Schwangerschaftsdiabetes erkennen: Symptome, Anzeichen, Testverfahren und Folgen für Mutter und Kind
Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes, GDM) ist eine Stoffwechselstörung, die sich erstmals während der Schwangerschaft entwickelt. Die meisten Frauen haben während der Schwangerschaft normale Blutzuckerwerte. Bei einigen Schwangeren übersteigt der Blutzuckerspiegel jedoch bestimmte Werte. Dann sprechen Ärzte von Schwangerschaftsdiabetes oder Gestationsdiabetes. Der Übergang zwischen einem leicht erhöhten Zuckerspiegel im Blut und einem Schwangerschaftsdiabetes ist fließend.
In der Regel verursacht ein Schwangerschaftsdiabetes keine Symptome. Erst bei sehr hohen Blutzuckerwerten können ähnliche Anzeichen wie bei anderen Diabetes-Formen einsetzen. Oft werden diese Symptome mit gewöhnlichen Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft verwechselt. Viele Frauen sorgen sich dann, ob sich ihr Kind gesund entwickelt, oder haben Angst vor Geburtskomplikationen.
Was passiert im Körper? Warum der Blutzucker ansteigt
Unter dem Einfluss der Schwangerschaftshormone verändert sich der Stoffwechsel. Dadurch nehmen die Körperzellen den im Blut gelösten Zucker aus der Nahrung langsamer auf und der Blutzuckerspiegel steigt. Die Körperzellen nehmen dabei den Zucker aus dem Blut langsamer auf als vorher. Besonders in der zweiten Schwangerschaftshälfte auch der Hormonhaushalt. Die Insulinproduktion reicht nun nicht mehr aus, um den Mehrbedarf zu decken.
Im Laufe der Schwangerschaft verändert sich der Stoffwechsel und Zucker wird nach einer Mahlzeit langsamer aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen. Viele schwangere Frauen haben deshalb erhöhte Blutzuckerwerte. Meistens normalisieren sich die Werte nach der Geburt wieder. Einen Schwangerschaftsdiabetes zu haben, heißt also nicht, einen Diabetes mellitus und damit eine chronische Erkrankung zu haben.
Wie häufig ist Schwangerschaftsdiabetes?
Er wird bei etwa 5 von 100 Frauen festgestellt. Die Auswertung von Daten einer großen deutschen Krankenkasse zeigen, dass im Verlauf der Jahre immer mehr Frauen einen Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert bekommen. 2010 waren es noch etwa 9 von 100 Schwangeren (9 Prozent), 2020 waren es bereits 15 von 100 Schwangeren (15 Prozent). Weltweit lässt sich derzeit eine Zunahme von Diabetes in der Schwangerschaft beobachten.
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Wer erkrankt häufiger? Risikofaktoren auf einen Blick
- Anfällig für Schwangerschaftsdiabetes sind insbesondere Frauen mit Übergewicht und einem höheren Schwangerschaftsalter.
- Zu den Risikofaktoren zählen Übergewicht, Adipositas und eine massive Gewichtszunahme in der Schwangerschaft.
- Weitere Risikofaktoren sind: frühere Schwangerschaften mit Schwangerschaftsdiabetes, familiäre Vorbelastung mit Diabetes, höheres Alter (über 35 Jahre), frühere Schwangerschaften mit einem sehr großen Kind (über 4.500 g).
- Erkrankungen mit einer Insulin-Resistenz wie PCOS und bestimmte Medikamente wie Betablocker, Kortison und einige Antidepressiva.
- Die Zugehörigkeit zu bestimmten ethnischen Gruppen erhöht das Risiko für die Stoffwechselstörung.
Symptome von Schwangerschaftsdiabetes frühzeitig erkennen
Schwangerschaftsdiabetes macht sich vor allem durch das anhaltende Überschreiten bestimmter Werte bemerkbar, verläuft jedoch in der Regel symptomlos. Die typischen Symptome einer Diabeteserkrankung wie starker Durst, häufiges Wasserlassen oder Müdigkeit sind bei einem Schwangerschaftsdiabetes nur sehr mild bis gar nicht ausgeprägt.
Steigt der Blutzuckerspiegel sehr stark an, kann es aber zu Beschwerden wie Müdigkeit, Schwäche oder mehr Durst kommen, ähnlich wie bei anderen Diabetes-Formen. Die schwachen, leichten Symptome von Gestationsdiabetes sind leicht mit typischen Schwangerschaftsanzeichen zu verwechseln.
Eindeutige Anzeichen, die abklären lassen sollte
- Zucker im Urin, welcher gute Bedingungen für die Vermehrung von Bakterien und Pilzen schafft
- Scheiden-Entzündungen
- Häufige Harnwegsinfekte
- Außergewöhnliche Gewichtszunahme der Schwangeren
- Gesteigerte Fruchtwassermenge
- Übermäßige Gewichts- und Größenzunahme des Ungeborenen (Makrosomie)
- Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)
Oft werden diese Symptome mit gewöhnlichen Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft verwechselt. Schwangere bemerken einen zu hohen Blutzucker selten selbst.
Screening: Der Zuckertest (oGTT) zwischen der 24.-28. SSW
Da ein Gestationsdiabetes durch reine Selbstbeobachtung kaum zu erkennen ist, wird bei Schwangeren zwischen der 24. und 27. Woche ein routinemäßiges Blutzucker-Screening durchgeführt. Der Test misst, wie der Körper auf eine größere Menge Traubenzucker (Glukose) reagiert. Er besteht aus einem Vortest und einem Diagnosetest.
Vortest (50-g-Glukose-Challenge)
Beim Vortest trinken Schwangere ein Glas Wasser, in dem 50 Gramm Zucker aufgelöst sind. Eine Stunde später erfolgt eine Blutabnahme zur Bestimmung des Blutzuckerwerts. Ein Wert unter 135 mg/dl gilt als unauffällig. Wird ein erhöhter Wert gefunden, schließt sich ein zweiter Test an.
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Diagnosetest (75-g-oGTT)
Nun trinkt die Schwangere auf nüchternen Magen ein Glas Wasser mit darin gelösten 75 Gramm Glukose. Nach einer Stunde erfolgt eine erneute Blutabnahme, dann wieder nach zwei Stunden. Die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes gilt als gesichert, wenn einer der folgenden drei Werte erreicht oder überschritten ist:
| Messzeitpunkt | Grenzwert |
|---|---|
| Nüchtern | 92 mg/dl (5,1 mmol/l) |
| Nach 1 Stunde | 180 mg/dl (10,0 mmol/l) |
| Nach 2 Stunden | 153 mg/dl (8,5 mmol/l) |
Der Test wird in der 25. bis 28. Schwangerschaftswoche angeboten. Für das Baby birgt der Test keine Risiken. Das Testergebnis wird im Mutterpass dokumentiert.
Warum frühes Erkennen wichtig ist: Mögliche Folgen bei unbehandeltem GDM
Bei einem Schwangerschaftsdiabetes nimmt das Risiko für bestimmte seltene Geburtskomplikationen etwas zu. Meist hat ein Schwangerschaftsdiabetes keine Folgen für Mutter und Kind. Kinder von Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes sind bei der Geburt im Durchschnitt etwas schwerer. Das allein ist aber kein Grund zur Beunruhigung.
Geburtshilfliche Risiken
- Bei der Geburt größerer Kinder kommt es nach Austritt des Kopfes häufiger zu einer Verzögerung.
- Falls die Schulter des Kindes im Becken der Mutter hängenbleibt (sogenannte Schulterdystokie), besteht die Gefahr, dass das Kind nicht genug Sauerstoff bekommt.
- Hebammen, Ärztinnen und Ärzte treffen dann vorsichtshalber schnelle Gegenmaßnahmen.
- Dabei kann es zu kleineren Verletzungen des Kindes und manchmal auch der Mutter kommen.
- Notfallsituationen und schwerere Verletzungen sind aber selten.
Risiken für die Mutter
- Bei erhöhtem Blutzucker steigt zudem das Risiko für eine ebenfalls seltene Schwangerschaftserkrankung, die sogenannte Präeklampsie.
- Der Blutdruck steigt und es kommt zu Wassereinlagerungen im Körper.
- Kurzfristig sind auch Infektionen der Harnwege und der Vagina möglich.
Risiken und Anzeichen beim Kind
- Übermäßige Gewichts- und Größenzunahme (Makrosomie) und gesteigerte Fruchtwassermenge.
- Anpassungsstörungen kurz nach der Geburt wie Probleme mit der Atmung oder Neugeborenengelbsucht.
- Neigung zur Unterzuckerung kurz nach der Geburt.
Auf lange Sicht behalten Frauen nach einem Schwangerschaftsdiabetes ein erhöhtes Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Es erhöht sich jedoch das Risiko, innerhalb von zehn Jahren an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken, auf bis zu 50 Prozent.
Was tun bei auffälligen Werten? Therapiebausteine
Je nach Schweregrad ergeben sich verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Meist lässt sich der erhöhte Blutzucker allein durch eine Umstellung der Ernährung ausreichend senken. Zusätzlich kann eine spezielle Ernährungsberatung sinnvoll sein. Auch mehr Bewegung kann helfen, den Blutzuckerspiegel zu senken.
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Ernährung
- Eine Senkung des erhöhten Blutzuckers durch eine Umstellung der Ernährung ist in 85 Prozent der Fälle meist schon ausreichend.
- Entscheidend sind eine ausgewogene Ernährung, frisches und gesundes Kochen sowie der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel mit Zucker und Weizenmehl.
- Empfohlen werden drei Hauptmahlzeiten sowie mehrere kleine Zwischenmahlzeiten, verteilt über den Tag.
- Auf Weißmehlprodukte, Süßwaren, Fruchtsäfte, Cola und Limonaden wird verzichtet, da diese den Blutzucker übermäßig schnell und stark ansteigen lassen.
Körperliche Aktivität
- Auch regelmäßige Bewegung hilft dabei, den erhöhten Blutzuckerspiegel zu senken.
- Das können zum Beispiel regelmäßige Spaziergänge sein, aber auch Sport wie Radfahren, Walking oder Schwimmen eignen sich.
Insulin-Therapie und Medikamente
- Manche Schwangere haben anhaltend so hohe Zuckerwerte, dass sie Insulin spritzen.
- Bei ungefähr einer von vier Frauen ist eine Insulin-Behandlung notwendig.
- Metformin kann als ergänzende Behandlung in Kombination mit Insulin zum Einsatz kommen, wenn eine alleinige Insulintherapie nicht den gewünschten Erfolg bringt.
Regelmäßige Blutzuckerkontrollen sind erforderlich, um die Zuckerwerte im Blick zu behalten. In den ersten beiden Wochen nach der Diagnose Schwangerschaftsdiabetes wird am besten vier Mal am Tag der Blutzuckerspiegel gemessen und dokumentiert.
Nach der Geburt: Verlauf, Kontrolle, Langzeitrisiko
Nach der Geburt bieten die Ärztin oder der Arzt einen erneuten Zuckertest an. Sechs bis zwölf Wochen nach der Geburt empfiehlt es sich, den Glukosetoleranztest zu wiederholen und jährlich eine Diabetes-Kontrolle wahrzunehmen. Meistens normalisieren sich die Werte nach der Geburt wieder. Wenn sicher ist, dass sich die Blutzuckerwerte wieder normalisiert haben, ist keine weitere Behandlung erforderlich.
Auf lange Sicht behalten Frauen nach einem Schwangerschaftsdiabetes aber ein erhöhtes Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Stillen kann dem Diabetes entgegenwirken, da es den Blutzuckerspiegel und das Insulinlevel reduziert.
Häufige Fragen kompakt
Kann ich einem Schwangerschaftsdiabetes vorbeugen?
Werdende Mütter, die sich regelmäßig bewegen und ausgewogen ernähren, bekommen seltener die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes als Schwangere mit Übergewicht oder solche, die kohlenhydratreich essen. Sowohl Übergewicht als auch eine übermäßige Gewichtszunahme während der Schwangerschaft begünstigen die Entstehung eines Schwangerschaftsdiabetes.
Ist Schwangerschaftsdiabetes gefährlich?
Bei den meisten Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes verläuft die Schwangerschaft normal. Dennoch erhöht der Schwangerschaftsdiabetes das Risiko für bestimmte Schwangerschaftskomplikationen. Direkt nach der Geburt kann es sein, dass das Baby es schwerer hat, sich an die neue Umwelt anzupassen und ärztliche Unterstützung benötigt.
Was sagt der erhöhte Blutzucker über mein Kind aus?
Das Geburtsgewicht der Kinder von Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes ist etwas höher. Bei regulären Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft wird überwacht, ob es beim Fötus zu Wachstumsstörungen oder Makrosomie kommt.
Wussten Sie schon…
- …sich circa eine von vier Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes Insulin spritzen muss?
- …circa vier bis elf Prozent der werdenden Mütter von Schwangerschaftsdiabetes betroffen sind?
- …Schwangerschaftsdiabetes rechtzeitig erkennen hilft, Komplikationen zu vermeiden?
Da ein Schwangerschaftsdiabetes normalerweise keine spürbaren Beschwerden verursacht, kommt die Diagnose oft aus heiterem Himmel. Wichtig ist deshalb, sich bewusst zu machen, dass trotz Schwangerschaftsdiabetes die meisten Kinder gesund zur Welt kommen.
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