Thomas Sprengel Schokolade: Hintergrund und Informationen
Die Geschichte der Sprengel-Schokolade ist eng verwoben mit den großen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen der letzten 150 Jahre. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1851 von Carl August Bernhard und Otto Sprengel in Hamburg-Harburg, wo sie mit der »Fabrication von Chocolade, Bonbons und Conditoreiwaaren« begannen. Nur zwei Jahre später verlegten sie das Unternehmen nach Hannover und belieferten bald auch den Königshof an der Leine mit feiner Schokolade, die in Form von 100 Gramm-Tafeln, Pralinen und anderen süßen Spezialitäten angeboten wurde.
Frühe Jahre und Entwicklung zum Hoflieferanten
Sprengel erreichte bereits in den ersten vier Monaten einen Umsatz von 4803 Thalern und sieben Groschen und installierte drei Jahre später eine Fünf-PS-Dampfmaschine in Hannover. Die Produktpalette umfasste zu diesem Zeitpunkt 447 Artikel, darunter so innovative Sorten wie Eisenschokolade »gegen Blutarmuth und Bleichsucht« und Schokolade mit Fleisch-Extrakt nach Professor Liebig. Besonders gefragt waren die »nordischen Brustkaramellen« und die »deutsche Sieges- und Friedens-Chocolade« mit der Germania und »berühmten Feldherren« auf dem Etikett.
- Gründungsjahr: 1851
- Umzug nach Hannover: 1853
- Produktpalette: 447 Artikel
- Innovationen: Eisenschokolade, Schokolade mit Fleisch-Extrakt
Traditionsmarke und die Industrielle Expansion
Mit dem industriellen Ausbau der Schokoladenproduktion in der hannoverschen Nordstadt wurde Sprengel zum königlichen Hoflieferanten und später zu einer deutschlandweit bekannten Marke. Die »echte Sprengel« war viele Jahrzehnte ebenso in aller Munde wie die legendären Erfrischungsstäbchen mit Orangen- oder Zitronensirup und die koffeinhaltige »Kaffee-Kola« in der roten Blechdose.
Ein weiteres Highlight der Unternehmensgeschichte war die starke Position im Markt der Wirtschaftswunderjahre, als Sprengel zum Marktführer avancierte und die Marke »Privileg« als »beste Schokolade der Welt« etablierte. Besonders Bernhard Sprengel, der mehr auf Qualität als auf Expansion bedacht war, brachte mit seiner feinen Zunge und tiefer Kenntnis des Kakaohandels den Genuss auf ein besonders hohes Niveau.
Sprengel als Lieferant für Wehrmacht und militärische Zwecke
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Sprengel-Schokolade als »Fliegerschokolade« für die Luftwaffe der Wehrmacht produziert, und die Angestellten fertigten Granaten statt Pralinen. Nur eine Sorte, die runde »Scho-ka-kola«, lief damals vom Band und wurde vor allem den Soldaten als Proviant zur Verfügung gestellt. 1936 stufte man Sprengel als einen für die Wehrwirtschaft wichtigen Betrieb ein.
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- Produktion von militärischer Schokolade
- Granatenherstellung im Krieg
- Scho-ka-kola als Soldatenproviant
Die Nachkriegszeit und das Wirtschaftswunder
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Sprengel-Schokolade eine weitere Blütezeit. Pralinen und die Erfrischungsstäbchen wurden zum Synonym für feine süße Genüsse. Der Konkurrenzdruck und Preisverfall führten jedoch zu einem anhaltenden Wandel in der Branche. Während die westdeutschen Schokoladenfabrikanten im vergangenen Jahr 1,6 Milliarden Mark umsetzten - ein Anstieg von fast 30 Prozent in vier Jahren -, schlug das »Schokoladenwunder« vor allem bei den Marktführern Trumpf und Sarotti zu Buche. Sprengel lag mit 114 Millionen Mark Umsatz und weniger als zehn Prozent Marktanteil deutlich hinter den Marktführern.
Modernisierung, Investitionen und internationale Partnerschaften
Mit dem Zwang zur Größe mussten Investitionen folgen: Ein neues vollautomatisches Werk wurde eröffnet und 23 Millionen Mark investiert. Firmenchef Dr. jur. Bernhard Sprengel verkaufte vor kurzem 49 Prozent des Unternehmens an den US-amerikanischen Lebensmittelkonzern Nabisco, um der Firma den Weg in die Zukunft zu öffnen und von der internationalen Vertriebsstruktur sowie technischer Unterstützung zu profitieren. Nabisco war bereits Hausherr bei der Celler Keksfabrik Trüller und hielt die Mehrheit der größten französischen Keksbäckerei Behn.
- Investition in vollautomatisches Werk
- Partnerschaft mit Nabisco (ab 1967)
- Neue Vertriebsmöglichkeiten im In- und Ausland
Das Ende einer Traditionsdynastie und Auswirkungen auf Hannover
Bereits 1980 wurde das Stammwerk in der hannoverschen Nordstadt wegen Unrentabilität geschlossen, danach eroberten Hausbesetzer das Gelände, und Künstler sowie Studenten schufen eine kreative Atmosphäre. Negative Schlagzeilen brachten Anfang der neunziger Jahre die »Chaos-Tage« der Punks. Nach dem Verkauf an Stollwerck 1979, stand das Sprengel-Gelände lange leer. Das Werk im Stadtteil Vinnhorst wurde im Sommer 2001 endgültig geschlossen, was auch das Aus für die fast 150 Jahre alte Schokoladentradition in Hannover bedeutete.
| Jahr | Wichtige Ereignisse |
|---|---|
| 1851 | Gründung in Hamburg-Harburg |
| 1853 | Umzug nach Hannover |
| 1936 | Wichtiger Wehrwirtschaftsbetrieb |
| 1967 | Partnerschaft mit Nabisco |
| 1979/1980 | Aufkauf durch Stollwerck, Schließung Stammwerk |
| 2001 | Schließung des Werks Vinnhorst |
Eine Tafel Schokolade war früher so viel wert wie zwei Stunden Arbeit. Die Arbeitsbedingungen veränderten sich mit der Zeit; während in den dreißiger Jahren noch eine 60-Stunden-Woche üblich war, reduzierte sich die Arbeitszeit bis 1976 auf 38 Stunden, verbunden mit einer deutlichen Lohnsteigerung.
Die Bedeutung des Namens Sprengel und das Museum
Heute erinnert in Hannover noch das Sprengel-Museum an den großen Schokoladen-Namen. Bernhard Sprengel, ein Kunstliebhaber, hat der Stadt seine Privatsammlung geschenkt und damit das Museum zur internationalen Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts begründet. Zeitgenössische Kunst, deutscher Expressionismus, französische Moderne und Fotografien bereichern das renommierte Museum, das seit 1979 besteht. Der Name Sprengel bleibt für viele Schokoladenfreunde ein Inbegriff von Güte und Qualität und ist so präsent wie andere Traditionsmarken Hannovers wie „Hanomag“, „Appel“ oder „Bahlsen“.
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Chronik und Reflexionen
Kristina Huttenlocher hat die Geschichte der Sprengel-Schokolade mit historischen Dokumenten und Bildmaterial aufgearbeitet. Am 3. Juni stellte sie ihre Chronik im Sprengel-Kino vor; zahlreiche Ehemalige und Genießer bereicherten die Lesung mit Erinnerungen und Anekdoten. Mit ihrer Chronik gibt sie den wirtschaftlichen und politischen Umbrüchen der vergangenen 150 Jahre Gestalt und Gesicht.
Sprengel bleibt für viele ein Synonym für Qualität und Tradition. Die Schokolade, Pralinen und Erfrischungsstäbchen von Sprengel sind heute noch erhältlich, das Unternehmen gehört seit 1986 zur Stollwerck-Gruppe und ist jetzt in Norderstedt ansässig. Das Sprengel-Gelände in Hannover hat sich zu einem linksalternativen Wohnprojekt gewandelt, wobei das Viertel heute friedlich und kreativ von etwa 50 Bewohnern belebt wird.
Geschmacks- und Kunstverbindung
Die Sprengel-Geschichte verbindet feinen Geschmack mit künstlerischem Anspruch: Bernhard Sprengel war nicht nur ein Schokoladenexperte, sondern auch ein Kunstsammler, der eine bedeutende Privatsammlung von Emil Nolde Bildern besaß und die renommierte hannoversche Kammermusik-Gemeinde leitete. Seine Frau war als Sängerin und Geigerin bekannt, was die kulturelle Ausstrahlung der Marke Sprengel unterstrich.
Sprengel-Schokolade durch die Zeiten
- Traditionsreiches Familienunternehmen
- Schokoladen-Wunder der Nachkriegszeit in Deutschland
- Erfrischungsstäbchen, »Privileg«-Schokolade und »Scho-ka-kola« als Kultprodukte
- Künstlerische Impulse und gesellschaftliches Engagement
- Bedeutung als Wirtschafts- und Kulturbestandteil Hannovers
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