Wie essen Franzosen Croissants: Etikette und Tradition
Das Croissant ist ein Symbol der französischen Esskultur und fester Bestandteil des Frühstücks vieler Franzosen. Doch rund um das Croissant gibt es weit mehr zu entdecken als nur seinen köstlichen Geschmack - Etikette, Zubereitung und Historie spielen eine ebenso große Rolle.
Das französische Frühstück im Überblick
Das französische Frühstück hat kaum etwas mit dem reichlichen, herzhaften Frühstück gemein, das man im Vereinigten Königreich oder in den USA kennt. Im Gegensatz zum amerikanischen Frühstück, zu dem oft Pancakes oder Spiegeleier gehören, ist das französische Frühstück leichter und enthält nur selten Herzhaftes.
- Ein „Full English breakfast“ umfasst Eier, Speck und Würstchen.
- Das französische Frühstück ist hingegen einfacher und setzt vor allem auf Kohlenhydrate.
- Gebäck wie Croissants, Pain au chocolat und Brioche stehen dabei im Mittelpunkt.
So bleibt Platz für das Mittagessen, das meist die Hauptmahlzeit des Tages ist. In Frankreich nimmt man in der Regel drei Hauptmahlzeiten zu sich. Für das Frühstück, ungefähr zwischen 7.00 und 9.00 Uhr, eine kleine Mahlzeit mit warmem Getränk (Kaffee, Tee oder heiße Schokolade) und Croissants und/oder Brot, Butter, Konfitüre. Die meisten Franzosen starten einfach mit einem Kaffee oder Café au lait sowie Brot mit Butter und Marmelade in den Tag. Croissants, Pain au chocolat und andere Viennoiseries (fluffiges, buttriges Gebäck) isst man meist nur am Wochenende.
Doch natürlich entwickeln sich die Essgewohnheiten weiter. Viele entscheiden sich heute für ein schnelles Frühstücksmüsli oder einen Joghurt mit Granola; dazu gibt es oft frisches Obst. Mittlerweile kommt zunehmend auch Herzhaftes auf den Frühstückstisch - beispielsweise Rührei oder ein Teller mit Käse und Wurstwaren. Am Wochenende genießt man in der Familie gern auch Pancakes, Waffeln oder das klassische Pain perdu (international als „French Toast“ bekannt, zu Deutsch: Arme Ritter) - eine raffinierte Art, altes Brot mit etwas Zucker oder Honig in eine wahre Köstlichkeit zu verwandeln. Unser absoluter Spitzenreiter? Das leckere Croissandwich mit Schinken und Käse.
Die Geschichte des Croissants
Jeder kennt es. Jeder isst es. Für Frankophile ein Muss - und ohne ist ein französisches Frühstück undenkbar.
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Beim Croissant denkt jeder an Frankreich. Vor einigen Jahren wussten viele Deutsche noch nicht einmal, wie man es ausspricht. Heute hat es sich in deutschen Bäckereien etabliert, auch wenn es geschmacklich, wie das Baguette, keineswegs mit dem französischen Original aus einer Boulangerie vergleichbar ist.
Ursprünglich stammt es nicht wie erwartet aus Frankreich, sondern aus Wien, und die Türken sollen dazu beigetragen haben. Die Türken belagerten im Jahr 1683 Wien und wollten durch einen Tunnelbau unter der Stadtmauer die Stadt einnehmen, aber ein Bäcker hörte während seiner Arbeit die Geräusche des Tunnelbaus. Der Bäcker schlug Alarm, und die Türken zogen ab. Zum Dank bekamen die Bäcker die Lizenz, Hörnchen in Form des türkischen Halbmonds zu backen, die man heute noch als Kipferl kennt. So die Legende.
Wie kamen die Kipferl nach Frankreich? Die berühmte Marie Antoinette, Tochter von Franz I. und Maria Theresia, wurde 1770 nach Frankreich verheiratet. In dem ihr fremden Land wollte sie auf ihre geliebten Kipferl nicht verzichten. So wurden die Kipferl für sie von ihren Leibbäckern gebacken. So entstand der Form wegen der Name Croissant, welcher "aufgehender Mond" bedeutet. Vom französischen Hof verbreitete sich das Croissant dann über das ganze Land.
Der feine, aber gravierende Unterschied: Kipferl vs. Croissant
Auch wenn sich das Kipferl und Croissant optisch sehr ähnlich sind, so gibt es seit Ende des 19. Jahrhunderts gravierende Unterschiede. Das Kipferl oder Hörnchen, wie es in Deutschland heißt, wird aus einem Hefeteig hergestellt. Das französische Croissant dagegen aus einem Plunderteig, ein Teig, der wie Blätterteig 27x gefaltet und wieder ausgerollt wird, dazu soviel Butter, damit das Croissant beim Verzehr nicht nochmals mit Butter bestrichen werden muss. Die Grundlage eines Croissant ist ein buttriger Plunderteig.
Die Kunst der Croissant-Zubereitung
Plunderteig ist die Grundlage für ein Croissant. Ein Hefeteig, in den zusätzlich Butter eingearbeitet wird, auch bekannt als Hefeblätterteig. Damit der Teig gelingt, ist es wichtig ihn mehrere Male zusammen zu falten und wieder auszurollen. Durch Wiederholen dieses Arbeitsschrittes entstehen mehrere Fettschichten im Teig, die die angenehme Leichtigkeit und den feinen Geschmack von Croissants ausmachen.
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- Am Vorabend macht ihr den Teig und bereitet die Butterplatte und legt beides über Nacht in den Kühlschrank.
- Die Butter sollte beim Tourieren nicht schmelzen, bricht sie oder verlässt sie aufgrund von Hitze den Teig, verliert das Croissant seine typische Blätterung.
- Teig und Butter sollten dieselbe Temperatur haben, aus Erfahrung etwa 17°C.
- Ein marmoriertes Nudelholz erleichtert das Ausrollen.
Das „Einarbeiten der Butter“ und das anschließende Einschlagen des Teiges sind entscheidend - so entsteht ein „Plunderteig“. Man unterscheidet eine einfache und eine doppelte Tour beim Falten, wodurch die vielen Schichten gebildet werden.
| Schritt | Hinweis |
|---|---|
| Teig herstellen | Mehle mischen, Butterplatte vorbereiten, über Nacht kühl stellen |
| Tourieren | Butter einarbeiten, in „Touren“ falten (einfach und doppelt) |
| Backen | Heißluft mit Schwaden, Ofen stark vorheizen und Hitze beim Einschieben reduzieren |
| Verzehr | Sofort genießen, ansonsten einfrieren und schonend aufbacken |
In den Bäckereien Frankreichs wird sehr viel Wert auf Backtradition gelegt. Traditionsgebäcke wie Croissants und Baguettes werden nach festgelegten Rezepten zubereitet, wenn sie als „traditionnel“ verkauft werden. Eine Bäckerei darf sich in Frankreich nur dann „Boulangerie“ nennen, wenn das Gebäck im selben Haus zubereitet und verkauft wird. Auch der jährliche Mehltyp spielt eine große Rolle.
Das Croissant in der französischen Frühstückstradition
Das Croissant ist fester Bestandteil des französischen Frühstücks. Weich, leicht bröselnd und nach Möglichkeit lauwarm sollte es sein, zwischen den Fingern zusammenfallen, und die Butter muss über die Finger laufen. Statt Butter werden zwischenzeitlich in Frankreich auch preiswerte Croissants aus Margarine (überwiegend in Supermärkten) angeboten, sie sind preisgünstiger. Das echte ist und bleibt aber das "Croissant au beurre".
In Frankreich beginnt der Tag oft süß, leicht und koffeinhaltig. Wir sprechen von mit Butter und Marmelade bestrichenem Brot, Brioche oder frischem Gebäck wie dem legendären Pain au Chocolat oder Croissant, das mit frischem Fruchtsaft heruntergespült wird. Kaffee ist ein Muss - zubereitet in einer Cafetière (oder French Press). Am Morgen wird Kaffee in der Regel mit Milch getrunken (café au lait), nachmittags oder nach dem Essen trinken die Franzosen einen starken schwarzen Espresso (un café).
Beliebt sind Croissants gefüllt mit Marmelade, Schokolade oder Käse und Schinken. Köstlich ist auch, Butter auf einem heißen Croissant zergehen zu lassen. Oder Sie machen es wie die Franzosen und tauchen Ihr frisches Croissant in Milchkaffee.
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Eine typisch französische Eigenart ist beim Frühstück, ein Stück Brot inklusive Butter und Marmelade in den Kaffee zu tunken. Jeder Franzose würde bestätigen, dass sich das eigentlich nicht gehört, und dennoch machen es viele Leute - und vermutlich sind die Café-au-lait-Tassen deshalb so groß wie Suppenschüsseln.
Die richtige Croissant-Etikette - so genießt man französisch
- Ein Croissant wird in Frankreich selten mit einem Messer bestrichen, sondern einfach Stück für Stück abgebrochen und pur, mit Marmelade oder in den Kaffee getunkt gegessen.
- In Cafés oder bei informellen Mahlzeiten zu Hause befindet sich das Baguette oft noch ganz auf dem Tisch, jeder bricht sich selbst ein Stück ab - ein Messer ist unnötig.
- Sehr viele Franzosen machen es: Mit einem Stück Brot die Reste vom Teller zusammenkratzen und aufessen. Kein Problem, sofern man den Teller nicht blitzsauber wischt.
- Baguette wird ebenfalls selten mit einem Messer geschnitten, sondern in Stücke gebrochen.
In Frankreich kann man sich den Brotkorb so oft nachfüllen lassen, wie man will. Brot gehört zu einer Mahlzeit einfach dazu, und daher wundert sich kein Ober, wenn man zwischen Vorgericht und Käseplatte den leeren Brotkorb in die Höhe hält.
Spezielle Traditionen und Aberglauben
Die jüngere Generation glaubt nicht mehr dran, aber auf dem Land können ältere Franzosen noch eine richtig unglückliche Mine machen, wenn man das Baguette falsch herum, also mit der Kruste nach unten, auf den Tisch legt. Einem Aberglauben zufolge fordert man so den Teufel heraus. Weitverbreitet ist es in Frankreich, noch auf dem Weg die Spitze (le quignon) vom Baguette abzubrechen - das gehört laut dem Schriftsteller Philippe Delerm zu den kleinen Glücksmomenten.
Croissant-Varianten und Innovationen
Sie können Ihr Croissant je nach Herzenslust füllen oder belegen. Beliebt sind Croissants gefüllt mit Marmelade, Schokolade oder mit Käse und Schinken. Ob deftig oder süß, das frisch gebackene Croissant zergeht dann auf der Zunge.
Auch das Croissandwich - ein halbiertes Croissant gefüllt mit Schinken und Käse - zählt zu den kreativen Variationen, die in Frankreich immer häufiger auf den Frühstückstisch kommen. Am Wochenende gönnt man sich länger Zeit und das Croissant wird zum Genussmoment in der Familie.
Croissant und Baguette - das Duo am Frühstückstisch
Das bescheidene Baguette ist ein Grundnahrungsmittel der französischen Küche. Es ist die Grundlage für Sandwiches, eine Beilage zu Suppen, Käse oder Salaten und darf auf keinem Frühstückstisch fehlen. Brot gehört zu einer Mahlzeit einfach dazu - in Frankreich sind es jährlich 10 Milliarden verkaufte Baguettes!
Unglaublich, aber wahr: So wie wir in Deutschland ein halbes Brot bestellen, so kann man in Frankreich nach einem demi-baguette fragen. Dann schneidet der Bäcker vor euren Augen das Baguette in zwei Hälften oder gibt euch ein halbes Brot, das noch im Regal liegt.
| Typisches französisches Frühstück | Bestandteile |
|---|---|
| Croissant / Pain au chocolat | Buttergebäck, süß oder gefüllt, meist frisch und noch lauwarm |
| Baguette | Knuspriges, langes Weißbrot, oft mit Butter und Marmelade |
| Café au lait / Schokolade | Kaffee mit Milch, bevorzugtes Frühstücksgetränk |
| Joghurt, Obst, Müsli (modern) | Leichte Alternativen zu Gebäck |
Tipps für das authentische französische Frühstück zu Hause
Ein leckeres französisches Frühstück zu Hause zuzubereiten könnte einfacher nicht sein - und wird dich in Gedanken nach Paris entführen! Du kannst entweder frisches Baguette, Croissants und anderes Gebäck in einer französischen Bäckerei in deiner Nähe kaufen oder dich selbst an der Zubereitung versuchen. Wir haben für dich Rezepte mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen zusammengestellt - ob du nun ein knuspriges Baguette de tradition française, fluffige Croissants, zarte Madeleines oder weiche Pariser Brioche backen möchtest.
Croissants sowie jedes andere Hefegebäck werden zum Sofortverzehr gebacken. Bereits am nächsten Tag verliert dieses Gebäck seine Knusprigkeit, und wird teils trocken. Solltest du dennoch nicht alle Teile essen können, so friere die Croissants noch am selben Tag ein. Für das Auftauen empfiehlt sich ein schonender Vorgang, da sie ansonsten nur bröseln und trocken sind: Über Nacht ins kalte Backrohr aufs Gitter legen, und morgens 2-3 min bei 160° aufbacken.
Die Croissant-Etikette für Frankreich-Reisende
Du planst eine Reise nach Frankreich? Die Franzosen wissen nicht nur, wie man kocht, sondern auch, wie man isst. In Frankreich wird gutes Essen sehr ernst genommen und Mahlzeiten werden in aller Ruhe verzehrt. Es geht nicht nur um Baguettes und Croissants (obwohl sie eine große Rolle spielen werden).
Wenn ihr bei französischen Freunden zu Hause zum Essen eingeladen seid, kann es sein, dass das Baguette noch im Ganzen auf dem Tisch liegt. In diesem Fall bricht jeder ein Stück für sich ab, einfach so mit den Händen. Und die zweite Ladung Brot kostet auch nicht extra, denn das Brot ist in der Regel im couvert inbegriffen. Die Franzosen essen das Brot während der Mahlzeit und nicht davor. Also nicht den Brotkorb noch vor dem Bestellen leer futtern. Eine Mahlzeit ist in Frankreich erst dann komplett, wenn es ein Brot dazu gibt.
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