Zuckergehalt in Getränken: Empfehlungen für einen bewussten Konsum

Vor allem in den Sommermonaten greifen viele Menschen gerne zu erfrischenden Getränken wie Apfelschorlen, Energydrinks oder Limonaden. Allerdings ist vielen Konsumenten nicht bewusst, wie hoch der Zuckergehalt in diesen Getränken tatsächlich ist. Eine Studie der Verbraucherorganisation Foodwatch hat ergeben, dass einige Getränke bis zu 26 Würfel Zucker enthalten können. Dieser Artikel beleuchtet die Problematik des hohen Zuckergehalts in Getränken, gibt Empfehlungen für einen bewussten Konsum und zeigt mögliche Lösungsansätze auf.

Die Problematik des hohen Zuckergehalts

Laut Foodwatch enthalten mehr als die Hälfte aller Erfrischungsgetränke in Deutschland zu viel Zucker. Bei einer Untersuchung von 463 verschiedenen Limonaden, Energydrinks, Fruchtsäften, Schorlen, Brausen und Eistees wiesen rund 60 Prozent der Produkte einen Zuckergehalt von über fünf Prozent auf. In über einem Drittel der untersuchten Flaschen und Dosen fanden die Kontrolleure sogar mehr als acht Prozent Zucker - das entspricht etwa sechseinhalb Würfeln Zucker pro 250 Milliliter.

Ein besonders extremes Beispiel ist der Energy Drink "Rockstar Punched Energy + Guava" von PepsiCo, der einen Zuckergehalt von 16 Prozent aufweist. Eine 500-Milliliter-Dose dieses Getränks enthält somit 78 Gramm Zucker, was 26 Würfeln entspricht.

Der Konsum von flüssigem Zucker in Form von Getränken birgt erhebliche gesundheitliche Risiken. Wieland Kiess, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Uniklinikums Leipzig, wies bei der Vorstellung der Foodwatch-Studie darauf hin, dass ein hoher Zuckerkonsum das Risiko für Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes erhöht.

Zuckeraufnahme in Deutschland

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass die tägliche Zuckeraufnahme durch verarbeitete Lebensmittel im Durchschnitt nicht mehr als sechs Teelöffel (25 Gramm) betragen sollte. Diese Empfehlung zielt darauf ab, das Risiko von Übergewicht, Adipositas und Karies zu reduzieren.

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In der Realität liegt die Zuckeraufnahme durch Lebensmittel in Deutschland jedoch deutlich höher. Laut Andreas Pfeiffer, Ernährungswissenschaftler am Berliner Uniklinikum Charité, liegt die durchschnittliche Zuckeraufnahme in Deutschland bereits bei 90 Gramm pro Tag. Getränke tragen einen erheblichen Teil zu dieser hohen Zuckeraufnahme bei, insbesondere bei Kindern.

Foodwatch gibt an, dass der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch an zuckergesüßten Getränken in Deutschland bei über 80 Litern pro Jahr liegt. Besonders problematisch ist der hohe Zuckergehalt in Getränken, die speziell an Kinder vermarktet werden. Limonaden mit Comicfiguren und Fruchtsäfte in Trinkpäckchen enthalten oft übermäßig viel Zucker.

Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche

Eine Marktstudie von Foodwatch hat gezeigt, dass Kindergetränke überzuckert sind. Demnach enthielten 117 von 136 untersuchten Getränken (86 Prozent) mehr als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Dies entspricht dem Zuckergehalt, ab dem in Großbritannien die Limo-Steuer fällig wäre. Im Durchschnitt enthalten die untersuchten Limonaden, Energydrinks und Fruchtsaftgetränke 7,8 Prozent Zucker, was mehr als sechseinhalb Würfeln Zucker pro 250-Milliliter-Glas entspricht.

Der hohe Zuckerkonsum von Kindern und Jugendlichen ist ein wachsendes Problem. Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass der Zuckergehalt in Getränken oft zu hoch ist. Freiwillige Reduktionspläne der Industrie sind bisher gescheitert. Süßgetränke sind eine Hauptquelle für den Zuckerkonsum von Minderjährigen. Ein einziges 250-Milliliter-Glas eines durchschnittlich gesüßten Getränks enthält bereits knapp 20 Gramm Zucker, was etwa vier Fünfteln der maximal empfohlenen Tagesmenge an Zucker für Kinder und Jugendliche entspricht.

Der Konsum zuckerhaltiger Getränke im Kindes- und Jugendalter ist ein wesentlicher Risikofaktor für Übergewicht, Diabetes und Herzerkrankungen.

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Beispiele für zuckerhaltige Getränke

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat den Zuckergehalt verschiedener Erfrischungsgetränke untersucht und in Zuckerwürfel umgerechnet. Dabei wurden erschreckende Ergebnisse erzielt:

  • "Durstlöscher Apfel - Orange - Zitrone": 500 Milliliter enthalten 18,3 Zuckerwürfel.
  • Arizona Iced Tea: Enthält ebenfalls sehr viel Zucker.
  • Fanta: Ist stark zuckerhaltig.
  • "Now" Limonade von Lammsbräu (Geschmacksrichtung Zitrone): 9,2 Zuckerwürfel in 330 Millilitern.
  • Fruchtschorle: Enthält fast zehn Zuckerwürfel pro Portion.

Die Verbraucherzentrale NRW hat insgesamt 18 Getränke untersucht und festgestellt, dass viele speziell für Kinder beworbene Getränke extrem viel Zucker enthalten.

Lösungsansätze zur Reduzierung des Zuckerkonsums

Um den Zuckerkonsum in Deutschland zu reduzieren, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, werden verschiedene Maßnahmen diskutiert und gefordert:

1. Limo-Steuer

Foodwatch und andere Verbraucherorganisationen fordern die Einführung einer Limo-Steuer nach britischem Vorbild. In Großbritannien hat die Einführung einer solchen Steuer dazu geführt, dass Hersteller den Zuckergehalt in ihren Getränken deutlich reduziert haben. Im Vergleich dazu sank der Zuckergehalt in Getränken in Deutschland durch freiwillige Maßnahmen der Industrie nur um etwa zwei Prozent, während er in Großbritannien im gleichen Zeitraum um etwa 30 Prozent sank.

Eine Limo-Steuer könnte auch in Deutschland einen positiven Effekt haben. Forschende haben errechnet, dass eine solche Steuer hierzulande Hunderttausende Krankheitsfälle und 16 Milliarden Euro Gesundheitskosten verhindern könnte.

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2. Werbeschranken

Zum Schutz der Kindergesundheit fordern Verbraucherorganisationen effektive Werbeschranken für ungesunde Produkte. Werbung, die sich gezielt an Kinder richtet und zuckerhaltige Getränke bewirbt, sollte eingeschränkt oder verboten werden.

3. Aufklärung und Information

Verbraucher sollten über den hohen Zuckergehalt in vielen Getränken informiert werden. Die Verbraucherzentrale NRW hat beispielsweise den Zuckergehalt in verschiedenen Getränken in Zuckerwürfel umgerechnet, um die Mengen besser veranschaulichen zu können. Auch der Leitfaden der Informationsplattform The Nutrition Source der Harvard T.H. Chan School of Public Health bietet eine gute Orientierung über den Zuckergehalt verschiedener Getränke.

4. Förderung gesunder Alternativen

Es ist wichtig, gesunde Alternativen zu zuckerhaltigen Getränken zu fördern. Dazu gehören:

  • Wasser: Leitungswasser ist in Deutschland streng kontrolliert, kostengünstig und löscht den Durst hervorragend. Auch Mineral-, Tafel- oder Heilwässer sind gute Durstlöscher.
  • Ungesüßte Tees: Warme oder kalte Kräuter- und Früchtetees sind empfehlenswerte Getränke.
  • Fruchtsaftschorlen: Am besten im Verhältnis von 1 Teil Saft zu 3 Teilen Wasser.
  • Selbstgemachte Getränke: Limonaden oder Eistees können selbst zubereitet werden, um den Zuckergehalt zu kontrollieren.

5. Eigenverantwortung der Verbraucher

Letztendlich liegt es auch in der Verantwortung der Verbraucher, bewusste Entscheidungen beim Getränkekauf zu treffen. Durch das Lesen von Nährwertangaben und das Vergleichen von Produkten können Konsumenten den Zuckergehalt besser einschätzen und gesündere Alternativen wählen.

Tipps für einen reduzierten Zuckerkonsum

Die AOK bietet folgende Tipps, um den Konsum von hochkalorischen Getränken zu reduzieren:

  • Informieren Sie sich über den Zuckergehalt: Nutzen Sie Produktetiketten und Informationsquellen, um den Zuckergehalt von Getränken zu überprüfen.
  • Ersetzen Sie Softdrinks durch gesunde Alternativen: Trinken Sie Sprudelwasser mit natürlichen Aromen oder Infused Water.
  • Gewöhnen Sie sich um: Wenn Sie sich an weniger süße Getränke gewöhnen müssen, greifen Sie ersatzweise zu solchen mit kalorienarmen Süßstoffen.
  • Mixen Sie Saftschorlen selbst: Verwenden Sie maximal 25 Prozent Saft und mischen Sie ihn mit Mineralwasser.

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