tafelschokolade war auch keine Neuerung mehr: Schon Jahrzehnte zuvor hatte François-Louis Cailler in der Region begonnen, Schokolade in Tablettenform industriell herzustellen. Bevor 1870 hierzulande der Patentschutz aufkam, spionierten sich die Konkurrenten gegenseitig aus.

In der Schweiz wie auch anderswo suchten die Menschen neue Möglichkeiten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Wer kein Land besass und nicht in der Landwirtschaft tätig war, musste sich auf andere Weise um ein Einkommen bemühen. Einige versuchten ihr Glück mit Süss- und Backwaren. Zu jener Zeit gab es in der Schweiz mehrere Schokoladenhersteller. Wahrscheinlich kennen Sie die Schokolade der Marken Cailler, Suchard oder Sprüngli. Diese drei Unternehmen gehören zu den Pionieren der Schweizer Schokoladenproduktion.

Historische Schokoladenfabrik in der Schweiz

Die Rolle von François-Louis Cailler und anderen Pionieren

François-Louis Cailler war der erste, der in der Schweiz die Milchschokolade lancierte. Er war Lebensmittelhändler in Vevey und verkaufte in seinem Geschäft Schokolade. Eines Tages beschloss er, sie selbst herzustellen. «Die Produktion von Schokolade wurde zu seiner Hauptbeschäftigung, wahrscheinlich wegen der hohen Nachfrage und weil er die Gelegenheit hatte, sie mit einem Geschäftspartner herzustellen», erklärt Lisane Lavanchy, Historikerin und Archivarin bei Nestlé.

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Philippe Suchard, ein Tausendsassa voller Ideen, lernte auf einer Reise nach Amerika die Schokolade kennen und gründete 1826 in Serrières seine eigene Schokoladenfabrik.

David Sprüngli und sein Sohn Rudolf eröffneten 1836 eine Confiserie in Zürich und begannen 1845 mit der Schokoladenproduktion. 15 Jahre später liess die strategische Entscheidung, sich in einer Liegenschaft am Paradeplatz im Zentrum der Stadt niederzulassen, das Familienunternehmen aufblühen.

Die Dresdner Milchschokolade: Die erste feste Milchschokolade der Geschichte

Am 22. Mai 1839 erschien im Dresdner Anzeiger eine unscheinbare Werbeanzeige der Schokoladenfabrik Jordan & Timaeus. Dieser kurze Anzeigetext aus dem Jahr 1839 kommt einer Sensation gleich - zumindest, wenn man sich mit der Erforschung der Schokoladengeschichte beschäftigt. Denn diese Anzeige ist der bislang älteste bekannte Beleg für eine feste Schokolade, die Milch enthält. Die Anzeige beweist zweifelsfrei: die Milchschokolade wurde in Dresden erfunden.

Schokolade, die auf Milch basiert, wurde schon im frühen 19. Jahrhundert erdacht. Gottfried Jordan und August Timaeus, zu jener Zeit führende deutsche Konditoren, begannen Milch, sogar Eselsmilch, ihrer Schokolade beizumischen. Die erste Milchschokolade bestand aus 60 Prozent Kakao, 30 Prozent Zucker und 10 Prozent Eselsmilch. Die war damals viel verbreiteter als Kuhmilch. Weil Esel aber nur zu bestimmten Jahreszeiten Milch geben, wurde später Kuhmilch eingesetzt.

Die Kombination aus Kakao, Zucker und einer kleinen Menge frischer Eselsmilch muss die Chocolatiers begeistert haben. Andere Chocolatiers versuchten lange Zeit nicht, das Rezept zu kopieren. Die Ur-Milchschokolade war eher körnig und schwer zu kauen, außerdem herber und dunkler als übliche Milchschokolade.

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Anzeige der Schokoladenfabrik Jordan & Timaeus von 1839

Die Dresdner Innovation und der vergleichsweise geringe Einfluss

Die Verkaufszahlen der Dresdner Milchschokolade sind nicht direkt verfügbar, aber die allgemeine Begeisterung muss sich in Grenzen gehalten haben. Die Geschäfte von Jordan und Timaeus liefen auch ohne die Milchschokolade gut. Firmengründer Gottfried Jordan beteiligte sich 1836 an der Gründung der Waldschlösschenbrauerei, einer der ersten Aktiengesellschaften in Deutschland.

Im 20. Jahrhundert verblasste der Weltruf, 1930 musste das Unternehmen nach hundertjähiger Geschichte schließen. Kurze Zeit später wurde auch die Fabrik abgerissen, in der die erste Milchschokolade der Welt hergestellt wurde.

Historische Schokoladenfabrik in Dresden

Zur Schweizer Erfolgsgeschichte: Daniel Peters bahnbrechende Innovation

Die entscheidende Rolle von Kondensmilch

Der Schweizer Daniel Peter galt lange als Erfinder der Milchschokolade. Neu an Daniel Peters Idee war lediglich die Form: Gepresst in eine Tafel sollte seine Milchschokolade sein. Ein Fertigprodukt, convenient, jederzeit genießbar. Aber die Schokolade blieb bröcklig, schimmelte nach wenigen Tagen und hatte einen "léger goût de fromage", wie er rückblickend in einer Rede erzählte. Oder weniger freundlich ausgedrückt: Sie schmeckte ranzig.

Die lange haltbare gesüßte Kondensmilch war Peters größtes Problem, da die Milch oder das Milchpulver zuvor immer wieder verdorben war. Peter experimentierte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Vevey am Genfersee mit Milchschokolade. Über Jahre experimentierte er mit verschiedenen Rezepturen, immer auf der Suche nach einer Lösung, die sich nicht nur geschmacklich, sondern auch praktisch bewährte.

Der entscheidende Schritt bestand darin, Milch nicht frisch, sondern in konzentrierter Form zu verwenden. 1875 suchte der Waadtländer Chocolatier Daniel Peter nach einer Möglichkeit, sich von der Konkurrenz abzuheben. Da kam ihm die Idee, seiner Schokolade Kondensmilch hinzuzufügen.

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Diese Strategie funktionierte: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Schokolade zum zweitwichtigsten Exportprodukt der Schweiz im Nahrungsmittelbereich.

Daniel Peter und Kondensmilch im Herstellungsprozess
JahrMeilenstein
1839Dresden: Jordan & Timaeus bringen erste feste Milchschokolade auf den Markt
1875Daniel Peter gelingt die Entwicklung einer haltbaren Milchschokolade mit Kondensmilch
1887Markteinführung von Gala Peter Milchschokolade
1905Fusion von Nestlé mit Anglo-Swiss Condensed Milk Company

Partnerschaften und Unternehmensentwicklung

Zunächst waren sie Konkurrenten, doch schliesslich schlossen sich Peter, Nestlé und Cailler zusammen. Zusammenschlüsse mit Cailler und Kohler führten schließlich zur Eingliederung in größere Strukturen, aus denen später die Nestlé-Gruppe hervorging.

Daniel Peter gründete 1867 mit seiner Frau Fanny eine eigene Firma unter dem Namen Peter, Cailler & Cie und tüftelte an neuen Kreationen. Nach ersten Versuchen mit Milchpulver versuchte es Daniel Peter 1875 mit Kondensmilch, welche damals im grossen Stil im Kanton Zug in Cham hergestellt wurde.

Hergestellt wurde die Kondensmilch damals in Cham im Kanton Zug. Die «Milchsüdi» wurde 1866 vom Amerikaner George Ham Page in Cham, unter dem Namen Anglo-Swiss Condensed Milk Company, zwecks der Herstellung und weltweiten Vermarktung von Kondensmilch, gegründet.

Produktionsstätte der Anglo-Swiss Condensed Milk Company in Cham

Die Marken Gala und Delta: Standardisierung und Vermarktung der Milchschokolade

1887 brachte Peter diese Schokolade unter dem Namen Gala Peter auf den Markt. „Gala“, abgeleitet vom griechischen Wort für Milch, war Programm. Die Schokolade unterschied sich äußerlich kaum von anderen Tafeln jener Zeit, doch ihre Zusammensetzung war neu. Sie war milder, weicher im Geschmack und vor allem zuverlässig herstellbar. Diese Schokolade war nicht zum Abbrechen und Essen bestimmt, sondern zum Auflösen und Trinken.

Dieses Reklameplakat für Delta Peter stammt aus der Zeit um die Wende zum 20. Jahrhundert - Delta kam nach Gala in den 1890er-Jahren und richtete sich an Konsumenten, die Schokolade weiterhin als Getränk schätzten. Weitere eigenständige Marken aus Peters Betrieb sind kaum dokumentiert.

Historisches Gala Peter Werbeschild von 1887

Mit Gala und Delta zeigte sich, wie Schokolade am Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend standardisiert, markenfähig und vielseitig einsetzbar wurde.

Technische Innovation: Das Conchierverfahren von Rodolphe Lindt

Eine weitere Erfindung revolutionierte die Welt der Schokolade: das Conchierverfahren, das 1879 eher zufällig von Rodolphe Lindt entwickelt wurde. Die Technik des Conchierens war geboren. Ihren Erfolg verdankt sie der gleichmässigen Vermengung von Kakaobutter, Kakaomasse, Milch und Zucker. Das cremige Ergebnis ist ein ganz besonderes Geschmackserlebnis.

Conchiermaschine von Rodolphe Lindt
Herstellung von Schweizer Milchschokolade heute

Die Milchschokolade: Symbol der Schweiz und weltweiter Erfolg

Überall auf der Welt wird Schokolade mit der Schweiz in Verbindung gebracht. Sie wird hierzulande seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts hergestellt. Die Milchschokolade feiert in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen und ist zu einem wahren Symbol der Schweiz geworden. Die Schweizer Weidemilch ermöglicht es, diese neue Schokolade als ein gesundes und nahrhaftes Produkt zu vermarkten, das selbst den Schwächsten neue Kraft verleihen kann.

In der Chocolaterie «Chez Tristan» von Tristan Carbonatto in Perroy, Kanton Waadt, ist die Milchschokolade ebenfalls am beliebtesten. Von da an war der Erfolg der Milchschokolade phänomenal, umso mehr als auch die Konkurrenz mit der Herstellung von Milchschokolade begann. England und viele andere Länder folgten dem Trend.

Fast überall wird Milch- oder Rahmpulver verwendet, weil der Wassergehalt von Milch für Schokolade zu hoch ist. Das Trockenpulver enthält auch die Mineralstoffe der echten Milch, aber nicht alle B-Vitamine haben den Herstellungsprozess überlebt.

Milchschokolade im Vergleich mit anderen Sorten

Wahrnehmung und Streitigkeiten um das geistige Eigentum

Wer an die Erfindung der Milchschokolade denkt, denkt fast automatisch an die Schweiz. An Daniel Peter. Die Argumente scheinen nun auch Nestlé überzeugt zu haben: «Wir haben uns entschieden, in künftigen Werbemitteilungen im Zusammenhang mit der Erfindung der Milchschokolade auf die Erwähnung der Familie Cailler zu verzichten», sagt Oertlé. Trotzdem werde die Erfindung der Milchschokolade Teil des historischen Archivs werden, das im Besucherzentrum präsentiert werden soll.

Klarer Fall für die Historiker: «Erfinder der Milchschokolade ist der Waadtländer Daniel Peter», sagt Urs Furrer, Geschäftsstellenleiter des Verbandes der schweizerischen Schokoladenhersteller Chocosuisse in Bern. Auch der Historiker Roman Rossfeld von der Forschungsstelle für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Universität Zürich bestätigt: «Der Fall ist klar. Daniel Peter hat die Milchschokolade erfunden, und zwar im Jahr 1875 an der Rue des Bosquets 14 in Vevey.»

Marc-Olivier Peter, Urahn des Erfinders der Schweizer Milchschokolade, zeigt ein historisches Schild der ersten Milchschokolade der Marke Gala Peter aus dem Jahr 1887.

Familie Peter und das originale Gala Peter Schild

Milchschokolade heute: Moderne Herstellung und Inspiration

Seit fast 200 Jahren entwickelt sich Schokolade ständig weiter. Die schönsten Genussmomente entstehen dort, wo hochwertige Zutaten auf Offenheit für Neues treffen. Wo Tradition zu Inspiration wird. Vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft hinter der Dresdner Milchschokolade: Große Ideen beginnen manchmal ganz unscheinbar.

Was gibt es besseres als Schokolde? Nichts! Die Milchschokolade bleibt ein Symbol für Genuss und Innovation.

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