Symptome von Diabetes bei Kleinkindern erkennen

Diabetes bei Kindern ist meist ein Diabetes vom Typ 1. Er bedarf zeitlebens einer regelmäßigen Behandlung mit Insulininjektionen. Manchmal haben Kinder allerdings auch einen Diabetes Typ 2, der sonst hauptsächlich bei älteren Erwachsenen auftritt. Andere Diabetesformen sind sehr selten. Lesen Sie hier alles Wichtige zum Diabetes bei Kindern!

Welche Diabetes‑Typen treten bei Kleinkindern auf?

Die weitaus häufigste Form von Diabetes bei Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen ist der Diabetes Typ 1. Typ-1-Diabetiker sind lebenslang auf das blutzuckersenkende Hormon Insulin angewiesen, da bei ihnen die Insulin-produzierenden Zellen vom Immunsystem zerstört wurden. Immer häufiger stellen Ärzte (neben Typ-1-Diabetes) bei Kindern und Jugendlichen aber auch den Diabetes Typ 2 fest. Dieser tritt sonst bevorzugt nach dem 40. Lebensjahr auf. Bei manchen Kindern und Jugendlichen treten seltene Diabetesformen auf. Dazu zählt zum Beispiel MODY (‚maturity onset diabetes in the young‘).

Illustration Typ-1 vs Typ-2 bei Kindern

Wie entsteht Diabetes bei Kindern?

Bei Typ-1-Diabetes bildet der Körper sogenannte Autoantikörper, die körpereigene Strukturen angreifen; im Fall von Typ-1-Diabetes die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse, die das Insulin produzieren. Die Folge ist: Der Körper von Menschen mit Diabetes-Typ-1 kann kein oder nur sehr wenig eigenes Insulin bilden. Warum das Immunsystem fehlgesteuert arbeitet, ist noch ungeklärt. In manchen Familien tritt Typ-1-Diabetes gehäuft auf, es liegt also ein erblich bedingt erhöhtes Erkrankungsrisiko vor. Die Forschung vermutet weitere Einflüsse wie Infektionen oder Umweltfaktoren. Bei Typ-2-Diabetes dagegen führen Übergewicht, Fettleibigkeit, falsche Ernährung sowie Bewegungsmangel neben einer erblichen Veranlagung zu einem erhöhten Erkrankungsrisiko.

Warum ist frühe Erkennung wichtig?

Typ-1-Diabetes früh zu erkennen, ist wichtig. Unbehandelt ist er sogar lebensbedrohlich. Die größte Gefahr stellt die diabetische Ketoazidose dar. Bis es zu dieser sogenannten Stoffwechselentgleisung kommt, passiert Folgendes: Weil nicht ausreichend Zucker in die Zellen gelangt, baut der Körper vermehrt Fett ab, um Energie zu gewinnen. Dadurch entstehen bestimmte Stoffwechselprodukte (Ketonkörper), die den Organismus übersäuern und den Elektrolythaushalt verändern. Im schlimmsten Fall kann es zum ketoazidotischen Koma (diabetisches Koma) kommen: ein lebensbedrohlicher Zustand, der intensivmedizinisch behandelt werden muss.

Typische erste Warnzeichen und Symptome

Die häufigsten vier Warnzeichen eines Typ-1-Diabetes sind: beständige Müdigkeit, häufiges Wasserlassen, anhaltender Durst und Gewichtsverlust. Weitere mögliche Krankheitszeichen sind Appetitlosigkeit oder das Gegenteil: unmäßig gesteigerter Appetit. Ein Symptom wie Müdigkeit kommt auch bei anderen Erkrankungen vor. Das erschwert es Eltern, die Symptome von Typ-1-Diabetes bei ihrem Kind richtig einzuschätzen. Hier gilt: Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig in die ärztliche Praxis.

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  • Große Urinmengen, nächtliches Wasserlassen oder Einnässen
  • Extremes Durstgefühl und Trinkmengen von mehreren Litern pro Tag
  • Mattheit und Leistungsschwäche
  • Gewichtsverlust bei ständigem Heißhunger (Kinder mit Diabetes Typ 1 sind meist schlank)
  • Starke Bauchschmerzen
  • Ein typischer Acetongeruch der Ausatemluft im fortgeschrittenen Stadium (wie „Nagellackentferner“)

Die Beschwerden eines Diabetes Typ 1 bei Kindern entwickeln sich mitunter jedoch innerhalb weniger Wochen. Die Symptome des weitaus selteneren Diabetes Typ 2 bei Kindern entwickeln sich dagegen langsam und sind ähnlich wie beim Typ-1-Diabetes. Allerdings haben die betroffenen Kinder meist ein deutliches Übergewicht (Fettleibigkeit = Adipositas).

Besondere Warnsignale bei Kleinkindern

Bei Kleinkindern kann die Entwicklung innerhalb weniger Stunden eintreten. Bei folgenden Alarmsignalen müssen Sie mit Ihrem Kind unbedingt sofort einen Arzt aufsuchen, es besteht die Gefahr eines diabetischen Komas: erhöhte Anfälligkeit für Infektionskrankheiten; großer, nicht nachlassender Durst, der zu einer Flüssigkeitszufuhr von mehreren Litern pro Tag führt; Gewichtsverlust trotz Heißhungers und verstärkter Nahrungsaufnahme (tritt nur bei Typ-1-Diabetes auf); verstärkter Harndrang mit großen Mengen Urin, die Kinder wachen nachts davon auf oder nässen ein.

Symptome einer diabetischen Ketoazidose (DKA)

Eine Ketoazidose kann an folgenden, zum Teil sehr charakteristischen Zeichen dieser Stoffwechselentgleisung erkannt werden: Atem, der säuerlich nach Aceton riecht; beschleunigte Atmung (sogenannte Kußmaul-Atmung); Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen; Bewusstseinsverlust bei ketoazidotischem Koma. In 0,3 bis 1,0% aller Fälle führt sie zu einem lebensgefährlichen Hirnödem, d. h. einer Schwellung des Gehirns.

Infografik Ketoazidose Symptome

Akute Komplikationen: Unterzuckerung (Hypoglykämie)

Die Unterzuckerung (Hypoglykämie) ist eine der häufigsten und zugleich gefährlichsten akuten Komplikationen, die bei Diabetes bei Kindern unter Insulintherapie vorkommt. Sie entsteht oft dadurch, dass sich der Patient versehentlich zu viel Insulin spritzt. Auch eine ungewöhnlich starke körperliche Belastung oder zu viel Sport führt bei gleichbleibender Insulindosis häufiger zur Unterzuckerung. Weitere mögliche Ursachen sind zum Beispiel das Auslassen einer geplanten Mahlzeit bei gleichbleibender Insulin- oder Tablettendosis.

Mögliche Symptome einer Unterzuckerung sind zum Beispiel Schwitzen, Schwindel, zitternde Hände, Herzklopfen und ein ausgeprägtes Schwächegefühl. In schweren Fällen kommen Konzentrations- und Sehstörungen, Krämpfe sowie Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit hinzu. Ärzte raten besonders insulinpflichtigen Diabetikern, immer etwas Traubenzucker bei sich zu haben, damit sich im Falle einer leichten Hypoglykämie ihr Blutzucker schnell anheben lässt.

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Untersuchungen und Diagnose

Wenn Sie bei Ihrem Kind Anzeichen auf einen Diabetes bemerken, sollten Sie umgehend einen Untersuchungstermin bei Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin vereinbaren. Bei Symptomen einer Ketoazidose hingegen, muss sofort notärztliche Hilfe gerufen werden. Die Standardmethoden bei der Diagnose von Diabetes bei Kindern und Erwachsenen sind: Blutzuckermessung (sowohl nüchtern als auch zu einem beliebigen Zeitpunkt), oraler Glukosetoleranztest (bei Verdacht auf Typ‑2), Bluttest auf Autoantikörper zum Nachweis eines autoimmun bedingten Typ‑1‑Diabetes, sowie Langzeit-Blutzuckerwert (HbA1c) und Urinuntersuchung.

Test Wann angewendet Was er zeigt
Nüchternblutzucker Erstdiagnostik aktueller Blutzuckerwert
HbA1c Verlaufskontrolle durchschnittlicher Blutzucker der letzten 8-12 Wochen
oGTT Verdacht auf Typ‑2 Reaktion auf Glukosebelastung
Autoantikörpertest Unklarer Typ Hinweis auf autoimmune Zerstörung (Typ‑1)

Behandlung und Betreuung

Unmittelbar nach der Diagnose eines Diabetes erhalten die Kinder und ihre Eltern eine spezielle Diabetes-Schulung. Sie erfahren darin mehr über die Erkrankung, ihre Entstehung, ihren Verlauf und die Behandlungsmöglichkeiten. In der Schulung lernen sie unter anderem auch, welche Kohlenhydratmenge in verschiedenen Lebensmitteln steckt und wie viel Insulin der Körper zu welcher Tageszeit für welche Nahrungsmittel benötigt. Die Schulung vermittelt außerdem den richtigen Umgang mit möglichen Komplikationen der Diabetes-Erkrankung (wie Über- und Unterzuckerung).

Behandlung von Typ‑1‑Diabetes

Da die Bauchspeicheldrüse selbst kein Insulin mehr herstellt, ist bei einem Typ‑1‑Diabetes die lebenslange Gabe von Insulin notwendig. Das kann mithilfe eines sogenannten Pens erfolgen. Zunehmend setzen sich aber automatische Insulinpumpen durch, die den Körper kontinuierlich und präziser über eine Kanüle mit Insulin versorgen. Insbesondere in Kombination mit einem Gerät zur kontinuierlichen Gewebszuckermessung (Continuous Glucose Monitoring, CGM) können sie jungen Diabetikern und ihren Familien das Leben erheblich erleichtern.

Intensivierte Insulintherapie (Basis‑Bolus‑Prinzip): Hierbei spritzen sich die Patienten ein- bis zweimal täglich ein langwirksames Insulin, um den Grundbedarf an Insulin auszugleichen (Basis). Vor jeder Mahlzeit messen die Diabetes-Kinder den aktuellen Blutzuckerspiegel und spritzen sich daraufhin noch ein normal‑ oder kurzwirksames Insulin dazu (Bolus). Die benötigte Bolusmenge ist dabei von der Tageszeit und der Zusammensetzung der geplanten Mahlzeit abhängig.

Insulinpumpen: Die Insulinpumpe gibt über den Tag verteilt festgelegte Mengen an Insulin in das Fettgewebe ab, wo es über kleinste Blutgefäße in den gesamten Körper gelangt. Diese Insulinmenge deckt den Grundbedarf ab. Zu den Mahlzeiten verabreichen sich Patienten per Knopfdruck meist zusätzliches Insulin, das die Verwertung der geplanten Speisen gewährleistet. Die Insulinpumpe verschafft den Betroffenen viel Freiheit. Sie entlastet die Kinder mit Diabetes zudem deutlich, weil die täglichen schmerzhaften Insulininjektionen entfallen.

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Erklärung Continuous Glucose Monitoring und Insulinpumpen

Continuous Glucose Monitoring (CGM) und Hybrid‑Closed‑Loop

Bei CGM wird ein Sender am Körper befestigt, der mit einem Blutzuckersensor ausgerüstet ist. Dieser wird mit Hilfe einer Einstechhilfe ins Unterhautfettgewebe geschoben. Er ermittelt in regelmäßigen Abständen den Blutzucker und übermittelt die Werte an ein Lesegerät oder Smartphone. CGM sind mit einer Alarmfunktion ausgestattet, die vor drohenden Unter- und Überzuckerungen warnt. Insbesondere eine Kombination von CGM mit einer automatisierten Insulinpumpe erleichtert das Leben mit Diabetes: Ein Algorithmus passt den Basisinsulinbedarf auf Basis der Messwerte eines CGM automatisch an (Hybrid‑Closed‑Loop-System).

Behandlung von Typ‑2‑Diabetes

Die Basis der Behandlung bilden regelmäßige körperliche Aktivität und Sport sowie eine Ernährungsumstellung (abwechslungsreiche, ausgewogene Kost mit viel Ballaststoffen, Obst und Gemüse). Mehr Bewegung, die Diabetes‑Diät und eine resultierende Gewichtsabnahme reichen bei manchen Patienten aus, den Typ‑2‑Diabetes in den Griff zu bekommen. Lässt sich der Blutzucker mit einer Lebensstiländerung nicht ausreichend senken, verschreibt der Arzt zusätzlich Diabetes‑Medikamente (Antidiabetika), meist zunächst Metformin. Wenn diese nach drei bis sechs Monaten nicht den gewünschten Erfolg bringen, bekommt der Patient Insulin.

Lebenserwartung, Verlauf und Folgeerkrankungen

Die Beschwerden sind bei erfolgreicher Therapie deutlich linderbar; unbehandelt sind Komplikationen wie Unterzuckerung oder diabetische Ketoazidose möglich, und die Lebenserwartung ist gemindert. Die Krankheitsverlauf und die mögliche Lebenserwartung ist bei den betroffenen Kindern und Jugendlichen sehr unterschiedlich. Beides hängt im Wesentlichen vom Diabetes-Typ ab und wie gut dieser therapiert ist. Eine Heilung ist grundsätzlich nicht möglich, da Diabetes mellitus eine chronische Erkrankung ist. Die Beschwerden sind aber gut kontrollierbar.

Akute Komplikationen, die in unterschiedlicher Häufigkeit bei Typ‑1‑ und Typ‑2‑Diabetes auftreten, sind Hypoglykämie und Hyperglykämie. Langfristig können erhöhte Blutzuckerwerte zu Schäden an kleinen Blutgefäßen führen (Augen, Nieren, Nerven) sowie zu Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen. Je jünger die Patienten zu Erkrankungsbeginn sind, desto höher ist das Risiko für auftretende Folgeschäden im Laufe des Lebens.

Begleitung der Familie und Alltag

Ein wichtiger Bestandteil der Behandlung ist die altersgerechte Diabetes‑Schulung der Kinder und ihrer Eltern. Dabei lernen Familien den Umgang mit Blutzuckermessgeräten, Insulinpens, Insulinpumpen und CGM. Ein weiterer zentraler Bestandteil ist die Ernährungsberatung und psychologische Unterstützung, denn die Diagnose Typ‑1‑Diabetes ist ein gravierender Einschnitt in das Familienleben. Besonders am Anfang müssen Eltern noch auf einiges achten: abgewogene und genau überlegte Mahlzeiten, wiederholte Blutzuckermessungen pro Tag, die mehrfachen Insulininjektionen und das Führen eines Diabetes‑Tagebuchs. Langfristig ist es wichtig, den Nachwuchs zur Selbständigkeit zu führen.

Sport bei Diabetes ist möglich und wird empfohlen. Sporteinheiten müssen geplant und die Insulinabgaben über den Tag auf die Intensität des Sportes angepasst werden. Menschen, die heutzutage aufgrund von ihrer Diabetes‑Erkrankung erblinden, an die Dialyse müssen oder Fußamputationen erleiden, sind vor 40 oder 50 Jahren an Diabetes erkrankt und mit den damals verfügbaren Methoden behandelt worden. Heute kann der Blutzuckerspiegel durch moderne Technik sehr viel besser eingestellt werden, sodass Langzeitfolgen zumindest verschoben werden können.

Familie im Alltag mit Kind und Diabetes

Praktische Hinweise: Wann zum Arzt?

  1. Sofortige Vorstellung beim Arzt, wenn Ihr Kind ungewöhnlich viel trinkt, häufig und große Mengen Urin ausscheidet oder stark an Gewicht verliert.
  2. Bei Symptomen einer Ketoazidose (Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, säuerlicher Atem, beschleunigte Atmung) sofort den Notarzt rufen.
  3. Bei unsicheren, aber anhaltenden Symptomen lieber einmal zu viel als zu wenig eine Praxis aufsuchen - frühe Diagnosestellung reduziert das Risiko schwerer Komplikationen.

Die Diagnose Diabetes mellitus kann jeden treffen - auch junge Kinder und sogar Babys, auch wenn er bei Babys eher selten vorkommt. Trotz allem können Kinder mit Diabetes ein ganz normales Leben führen, wenn sie rechtzeitig erkannt und gut betreut werden.

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