American Pie – Wie ein heißer Apfelkuchen: Hintergründe, Wirkung und heutige Debatten
Vier Jungs und jede Menge Probleme untenrum: Die Sex-Komödie „American Pie“ prägte eine ganze Generation. Heute sind einige Szenen schwer auszuhalten - und doch erinnert man sich an sie. Ist Milde notwendig?
Entstehung, Erfolg und Einordnung
Einer der Filme des Jahres im Jahr 1999: „American Pie - Wie ein heißer Apfelkuchen“ spielte an den Kinokassen fast 250 Millionen Dollar ein. Als American Pie im Jahr 1999 gedreht wurde, bestand das Cast aus einer Reihe äußerst vielversprechender Jungschauspieler, von denen in Hollywood noch einiges zu erwarten war. Ursprünglich war der Film lediglich als Hommage an die weitgehend in den 1980er Jahren gedrehten und mit Sexualwitzen und angedeuteten Schweinereichen durchsetzten High-School-Komödien wie Breakfast Club (1985), Das darf man nur als Erwachsener (1984), Ich glaub' ich steh im Wald (1982) oder „Ich glaub', mich tritt ein Pferd” (1978) gedacht.
American Pie, der nur elf Millionen US-Dollar gekostet hatte, brachte weltweit rund 235 Millionen US-Dollar ins Box Office. Im Endeffekt sorgte American Pie für ein kurzzeitiges Revival dieses Genres, das neben anderen die eigenen Fortsetzungen, „Road Trip”, „Party Animals” und viele weitere Filme nach sich zog. Die Produzenten heißen Chris Moore, Warren Zide, Craig Perry und Chris Weitz. Sie legten den Grundstein für ein erfolgreiches Franchise.
Handlung und Figuren
Hoffnungslos unerfahren, aber angefüllt mit Hormonen, die volle Lotte durch die Gegend rasen und verzweifelt einen Ausgang suchen, haben vier High-School-Freunde vor, ihre Unschuld zu verlieren. Denn ausgerechnet der unbeliebte Sonderling Sherman hat geschafft, was Jim, Jason, Kevin, Oz und Finch bisher verwehrt blieb: der erste heiße Sex!
Obgleich die Teenie-Komödie ein Ensemblefilm ist, sticht doch einer der Jungs als Hauptfigur heraus: Jim (Jason Biggs), der mit „linkischer Tollpasch“ noch milde umschrieben ist. Jim wird bei der Penetration eines warmen Apfelkuchens in der Küche des elterlichen Hauses von seinem Vater Noah ertappt. Klar, dass ihn Papa Noah entdeckt, aber der ist glücklicherweise überaus verständnisvoll: Wir sagen deiner Mutter einfach, dass wir alles aufgegessen haben.
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Auch die anderen Freunde haben ihre Eigenheiten: Oz (Chris Klein) versucht’s beim lauschigen Date im Auto, versaut es aber, weil er glaubt, die Aufforderung, ihm einen zu blasen, mache ihn unwiderstehlich. Kevin (Thomas Ian Nicholas) hat mit Vicky (Tara Reid) sogar schon eine Freundin. Finch (Eddie Kaye Thomas) ist eigentlich ein Verlierer, wird an der Schule gemobbt. Doch dann erlebt er doch noch sein großes Abenteuer mit „Stiflers Mom“ (Jennifer Coolidge).
Humor, Stil und filmisches Handwerk
Rein handwerklich betrachtet sei der Film auch heute noch sehr gut. „Aus meiner Sicht war es eine der ersten Teenie-Komödien, die eine Multiperspektive eingenommen hat“, so Joachim Friedmann, Professor für Serial Storytelling an der Internationalen Filmschule Köln ifs. Jeder im Freundeskreis hatte seinen eigenen Erzählstrang und seine eigenen Probleme. „Das ist sehr dominant. So dominant wie wir es heute aus Serien kennen.“
Hinzu kam der Sex. „Der Sex war derartig explizit, dass es nicht nur für Teenager faszinierend war“, so der Experte. „So etwas hatte man in einer Komödie noch nicht gesehen.“
Skandale, Schockmomente und der „arme Apfelkuchen“
Bei den Kopulationsbemühungen der Jungs-Clique reihte sich extreme Peinlichkeit an extreme Peinlichkeit. Besonders hart trifft es im Film stets Jim, der von seinem Vater dabei überrascht wird, wie er den titelgebenden Apfelkuchen sexuell zweckentfremdet. Eine der Szenen, an die sich alle Zuschauer von „American Pie“ erinnern: „Jims Dad“ (Eugene Levy) und Jim (Jason Biggs) schweigen sich nach dem „Apfelkuchen-Vorfall“ peinlich berührt an.
Manchmal transportierte der Film dabei seltsame Botschaften, etwa, dass ein vorzeitiger Samenerguss das Schlimmste ist, was im Leben drohen kann. Manchmal wurden durch seine Grellheit aber auch all die Mikro-Verletzungen greifbarer, die man in der Pubertät durchlebt.
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Frauenbilder, Machtverhältnisse und heutige Bewertung
Die Antworten und Rollenbilder, die der Film seinem mutmaßlich sexuell noch mäandernden Teenager-Publikum präsentierte, wirken 25 Jahre und einige kluge Debatten später dennoch befremdlich. Die Austauschschülerin heimlich und ungefragt beim Umziehen filmen? Das halten im Film fast alle sofort für eine Spitzenidee („Alles, was du brauchst, ist eine Mikro-Kamera. Die koppelst du ans Internet an und sagst mir die Adresse!“).
Die Frauenfiguren sind eher flach gezeichnet. Entweder als mystische Heilige oder als verschrobene Phantome. Toxische Männlichkeit und was sie bedeutet, war damals noch nichts, über das man sich groß Gedanken machte. „Das heteronormative, männliche, weiße Weltbild, das da drinsteckt: Das würde man heute auch nicht mehr so machen“, sagt Film-Professor Friedmann. Wobei er auch sagt: „Die männlichen Figuren werden in dem Film alle bestraft, für das, was sie sexuell und emotional falsch machen.“
Kulturgeschichte und Nachwirkung
„American Pie“ wurde schlagartig zu einem Phänomen. Es ist einer dieser Filme, den irgendwann jeder auf dem Schulhof gesehen hatte. Erinnerungswürdig ist das, weil man supererfolgreichen Filmen, die sich an ein Publikum wenden, das gerade dabei ist erwachsen zu werden, einen gewissen Einfluss auf eben jenes Erwachsenwerden zusprechen kann.
„American Pie“ hat sich das Prädikat „Guilty Pleasure“ redlich verdient. Manche können mit derlei Teenie-Klamauk überhaupt nichts anfangen, was völlig in Ordnung ist. Die Kritiken waren eindeutig, als der Film 1999 in die Kinos kam: „Anspruchslos-infantile Teenager-Komödie“, nölte das Lexikon des internationalen Films. Dennoch sahen Medien mit jüngerer Zielgruppe das anders: „Saukomisch und gnadenlos geschmacklos“ (TV Movie); „Zum Kaputtlachen“ (Bravo).
Karriereverläufe der Darsteller
Von den Darstellerinnen und Darstellern machten danach vor allem die Frauen Karriere. Etwa Alyson Hannigan („How I Met Your Mother“) und Jennifer Coolidge („The White Lotus“). Die Männer? Womöglich war es die Rache der Film-Geschichte für einen eher dümmlichen Pakt.
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Jims Darsteller Jason Biggs wurde sein Image nicht los und in seiner Karriere meist als Loser in leichten Komödien besetzt. Chris ‘Oz’ Ostreicher (Chris Klein) kam nicht über Rollen als muskelbepackter Schönling hinaus. Eddie Kaye Thomas (Finch) hat seine Karriere vor allem im amerikanischen Fernsehen fortgesetzt. Seann William Scott (Stifler) blieb seinem Image treu und hatte dennoch ansehnlichen Erfolg als vorlauter Partyhengst.
Fortsetzungen, Spin-offs und Drehorte
Die 'American Pie'-Reihe hat mehrere Fortsetzungen und Spin-offs hervorgebracht, die über den ursprünglichen Film hinausgehen. Nach dem ersten Teil folgten 'American Pie 2', 'American Pie - Jetzt wird geheiratet' und 'American Pie: Das Wiedersehen', die alle die gleiche Gruppe von Freunden weiter begleiten. Die Filme haben diese Charaktere durch verschiedene Lebensphasen geführt, von College-Partys bis hin zu Hochzeiten und Klassentreffen.
Die Dreharbeiten zu einigen Fortsetzungen fanden hauptsächlich in Vancouver, Kanada, statt. Vancouver dient oft als Kulisse für US-amerikanische Produktionen, dank ihrer vielseitigen Architektur und filmfreundlichen Infrastruktur. Für spätere Teile der Reihe wurden auch Los Angeles und Umgebung sowie Studios genutzt, um die Illusion typischer US-Vororte oder Hochzeitslocations zu schaffen.
Ist das heute noch sehbar? Streaming und Neuveröffentlichungen
Die Neuveröffentlichung des ersten Films durch Pidax Film gibt Gelegenheit zum Selbstversuch. Und siehe da: Es macht! Die Verfügbarkeit von Filmen ändert sich ständig, je nach Land und Lizenzvereinbarungen. In einigen Regionen war der Kultfilm zeitweise im Angebot, aber aktuell scheint er nicht überall gelistet zu sein. Auf Amazon Prime Video ist die Original-Trilogie verfügbar, teilweise sogar im Abo enthalten. Netflix hat ihn in einigen Regionen im Angebot, aber das wechselt regelmäßig. Wer kein Abo hat, kann ihn bei Google Play Movies oder Apple TV als Kauf- oder Leihtitel finden. Sky zeigt die Filme manchmal im Programm, je nach Lizenzlage.
Warum wir uns noch an den Apfelkuchen erinnern
Der Apfelkuchen. Die Flöte, „dieses eine Mal“ im Ferienlager. Und natürlich: „Stiflers Mom“ … Wer nach Lektüre dieser Begriffe zugeben muss, dass ihm Bilder ins Bewusstsein rutschen, die er lange vergessen glaubte, der war vor 25 Jahren wohl jung oder zumindest noch nicht ganz so alt. Erinnerungswürdig ist das, weil man supererfolgreichen Filmen, die sich an ein Publikum wenden, das gerade dabei ist, erwachsen zu werden, doch einen gewissen Einfluss auf eben jenes Erwachsenwerden zusprechen kann. Und weil man sich als jemand, der damals dabei war, heute fragt: Wie konnte ich das sooo witzig finden? Und wie viel von „American Pie“ steckt noch in mir?
Kurzer Blick auf Debatten
- Heutige Zuschauer sehen Szenen, die vor 25 Jahren als witzig galten, oft kritisch: sexuelle Übergriffe, Voyeurismus und sexistische Stereotype werden stärker hinterfragt.
- Gleichzeitig wird betont, dass der Film die Männerfiguren für ihre Fehler bestraft und damit eine Art moralisches Echo enthält.
- Die Rache der Film-Geschichte: Einige Darstellerinnen konnten ihre Karrieren erfolgreicher fortsetzen als ihre männlichen Kollegen.
| Aspekt | Damals | Heute |
|---|---|---|
| Publikum | Teenager, Schulhofphänomen | Nostalgiker, kritische Rezipienten |
| Humorstil | Fäkal- und Sexualhumor | Teils untragbar, teils kultig |
| Rollenbilder | Stereotyp, heteronormativ | Diskussionswürdig, vielfach problematisiert |
| Auswirkung | Revival des Genres | Franchise und Fortsetzungen |
„American Pie“ ist ein Film, den man nicht einfach auf eine Antwort reduzieren kann: Er ist zeittypisches Sittenbild, kultiger Komödienklassiker und Diskussionsstoff über Wandel kultureller Normen zugleich. Ob man über Apfelkuchen-Sex und „Stiflers Mom“ heute noch lachen darf, hängt davon ab, ob man den Spaß als nostalgische Komödie begreift oder die problematischen Elemente bewusst kritisiert.
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