Gipfeli auf Schweizerdeutsch: Herkunft, Bedeutung und Unterschiede

Meine deutschen Freunde lachten herzhaft, als ich erzählte, dass es bei Migros „Riesengipfeli“ gibt. Vor ein paar Jahren amüsierte mich das auch noch - mehr noch als Schokoladenwürfeli und Haferflöckli. „-li“ dient schliesslich der Verkleinerung, und dazu passt das „Riesen-“ so gar nicht. Inzwischen klingt das Riesengipfeli für mich ganz normal.

Ein Gipfeli ist ein sichelförmiges Gebäck, und das kann klein, gross oder riesig sein. Aber was hat es mit dem Namen auf sich, und warum ist gerade der Begriff „Gipfeli“ im Schweizerdeutschen so gebräuchlich?

sichelförmiges Gipfeli mit Vergleich zu Croissant und Kipferl

Wortherkunft und Sprachvergleich: Von Gipfeli, Kipferl und Croissants

Heisst das Gipfeli so, weil es einem Berggipfel ähnelt? Der Gipfel heisst auch in Deutschland so, für das Gipfeli verwendet man jedoch einen französischen Begriff: Croissant. Das deutsche „Hörnchen“ ist praktisch ausgestorben. In Bayern und Österreich hingegen kennt man Kipfel und amüsiert sich über alle, die sie mit G schreiben. Meist verkleinert man sie zu „Kipferl“ - als „Vanillekipferl“ gehört es auch zu meinem aktiven Wortschatz. „Riesenkipferl“ hingegen findet nicht einmal Google.

Im PONS Wörterbuch wird „Gipfeli“ als schweizerdeutscher Begriff für „Croissant“ geführt. „Gipfeli“ ist ein Neutrum und kann im Plural mit „-s“ oder gar nicht verändert werden.

Sprachkarte: Verbreitung der Begriffe Gipfeli, Kipferl, Croissant im deutschsprachigen Raum

Legendäre Ursprünge und wahre Geschichte des Gebäcks

Ein Genuss in Hülle und Fülle: Croissant, Buttergipfel und Co. bereichern jedes Frühstück. „Wer hats erfunden?“ Nein, diesmal waren es nicht die Schweizer! Tatsächlich ranken sich vielerlei Legenden um die Geschichte des Gebäcks.

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Einer Anekdote nach wollten sich die Türken, als sie 1698 Wien belagerten, mithilfe eines Tunnels in die Kaiserstadt vorarbeiten. Diese hatten aber nicht mit den österreichischen Bäckern gerechnet. Diese verübten ihr Handwerk wie üblich des Nachts, und da es dabei eher ruhig zugeht, vernahmen sie das unterirdische Graben, Schaufeln und Scharren. Also schlugen die fleissigen Bäcker sofort Alarm, und zum Dank für ihre vaterländische Wachsamkeit bekamen sie die Lizenz, künftig Hörnchen in Form des türkischen Halbmonds zu backen - die Kipferl. In Frankreich wurden einer weiteren Legende zufolge Croissants durch Marie-Antoinette populär, die Frau Ludwigs XVI und Tochter von Kaiserin Maria Theresia von Österreich. Das österreichische Hörnchen wurde in Frankreich demzufolge nach der Sichelform des zunehmenden Mondes (französisch croissant de lune) umbenannt.

Animierte Darstellung Ursprungsgeschichte Kipferl, Croissant, Gipfeli

Glaubt man hingegen Kulturhistorikern, sind diese Legenden alle frei erfunden und das Croissant wurde nicht vor dem 19. Jahrhundert bekannt.

Das Schweizer Gipfeli: Form, Herstellung und Butter

Der Klassiker in der Schweiz: Das Gipfeli in seiner gewohnt gebogenen Form. Wer auch immer der Erfinder ist: Frisch aus dem Ofen schmecken die kleinen Köstlichkeiten am besten und duften vollmundig nach warmer Butter. Die Kruste ist trotz der Wärme perfekt knackig und wenn man sich das Gebäck auf der Zunge zergehen lässt, kommen Glücksgefühle auf.

Doch schaut man den Machern über die Schulter, lassen sich feine, kleine Unterschiede ausmachen. Während wir das Gipfeli in seiner hübsch gebogenen Form geniessen, sind Croissants klassischerweise gerade geformt. Ausserdem unterscheiden sich die Rezepturen durch ihren Anteil an Butter. Bei uns ist dieser ein wenig geringer, sodass das Gipfeli etwas leichter schmeckt. Die typische Luftigkeit ist auch der speziellen Art des Tourierens, also der Art wie die Butter in den Teig eingearbeitet wird, geschuldet. Ein Gipfeli wird in drei sogenannten einfachen Touren hergestellt, während das Croissant in zwei Doppeltouren verarbeitet wird.

Eigenschaft Schweizer Gipfeli Französisches Croissant
Form Gebogen (Sichelform) Gerade
Butteranteil Weniger Butter Mehr Butter
Tourieren 3 einfache Touren 2 Doppeltouren
Typisches Mundgefühl Leichter Kräftig butterig
Herstellungsschritte: Gipfeli vs. Croissant Tourieren und Formen

Vielfalt und regionale Besonderheiten

Ob Gipfeli oder Croissant - vor allem frisch müssen sie sein. Dabei zählt auch Abwechslung: Es gibt unzählige Varianten und Sorten, allein schon dank der Füllungen. Wer es gerne süss mag, hat u.a. mit Schoggi-, Vanille-, Konfi, Mandel- oder Nussgipfel die Qual der Wahl. Auf der herzhaften Seite stehen vor allem Schinkengipfel hoch im Kurs. Dazu gibt es Gipfeli mit Saaten, Vollkorngipfeli und Laugengipfeli.

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Sortenvielfalt: Verschiedene Gipfeli mit Füllungen und Toppings auf einem Tablett

In der Deutschschweiz wird Laugengebäck gerne auch als Silserli, Silserbrot oder Silsergipfel bezeichnet, vermutlich abgeleitet von „Salse“, also der Natronlauge, in die das Gebäck getaucht wird (lat. Sal = Salz).

Kulinarische Wettbewerbe und kulturelle Bedeutung

Ob krumm oder gerade, ob mehr oder weniger butterig: Wie man sein Gipfeli mag ist Geschmackssache. Dennoch gibt es sowohl schweizweite als auch internationale Wettbewerbe, bei denen Backwaren ausgezeichnet werden. Dabei werden sie nach Kriterien wie Schichtung, Farbe, Geschmack aber auch Klang, der die Knusprigkeit verrät, bewertet. Zum Beispiel an der Swiss Bakery Trophy, die alle zwei Jahre in Bulle, Kanton Freiburg, ausgetragen wird.

Der individuelle Geschmack und der Trend zu regionalen Spezialitäten sprechen dabei klar für eigengefertigte Gipfel der lokalen Bäckerei.

Fazit: Das Gipfeli - Schweizer Tradition mit eigener Identität

Die Vielfalt des Gebäcks kennt kaum Grenzen. Gipfeli, Buttergipfel und Co. bereichern jedes Frühstück und sind fest in der Schweizer Frühstückskultur verwurzelt. Ob als süsse oder herzhafte Variante, als Silsergipfel oder Riesengipfeli: Das kleine Wort mit grosser Bedeutung steht in der Schweiz für Heimatgefühl, kulinarischen Genuss und gelebte Mundart.

Frühstücksszene mit Gipfeli in Schweizer Umgebung

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