Bundeswehr Schokolade: Wirkung, Verstopfung und Hintergrund
Für die Azteken war sie wie Medizin, für uns ist sie vor allem Genuss: Ist Schokolade süßes Gift oder in Wirklichkeit doch eher Superfood? Ein Blick auf das, was drinsteckt.
Historischer und kultureller Hintergrund
Speise der Götter - so nannte der schwedische Naturforscher Carl von Linné den Kakaobaum. Den Azteken war Kakao heilig. Sie sagten dem rituellen Getränk ihrer Herrscher und Priester eine stärkende und aphrodisierende Wirkung nach. So steht es in Ewald Notters Buch «Handwerk Schokolade». Spanische Missionare lernten von den Azteken über die therapeutische Wirkung des bitteren Gebräus. In europäischen Apotheken wurde Kakao als Medizin verkauft. Und Alexander von Humboldt schrieb: «Kein zweites Mal hat die Natur eine solche Fülle der wertvollsten Nährstoffe auf einem so kleinen Raum zusammengedrängt wie gerade bei der Kakaobohne.»
Was steckt in Kakao und Schokolade?
Wir verraten, was in der kostbaren Bohne enthalten ist. Kakao als Heilmittel? Schokolade enthält zahlreiche Inhaltsstoffe, die ernährungsphysiologisch relevant sind. Die «Apotheken Umschau» listet folgende Inhaltsstoffe auf: Magnesium, Eisen, Kalzium, Beta-Karotin, Vitamin E, Vitamin B1, Vitamin B2 und Niacin. Daneben finden sich sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide und Polyphenole sowie das Alkaloid Theobromin und geringe Mengen Koffein.
Flavonoide, Polyphenole und Antioxidantien
Dunkle Schokolade enthält mehr Kakao und damit auch mehr wertvolle Bestandteile wie Flavonoide. So sollen diese sekundären Pflanzenstoffe wirken: entzündungshemmend und krebsvorbeugend. Einige Polyphenole können auch Körperzellen vor freien Radikalen schützen, die Zelloxidation verlangsamen und Fettablagerungen in den Blutgefäßen vermindern. So beugen sie Arterienverkalkung und einem Herzinfarkt vor.
Theobromin, Tryptophan und Stimmung
Kakao enthält die essenzielle Aminosäure Tryptophan, die im Körper in das Glückshormon Serotonin umgewandelt wird. Außerdem wirke das Alkaloid Theobromin in der Kakaobohne stimmungsaufhellend. Allerdings ist die Dosis bei beidem niedrig. Als Antidepressivum taugt Schokolade nichts. Dafür sei der Anteil psychoaktiver Substanzen zu gering, sagt Stefan Kabisch.
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Gesundheitliche Effekte: Chancen und Grenzen
Kann Schokolade überhaupt gesund sein? Der gesundheitliche Effekt hängt stark von der Sorte ab. Faustregel: Je mehr Kakao eine Schokolade enthält, desto gesünder ist sie. Reine Kakaobohnen gelten manchen sogar als Superfood. Die Flavonoide neutralisieren freie Radikale im Körper und reduzieren Entzündungen. Man sollte sie nur in Maßen genießen.
Herz-Kreislauf, Blutdruck und Cholesterin
Die Flavonoide können den Blutdruck senken, die Gefäßgesundheit verbessern und den «guten» HDL-Cholesterinspiegel erhöhen. Bei sehr dunkler Schokolade mit einem Kakaoanteil von weit über 50 Prozent sei das durchaus denkbar, sagt Kabisch. «Aber es ist sehr fraglich, ob Schokolade Tabletten ersetzen kann.»
Wachmacher, Energie und Leistungsfähigkeit
Milchschokolade kann dem Körper durch ihren Zucker schnelle Energie liefern. Gerade dunkle Schokolade enthält außerdem Theobromin und Koffein. Das Theobromin wirkt gefäßerweiternd, harntreibend und herzstimulierend. Koffein hält wach und regt die Magensäfte an. Der Anteil von Koffein im Kakao ist allerdings sehr gering - selbst richtige Schokoholics dürften kaum eine Wirkung spüren. Reine Kakaobohnen werden manchmal als natürlicher Wachmacher genutzt, sie stehen auf Schreibtischen in Büros, wobei die stimulierende Wirkung von Theobromin mild ist.
Kalorien, Gewicht und Sättigung
«Schokolade ist ein energiereiches Lebensmittel», sagt Kabisch. Sie enthält viel Fett und meist auch viel Zucker. Zur Veranschaulichung: In einer 100-Gramm-Tafel stecken je nach Sorte 500 bis 600 Kalorien - rund ein Viertel des täglichen Bedarfs. Gut zu wissen: Was die Kalorien insgesamt angeht, nehmen sich Zartbitter und Vollmilch nichts. Die eine enthält mehr Zucker, die andere mehr Fett. «Niemand isst drei Tafeln dunkle Schokolade pro Tag», sagt Kabisch. Man nimmt also nicht so viele Kalorien zu sich.
Zahngesundheit und Karies
Das in Kakao enthaltene Fluor und Phosphat härten zwar den Zahnschmelz und hemmen so durchaus Karies. Davon ist aber nur eine sehr geringe Menge enthalten. Wichtiger: Der Zucker in Schokolade greift natürlich den Zahnschmelz an. Viel Schokolade zu essen, ist für die Zähne also eher schlecht.
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Schokolade und Giftstoffe: Cadmium
Leider ja. In Kakaobohnen kann sich das Schwermetall Cadmium anreichern. «Cadmium kann beim Menschen Nierenschäden verursachen und gilt bei Aufnahme über die Atemwege als krebserzeugend», warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Da der Kakaoanteil in dunklen Schokoladen hoch ist, können diese stärker mit Cadmium belastet sein. Besonders viel Cadmium nehmen laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Kakaobäume auf, die auf vulkanischen Böden wachsen. Das trifft vor allem auf Kakao aus Südamerika zu.
Gut zu wissen: Die Europäische Kommission hat Grenzwerte festgelegt, die seit 2019 gelten: Milchschokolade darf maximal 0,10 mg Cadmium pro Kilogramm enthalten. Dunkle Schokolade mit mehr als 50 Prozent Kakao darf bis zu 0,80 mg Cadmium pro Kilo enthalten. Die Weltgesundheitsorganisation nennt einen tolerierbaren Wert von einem Mikrogramm pro Kilo Körpergewicht und Tag.
Verstopfung (Obstipation) und Schokolade: Mythos und Forschung
Verursacht Schokolade Verstopfung? Schokolade enthält wenige Ballaststoffe, die wichtig für eine gute Verdauung sind. Deshalb hält Kabisch das durchaus für plausibel. Fun Fact: Bernardini hat den Selbstversuch gewagt und schreibt, «dass zu viel Schokolade den Stuhlgang negativ beeinflusst.»
Stärke und Zucker können den Verdauungsprozess verlangsamen, wodurch dem Stuhl zu viel Flüssigkeit entzogen werden und eine Verstopfung entstehen kann. Kuchen, Kekse, Brot und Brötchen aus Auszugsmehl und salziges Knabbergebäck schmecken lecker, sind aber anders als Vollkornprodukte wegen des hohen Gehalts an Stärke und ggf. Zucker für die Verdauung nicht unbedingt von Vorteil. Wer viele ballaststoffreiche Lebensmittel zu sich nimmt und dazu ausreichend trinkt, sollte eigentlich keine Probleme mit Verstopfung haben.
Neue Studien: Dunkle Schokolade kann Verstopfung lindern
Kakaobohnen verfügen gleich über mehrere Eigenschaften, die sich positiv auf die Verdauung (Darmmotilität) und Darmflora auswirken. Sie enthalten Ballaststoffe, Polyphenole, Theobromin sowie einen unverdaulichen Proteinanteil. Damit sind Proteine gemeint, die gegen Verdauungsenzyme resistent sind und daher präbiotisch wirken können, also unverdaut in den Dickdarm gelangen und dort von den Darmbakterien verstoffwechselt werden können.
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In einer früheren Mäusestudie konnte eine japanische Forschergruppe bereits beobachten, dass der Verzehr unverdaulicher Kakaoproteine die Stuhlentleerung förderte und die Darmmikrobiota günstig veränderte. Die Wissenschaftler führten daraufhin eine Folgestudie durch. Teilnehmerinnen waren Frauen zwischen 26 und 49 Jahren, die an Verstopfung litten (weniger als drei wöchentliche Stuhlgänge). Sie sollten nun entweder täglich 25 g dunkle Schokolade mit 72-prozentigem Kakao zu sich nehmen oder weiße Schokolade (Kontroll-/Placebogruppe).
Die Stuhlfrequenz und Stuhlmenge waren nach dem zweiwöchigen Verzehr dunkler Schokolade signifikant höher als vor dem Verzehr und signifikant höher als nach dem Verzehr weißer Schokolade. Anschließend wurden Stuhlproben gesammelt und die Zusammensetzung der Darmmikrobiota analysiert. Die weiße Schokolade führte zu keiner Veränderung. Nach dem Verzehr der dunklen Schokolade aber war der Diversitätsindex signifikant höher als davor. Der Diversitätsindex beschreibt die Vielfalt der im Darm vorkommenden Bakterien. Eine höhere Vielfalt gilt im Allgemeinen als Merkmal für eine gute Darmgesundheit.
Viele dieser Bakterien gehören zu den wichtigsten Produzenten kurzkettiger Fettsäuren, insbesondere von Butyrat. Kurzkettige Fettsäuren unterstützen die Darmbarriere, wirken entzündungshemmend, sorgen für einen gesunden pH-Wert im Dickdarm und können die Darmbewegung fördern. Damit erklären sich plausibel die Befunde zur verbesserten Stuhlfrequenz und -menge nach dem Konsum dunkler Schokolade in der Studie.
Für wen ist Schokolade problematisch?
Wer sollte auf Schokolade verzichten? Menschen, die an der seltenen Stoffwechselkrankheit Phenylketonurie leiden, können die in Schokolade enthaltene Aminosäure Phenylalanin nicht verarbeiten. Diabetiker und Übergewichtige dagegen dürften durchaus Schokolade essen, sagt Kabisch - solange sie zu dunklen Sorten mit hohem Kakaogehalt greifen. Alkohol wirkt dehydrierend und sollte, wenn überhaupt, nur in Maßen genossen werden. Zusätzlich empfiehlt es sich pro Glas alkoholischem Getränk zwei Glas stilles Wasser zu sich zu nehmen.
Bio, Herkunft und Qualitätsfragen
Auf viele Tafeln ist heute ein Bio-Siegel gedruckt. Und selbst Bauern in Ländern, die keinen zertifizierten Kakao produzieren, arbeiten laut Bernardini meist gemäß der Bio-Richtlinien. «Der Einsatz von Pestiziden ist für viele Bauern auch schlicht unbezahlbar», schreibt er. Ohnehin hätten sich ökologische Methoden wie der Baumschnitt oder der Einsatz von Nützlingen beispielsweise gegen die Hexenbesenkrankheit in Brasilien besser bewährt als Chemie, so Bernardini. Gut zu wissen: Nur, weil eine Schokolade kein entsprechendes Siegel hat, heißt das nicht, dass sie nicht bio ist.
Praktische Empfehlungen
- Bevorzugen Sie dunkle Schokolade mit hohem Kakaoanteil (ab etwa 70 %) für weniger Zucker und mehr Flavonoide.
- Genießen Sie Schokolade in Maßen - sie ist energiereich (500-600 kcal pro 100 g je nach Sorte).
- Bei Neigung zu Verstopfung: achten Sie auf ballaststoffreiche Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr; dunkle Schokolade könnte in moderaten Mengen förderlich sein.
- Vermeiden Sie übermäßigen Konsum von Milch- und weißer Schokolade wegen des hohen Zucker- und Fettgehalts.
- Informieren Sie sich bei starkem Schokoladenkonsum über Herkunft und mögliche Cadmium-Grenzwerte.
| Frage | Kurzantwort |
|---|---|
| Macht Schokolade glücklich? | Ja, teils: Tryptophan und Theobromin können stimmungsaufhellend wirken, die Dosis ist jedoch niedrig. |
| Verursacht Schokolade Verstopfung? | Kann plausibel sein bei zucker- und fettreicher Schokolade; dunkle Schokolade enthielt in Studien positive Effekte auf Stuhlfrequenz. |
| Ist dunkle Schokolade gesund? | Sie enthält mehr Flavonoide und Antioxidantien und kann Herz und Darm positiv beeinflussen, aber nur in Maßen. |
| Gefahr durch Cadmium? | Ja, besonders bei dunkler Schokolade aus vulkanischen Böden; EU-Grenzwerte seit 2019 regulieren dies. |
Dieser Text wurde mit größter Sorgfalt recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Die genannten Produkte, Therapien oder Mittel stellen keine Empfehlung der Redaktion dar und ersetzen in keinem Fall eine Beratung oder fachliche Prüfung des Einzelfalls durch medizinische Fachpersonen.
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