Branche Schokolade Migros: Geschichte, Entwicklung und Herstellung
Die Geschichte der Migros ist eng mit Innovationen und Wandlungen im Schokoladengeschäft verbunden. Beginnend als kleiner Detaillist, entwickelte sich Migros zu einem der führenden Lebensmittelhändler der Schweiz und prägte gleichzeitig den Schweizer Schokoladenmarkt - insbesondere durch ihre Eigenmarke Chocolat Frey, welche seit Jahrzehnten für Qualität und Vielfalt steht. Der vorliegende Artikel beleuchtet die Entwicklung der Branche Schokolade innerhalb der Migros, vom Ursprung und den wichtigsten Meilensteinen bis zu den aktuellen Veränderungen in Produktion und Sortiment.
Die Anfänge: Migros und erste Eigenproduktionen
Am 15. August 1925 gründete Gottlieb Duttweiler die Migros-Aktien-Gesellschaft in Zürich. Die Migros bestand zunächst aus neun fahrenden Läden und bot vor allem Güter des täglichen Bedarfs an - darunter Zucker, Teigwaren, Reis, Kaffee und Seife. Ab 1928 wurden eigene Produkte hergestellt, etwa durch die Übernahme der Alkoholfreie Weine AG Meilen. In den 1930er-Jahren zwang der Lieferboykott der Schweizer Schokoladeproduzenten Duttweiler, deutsche Importware zu verkaufen. In dieser Zeit entstand die Partnerschaft mit Heinrich Spoerry und die Gründung der Schokoladefabrik Jonatal AG in Wald, kurz JOWA, was den Grundstein für die Schokoladenproduktion bei Migros legte.
Gründung und Entwicklung von JOWA
Im Januar 1931 kamen die ersten Schokoladesorten in den Verkauf - Finarom und die «Volks-Milchschokolade» Bonarom. Die Produktion wurde bald nach Meilen verlegt und später erwarb Migros die Chocolat Frey AG, wodurch die Schokoladenproduktion weiter zentralisiert wurde.
Chocolat Frey: Vom Familienunternehmen zur Migros-Eigenmarke
Die Brüder Robert und Max Frey begannen 1887 in Aarau mit der Kakaoverarbeitung. Sie bauten ihr Unternehmen mit innovativen Produktionsmethoden auf und entwickelten unter anderem die Conchiermaschine. 1906 wurde das Unternehmen in die Aktiengesellschaft Chocolat Frey AG umgewandelt. Während und nach den Weltkriegen musste sich die Firma mit schwierigen Marktbedingungen und Einfuhrbeschränkungen auseinandersetzen.
1950 übernahm die Migros die Chocolat Frey AG. Obwohl die Migros bereits mit der Jonatal AG eine Schokoladenfabrik besass, erschien das Bündnis sinnvoll, um Produktion und Know-how zu bündeln. Die Leitung blieb zunächst in den Händen der Familie Frey. In den 1960er-Jahren wurde der Hauptsitz nach Buchs verlegt, wo ein modernes Produktionszentrum entstand. Die gesamte Schokoladen-, Confiserie- und Bonbonproduktion der Migros wurde dort zentralisiert. Mit dieser Umstrukturierung wurde die Chocolat Frey AG zum grössten Schokoladenproduzenten der Schweiz.
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Meilensteine und Wachstum der Chocolat Frey AG
In den 1980er Jahren wuchs der Umsatz auf über 200 Millionen Schweizer Franken. Mit neuen Exportangeboten eroberte Frey internationale Märkte, unter anderem Grossbritannien, USA, Österreich und Japan. In den 1990er und 2000er-Jahren wurde das Exportgeschäft massiv ausgebaut, und die Marke etablierte sich in über 50 Ländern weltweit. Die Produktpalette umfasste 2.400 verschiedene Artikel, darunter Massiv- und gefüllte Tafelschokoladen, Riegel (Blox, Risoletto, Branches), Truffes, Pralinen und ein umfangreiches Sortiment an Kaugummis.
| Jahr | Meilenstein |
|---|---|
| 1950 | Übernahme von Chocolat Frey durch Migros |
| 1966 | Umzug nach Buchs, Aufbau eines modernen Werks |
| 1985 | Umsatz überschreitet 200 Mio. CHF |
| 1997 | Launch von «Chocolat Frey goes international» |
| 2021 | Fusion mit Delica und Modernisierung |
Nachhaltigkeit und Innovation bei Frey
Der Nachhaltigkeitsgedanke ist zentral: Die Chocolat Frey AG senkte ihren Energieverbrauch erheblich durch Bau- und Prozessoptimierungen, sodass der CO2-Ausstoss reduziert werden konnte. Auch sozial zeigt sich das Engagement z.B. mit Projekten im SOS-Kinderdorf Ghana.
Kritik an Lebensmittelzusatzstoffen wie Titan(IV)-oxid (E171) wurde aufgenommen, sodass etwa ab 2019 dieser Farbstoff aus den Kaugummis entfernt wurde.
Markt, Fusionen und Konkurrenz: Der Wandel im Migros-Schokoladengeschäft seit 2000
Die Migros gehört mit rund 2,3 Millionen Genossenschaftern und zahlreichen Tochterunternehmen zu den grössten Detailhändlern der Schweiz. Chocolat Frey war bislang der wichtigste Schokoladenproduzent für Migros-Eigenmarken. Seit 2021 sind mit der Zusammenführung von Delica, Midor, Riseria und Schoggi Frey unter «Delica AG» wesentliche Umstrukturierungen erfolgt. Im Rahmen der Strategieänderungen nahmen zuletzt Premiummarken wie Lindt und Toblerone verstärkt Einzug ins Migros-Sortiment, und die eigene Marke Frey trat im Premiumsegment teilweise in den Hintergrund.
Bei der Produktreihe M-Preis wurde die Fertigung zum Teil nach Deutschland und Belgien verlegt, da dort günstigere Produktionsbedingungen herrschen. Dieses Vorgehen stösst in der Schweiz allerdings auf Kritik, da erwartet wird, dass typische Schweizer Produkte auch in der Schweiz hergestellt werden und als lokales Markenprodukt gelten.
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Schweizer Identität und Debatten um Herkunft
Der Rückzug der Produktion ins Ausland hat daher zahlreiche Diskussionen ausgelöst. Einige Konsumenten werfen der Migros Verbrauchertäuschung vor. Experten schätzen den möglichen Imageschaden grösser ein als die eingesparte Marge. Dennoch betont Migros, dass Frey als Eigenmarke weiterhin «einen wichtigen Stellenwert» habe und keine Arbeitsplätze in der Schokoladenproduktion gefährdet seien.
Exklusivaufträge und Prestige: Swiss Bordschokolade
Ein besonderer Prestigeauftrag ist die Produktion der Bordschokolade für die Fluggesellschaft Swiss, die seit 2015 bei Chocolat Frey hergestellt wird. Zuvor wurde der Vertrag zwischen Swiss und Migros stets erneuert, aber die künftige Vergabe ist offen, da sie neu ausgeschrieben wurde. Für Migros geht es beim Swiss-Auftrag weniger um monetären Gewinn, sondern viel mehr um Markenpräsenz und Prestige, denn auf der Swiss-Schoggi prangt das Frey-Logo. Business- und First-Class-Passagiere erhalten allerdings weiterhin andere Marken.
Herstellung: Vom Rohstoff zum Schweizer Schokoladenklassiker
Chocolat Frey verfügt am Standort Buchs über eine Produktionsfläche von rund 70.000 m2 und produzierte zuletzt jährlich bis zu 42.000 Tonnen Schokolade und Kaugummi. Über 500.000 Tafeln verliessen täglich das Werk, was die Dimensionen der Fabrik unterstreicht.
Herstellungsschritte im Überblick
- Kakaoanlieferung und Lagerung
- Rösten und Mahlen der Bohnen
- Conchieren (Verfeinerung der Schokoladenmasse)
- Verarbeitung zu Tafeln, Riegeln, Pralinen und Kaugummis
- Modernes Verpackungsdesign und Qualitätssicherung
Ein Markenzeichen war die Qualitätskontrolle entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Jedes Jahr verliessen mehr als 2.400 verschiedene Produktvarianten die Produktionsanlagen von Buchs, darunter Branches, Giandor, Risoletto und Tourist - Produkte, die sich als Schweizer Klassiker etabliert haben.
Die Rolle von Frauen und soziale Verantwortung bei Migros
Frauen spielten früh eine wichtige Rolle in leitenden Positionen bei Migros, wie etwa die Ökonomin Elsa Gasser. Auch heute setzt sich Migros für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein und bietet fortschrittliche Sozialleistungen, wie einen 18-wöchigen Mutterschaftsurlaub bei vollem Lohn. Darüber hinaus gibt es Maßnahmen wie Betreuungsurlaub und Familienzulagen.
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Jubiläum, Innovation und Ausblick
Anlässlich des 100-jährigen Migros-Jubiläums wurde an vielen Standorten gefeiert und die Unternehmensgeschichte beleuchtet. Die Migros stellt sich mit Fusionen, Nachhaltigkeit und Produktoffenheit weiterhin innovativ auf und bleibt ein zentraler Akteur im Schweizer Detailhandel sowie im Schokoladengeschäft.
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