Wird Honig Zucker hinzugefügt oder ist er naturbelassen?

Honig ist mehr als Zucker. Honig besteht aus verschiedenen Zuckern, Aminosäuren, Enzymen und Spurenelementen. Honig besteht aus etwa 80 Prozent Zucker. Dabei handelt es sich um ganz verschiedene Zuckerarten.

Welche Zuckerarten enthält Honig?

Je nach Honig, also von welchen Pflanzen er stammt, sind es hauptsächlich Einfachzucker wie Traubenzucker (Glukose), Fruchtzucker (Fruktose). Daneben kommen auch Zweifachzucker wie Haushaltszucker (Saccharose) und Malzzucker (Maltose) und andere Mehrfachzucker vor. Honig besteht im Wesentlichen aus den beiden Einfachzuckern Glucose und Fructose. Diese sind in Blütenhonigen bis zu 80 Prozent, in Honigtauhonigen bis zu 65 Prozent enthalten.

Wie wirkt sich die Zuckerzusammensetzung auf den Körper aus?

Es gibt im Honig Zuckerarten, die anders als reiner Haushaltszucker verdaut werden. Traubenzucker gelangt z.B. über den Darm schnell ins Blut, während Fruchtzucker und Mehrfachfachzucker verzögert aufgenommen werden. Der Blutzuckerspiegel steigt und sinkt nach dem Honigverzehr daher nicht so abrupt wie nach “normalen” Süßigkeiten, sondern langsamer. Einfach- und Zweifachzucker sind schnell verwertbare Zuckerarten. Mehrfachzucker hingegen werden langsamer verdaut, da sie erst in ihre einzelnen Zuckermoleküle zerlegt werden müssen. Sie geben dem Körper dadurch länger verfügbare Energie.

Enzyme, Aminosäuren, Pollen: was Honig von Zucker unterscheidet

Honig enthält auch Enzyme, etwa Invertase. Sie spaltet Saccharose in Glukose und Fruktose auf. Invertase lässt auch Zuckerarten entstehen, die nur in Honig vorkommen. Die Diastase spaltet Stärke in Malzzucker. Beide wirken somit verdauungsfördernd. Das Enzym Glukoseoxidase wandelt mithilfe von Sauerstoff aus der Luft den Traubenzucker im Honig um und setzt dabei Wasserstoffperoxid frei, einer der wichtigen Inhibine im Honig. Dieser Stoff wirkt antibakteriell und hilft, den Honig zu konservieren.

Die Aminosäuren im Honig sind unter anderem für Aroma und Farbe des Honigs verantwortlich. Als Grundbausteine dienen sie im Körper für den Aufbau von lebensnotwendigen Eiweißen. Im Honig sind Aminosäuren nur in winzigen Mengen enthalten. Am häufigsten kommt das von den Bienen zugesetzte Prolin vor. Es unterstützt im Körper die Bildung des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin.

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Honig, der nicht stark gefiltert wurde, enthält auch Pollen der Trachtpflanzen. Pollen sind die männlichen Keimzellen der Blütenpflanzen. So vielfältig wie die Bienenweide ist auch der Pollen. Er enthält hauptsächlich Eiweiße und Vitamine. Der Pollen kommt im Honig nur in minimalen Mengen vor und ist für Allergiker nicht gefährlich. Ein wichtiger Bestandteil des Pollen sind freie Aminosäuren. Diese kann der Mensch nicht selbst bilden, sie müssen über die Nahrung aufgenommen werden.

Infografik: Zusammensetzung von Honig (Zucker, Wasser, Enzyme, Aminosäuren, Pollen)

Nebenstoffe, Vitamine und gesundheitliche Wirkungen

Honig enthält Vitamine in geringen Mengen, darunter auch das Vitamin C, das allgemein die Leistungskraft stärkt und vor Erkältungen schützt. Sekundäre Pflanzenstoffe, wie die in Honig enthaltenen Flavonoide und Phenolsäuren, wirken sich zudem schützend auf die Atemwege aus. Bittere Honigsorten enthalten mehr dieser Substanzen.

Honig ist wegen seines hohen Gehalts an Ein- und Zweifachzuckern ein sehr kalorienreicher Energielieferant. Regelmäßig hoher Verzehr kann, wie auch bei anderen zuckerhaltigen Lebensmitteln, zu Übergewicht führen und das Risiko für bestimmte Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 erhöhen. Daher sollte Honig, wie Haushaltszucker, nur sparsam zum Einsatz kommen.

Ist Honig gesünder als Haushaltszucker?

Honig besteht zu 80 Prozent aus den Einfachzuckern Fructose und Glucose und liefert rund 300 Kilokalorien auf 100 Gramm. Außerdem sind Vitamine, Mineralstoffe und Antioxidantien in Form von Flavonoiden enthalten. Die Mengen sind allerdings so gering, dass sie kaum einen nennenswerten Beitrag zur Versorgung leisten. Diese werden oft als Grund dafür angeführt, dass Honig gesünder sei als Zucker. Doch für relevante Mengen müsste man sehr viel Honig essen.

Honig hat eine höhere Süßkraft als Zucker, was dazu führt, dass für den gleichen Grad an Süße weniger Honig als Zucker benötigt wird. Durch den hohen Anteil an Fructose und Glucose ist Honig ein starker Energielieferant. Durch die Glucose gelangt die Energie des Honigs direkt in den Körper, die Fructose sorgt für die Aufrechterhaltung der körperlichen Leistungsbereitschaft.

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Wann ist bei Honig Vorsicht geboten?

Honig ist nicht für Babys unter 12 Monaten geeignet. Honig kann Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum enthalten. Die Darmflora ist in diesem Alter noch nicht stabil genug, um die Besiedelung der Keime sicher zu verhindern. Sollte sich das Bakterium ansiedeln, kann es ein lebensbedrohliches muskellähmendes Gift bilden. Auch immungeschwächte Personen sollten sicherheitshalber keinen Honig verzehren.

Wird Honig tatsächlich mit Zucker gestreckt?

Obwohl die Honig-Richtlinie der Europäischen Union regelt, dass dem Honig grundsätzlich keine anderen Lebensmittel oder Zusatzstoffe wie Zucker oder auch Wasser hinzugefügt werden dürfen, gibt es Fälle von gestrecktem Honig. Die Aktion „From the Hives“ der Europäischen Kommission bestätigt allerdings die Annahme, dass ein Teil des importierten Honigs nicht den Gesetzen entspricht. Die Untersuchungen ergaben, dass der Honig häufig mit Zuckersirup verfälscht wurde, um eine Kostensenkung zu erzielen.

Die Zumischung von Zuckersirup zu Honig ist nur zum Teil von Expertinnen und Experten auch sensorisch wahrnehmbar. Diese müssen ursprünglich aus dem Nektar von Pflanzen (Blütenhonig) beziehungsweise von an Pflanzen saugenden Insekten (Honigtauhonig) stammen. Bei der Herstellung von Zuckersirup durch Spaltung von Stärke entsteht nicht nur der Einfachzucker Glucose, sondern begleitend auch zahlreiche andere Verbindungen wie Zweifach- und Mehrfachzucker. Manche dieser Zucker können auch in Honig vorkommen, andere sind honiguntypisch und zeigen den Zusatz von Zuckersirup an.

Wie und wo wird gestreckter Honig nachgewiesen?

Zucker im Honig ist in einem Labor sehr wohl nachweisbar. Eine Methode die sich auf den Nachweis von Sirupbegleitstoffen stützt, ist der Nachweis von Mannose und Dihydroxyaceton (DHA) in Honig mittels Kernmagnetresonanzspektrometrie (NMR). Mannose ist ein Einfachzucker, welcher in Blütenhonigen bisher nicht nachgewiesen wurde. DHA wurde bisher nur in Honigen einer ganz speziellen Tracht nachgewiesen: Manuka-Honig.

Die Signale von Mannose und DHA im NMR-Spektrum wurden umfassend auf ihre Eignung zur Gehaltsbestimmung geprüft. Damit ist die Methode für alle Honigarten gleichermaßen anwendbar und ein sicherer Nachweis der Markersubstanzen wird möglich. Die Entwicklung weiterer Methoden zum Nachweis von Zuckersirupzusatz bleibt aber weiter im Fokus des LAVES.

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Schema: NMR-Analyse und Marker für Sirupzusatz (Mannose, DHA)

Kann man gefälschten Honig zu Hause erkennen?

Sie können einen gestreckten Honig nicht selbst identifizieren. Der Geschmack und das Aussehen sind dem originalen Honig zum Verwechseln ähnlich. Es gibt z.B. für Akazienhonig einen einfachen Zuckertest, wenn man angeblichen Akazienhonig mit Wasser verdünnt, ihn gut verrührt und danach eine halbe Stunde stehen lässt. Sensorisch oder mit einfachen Hausmitteln ist eine sichere Unterscheidung jedoch meist nicht möglich.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Herkunftskennzeichnung

Dass dem Honig grundsätzlich keine anderen Lebensmittel oder Zusatzstoffe wie Zucker oder auch Wasser hinzugefügt werden dürfen, regelt die Honig Richtlinie der Europäischen Union. Diese garantiert hohe Standards und die Qualität von allen Honigsorten - auch mit Herkunft außerhalb der EU. Daher darf Honig, dem Zucker oder andere Fremdstoffe hinzugefügt wurden, auch nicht in der EU verkauft werden.

Die Herkunftskennzeichnung von Honig unterliegt gesetzlichen Bestimmungen, die Verbraucher:innen über die Herkunft des Produkts informieren sollen. Um die Transparenz zu erhöhen, hat die Europäische Union im Mai 2024 eine Revision der sogenannten „Frühstücksrichtlinien“ beschlossen. Diese sieht vor, dass bei Honigmischungen künftig alle Ursprungsländer auf dem Etikett in absteigender Reihenfolge ihres prozentualen Anteils angegeben werden müssen.

Welche Folgen hat gestreckter Honig?

Aus gesundheitlicher Sicht hat die Verfälschung des Honigs keinen negativen Einfluss. Jedoch wird das Vertrauen der Verbraucher:innen verletzt. Das Verdünnen des Honigs erhöht den Gewinn der Betrüger:innen. In Anbetracht derart billiger Alternativen und eines potenziell unlauteren Wettbewerbs durch die Konkurrenten könnten Berufsimker:innen in der EU davon abgehalten werden, ihre Imkertätigkeit weiterzuführen. Dies kann sich wiederum negativ auf die in der EU erzeugten Honigmengen auswirken.

Interview mit Laborexperten zur Detektion von gestrecktem Honig (NMR, Marker)

Praktische Hinweise für Imker und Verbraucher

Honige aus dem Supermarkt sind Speisehonige und ausschließlich zur Ernährung geeignet. Darüber hinaus gibt es spezielle Honigarten, die auch medizinische Zwecke erfüllen können. Für Verbraucher:innen bedeutet die erweiterte Herkunftskennzeichnung, dass sie künftig detailliertere Informationen über die Herkunft des Honigs erhalten.

Wenn Imker während des Winters ihre Völker mit Zuckerlösung füttern, landet dieser Zucker nicht im Endprodukt, denn die Bienen nehmen den Zucker als Nahrung während des Winters zu sich. Das daraus in den Waben eingelagerte Produkt wird nicht vom Imker geerntet. Im Frühling erhalten die Bienenvölker leere Waben, in die sie ihren Honig einbringen können.

Hinweis zur Qualität beim Kauf

  • Achten Sie auf die Herkunftskennzeichnung und Zertifikate (z. B. „Echter Deutscher Honig“, Bio, Fairtrade).
  • Seien Sie skeptisch bei extrem niedrigem Preis: Im Jahr 2021 lag der EU-Durchschnittspreis für importierten Honig bei 2,17 Euro pro Kilogramm; der zugemischte Zuckersirup lag nur bei etwa 40 bis 60 Cent.
  • Bei Zweifeln: Labortests (z. B. NMR, Isotopenanalyse, Pollenanalyse) liefern die verlässlichsten Ergebnisse.
Aspekt Honig (natur) Gestreckter Honig
Zuckeranteil ~80% aus Glucose/Fructose zusätzlicher Sirup (Glucose/Fructose oder Saccharose)
Enzyme & Zusatzstoffe Invertase, Diastase, Glukoseoxidase, Aminosäuren, Pollen weniger Honig-typische Begleitstoffe, oft entfernte Marker
Erkennung Laboranalytisch (NMR, Isotopen, Pollenanalyse) Laboranalytisch; kaum sicher per Sensorik
Recht Honigrichtlinie der EU verbietet Zugabe straftatbestand, wenn zugefügt

Honig ist ein Naturprodukt - und Naturprodukte können schädliche Keime enthalten. Zur Behandlung von Wunden ist Honig nicht geeignet, unabhängig davon, ob er aus dem Supermarktregal oder vom Imker stammt. Honig ist ein Lebensmittel, welches nach wie vor Ziel von Lebensmittelkriminalität ist. Eine der häufigsten Fälschungsarten von Honig ist der Fremdzuckerzusatz.

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