Lambertz Lebkuchen Geschichte und Herstellung: Eine Reise von Aachen in die Welt der Süßwaren
Der Name Lambertz steht unverwechselbar für die zuckersüßen Versuchungen der Schokoladenwelt. Das dahinterstehende Unternehmen mit Dr. Hermann Bühlbecker an der Spitze zählt heute zu den zwei größten deutschen Gebäckherstellern und ist führend am Markt der Anbieter für Lebkuchen-, Printen- und Saisongebäck. Als 1688, also genau vor 321 Jahren, Printenbäcker Henry Lambertz in Aachen eine Konzession zum Betrieb eines Backhauses in Aachen erhielt, ahnte wohl niemand, dass dies der Grundstein für eine unternehmerische Erfolgsgeschichte war, die ihresgleichen sucht. Denn 1977 übernahm Bühlbecker die Leitung des Unternehmens und baute den damals wankenden und eher nur im regionalen Bereich bekannten deutschen Traditionsbetrieb zu einem Unternehmen auf Weltniveau aus. Mit großem Gespür, innovativem Handeln, konsequenten Produkterweiterungen und einer kosteneffizienten Herstellung erzielt das Unternehmen inzwischen einen Umsatz von über 400 Millionen Euro im Jahr.
Deutschland ist Stammmarkt, und hier gibt es sieben Standorte, davon sechs in Deutschland; zur Lambertz-Gruppe zählen auch Kinkartz in Nürnberg, Weiss und Haeberlein & Metzger. Bühlbecker ist jedoch nicht nur König der Printen, Kaiser der Dominosteine und Schokoladen-Diplomat, sondern vor allem ein Workoholiker im Dienste seines Unternehmens mit inzwischen 3450 Mitarbeitern, deren gesicherte Arbeitsplätze ihm besonders am Herzen liegen. Und neben den vielen Geheimrezepten, die sicher in den Tresoren des Unternehmens schlummern, gibt der Top-Unternehmer eines freimütig preis: Er investiert lieber in gute Beziehungen anstatt in TV-Werbung. Eine Marketingstrategie, die bestens aufzugehen scheint.
Historische Wurzeln und Unternehmensaufbau
Im Jahr 1688 erhielt Henry Lambertz die Konzession, in Aachen eine Bäckerei zu betreiben; dieses Haus war als Haus zum Grünen Schild bekannt und wurde später in Haus zur Sonne umbenannt. Henry Lambertz übernahm 1860 das Haus zur Sonne am Markt 7 und produzierte dort Süßwaren aller Art sowie Aachener Printen. Die Printenentwicklung startete mit der maschinellen Herstellung ab 1871 und der Erfindung einer mit Schokolade überzogenen Printe 1872, dem ersten deutschen Gebäck mit Schokoladenüberzug. Bis in die Gegenwart prägt diese Tradition das Markenbild von Lambertz.
Nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen von Karl F. Kittelberger, der Wilhelm Gellers Tochter Paula heiratete, neu aufgebaut. Anfang der 1960er Jahre verlegte sich der Stammsitz nach Laurensberg; ein Großbrand 1977 schien die Zukunft zu gefährden, doch 1978 übernahm Hermann Bühlbecker die Gesamtleitung und setzte den Aufstieg fort. Bald wurden Dominosteine als Ganzjahressortiment eingeführt, weitere traditionelle Produkte wie Lebkuchenherzen, Zimtsterne oder Spekulatius kamen hinzu. Ab den 1990er-Jahren expandierte Lambertz durch Zukäufe und Übernahmen weiterer Traditionsbäckereien.
Strategische Akquisitionen und internationale Expansion
Unter anderem erwarb Lambertz 1994 die Max Weiss GmbH in Neu-Ulm, 1999 die Backwarensparte der Schöller-Holding, dazu die Vereinigung Nürnberger Lebkuchen- und Schokoladenfabrik Haeberlein-Metzger AG. Eine Produktionsstätte entstand 1998 in Katowice, Polen, wodurch der osteuropäische Markt erschlossen wurde. Seitdem verfügt die Lambertz-Gruppe über 25 Backstraßen an sieben Produktionsorten und expandierte weiter in Richtung RSPO-zertifizierter nachhaltiger Palmölverwendung.
Lesen Sie auch: Geschenkideen aus der Küche: Weihnachtsmarmelade
Durch Übernahmen wie Max Weiss, Kinkartz und Haeberlein-Metzger sowie Beteiligungen an Dr. Quendt, Wendler Nougat und weiteren Betrieben wuchs Lambertz zu einem Global Player im Bereich Herbst- und Weihnachtsgebäck heran. Die Gründung von Lambertz Polonia Sp. z o.o. in Katowice markierte den Start ins osteuropäische Umfeld; später folgten weitere Akquisitionen und der Ausbau von Produktionskapazitäten in Deutschland und im Ausland.
Herstellung und Rezeptur: Von der Tradition zur Moderne
- Lebkuchen werden traditionell mit Honig und Gewürzen wie Anis, Fenchel, Ingwer, Kardamom, Koriander, Zimt, Nelken, Piment und Macis hergestellt; Wasser und Fettanteile sind gering bzw. absent.
- Braune Lebkuchen stammen aus knetbaren Teigen mit hohem Honig- oder Zuckersirupanteil und wenig Mehl; Lagerteig dient zur Reifung und Verbesserung der Feuchtigkeit.
- Oblatenlebkuchen verwenden Oblaten als Basis, oft mit Mandeln, Nüssen, Marzipan oder Ölsaaten; Elisenlebkuchen stellt die höchste Qualitätsstufe dar, mit mindestens 25% Mandeln/Nüsse und reduzierten Mehl- und Stärkeanteilen.
- Printen sind rechteckig, flach, oft mit Kandis, und können hart oder weich sein; die Kräuterprinte entstand um 1820 durch Zusatz von Gewürzen.
- Zur Lockerung des Teigs wurden traditionell Pottasche und Hirschhornsalz verwendet; heute setzen viele Hersteller Backpulver ein, um gleichmäßige Textur zu erreichen.
Die Herstellung bei Lambertz zeichnet sich durch langsame Lagerung, Nacherhitzung und langsame Reifung von Teig- und Fruchtkomponenten aus; die langfristige Familientradition spiegelt sich in der Qualitäts- und Markenbindung wider. Der Erfolg basiert auf einer Mischung aus klassischer Handwerkskunst, strategischen Zukäufen und nachhaltiger Produktentwicklung.
Lambertz heute: Markenführung, Sponsoring und globale Präsenz
Lambertz betreibt eine starke Markenführung durch Hoflieferantentitel seit dem 19. Jahrhundert, königliche Beziehungen und eine Reihe von Sponsoring-Aktivitäten wie Lambertz Monday Night, Kalender-Events, sowie weltweite VIP-Beziehungen. Neben dem Stammsitz in Aachen betreibt das Unternehmen Standorte in Deutschland und Europa; internationale Expansion erfolgte unter anderem durch Lambertz Polonia in Polen und Partnerschaften in den USA, wo Lambertz-Produkte in Spezialitäten- und Großhandelkanälen verfügbar sind.
Lambertz engagiert sich zudem in nachhaltigen Initiativen: RSPO-Mitgliedschaft, Nachhaltigkeitssiegel auf Produkten und Spenden an Organisationen wie die American Foundation for AIDS Research und die Clinton Global Initiative. Kritiker sehen RSPO-Siegel teils als Greenwashing; Lambertz betont Transparenz in Nachhaltigkeitsbemühungen und die Einhaltung von Standards in der gesamten Produktionskette.
Produktportfolio und Saisonartikel
Zum Sortiment gehören Schokoladenerzeugnisse, Florentiner, Gebäckmischungen, Dauerbackwaren, Pralinen, Marzipan, Nougat-Produkte sowie saisonale Artikel wie Weihnachtsgebäck. Lambertz betreibt Marken- und Handelsware gleich stark, wobei Saisonartikel rund die Hälfte der Produktion ausmachen. Das Spezialitäten-Haus G. Schultheis bringt zusätzliche Delikatessen ins Sortiment, und der eigene Online-Shop ermöglicht den Versand direkt an Endkunden.
Lesen Sie auch: Kostenlose Malvorlagen: Lebkuchen
Historische Höhepunkte in Stichpunkten
- 1688: Konzession zur Backhaus-Gründung in Aachen.
- 1872: Hoflieferant-Titel von Könighäusern in Belgien, Preußen und Niederlanden.
- 1871-1872: Maschinelle Printenherstellung und erste Schokoladeüberzug-Printe.
- 1960er-1970er: Umzug des Stammsitzes, Großbrand 1977, Neubeginn unter Bühlbecker.
- 1980er-1990er: Expansion durch Zukäufe (Max Weiss, Haeberlein-Metzger, Kinkartz).
- 1998-2010er: Ausbau polnischer Standorte, internationale Märkte, RSPO-Zertifizierung.
- 2019-2020: ISM-Auszeichnungen, Online-Showroom und nachhaltige Produktpolitik.
Statistiken und aktuelle Größe
Lambertz erwirtschaftete 2017/2018 einen Umsatz von rund 666 Millionen Euro; laut neuesten Berichten beträgt der Umsatz inzwischen über 400 Millionen Euro pro Jahr, und das Unternehmen beschäftigt etwa 3450 Mitarbeitende. Die Gruppe umfasst Lambertz, Weiss, Kinkartz, Haeberlein-Metzger, Dr. Quendt sowie Wendler Nougat und betreibt sieben Produktionsstätten in Deutschland sowie weitere Standorte international.
Lesen Sie auch: Törtchen im Ring: Weihnachtliche Variationen
tags: #Lambertz #Lebkuchen #Geschichte #und #Herstellung


