Bambina Schokolade: Geschichte und Herkunft

Die Bambina-Schokolade ist mehr als nur eine Süßigkeit - sie ist ein Stück Ostalgie, das Kindheitserinnerungen weckt und die Geschichte ostdeutscher Süßwarenproduktion bündelt. Ihre Entstehung, Rezeptur und ihr Fortleben nach der Wiedervereinigung sind eng verknüpft mit dem traditionsreichen Unternehmen Zetti und dem ehemaligen VEB Süßwarenbetrieb Goldeck.

Ursprung der Marke und historische Wurzeln

Wenn man ehemalige DDR-Bürger fragt, welche Süßigkeit aus der DDR es heute noch gibt, dann kommt meistens die Antwort: Bambina-Schokolade von Zetti. Die Firma Zetti gehört zu den bekanntesten Marken von DDR-Süßigkeiten. Die Geschichte von Zetti geht auf das Jahr 1821 zurück, als Wilhelm Felsche in Leipzig die „Konditoreiwarenhandlung“ gründete. Wilhelm Felsche gründet in den Kolonnaden des Fürstenhauses an der Grimmaischen Gasse in Leipzig eine Konditoreiwarenhandlung. Verlegung der Schokoladenfabrikation in die geräumigeren Kellerräume des Hauses am Augustusplatz. Dampfmaschine und Dampfkessel lösen das Göpelwerk ab.

Ab 1873 produzierten die Mitarbeiter Schokolade in einer neuen Fabrik in Leipzig-Gohlis und erweiterten das Sortiment um Zuckerwaren und Haferprodukte. Im Laufe der Jahre wandelte sich das Unternehmen: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es zum VEB Goldeck und F.A. Oehler zum VEB Zetti. In der DDR wurde Felsche 1953/1955 verstaatlicht und firmierte als VEB Süßwarenfabrik Goldeck. Der VEB Zetti Schokoladen- und Zuckerwaren Zeitz, ein Betrieb des VEB Kombinat Süßwaren, hatte noch viele weitere Süßigkeiten-Hits im Portfolio.

Entwicklung der Bambina-Schokolade und Rezeptur

Die Bambina-Schokolade wurde im VEB Zetti Schokoladen und Zuckerwaren Zeitz entwickelt. Butterkaramell, geröstete Haselnüsse und Milchschokolade, die leicht zähe Kombination war einfach unverwechselbar. Die Bambina Schokolade ist die perfekte Kombination aus Vollmilchschokolade, Haselnusssplitter und Butterkaramell. Das feine Vollmilchbutterkaramell wird auch heute noch traditionell per Hand in einem Kupferkessel zubereitet.

Bereits zu DDR-Zeiten war Bambina sehr, sehr süß. Zu DDR-Zeiten kostete die süße Kalorienbombe stolze zwei Ostmark. Während der ursprünglichen Verkaufszeit lag der Kakaogehalt aufgrund von Lieferengpässen nur bei sieben Prozent, und eine Tafel kostete am Ende 80 Pfennig. Heute verwendet die Firma veränderte Inhaltsstoffe und hat den Kakaoanteil auf 32 Prozent erhöht. Heute enthält die Schlager Süßtafel deutlich mehr Kakaoanteile, 32 Prozent nämlich. Früher war Kakao aufgrund von Rohstoffmangel wesentlich niedriger und die Tafel galt eher als Schokoladenersatzprodukt.

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Zetti, Goldeck und die Wiedergeburt nach der Wende

Nach der Wende fand die Marke ein neues Zuhause bei der 1993 gegründeten Goldeck Süßwaren GmbH. In der DDR wurde Felsche verstaatlicht; nach der Wende erwarb Goldeck Süßwaren 1994 die Zetti-Markenrechte. Nach der Wende holten sich ehemalige Eigentümer Firmen und Marken zurück. Oft kauften Unternehmen ehemalige VEB´s, vermarkteten die wenigen erfolgreichen Produkte über ihre Zentralen oder Niederlassungen im Westen und stellten die Produktion im Osten ganz ein. Doch die Marke Zetti erlebte ein Comeback: 1998 nahm die Firma die einstige DDR-Spezialität Bambina wieder ins Sortiment auf. Im Jahr 1999 zog das Unternehmen in eine neue Fabrik mit einer Fläche von 18.000 Quadratmetern um.

Zetti stellt heute rund 30 verschiedene Schokoleckereien her und beschäftigt etwa 100 Mitarbeiter. Unter der Marke Zetti werden heute etwa 30 verschiedene Schokoleckereien hergestellt. Mit neuen Kreationen wie der Happz Kokos bleibt die Marke ihrer Tradition treu und erfindet alte Klassiker auf kreative Weise neu. Seit 2000 produziert das Unternehmen die Schlager Süßtafel, die in der DDR ein Verkaufsschlager war.

Bambina-Tafel und historische Zetti-Verpackung

Bambina heute: Varianten, Verfügbarkeit und Preis

Mittlerweile gibt es verschiedene Varianten der bekannten DDR-Schokolade, zum Beispiel mit Zartbitterschokolade, weißer Schokolade und Eierlikör. Schon immer ist Bambina Schokolade sehr, sehr süß. Die einen finden sie viel zu süß. Die anderen kaufen sie noch heute. In den neuen Bundesländern gehört die Schokolade der Firma Goldeck Süßwaren GmbH aus Leipzig in Sachsen-Anhalt ins Standard-Sortiment der meisten Supermärkte. Wer sie in den alten Bundesländern mal probieren will, muss die Zetti Bambina Schokolade meist übers Internet bestellen. Zu DDR-Zeiten kostete die süße Kalorienbombe stolze zwei Ostmark, heute ab 1,10 €.

Bambina im Kontext DDR-Süßwaren: Knusperflocken, Schlagersüßtafel und mehr

Zetti brachte 1970 die beliebten kleinen Schokoladentäfelchen mit Sandmännchenmotiven auf den Markt. Vier Jahre später wurden die berühmten Knusperflocken entwickelt. Die Knusperflocken sind eine Mischung aus Knäckebrot und Vollmilchschokolade. Statt mit Nüssen sorgt Knäckebrot für den richtigen Knusper-Effekt. Ursache für die ungewöhnliche Kombination war vermutlich der allgegenwärtige Mangel im Osten. Aber Not macht erfinderisch. Und die kleinen Schokotropfen überzeugen mittlerweile seit mehr als 50 Jahren.

Die Schlager Süßtafel für 80 Pfennig war gar keine Schokolade, sondern ein Ersatzprodukt. Zwischen 1970 und 1990 wurde sie im VEB Rotstern Schokoladenwerk in Saalfeld hergestellt. Die Schlager Süßtafel enthielt Fett, Zucker, Molke, Nüsse und nur sieben Prozent Kakao. Heute wird die Tafel von der Goldeck Süßwaren GmbH (Zetti) in Zeitz wieder produziert, jedoch mit verändertem Rezept: Der Kakaoanteil stieg von 7 % auf 32 %.

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Zetti Knusperflocken und Schlager Süßtafel

Weitere noch heute existierende DDR-Klassiker (Auswahl)

  • Halloren Kugeln: Die „Original Halloren-Kugeln“ aus Halle (Saale) sind seit 1952 bekannt und gehören zur ältesten noch aktiven Schokoladenfabrik Deutschlands.
  • Brocken-Splitter von Argenta: Knuspriger Haselnusskrokant umhüllt von Schokolade, ursprünglich aus Wernigerode.
  • Katzenzungen: Früher von Rotstern, heute produziert u. a. Sarotti, Hachez, Halloren und Viba.
  • Russisch Brot: Das Buchstaben-Gebäck aus Kakao-Eiweiß-Teig, industriell gefertigt seit 1959 (Dr. Quendt).

Warum Bambina und andere DDR-Süßigkeiten weiterhin beliebt sind

Die Beliebtheit von DDR-Süßigkeiten ist Teil eines größeren Phänomens, das als Ostalgie bekannt ist. Ostalgie bezeichnet die nostalgische Sehnsucht nach der DDR-Zeit und ihren Produkten. Viele Ostalgiker schätzen die Bambina trotz ihrer Süße, denn sie erinnert an Kindertage. Die Auswahl an Süßigkeiten in der DDR war im Vergleich zu den heutigen Supermarktregalen zwar überschaubar, aber die wenigen Leckereien, die es gab, sind vielen Menschen bis heute in guter Erinnerung geblieben.

Nach dem Fall der Berliner Mauer holten sich ehemalige Eigentümer Firmen und Marken zurück. Trotz Rationalisierungen und Schließungen gibt es Erfolgsgeschichten: Produkte kehrten in veränderter Form auf den Markt zurück, traditionelle Herstellungsverfahren wie das Zubereiten von Vollmilchbutterkaramell in Kupferkesseln blieben als Qualitätsmerkmal erhalten, und Marken wie Zetti fanden ein Publikum sowohl im Osten als auch zunehmend im Westen Deutschlands.

Film zur Geschichte von Zetti und Bambina

Die lange Geschichte der Schokolade als Kontext

Als Kulturpflanze findet Kakao in den Tiefen des Amazonas seinen Ursprung. Die Geschichte der Schokolade lässt sich über 5.500 Jahre zurückverfolgen. In Mittel- und Südamerika wurde Kakao vielfältig genutzt: pur, gegoren als Getränk, als Medizin oder sogar als Zahlungsmittel. Kakao erreichte den europäischen Kontinent im 16. Jahrhundert und erfreut sich seitdem zunehmender Beliebtheit unter Europäer*innen. Die industrielle Schokoladenherstellung entwickelte sich im 19. Jahrhundert mit technischen Errungenschaften wie dem Mélangeur (1811), der Kakaobutterpresse (Van Houten, 1828) und der Eintafelanlage (1846). Diese technische Entwicklung machte die Massenherstellung möglich - ein Kontext, in dem auch regionale Fabriken wie die Vorläufer von Zetti sich entwickeln konnten.

Produktionsbedingungen, Rohstoffe und heutige Herausforderungen

Die Herstellung von Schokolade ist heute global verflochten: Verbraucher*innen in Deutschland konsumieren jährlich rund 7,9 Kilogramm Schokolade pro Kopf. Die weltweite Erntemenge von Kakao wird im Jahr 2023/24 auf 4,45 Millionen Tonnen geschätzt, wobei Côte d’Ivoire mit großem Anteil beiträgt. Doch auch im Kakaosektor sind die Folgen des Klimawandels spürbar; Ernteausfälle und Preissteigerungen treffen Produzenten und Kleinbäuer*innen hart. Mittlerweile gibt es immer mehr Initiativen und Siegel, die darauf abzielen, die Arbeitsbedingungen im Kakaosektor zu verbessern und eine faire Entlohnung zu gewährleisten. Schokoladen in Bioqualität oder aus fairem Handel gewinnen an Bedeutung - auch für kleine Hersteller und Traditionsmarken, die ihre Rezepturen bewahren wollen.

Herstellungsverfahren und Zutaten bei Zetti

Die heutigen Schokoladen-Kreationen von Zetti werden aus den besten Rohstoffen hergestellt. Grundlage für ein unverwechselbares Produkt bilden sorgfältig zusammengestellte Schokoladenmischungen, knuspriges Roggenvollkorn Knäckebrot (bei Knusperflocken) und zartschmelzende Schokoladenmasse. Das Vollmilchbutterkaramell für Bambina wird traditionell in einem Kupferkessel zubereitet. Für die Verarbeitung werden unter anderem Melangeur und moderne Walztechnik eingesetzt, um eine feine Schokoladenmasse zu erreichen.

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Tabelle - Wichtige Eckdaten zur Bambina und Zetti

Aspekt Detail
Ursprung Marke Wilhelm Felsche, Leipzig (1821/1835), spätere Verstaatlichung, VEB Goldeck / VEB Zetti
Produkt Bambina-Schokolade (Vollmilch, Butterkaramell, geröstete Haselnüsse)
Entwicklung Entwicklung in Zeitz (VEB Zetti), Wiederaufnahme 1998 durch Goldeck Süßwaren GmbH
Kakaogehalt (früher/heute) Früher ca. 7 % (Schlager Süßtafel/andere Ersatzprodukte), heute bis zu 32 % in angepassten Rezepturen
Verfügbarkeit Standard in Ost-Supermärkten; im Westen meist Online-Bestellung
Produktionsstandort heute Zeitz / Leipzig (Goldeck Süßwaren GmbH)

Fazit (kein Schlusswort)

Bambina-Schokolade ist ein typisches Beispiel dafür, wie ein regionales Produkt Tradition, Geschmack und Erinnerung verbindet. Ihre Rezeptur mit Butterkaramell, gerösteten Haselnüssen und Vollmilchschokolade, die traditionelle Zubereitungsmethoden und die Geschichte von Verstaatlichung, Reprivatisierung und Markenpflege machen Bambina zu einem kulturellen Markenstück der ostdeutschen Süßwarenwelt. Ob als nostalgisches Erinnerungsstück oder als aktuell käufliche Leckerei: Bambina bleibt ein fester Bestandteil der DDR-Süßwaren-Geschichte und der Produktpalette von Zetti und Goldeck.

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