Brandt Schokolade Osterhase: Geschichte, Herstellung und Produktionspraxis
Der Schoko-Osterhase gehört zu den beliebtesten saisonalen Süßwaren in Deutschland und ist ein fester Bestandteil der österlichen Traditionen. Diese ausführliche Darstellung verbindet historische Hintergründe, Herstellungstechniken und konkrete Einblicke in die Produktion bei Brandt in Landshut.
Warum ein Hase zu Ostern?
Ostern wird im Frühling gefeiert und dieser steht für das Erwachen der Natur. Einige Forscher glauben, dass der Hase als Symbol für die Auferstehung gesehen wurde, denn dieses Tier bekommt als eines der ersten im Frühjahr seine Jungen. Auch könnte es sein, dass der Osterhase ein Relikt aus heidnischen Zeiten ist. Die germanische Frühlingsgöttin Ostara wurde oft zusammen mit ihrem heiligen Tier, dem Hasen, dargestellt. Welche der Theorien auch stimmen mag - seit hunderten Jahren ist ein süßer Hase fester Bestandteil des Osterfestes.
Geschichte des Schoko-Osterhasen
Die Geschichte des Schoko-Osterhasen ist - ähnlich wie die Herkunft des Osterhasen an sich - nicht eindeutig geklärt. Sicher ist, dass die Idee aus Deutschland stammt und ab den 1950er Jahren in bunte Folie verpackte Osterhasen begannen, in Serie vom Band zu laufen. Vermutlich wurden die ersten Schoko-Osterhasen aber bereits deutlich früher hergestellt. Es gibt Hinweise darauf, dass bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts Osterhasen aus Schokolade deutsche Schaufenster zierten. Die Figuren waren jedoch im Gegensatz zu heute noch massiv und wogen mehrere Kilogramm.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Herstellung der Hasen revolutioniert, indem man von den massiven Schokoladentieren zu sogenannten Hohlfiguren überging. Vorbild für die Produktion waren die in der Imkerei verwendeten Honigschleudern, die durch zentrifugale Kräfte den Honig aus den Waben katapultieren. So entstanden die ersten hohlen Schokoladenosterhasen in Schleudertechnik, die auf ähnliche Art heute noch angewandt wird.
Der Durchbruch zum Massenphänomen gelang im 20. Jahrhundert: In den 1920er Jahren entwickelten Konditoren kleinere Formen, aus denen Relief-Hasen und erste Serienfertigungen entstanden. Um 1950 begannen die ersten Unternehmen in Deutschland mit der Serienfertigung des beliebten Saisonartikels als Hohlfigur. Der erste «Goldhase» der Firma Lindt & Sprüngli kam 1952 auf den Markt und ist ein bekanntes Beispiel für den späteren massenhaften Erfolg.
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Marktgröße und Bedeutung
Zu Ostern ist der Schokoladenhase das Lieblingstier vieler Deutscher. Mehr als 130 Millionen Stück wurden bereits in früheren Jahren verkauft, und in jüngerer Vergangenheit wurden in Deutschland hunderte Millionen Schoko-Osterhasen produziert. Rund 57 Prozent der «saisonalen Hohlfiguren» sind Hasen. Rund ein Viertel des Gesamtumsatzes zu Ostern machten die Schokoladenproduzenten allein mit Hasen. Als ein deutscher Exportschlager wurden und werden viele Produkte ins Ausland geliefert; einige Hersteller exportieren fast jeden dritten Schoko-Hasen.
Herstellung von Hohlfiguren: Technik und Praxis
Die Herstellung der Hohlfiguren ist teuer und kompliziert, denn sie müssen äußerst vorsichtig behandelt werden. Zerbricht ein Schoko-Osterhase bei der Produktion, muss er eingeschmolzen und neu gefertigt werden. Die gegossenen Schokoladenhasen wurden damals noch per Hand in die glitzernde Stanniolfolie eingewickelt; heute übernehmen Maschinen viele Arbeitsschritte, doch die Enddekoration bleibt oft Handarbeit.
Die klassische Technik: flüssige Schokolade wird in Formhälften gegossen, die Formen werden gegebenenfalls geschleudert oder mit Temperaturführung gearbeitet, bis die Schokolade an den Formwänden erstarrt. Wenn die Schokolade abkühlt und fest wird, zieht sie sich ein bisschen zusammen. So löst sie sich automatisch von der Form. Danach werden die Hohlformen zusammengesetzt und gegebenenfalls gefüllt.
Materialien und Varianten
Es eignen sich weiße Schokolade, Vollmilchschokolade, Zartbitterschokolade aber auch vegane Massen. Sie können frei wählen, welche Schokolade für Ihre Figur eingesetzt werden soll. Auch farbige Massen sind möglich. Hier werden vollautomatisch verschiedene Attribute, wie Nase, Augen, Hände etc. hervorgehoben. Insgesamt sind bis zu drei Highlightfarben zuzüglich der Körpermasse möglich. Auf Wunsch können in die Hülse Inclusions wie Nuss-, Gebäck- oder Fruchtstückchen gegeben werden. Ebenfalls möglich ist es die Hohlfiguren mit losen Produkten wie Schokolinsen oder Keksen zu füllen oder Überraschungskapseln einzulegen.
Gestaltung und Formen
In Produktionsstätten gibt es große Formbestände: Beispielsweise stehen saisonale Formen wie Osterhasen, Ostereier, Weihnachtsmänner etc. in verschiedensten Formen und Gewichten zur Verfügung. Es besteht zudem die Möglichkeit eine neue, individuell designte Hohlfigur inkl. Formensatz in Zusammenarbeit mit einem Formenbauer anfertigen zu lassen. In einer Confiserie wie der in Bochum verwendeten Werkstatt existieren hunderte bis tausende Formen; allein für Ostern oft mehr als 100 verschiedene Formen.
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Einblick in die Brandt-Produktion in Landshut
1940 wurde die Landshuter "Zugspitze" Keks- und Schokoladenfabrik AG von der Firma Brandt aus Hagen gekauft. Im Landshuter Werk aber wird die höchste Menge der Gruppe produziert, circa 20.000 Tonnen. Heute heißt das Unternehmen Brandt Zwieback-Schokoladen GmbH + Co. KG. Viele kennen vor allem den Zwieback mit dem Brandt-Kind vorne drauf. Wenige wissen dagegen, dass die Firma auch Schokoladen-Produkte herstellt. Die Maschinen produzieren dabei nicht nur Eigenmarken. Brandt fertigt als sogenannter Co-Manufacturer für große Markenlabels und Discounter. Produziert wird in erster Linie Saison-Ware, sprich Oster- und Weihnachtsartikel.
Dabei laufen allerdings nicht nur Hasen vom Band, sondern auch Schoko-Eier in allen möglichen Größen - gefüllt wie nicht gefüllt. Die Verpackung, also zum Beispiel Stanniolpapier, wird von Spezialisten, also Folien- und Kartonagenherstellern, geliefert - insbesondere dann, wenn Brandt für einen Kunden produziert. Brandt liefert seine Produkte in Länder innerhalb Europas. In Deutschland und Österreich liegt der Schwerpunkt auf Hasen, in England zum Beispiel eher auf großen Schoko-Eiern. Von Landshut aus werden die Produkte gekühlt in die Logistiklager der Discounter beziehungsweise der Handelsketten geliefert.
Produktentwicklung und Qualitätssicherung
Juliane König ist Produktentwicklerin bei Brandt. Wir entwickeln neue Produkte. Dies beginnt zunächst mit viel Handarbeit. Wir stellen erste Muster von Hohlfiguren, Pralinen oder Dragees her. So entwickeln wir neue Rezepturen, begleiten die ersten Großversuche in der Produktion und sind auch beim Produktionsstart von Neuprodukten dabei. Ja, bei uns ist naschen natürlich erlaubt. Natürlich gerät man dabei leicht in Versuchung, aber ich habe es mir abgewöhnt.
Für seine Herstellung sind circa 20 Kakaobohnen notwendig. Kakaobohnen sind die Samenkerne der Kakaofrucht. Sie wächst in den Tropen rund um den Äquator. Mümmel besteht außer aus Kakaomasse noch aus Kakaobutter, Milchpulver und Zucker. Für den Vollmilchhasen wird nur Milchpulver verwendet. Die Milchmenge entspräche aber in etwa zwei Espressotassen voll.
Produktionskapazität und Individualisierung
In Brandts Schokoladenwerk ist die Herstellung von Hohlfiguren von 15 g bis 750 g möglich. Brandt kann hierfür eigene Schokoladen oder extern angelieferte Massen verwenden. Je nach Kundenwunsch können Hohlfiguren maschinell in Alufolie oder Clipbeutel verpackt werden. Hochwertige Faltschachtelkonzepte mit Geschenkcharakter stehen ebenfalls zur Verfügung.
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Maximale Flexibilität erlaubt es, verschiedene Attribute vollautomatisch hervorzuheben sowie bis zu drei Highlightfarben zu verwenden. Auf Wunsch können Inclusions wie Nuss-, Gebäck- oder Fruchtstückchen mitverarbeitet werden. Gerne kann aus dem freien Formenbestand eine saisonale Figur ausgewählt werden.
Handarbeit versus Automatisierung
In der Produktion gibt es eine Mischung aus vollautomatischen Schritten und sorgfältiger Handarbeit. So können Maschinen pro Durchgang hohe Stückzahlen fertigen - in manchen Betrieben können pro Durchgang ungefähr 500 Hasen gleichzeitig produziert werden -, aber auch dort werden alle Hasen per Hand angemalt. Die weiteren Schritte werden allerdings von Maschinen übernommen. Der Grund, warum Hohlfiguren in der Form heil herauskommen: Wenn die Schokolade abkühlt und fest wird, zieht sie sich ein bisschen zusammen. So löst sie sich automatisch von der Form.
Nachhaltigkeit, Fairness und Verbrauchertipps
Wer wissen will, ob sein Schoko-Osterhase fair gehandelt und nach biologischen Gesichtspunkten produziert wurde, wird auf der Verpackung vermutlich nach einem entsprechenden Siegel suchen. Bei Schokolade gibt es prinzipiell das Gepa-Siegel, das Fair-Trade-Siegel und das UTZ-Siegel. Die ersten beiden stehen dafür, dass Kinder- und Zwangsarbeit ausgeschlossen sind. Es ist außerdem sichergestellt, dass Mindestlöhne bezahlt werden, sodass die Arbeiter davon leben können.
Achten kann man zusätzlich auf den Einsatz von Palmöl: Palmöl ist ein Produkt, das früher oft unter der Bezeichnung "Pflanzliches Fett" auf der Verpackung aufgelistet war. Diese Bezeichnung ist inzwischen verboten. Wenn Palmöl drin ist, muss auch Palmöl auf der Zutatenliste stehen. Bei Saison-Ware wie Osterhasen oder Nikoläusen gehen die Unternehmen und Produzenten eher auf andere Wünsche der Kunden ein: Schoko-Osterhasen müssen niedlich aussehen und Kindern gefallen. Schokoladenprodukte, die fair gehandelt und biologisch hergestellt werden, wird man derzeit vorrangig in Bioläden und Reformhäusern finden.
Verkauf, Restbestände und Konsumverhalten
Die allermeisten Produkte werden vor Ostern abverkauft. Mögliche Restbestände verkauft der Handel auch nach Ostern noch als Aktionsware oder spendet die Leckereien an Bedürftige. Eines steht fest - übrig gebliebene Schoko-Osterhasen werden nicht einfach eingeschmolzen, um in andere Formen gegossen zu werden; das ist eine Legende.
Aktuelle Herausforderungen
War der Schoko-Osterhase bisher immer ein sicheres Geschäft für Schokoladenhersteller, setzen die sogenannte Kakaokrise und die allgemein unsichere Weltlage die Erfolgsgeschichte der Hohlfigur zunehmend unter Druck. Vor allem die gestiegenen Schokoladenpreise sorgen für ein verunsichertes und zaghaftes Kaufverhalten der Kundschaft, die sich oft erst „last minute“ entscheidet. Außerdem können vorsommerliche Ostertemperaturen den Schokoladenproduzenten einen Strich durch die Rechnung machen - denn geschmolzen will den Schoko-Osterhasen niemand mehr haben.
Kurzer Überblick: Produktionsdaten und Fakten
| Aspekt | Information |
|---|---|
| Herstellungsgewichte | Hohlfiguren von 15 g bis 750 g |
| Materialien | Vollmilch, Zartbitter, weiß, vegane Massen, farbige Massen, Inclusions |
| Verpackung | Alufolie, Clipbeutel, Faltschachteln |
| Brandt Landshut | Produziert Saisonware, circa 20.000 t Jahresproduktion, Co-Manufacturer |
| Marktanteil Hasen | Rund 57 % der saisonalen Hohlfiguren sind Hasen |
Der Schoko-Osterhase bleibt also ein Produkt mit langer Tradition, vielfältigen Herstellungsverfahren und hohen Anforderungen an Technik und Handwerk. Hersteller wie Brandt verbinden industrielle Kapazität mit Produktentwicklung und ermöglichen so eine breite Palette von Osterartikeln für den nationalen und internationalen Markt.
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