Wassergehalt im Honig zu hoch: Ursachen und gezielte Maßnahmen
Wer hochwertigen, haltbaren und aromatischen Honig ernten möchte, wird sich zwangsläufig mit dem Wassergehalt im Honig beschäftigen. Der Wassergehalt im Honig bestimmt maßgeblich, wie lange das Produkt haltbar bleibt und ob es zu einer ungewollten Gärung kommt. Doch warum steigt der Wassergehalt des Honigs überhaupt manchmal über die optimalen Werte? Und was können Imkerinnen und Imker unternehmen, um dieses Risiko zu minimieren? Im folgenden Artikel werden alle Ursachen, Zusammenhänge und praxiserprobten Maßnahmen detailliert erläutert.
Was bedeutet Honig Wassergehalt?
Der Begriff Wassergehalt beschreibt, wie viel Prozent eines Honigs aus Wasser besteht. Typischer Imkerhonig liegt zwischen 15 und 20 % Wasser. Honig entsteht, wenn die Bienen den zuckerreichen Nektar mit anfangs oft über 60 % Wasser eintragen, im Stock trocknen und in den Waben einlagern. Durch Fächeln, Umlagern und Enzymzugabe reduzieren die Bienen den Wassergehalt schrittweise.
Die Fermentationsgefahr wird von mehreren Faktoren beeinflusst: Wassergehalt, Lagertemperatur, Lagerdauer, Anzahl und Art der Hefen sowie vom Honigtyp. Besonders kritisch sind Honige mit hohem Glukose- oder Melezitosegehalt, wie Raps- oder Waldhonige. Diese kristallisieren rasch, wodurch sich in der verbleibenden flüssigen Phase der Wassergehalt erhöht.
Gesetzliche Grenzwerte und Imkerpraxis
Die deutsche Honigverordnung erlaubt für die meisten Honige einen maximalen Wassergehalt von 20 %. Wer unter der Marke „Echter Deutscher Honig“ abfüllt, orientiert sich an den strengeren Vorgaben des Deutschen Imkerbundes: maximal 18 % Wassergehalt für verkehrsfähigen Markenhonig. In der Praxis arbeiten viele Berufsimkereien mit Zielwerten zwischen 15 und 17 %, um ein Sicherheitsfenster gegenüber steigender Luftfeuchte in Lager- oder Verkaufsräumen zu haben.
Ein Honig Wassergehalt von 15-17 % verbindet hohe Lagerstabilität mit angenehmer Streichfähigkeit. Idealerweise weist ein hochwertiger Honig einen Wassergehalt von höchstens 17,5 % auf. Bei höheren Werten steigt das Risiko einer Gärung durch zuckertolerante Hefen, die natürlicherweise in der Umwelt vorkommen.
Lesen Sie auch: Honig und sein Wassergehalt
| Herkunft/Maßstab | Zulässiger Wassergehalt (%) |
|---|---|
| Deutsche Honigverordnung | max. 20 |
| Echter Deutscher Honig (D.I.B.) | max. 18 |
| Empfohlener Praxiswert | 15 - 17 |
Ursachen für zu hohen Wassergehalt im Honig
- Zu frühe Ernte: Waben werden geerntet, bevor der Honig ausreichend getrocknet und verdeckelt wurde.
- Feuchte Witterung: Feuchter Sommer, häufige Niederschläge oder hohe Luftfeuchtigkeit im Bienenhaus führen zu erhöhtem Wassergehalt, auch in verdeckelten Waben.
- Massentrachten: Bei Massentrachten wie Raps schaffen es die Bienen nicht, alles zügig und ausreichend zu trocknen, da permanent viel Nektar hineingetragen wird.
- Kondensation im Bienenstock: Unterbesetzte Honigräume und mangelnde Belüftung führen zu Kondensation, was den Wassergehalt steigert.
- Hoher Wassergehalt nach der Ernte: Offene oder undichte Gefäße sowie feuchte Räume oder Geräte beim Schleudern führen dazu, dass Honig hygroskopisch Feuchtigkeit aufnimmt.
- Sorteneinflüsse: Rapshonig kristallisiert rasch und weist tendenziell höhere Wasserwerte auf als z.B. Waldhonig. Frühtrachten trocknen oft langsamer als Sommerblütenhonige.
- Schleuderzeitpunkt und -technik: Wird zu früh oder bei ungünstigen Bedingungen geschleudert, ist der Honig oft zu feucht.
Praktische Beispiele aus der Imkerschaft
Insbesondere nach Massentrachten und bei feuchter Witterung können Honige einen zu hohen Wassergehalt haben. Schon mehrfach wurden Fälle berichtet, wo selbst verdeckelte Honigwaben rund 20 % Wasser enthielten - beispielsweise nach einem extrem feuchten Sommer oder bei Schattigen, kühlen Bienenstandorten. Auch die Luftfeuchtigkeit beim Schleudern ist zu beachten: Bei Werten gegen 60% kann es kritisch werden, ein Lufttrockner im Schleuderraum ist dann empfehlenswert.
Bestimmung und Kontrolle des Wassergehalts
Ohne Messgerät bleibt der Eindruck über den Reifegrad ungenau. Die klassische „Spritzprobe“ auf der Wabe liefert nur eine grobe Einschätzung. Für eine sichere und präzise Qualitätskontrolle in der Imkerei ist ein Honig-Refraktometer unerlässlich. Eine kleine Honigprobe wird auf das Prisma gegeben, die Skala zeigt direkt den prozentualen Wasseranteil. Wichtig sind korrekt kalibriertes Gerät, Raumtemperatur (ca. 20°C) und eine gut gemischte Probe aus der ganzen Charge.
Den Wassergehalt von Honig sollten Sie mindestens einmal pro Charge vor dem Abfüllen messen. Bei kritischen Sorten (z.B. Raps) oder feuchter Witterung empfiehlt sich, schon vor dem Schleudern Stichproben aus verschiedenen Völkern und Honigräumen zu nehmen. Überprüfen Sie dabei sowohl die Mitte als auch den Randbereich des Honigraumes. Handrefraktometer müssen regelmäßig nachjustiert werden!
- Spritzprobe: Beim Stauchen der waagrecht liegenden Honigwabe darf aus den offenen Zellen kein Honig mehr spritzen. Eine negative Spritzprobe ist kein Garant für reifen Honig mit entsprechend niedrigem Wassergehalt!
- Verdeckelungsgrad: Zwei Drittel der Honigzellen sollen verdeckelt sein - dieses Kriterium ist aber unzuverlässig nach Massentrachten, wie oft beim Raps.
Risiken und Folgen eines zu hohen Wassergehalts
Liegt der Wassergehalt zu hoch, vermehren sich osmotolerante Hefen, der Honig beginnt zu gären, schäumt, riecht hefig und verliert Marktwert. Ein solcher Honig darf nicht mehr vermarktet werden. Insbesondere bei Wassergehalten über 18% steigt die Gefahr, dass der Honig bei weiterer Lagerung in Gärung übergeht. Fermentationszeichen: Luft entweicht, kleine Bläschen bilden sich an der Oberfläche des Honigs, und es tritt ein charakteristischer gäriger Geruch auf.
Honig, der fast so flüssig wie Wasser wirkt, besitzt häufig einen sehr hohen Wassergehalt, teilweise über 20 %. Ursache dafür sind oft zu früh geerntete Honigwaben, hohe Luftfeuchte bei der Verarbeitung oder Honig, der stark erwärmt wurde. Überschreitet der Wassergehalt dauerhaft 19-20 %, bietet sich eine Nutzung als Backhonig oder für Metansatz an - nicht als hochwertiger Tafelhonig.
Lesen Sie auch: Richtwerte für Wasser im Honig
Maßnahmen zur Vermeidung und Korrektur
Vorbeugende imkerliche Maßnahmen
- Nur vollreife, verdeckelte Waben entnehmen (Faustregel: mind. 2/3 der Fläche verdeckelt).
- Ernte an trockenen, warmen Nachmittagen und zügige Verarbeitung nach der Entnahme.
- Einige Imker beschreiben, dass gezieltes Lüften vor der Ernte helfen kann, besonders durch Öffnen von Bohrlöchern in Zargen.
- Anpassung des Beutenvolumens: Platzangebot an Volksstärke und Tracht anpassen, um Kondensation zu vermeiden.
- Gute Belüftung der Beute, bevorzugt durch luftdurchlässige Abdeckungen statt Kunststofffolien.
Korrekturen nach der Ernte
- Lagerung des geernteten Honigs in einem trockenen, warmen Raum (relative Luftfeuchte unter 60 %) in offenen oder locker abgedeckten Behältern, mit mehrmaligem gründlichen Aufrühren am Tag („Nachtrocknen“).
- Wassergehalt senken durch Mischen: Sehr trockene Honige (z.B. 15-16 %) mit feuchteren Chargen vermengen.
- Oft hilft auch eine kontrollierte Trocknung z.B. mit speziellen Honigtrocknern oder bei niedriger Luftfeuchtigkeit im Aufbereitungsraum.
- Technisches Trocknen (z.B. Melitherm) ist möglich, sollte aber vorsichtig angewendet werden, um hitzeempfindliche Enzyme nicht zu schädigen (Backofen ist ungeeignet!).
- Honig mit dauerhaft hohem Wassergehalt (über 19 %) ggf. als Bienenfutter oder für Metherstellung verwenden.
Tipps zur Qualitätssicherung
- Vor jeder Schleuderung den Wassergehalt in mehreren Waben (Mitte/Rand) prüfen und dokumentieren.
- Gerätschaften und Räume trocken halten. Raumluftentfeuchter können helfen, die Luftfeuchtigkeit auf unter 60% zu bringen.
- Stichproben mit dem Streichholz: Werfen Sie einen Blick auf verschiedene Zellen und vergleichen Sie, wie Honig unterschiedlicher Konsistenz und Wassergehalt aussieht und sich am Instrument verhält.
- Führen Sie eine Chargenliste mit Angaben zu Wassergehalt, Rührführung und Lagerort, vor allem für Direktvermarkter.
- Nutzen Sie die Spritzprobe als Orientierung, aber verlassen Sie sich zur Endkontrolle immer auf die Messung mit dem Refraktometer.
Was tun mit Honig, der schon zu feucht ist?
Kommt es trotz aller Vorsicht zu feuchtem Honig, gibt es verschiedene Möglichkeiten:
- Honig nachtrocknen (unter 60% Luftfeuchte, mehrmals täglich rühren).
- Mit trockeneren Chargen (15-17 %) mischen, um den Durchschnittswert zu senken.
- Als Backhonig, Bienenfutter oder zur Met-Herstellung nutzen.
- Kunden klar über die geringere Haltbarkeit und die optimale Lagerung informieren (kühl, trocken, luftdicht).
Rennt der Honig wie Wasser aus der Schleuder, ist er häufig noch zu nass und der Wassergehalt ist zu hoch. Dann sollte man sofort aufhören zu schleudern und Korrekturmaßnahmen einleiten.
Zusammenfassung der wichtigsten Kontroll- und Handlungsmaßnahmen
- Messen und dokumentieren, nie nur auf optisches oder haptisches Gefühl verlassen!
- Waben nur dann schleudern, wenn mindestens zwei Drittel der Zellen verdeckelt und die Spritzprobe negativ ist.
- Vor und nach dem Schleudern möglichst trockene Räume und Gerätschaften verwenden.
- Kritische Chargen gegebenenfalls nachtrocknen oder vermischen.
- Unreifer Honig sollte zurück ins Volk oder als Futter genutzt werden.
Ein niedriger Wassergehalt ist das Resultat aus richtiger Erntezeit, angepasstem Beutenmanagement, kontrollierter Verarbeitung und sorgfältiger Lagerung. Nur mit nachvollziehbarer Messroutine und entsprechender Dokumentation von Wassergehalten, Jahrgang und Lagerort kann transparent Qualität geschaffen werden - und damit auch Kundenzufriedenheit und Vertrauen erhalten bleiben.
Lesen Sie auch: Gesundheitliche Lage von Heinz Hoenig im Detail
tags: #wassergehalt #honig #zu #hoch #ursachen #und


