Tamme Hanken: Pferde, Honigbehandlung und der Mythos des Knochenbrechers
Tamme Hanken, weithin bekannt als der „XXL-Ostfriese“ und „Deutschlands wohl berühmtester Chiropraktiker für Tiere“, war eine schillernde Persönlichkeit der deutschen Reiter- und Tierheilungsszene. Sein Name ist nicht nur durch zahlreiche TV-Auftritte berühmt geworden - wie z.B. in der NDR-Doku-Soap „Der XXL-Ostfriese“ - sondern auch durch seine markanten und umstrittenen Behandlungsmethoden, die bis heute für Diskussionen sorgen. Besonders bekannt ist Hanken zudem für den Einsatz von Honig und traditionellen Hausmitteln in der Therapie. Doch was steckt wirklich hinter der „Honig Behandlung“ bei Pferden durch Tamme Hanken?
Vom Bauern zum legendären Knochenbrecher: Der Werdegang Tamme Hankens
Tamme Hanken wurde am 16. Mai 1960 in Filsum, Niedersachsen, geboren. Nach einer landwirtschaftlichen Lehre arbeitete er zunächst als Betriebshelfer auf einem Bauernhof, schloss sich dann für etwa acht Jahre einem Hufschmied an und betrieb später eine Hühnerfarm sowie das Stutenmilchgestüt „Drachenfels“. Als die Stutenmilchfarm wirtschaftlich unrentabel wurde, wandte sich Hanken hauptberuflich der traditionellen Tätigkeit des Knochenbrechers zu und eröffnete Ende der 1990er-Jahre die „Pferde-Reha Filsum“.
Der Begriff „Knochenbrecher“ stammt aus der ostfriesischen Tradition, wo Menschen wie Hanken behaupten, Blockaden und Verspannungen im Körper von Mensch und Tier erfühlen und lösen zu können. Tamme Hanken sah sich als Träger der „Nervenfühlen“-Gabe, die seit Generationen in seiner Familie weitergegeben wird. Berühmt wurde er durch seine eigenwilligen und unverwechselbaren Griffe beim sogenannten „Einrenken“ auf seinem Hof in Filsum.
Der Alltag auf dem Hankenhof: Ein Ort voller Traditionen und Tiere
Fast jeden Samstag ist auf dem Hankenhof in Filsum „Kummertag“: Tierbesitzer können ohne Voranmeldung mit ihren Pferden und Hunden erscheinen und auf eine Behandlung durch Tamme Hanken hoffen. Viele nehmen dazu eine Anfahrt von bis zu 500 Kilometern in Kauf. Unter der Woche reiste Hanken quer durchs Land, um auf Sammelterminen Tiere zu behandeln. Auf dem Hof selbst kümmerte sich Ehefrau Carmen Hanken um die täglichen Abläufe, Pferdezucht und die Ausbildung von Pferden und Reitern.
Charakteristische Behandlungsabläufe nach Tamme Hanken
Der Ablauf einer Behandlung in Filsum ist stets gleich: Hanken betrachtet das Pferd im Schritt - ohne gezielte Fragen nach Vorgeschichte, Erkrankungen oder Reitproblemen. Diese Informationen wären für eine korrekte Einschätzung jedoch entscheidend. Tierärztin und Chiropraktikerin Winnie Dreschel kommentiert, dass „die Vorgeschichte des Tiers immer abgefragt werden muss“ und dass auf ein paar Metern Schritt nicht klar erkennbar sei, was das Pferd wirklich hat.
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Tamme Hanken selbst achtete bei der kurzen Vorführung besonders auf die Hufe, monierte oft zu lange Zehen oder falsch bearbeitete Hufe und äußerte sich stets im typischen, rauen Klartext: „Ihr habt nie gelernt, wie ein Pferd richtig laufen soll. Wenn du dein Pferd weiter so laufen lässt, hat es zu Weihnachten einen französischen Namen: Lasagne.“
Typische Griffe beim „Einrenken“
- Der Kopf des Pferdes wird zur Brust gedrückt.
- Hals nach links und rechts gebogen.
- Mit einem Gegenstand wird über die Kruppe gestrichen.
- Vorderbeine werden jeweils geruckt und zur Seite gezogen.
- Die beiden Hinterbeine werden nach hinten gezogen und dabei am Röhrbein gehalten.
Chiropraktikerin Dreschel erklärt: „Er wirkt durch lang ansetzende Hebelkräfte auf mehrere Gelenke gleichzeitig ein.“ Bei den Hinterbeinen etwa werden durch einen kräftigen Zug nicht nur das Kreuzdarmbeingelenk, sondern auch das Sprunggelenk, Knie und Hüftgelenk beeinflusst. Dies unterscheidet sich von der tierärztlichen Chiropraktik, bei der gezielt, mit kurzen Hebeln und minimalem Impuls an einem spezifischen Gelenk gearbeitet wird.
Risiken und Reaktionen auf Hankens Methoden
Hanken arbeitet zügig und ruckartig. Das birgt erhebliche Risiken für das Tier, insbesondere bei bestehenden Vorschäden oder bekannten Erkrankungen wie Arthrose oder Meniskusschäden, die er in seinem Vorgehen meist nicht berücksichtigt. Tierärztin Winnie Dreschel beschreibt, dass Bänder, Sehnen und Muskeln überdehnt oder gar verletzt werden können, was zu Zerrungen oder dem Abriss von Lymphgefäßen führen kann - wie der Fall eines Pferdes mit unheilbarem Elefantenfuß nach einer Hanken-Behandlung zeigt.
Besonders kritisch zu beurteilen ist das Einrenken bei sogenannten Ataxie-Patienten, deren Bewegungsabläufe schon gestört sind. Unter Fachleuten werden solche Pferde niemals ohne vorherige genaue Diagnose behandelt. Laut CAVALLO kam es bei einem tierisch betreuten Ataxie-Patienten nach Hankens Behandlung zu nahezu vollständiger Lähmung - das Pferd musste eingeschläfert werden.
Traditionelle Produkte und die Anwendung von Honig und Alaun
Zu den Angeboten auf dem Hankenhof gehört nicht nur die manuelle Behandlung von Pferden, sondern auch die Nutzung traditioneller Hausmittel - insbesondere Honig und Alaun. Im Hofshop sind „Honig Frühtracht im 500g Glas“ und ein Honig-&-Alaun-Set erhältlich, wobei die Kombination „bei nässenden Wunden, Mauke bei Pferden, Verletzungen und Wunden allgemein“ zum Einsatz kommt.
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Honig wird aufgrund seiner antimikrobiellen, heilungsfördernden und feuchtigkeitserhaltenden Eigenschaft seit Jahrhunderten als Hausmittel verwendet. Die Verbindung mit Alaun, einem zusammenziehenden Salz, hat sich laut Erfahrungsberichten des Hankenhofs besonders bei nässenden oder schlecht heilenden Wunden im Pferdebereich bewährt.
| Produkt | Einsatzbereich | Eigenschaften |
|---|---|---|
| Honig Frühtracht | Wundheilung, Immunstärkung | Antibakteriell, feuchtigkeitsspendend |
| Alaun | Nässende Wunden, Mauke | Zusammenziehend, desinfizierend |
| Honig & Alaun Set | Verletzungen, Mauke, Wundpflege | Kombination von beiden Wirkmechanismen |
Neben Honig bietet der Hankenhof zahlreiche Ergänzungsfuttermittel und Naturprodukte wie Traubenkernpulver, Teufelskralle, Zeolith, Bierhefe, und verschiedene Kräutermischungen an, die für die ganzheitliche Pflege und Therapie von Pferd und Hund gedacht sind.
Rechtliche und fachliche Einordnung der Hanken-Methoden
Wichtig zu wissen: Die Berufsbezeichnungen „Chiropraktiker“, „Osteopath“ oder „Tierheilpraktiker“ sind in Deutschland nicht geschützt. Daher sollten Tierbesitzer stets prüfen, ob der Therapeut eine medizinisch fundierte Ausbildung vorweisen kann. Gute Adressen zur Überprüfung sind etwa die International Academy of Veterinary Chiropractic oder das Deutsche Institut für Pferdeosteopathie.
Pferderechtsanwalt Gerd Sickinger erklärt: „Erlaubt sind nur Behandlungen, die aus Tierschutz-Sicht nicht bedenklich sind.“ Bei Schäden durch eine Behandlung trägt der Besitzer die Beweislast für das Verschulden des Therapeuten. Grobe Behandlungsfehler müssen vor Gericht festgestellt werden.
Empfehlungen für Tierhalter: Schutz vor Wunderheilern
- Achten Sie auf eine geprüfte Ausbildung und Qualifikation des Therapeuten.
- Informieren Sie sich über die angewandten Methoden und Risiken.
- Holen Sie ggf. eine tierärztliche Zweitmeinung ein, vor allem bei ungeklärten oder chronischen Beschwerden.
- Lesen Sie Bewertungen und Erfahrungsberichte anderer Tierbesitzer.
Honigbehandlung bei Pferden: Tradition, Wissenschaft und Praxis
Die Anwendung von Honig in der Pferdetherapie hat, unabhängig von Tamme Hanken, eine lange Tradition. Honig besitzt nachweislich antibakterielle und wundheilungsfördernde Eigenschaften und kommt bei nässenden Wunden, Mauke sowie zur Unterstützung der Regeneration zum Einsatz. In Kombination mit Alaun wird eine weitere antiseptische und adstringierende Wirkung erzielt.
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Berichte vom Hankenhof zeigen, dass diese Hausmittel häufig ergänzend zur konventionellen Therapie genutzt werden und von vielen Pferdebesitzern geschätzt werden. Dennoch sollten bei ernsthaften oder chronischen Erkrankungen immer Diagnose und Therapie durch ausgebildete Tierärzte erfolgen.
Fazit zur Person und den Methoden von Tamme Hanken
Die Behandlungen von Tamme Hanken polarisieren - viele Tierbesitzer berichten von erstaunlichen Erfolgen, während Fachleute die Techniken und gesundheitlichen Ratschläge kritisch sehen. Seine unmittelbare Art und seine Fähigkeiten, Huf- und Sattelprobleme klar zu erkennen, haben zahlreiche Pferdebesitzer überzeugt. Andererseits führt die fehlende medizinische Ausbildung, das standardisierte Vorgehen („Schema F“) und das Missachten individueller Krankengeschichten zu erheblichen Risiken für die Tiere.
Als Knochenbrecher verstand er es, traditionelle Hausmittel wie Honig geschickt in seine Angebote einzubauen - und legte damit Wert auf ganzheitliche, teils sehr ursprüngliche Naturheilkunde rund ums Pferd.
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