Honigertrag pro Hektar Raps: Potenziale, Einflussfaktoren und Bedeutung für Bienen, Landwirte und Imker
Der Raps (Brassica napus) nimmt als vielseitige Kulturpflanze eine zentrale Rolle in der Landwirtschaft und Imkerei ein. Besonders während seiner Blütezeit bietet er durch den reichen Nektar eine wertvolle Nahrungsquelle für Honigbienen und andere Insekten. Ein Hektar Raps liefert nicht nur große Mengen Rapshonig, sondern auch zahlreiche weitere hochwertige Produkte wie Speiseöl und proteinreiches Rapsschrot. Die wirtschaftliche, ökologische und ernährungsphysiologische Bedeutung des Rapsertrages pro Hektar steht dabei im Fokus dieses Artikels.
Honigertrag auf Rapsfeldern: Zahlen und Fakten
Die Rapsblüte ist ein Liebling der Bienen. Raps ist reich an Blüten und liefert viel Nektar und Pollen. Auf einem Hektar Raps - etwa so groß wie ein Fußballfeld - können Bienen pro Saison etwa 100 Kilogramm Rapshonig ernten. Das entspricht ungefähr 200 Honiggläsern. Ein Hektar blühender Raps stellt bis zu 36 kg Pollen und 144 kg Nektar für die Honigbienen zur Verfügung. Ein Hektar blühender Raps ernährt bis zu vier Bienenvölker.
Rapshonig hat für Bienen eine ausgeglichene Nährstoffbilanz und hält diese gesund. Der Blütennektar im Raps weist einen hohen Zuckergehalt von rund 60 % auf. Finden die Insekten ein Rapsfeld, so fliegen sie nur noch seine Blüten an.
| Produkt | Menge pro Hektar | Bemerkung |
|---|---|---|
| Rapshonig | ca. 100 kg | reicht für 200 Honiggläser |
| Rapsöl | ca. 1600 kg (ca. 1740 Flaschen) | reich an Vitamin E |
| Rapsschrot | ca. 2100-2400 kg | Futter für drei Milchkühe/Jahr |
Einfluss der Bienen auf den Rapsertrag und die Bestäubung
Raps zählt wie weißer Senf zu den Pflanzen, die sowohl vom Wind als auch von Insekten bestäubt werden können. Auf den großen Monokulturen sind Wildbienen nicht dazu imstande, den kompletten Raps zu bestäuben. Die allgemeine Empfehlung lautet, vier Bienenvölker pro Hektar während der Blütezeit aufzustellen. Je nach Auswertung würden sich zwischen zwei und 15 Bienenvölker rechtfertigen, diese können den Samenertrag zwischen 30 und 50 % steigern. Sind genügend Bienen im Raps unterwegs, minimieren sich auch Schadinsekten wie der Rapsglanzkäfer, da die Käfer Schwierigkeiten haben, in den Blüten nach oben zu klettern.
Wer sein Bienenjahr am 15. Juli beendet, für den sind spätere anwanderbare Trachten sowieso kein Wandergrund und dass sich Bienen in Voll-Trachten besser entwickeln, als im Bienenhaus, wird der Standimker eben nie erfahren oder nur nicht glauben. Der will seine Bienen schonen, während wandernde Imker ihre Völker häufig gezielt in den Raps bringen. Das bringt ordentliche Erträge bei geringsten Kosten. Wandert mit kleinen Einheiten! Das bringt Ertrag, Sortenvielfalt und gesunde Bienen. Und Abenteuer ist auch noch dabei.
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Regionale Unterschiede im Honigertrag
In Norddeutschland ist es tendenziell windiger als in Süddeutschland. Das bedeutet, dass die Bestäubung durch Wind auf großen Rapsfeldern im Norden besser funktioniert als im Süden. Die zu erwartende Ertragssteigerung durch Bienenvölker ist damit in Süddeutschland deutlich höher. Dennoch können auch kleine Rapsfelder in Norddeutschland durch Bienenvölker ihren Ertrag erheblich steigern.
Extrem viel Arbeit während der Rapsblüte zahlt sich für Imker aus: Raum geben für die Eiablage, Honigräume erweitern für den Nektar, Drohnenbrut entfernen für Wachsgewinnung und Varroareduzierung sowie Jungvölker bilden mit der überreichlichen Brut. Auch zur Schwarmvermeidung. Im Stock werden Waben gebaut, die Königin läuft zu Höchstleistungen auf. Die Völker gewinnen an Stärke wie in sonst kaum einer anderen Tracht. Kurz gesagt: Raps bringt die Völker in Schwung.
Rapshonig: Eigenschaften, Nährstoffe und Verwertung
Der Kaloriengehalt von Rapshonig ist genauso hoch wie bei anderen Honigsorten und beträgt um die 300 kcal pro 100 g. Rapshonig verfügt über einen hohen Gehalt an Glucose, die unser Blutkreislauf schnell aufnimmt, enthält aber auch höhere Zuckerarten, die später absorbiert werden und so Energie über einen längeren Zeitraum liefern. Rapshonig ist grundsätzlich sehr mild und gehört zu den beliebtesten Honigsorten.
Sein Geruch erinnert genau wie bei der Pflanze an Kohl. Rapshonig ist durch seinen milden Geschmack ein Allrounder: Auf dem Brot, in Tee und Gebäck süßt er lieblich und fein. Salatdressings und Soßen verleiht er ein mildes blumiges Aroma. Frischer Rapshonig aus den Waben ist flüssig, doch wegen des hohen Glucosegehalts kristallisiert er schnell und wird fest. Für den Verkauf rühren Imker den Honig cremig. So erhält Rapshonig ohne Erwärmung eine streichfähige Konsistenz. Die Farbe variiert von hellbeige bis fast weiß, beim Schleudern ruht der Honig, um restliche Wachsstücke an die Oberfläche zu bringen.
Raps als Öl- und Futterlieferant
Aus der Rapspflanze entstehen Lebensmittel und hochwertiges Tierfutter. Ein Hektar Raps liefert etwa 1600 Kilogramm Rapsöl, das sind umgerechnet 1740 Flaschen Speiseöl, welches reich an Vitamin E ist und zu einem ausgewogenen Cholesterinspiegel beiträgt sowie Herzkrankheiten vorbeugt. Rapsöl hat das ernährungsphysiologisch beste Fettsäurenmuster aller Ölpflanzen, vor allem durch seinen hohen Anteil an essentiellen ungesättigten Fettsäuren. Mit einem Hektar Raps können 50.000 Salate oder 10.000 kg Pommes frittieren produziert werden.
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Zusätzlich fallen 2100 bis 2400 Kilogramm proteinreiches Rapsschrot pro Hektar für Nutztiere an. Mit dem Rapsschrot von einem Hektar Raps können drei Kühe ein Jahr lang gefüttert werden, die dabei bis zu 24.000 Liter Milch geben. Ein Hektar Raps liefert somit die Futterbasis für den Milchkonsum von ca. 460 Menschen im Jahr.
Als Nebenprodukt entsteht bei der Ölpressung auch Rapsschrot, welches als heimische gentechnikfreie Komponente in der Tierfütterung genutzt wird. Rapsschrot in der Tierfütterung kann den umweltbelastenden Import von Soja aus anderen Kontinenten minimieren.
Raps in der Fruchtfolge und Umweltwirkung
Raps ist eine gesunde Kultur und schont den Boden. Bis zu 600 kg Humus pro Hektar werden für eine nachhaltige Bodenfruchtbarkeit geliefert. Zusätzlich verlangsamt Raps den Klimawandel, da er mit 1.700 kg C/Hektar eine hohe Kohlenstoffbindungskapazität besitzt. Durch die 11-monatige Bodenbedeckung bietet Raps Erosions- und Sonnenschutz für Boden und Bodenlebewesen und fördert die Durchlüftung des Bodens.
Der Ertrag der Folgekultur kann um bis zu 10 % gesteigert werden (10 dt = 1.000 kg). Bei einer Steigerung des Weizenertrags von 1.000 kg/Hektar können über 1.000 Brote/Hektar oder 10.000 Brötchen/Hektar mehr gebacken werden.
Das Öl von einem Hektar Raps reicht aus, um mit einem Diesel-PKW bis zu 30.000 km zurückzulegen. Rapsöl ist wichtiger Rohstoff für die Produktion von Biodiesel, Cremes, Seifen, Kunst- und Schmierstoffen.
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Landschaft, Lebensraum und Biodiversität
Im Frühjahr sorgt der Raps für eine blühende Kulturlandschaft, die für sanften Tourismus und Naherholung genutzt werden kann. Raps schafft Lebensraum für ca. 63 Webspinnarten, 60 Laufkäferarten, 21 Kurzflüglerarten und etwa 100 Regenwürmer/m².
Hummeln zählen als Gattung (Bombus) zu den Wildbienen und bilden je nach Art Kolonien mit rund 150 bis 500 Exemplaren. Hummeln und Wildbienen benötigen Feldhecken als Nistmöglichkeiten und eine langanhaltende Blütenweide. Die Anlage von Blühstreifen und die Pflege von Feldhecken fördert den Bestand der Wildbienen und diversifiziert die Bestäubung.
Ertrag, Rentabilität und Herausforderungen für Imker und Landwirte
Rapshonig kann bis zu 25 % Anteil am Gesamthonigertrag eines Betriebs haben - vor allem, weil Raps sicher blüht. Bei Waldhonig und Sommerblütenhonig weiß man nie, ob was kommt. In Oberösterreich hat der Raps als Tracht einen herausragenden Stellenwert für die Wirtschaftlichkeit der Imkerei; in Jahren mit wenig Waldhonig kann der Raps zur „Rettung“ werden. Die Rapsblüte fördert die Bienenvölker in ihrer Entwicklung und ihrer Gesundheit. Den Imker bringt sie in den Wochen der Blüte zu Hochleistungen.
Beim Rapsanbau entstehen jedoch Schwierigkeiten, insbesondere durch Schädlinge wie Rapserdfloh, Großer Stängelrüssler, Kohlschotenrüssler, Rapsglanzkäfer und weitere Insektenarten. Pflanzenschutzmaßnahmen sind bei Raps notwendig. Seit dem EU-Verbot der Beize mit Neonicotinoiden (VO (EG) Nr. 485/2013) werden zur Bekämpfung nur noch synthetische Pyrethroide eingesetzt. Resistenzen gegen Pyrethroide wurden bereits nachgewiesen. In Hotspots sind oft mehrere Behandlungen gegen Erdfloh notwendig, um den Raps zu erhalten.
Die Folgen des Klimawandels, lange warme Herbstsaison, wärmere Winterperioden und heiße trockene Sommer haben den Rapsanbau zusätzlich erschwert. Der Anbau baut sich zunehmend in kühlere Regionen um, wo Güllebetriebe den Stickstoff der Gülle im Herbst sinnvoll verwerten können. Sowohl Imker als auch Landwirte stehen vor neuen Herausforderungen, was eine offene Diskussion und gegenseitige Rücksichtnahme unerlässlich macht.
Zusätzlicher Nutzen: Tourismus und Wettbewerb
Von Fehmarn in Holstein bis zum Rheintal in Baden leuchtet es zur Rapsblüte gelb. OVID ruft zu einem Fotowettbewerb auf, bei dem Erwachsene ab 18 Jahren bis zum 15. Juni ihr schönstes Rapsfoto auf www.rapsfoto.de hochladen und bewerten können. Die Gewinner erhalten attraktive Preisgelder bis zu 500 Euro.
Fazit: Vielseitigkeit und Bedeutung des Raps pro Hektar
Raps ist eine äußerst vielseitige Kulturpflanze mit einer breiten Palette an hochwertigen Produkten und positiven Nebenwirkungen wie der Förderung von Biodiversität und Bodengesundheit. Ein Hektar Raps liefert hochwertige Lebensmittel (Honig, Öl), Futter, verbessert den Boden und bindet Kohlenstoff. Für Imker bietet die Rapsblüte eine ergiebige und zuverlässige Tracht, die bis zu vier Wochen andauert und die Völker zu Höchstleistungen antreibt.
Die weiten Felder bieten nicht nur für Bienen und Imker Vorteile, sondern spielen auch im Umweltschutz eine Rolle. Die Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Imkern und Naturschutz ist essenziell, damit Raps weiterhin einen Beitrag zur Landwirtschaft, Imkerei und Umwelt leisten kann.
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