Die Geschichte der Bahlsen Kekse aus Hannover: Vom süßen Ursprung bis zur Weltmarke
Die Firma Bahlsen blickt auf eine beeindruckende und wechselvolle Geschichte zurück, die im Jahr 1889 in Hannover ihren Anfang nahm und bis heute die deutsche und internationale Gebäckkultur prägt. Gegründet wurde die Hannoversche Cakesfabrik H. Bahlsen durch den Zuckerhändler Hermann Bahlsen, der seine Erfahrungen aus London nutzte, um das englische Teegebäck nach Deutschland zu bringen. Seine Vision war es, exquisite Plätzchen industriell zu fertigen und so ein Gebäck für jeden zu schaffen, das bis heute Kultstatus genießt.
Die frühen Jahre: Von Cakes zu Keksen
1889 entschied sich Hermann Bahlsen, nach Deutschland zurückzukehren und eine Bäckerei mit zehn Angestellten zu übernehmen. Anfangs wurden die Produkte unter dem englischen Namen "Cakes" vertrieben, doch die deutschen Kunden sprachen das Wort anders aus als erwartet. So entstand 1911 das deutsche Wort "Keks", das bald auch offiziell im Duden aufgenommen wurde und heute Synonym für süßes Dauergebäck ist.
Den Durchbruch schaffte Bahlsen jedoch mit seinem berühmten Butterkeks. Inspiriert von den französischen Petit Beurre und dem englischen Gebäck, entwickelte Bahlsen einen Butterkeks mit exakt 52 "Zähnen" und gab ihm den Namen LEIBNIZ, benannt nach dem hannoverschen Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716).
| Jahr | Meilenstein |
|---|---|
| 1889 | Gründung der Hannoverschen Cakesfabrik H. Bahlsen |
| 1891 | Erfindung des LEIBNIZ Butterkeks |
| 1893 | Goldmedaille bei der Weltausstellung in Chicago |
| 1911 | Begriff "Keks" wird erfunden |
Innovationen und industrielle Pionierarbeit
Bahlsen war von Anfang an ein Vorreiter bei technischen Neuerungen. 1905 brachte das Unternehmen die erste Fließbandproduktion für Kekse in Europa auf den Weg - acht Jahre bevor Henry Ford das Fließband in Automobilfabriken einführte. Bereits in den 1890ern belebte die Firma die Werbung mit kreativen Ideen: Eine der ersten deutschen Leuchtreklamen am Potsdamer Platz und künstlerische Reklamemarken machten Bahlsen-Produkte weithin bekannt.
Ein bedeutender Schritt war 1904 die Einführung der TET-Packung, einer neuartigen, staub- und feuchtigkeitsfesten Verpackung, die die Kekse länger frisch hielt. Das TET-Zeichen - abgeleitet von einer ägyptischen Hieroglyphe, die für „ewig während“ steht - wurde zum Symbol für Qualität und Langlebigkeit der Produkte. Die Verpackungen waren außerdem ein großer Werbeerfolg und machten Bahlsen überregional bekannt.
Lesen Sie auch: Lebkuchen von Bahlsen: Was steckt drin?
Die Bedeutung der Marke LEIBNIZ
Bahlsen legte Wert darauf, seinen Produkten durch Persönlichkeit und Tradition einen unverwechselbaren Namen und Charakter zu geben. Die Benennung nach Leibniz entsprach dem damaligen Zeitgeist, Nahrungsmittel nach bekannten Persönlichkeiten zu benennen. Der etwas mysteriöse Fakt, warum der LEIBNIZ Butterkeks exakt 52 Zähne besitzt, ist bis heute Teil der Unternehmenskultur - angeblich würde er mit 50 Zähnen anders schmecken, wie Werner Michael Bahlsen einmal spaßhaft erklärte.
Die schwere Zeit: Weltkriege und Herausforderungen
Der Erste Weltkrieg führte zu Rohstoffknappheit und bedeutete große Herausforderungen für die Produktion. Bahlsen bemühte sich, seine Fabrik möglichst krisensicher aufzustellen und förderte nebenbei auch Kunst und Kultur, etwa durch die Herausgabe künstlerischer Feldpostkarten und Reklame-Marken. Nach dem Tod von Hermann Bahlsen 1919 übernahmen seine Söhne das Unternehmen.
Die Inflation 1923 machte sich auch bei Bahlsen bemerkbar - eine Packung LEIBNIZ-Keks kostete im Herbst unglaubliche 400 Milliarden Mark. Eine geniale Geschäftsidee in der Krise war später die „Expressdose“ mit einem Pfund Kekse für eine Mark, ein echter Verkaufsschlager.
Auch die NS-Zeit ging nicht spurlos an Bahlsen vorbei. Wirtschaftlich war diese Phase erfolgreich, jedoch arbeitete das Unternehmen mit Zwangsarbeitern und profitierte vom System. Bahlsen setzte sich später öffentlich mit der eigenen Vergangenheit auseinander: Ein unabhängiges Historikerteam legte 2024 die Ergebnisse einer umfassenden Studie vor, in der sowohl positive als auch kritische Aspekte transparent gemacht wurden. Das Unternehmen beteiligt sich heute aktiv an Erinnerungskultur und Gedenkarbeit.
Wiederaufbau, Expansion und neue Produkte
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Hannover eine Ruinenstadt, über 80 % der Fabrikanlagen Bahlsens waren zerstört. Doch schon Ende 1945 liefen in den ersten wiederhergestellten Produktionsstätten die Fließbänder erneut, zunächst mit Brot, bald wieder mit Keksen. Unter der Führung der Söhne Hans, Werner und Klaus Bahlsen wurde das Unternehmen zum globalen Player: Mitte der 1950er-Jahre exportierte Bahlsen bereits in 74 Länder.
Lesen Sie auch: Überblick: Bahlsen Lebkuchen Sorten bei Edeka
1956 führte Bahlsen die innovative thermoplastische Steifpackung ein, die die Kekse noch länger frisch hielt. 1971 erschien erstmals die legendäre gelbe Verpackung des Original LEIBNIZ Butterkeks im Handel, 1973 folgte der LEIBNIZ Choco - der Butterkeks unter einer Schicht Schokolade als neue, beliebte Produktvariante.
Expansion und Konzernbildung
In den kommenden Jahrzehnten wuchs Bahlsen durch Übernahmen und Gründungen national und international weiter. Neue Produkte wie Kartoffelchips und Kuchen bereicherten das Sortiment, Marken wie Brandt und Feurich-Keks wurden integriert. Die Aktivitäten reichten bis nach Nordamerika und Europa. Auch der Bereich salzige Snacks entstand und wurde später in die Lorenz Bahlsen Snack-World überführt.
Generationswechsel und Herausforderungen der Gegenwart
Nach dem Tod von Werner Bahlsen 1985 übernahm sein Sohn Werner Michael Bahlsen die Führung des Familienunternehmens, das bald darauf durch familiäre Streitigkeiten geteilt wurde. Die Bereiche „süß“ und „snack“ wurden eigenständig, wobei Bahlsen als Keksmarke und die Lorenz Bahlsen Snack-World für salzige Produkte auftreten. Werner Michael Bahlsen formte Bahlsen weiterhin als Familienunternehmen, bis 2018 die Leitung an ein Manager-Team weitergegeben wurde.
2013 sorgte der spektakuläre Diebstahl des großen goldenen LEIBNIZ-Kekses an der Firmenfassade weltweit für Schlagzeilen. Ein Erpresser, getarnt als „Krümelmonster“, forderte Keksspenden für wohltätige Zwecke. Die Geschichte endete glimpflich, der Keks kehrte zurück und Bahlsen spendete 52.000 Kekspackungen an soziale Einrichtungen.
Modernisierung, Nachhaltigkeit und Verantwortung
Mit stetig neuen Rezepturen und Varianten - von zuckerreduzierten Keksen über gluten- und laktosefreie Produkte bis hin zu neuen Sorten wie Dinkel- oder Haferkeks - bleibt Bahlsen am Puls der Zeit. Seit 2022 präsentiert sich das Unternehmen mit einem modernisierten Verpackungsdesign, das noch stärker auf das unverwechselbare Markenzeichen - Gelb und den LEIBNIZ-Keks - setzt. Bahlsen engagiert sich deutlich stärker in den Themen Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung, auch in Bezug auf Fachkräfte, offene Handelsbeziehungen in Europa und Demokratie.
Lesen Sie auch: Bahlsen Schoko Herzen: Was steckt drin?
Heute bietet Bahlsen eine breite Palette von Gebäck - darunter das Original, LEIBNIZ Choco, Minis, Vollkorngebäck und weitere Sorten. Mit Sitz in Hannover, mehreren Produktionsstätten und etwa 2.500 Mitarbeitern weltweit ist Bahlsen ein bedeutender Marktführer und eines der bekanntesten deutschen Familienunternehmen der Backwarenbranche. Die Marke LEIBNIZ ist in mehr als 80 Ländern ein Begriff und steht nach wie vor für Qualität, Innovation und Tradition aus Hannover.
Besondere Produkte und kreative Werbegeschichte
Der LEIBNIZ Butterkeks wurde in kleinen Tüten verkauft und zeichnete sich stets durch einen einzigartigen Geschmack aus. Das Marketing setzte dabei schon früh auf außergewöhnliche Ideen wie Sammelmarken, künstlerische Reklame, Feldpostkarten und eindrucksvolle Verpackungen. Humor gehörte ebenfalls dazu. Die Frage nach den „52 Zähnen“ des Keks wurde mit einem Augenzwinkern beantwortet - und so wurde aus einem Alltagsgebäck eine Kultmarke.
Auf jedem Produkt spiegelt sich das Motto des Gründers Hermann Bahlsen wider: „der Konkurrenz immer eine Pferdelänge voraus“. Ebenso einzigartig wie das Produkt sind auch die Geschichten um den goldenen LEIBNIZ-Keks. Bis heute ist Bahlsen mit seiner klaren Markenführung, innovativen Sorten und der Liebe zur Backtradition ein Herzstück hannoverscher Wirtschaft und Unternehmenskultur.
Meilensteine und Ausblick
- 1889: Gründung der Hannoverschen Cakesfabrik H. Bahlsen in Hannover
- 1891: Einführung des LEIBNIZ Butterkeks
- 1904: Einführung der TET-Packung - das Symbol der "ewigen Frische"
- 1911: Erfindung und Durchsetzung des deutschen Begriffs "Keks"
- 1933: Expressdose erschließt neue Märkte während der Wirtschaftskrise
- 1971: Unverwechselbare gelbe Butterkeks-Verpackung
- 1999: Föderierung neuer Geschäftsbereiche im Zuge der Unternehmensaufteilung
- 2016: Jubiläum - 125 Jahre LEIBNIZ Butterkeks
- 2021: Sortimentserweiterung um glutenfreie und neue Mehlsorten-Kekse
- 2022: Neues Verpackungsdesign und noch stärkeres Engagement für Unternehmensverantwortung
Bahlsen ist ein in Hannover gegründetes Traditionsunternehmen, das sich aus kleinen Anfängen in ein weltweit agierendes Keksimperium entwickelt hat - eine bewegte Geschichte voller Innovation, Kreativität, Verantwortung und Liebe zum Gebäck.
tags: #Geschichte #Bahlsen #Kekse #Hannover


