Unterschiede bei Herstellung und Handel: Schoko-Weihnachtsmann vs. Schoko-Osterhase

Der Schoko-Weihnachtsmann und der Schoko-Osterhase gehören zu den bekanntesten saisonalen Schokoladenfiguren und erzeugen jedes Jahr aufs Neue Aufmerksamkeit - nicht nur bei Naschkatzen, sondern auch in Handel und Produktion. Bereits historisch und technisch gibt es Unterschiede, die Produktion folgt jedoch ähnlichen Prinzipien. Zugleich ranken sich viele Mythen um das Schicksal nicht verkaufter Figuren; diese sollen hier geklärt und die Herstellungs- sowie Handelsmechanismen erläutert werden.

Historischer Hintergrund und Popularität

Der allererste Schokoladenweihnachtsmann erblickte 1832 in Frankreich das Licht der Welt und war anders als heute noch ein massiver Schokoladenblock. In den 50er-Jahren wurde der Schoko-Hase auf den Markt gebracht und entwickelte sich schnell zum größten Schlager zum Osterfest: Die Rede ist natürlich vom Schokohasen, der in keinem Nest fehlen darf und sich zu Ostern zum saisonalen Lieblingstier mausert. Erfunden wurden die Schokohasen Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie waren nicht nur massiv und mehrere Kilogramm schwer, sondern wurden als Schaufensterdekoration verwendet.

Herstellungsprozess: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Die Produktion der leckeren Schokoladenfiguren beginnt alle Jahre wieder bereits im Sommer. Als Vorbild für die Schokohasen-Produktion dienten die in der Imkerei verwendeten Honigschleudern, die den Honig durch starken Zentrifugalkräfte aus den Waben heraus katapultierten. Die flüssige Schokolade wird in die eine Hälfte der zweiteiligen Formen gegossen, beide Hälften werden dann zusammengeklappt und mit Hilfe einer speziellen Drehtechnik und leichtem Vibrieren bleibt die Schokoladenmasse nach und nach an den Innenwänden der Form haften. Abhängig von der jeweiligen Größe sind auch massivere Osterhasen aus Schokolade wieder voll im Trend.

In vielen Manufakturen und Konditoreien wird Schokolade, sofern sie noch frisch ist, eingeschmolzen und wiederverwendet - rein technisch betrachtet, wäre die Verwandlung vom Schokoladenweihnachtsmann in Osterhase also möglich. Dunkle, herbe Schokolade beispielsweise kann relativ häufig eingeschmolzen und wiederverwertet werden, ohne dass der Geschmack darunter leidet - dem niedrigen Fettgehalt sei Dank. Vollmilchschokolade eignet sich hingegen durch das viele Fett im beigemischten Milchpulver deutlich weniger.

Warum große Hersteller nicht einschmelzen

  • Das Einschmelzen und Wiederverwerten von bereits im Handel befindlicher Ware ist aus rechtlichen und hygienischen Gründen sowie wegen Qualitätsansprüchen nicht praktikabel: Ein solches Vorgehen verbietet sich zum einen aus rechtlichen Gründen und zum anderen ist es auch mit dem Anspruch auf Warenfrische nicht vereinbar.
  • Der nichtverkaufte Schokoladenweihnachtsmann müsste von Tausenden Händlern wieder abgeholt, ausgepackt, eingeschmolzen, neu ausgeformt und anschließend neu verpackt werden - ein Aufwand, der sich überhaupt nicht rechnet.
  • Das Einschmelzen würde die Schokolade nicht unbedingt besser machen; mehrfaches Erhitzen kann den Fettgehalt der Schokoladenmasse verändern und damit den Geschmack negativ beeinflussen.
  • Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie weist darauf hin, dass die saisonalen Schokoladenfiguren generell aus frischer Schokoladenmasse hergestellt werden und dass alles andere den hohen Qualitätsansprüchen nicht genügen würde.

Produktions- und Exportzahlen

Die Produktionsmengen der Saisonartikel sind beeindruckend und zeigen, wie fest verankert diese Traditionen im Handel sind. Etwa 200 Millionen Osterhasen werden jedes Jahr verkauft, wobei man zur Ehrenrettung des Schokoweihnachtsmanns sagen muss, dass er sich den Platz mit den ebenfalls sehr erfolgreichen Adventskalendern teilen muss. Laut des BDSI wurden 2018 in Deutschland insgesamt 220 Millionen Schoko-Hasen produziert. 99 Millionen davon exportierten die Hersteller ins Ausland. Der wichtigste Exportmarkt für die Schoko-Hasen sind die anderen EU-Länder aber auch die Vereinigten Staaten, Kanada und nach Australien.

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Laut einer Umfrage bei den Mitgliedern des Verbands wurden 2015 rund 144 Millionen Weihnachtsmänner und Nikoläuse aus Schokolade produziert, 2014 waren es 146 Millionen. Im vergangenen Jahr gingen 35 Prozent (50 Millionen) der Schoko-Weihnachtsmänner in den Export. Bei den Osterhasen ist der Exportanteil noch größer, er liegt in diesem Jahr bei 45 Prozent (89 Millionen). Von den 228 Millionen Osterhasen werden in einem Jahr mehr als die Hälfte in andere Länder exportiert. Wichtigste Exportländer und -regionen sind die Europäische Union, die USA, Kanada sowie Australien und Südafrika.

Gründe für die stärkere Nachfrage nach Hasen im Export

Doch warum gibt es so viel mehr Hasen, vor allem im Export? Der Grund ist denkbar einfach, wie der BDSI auf Nachfrage verrät: Der Schokohase habe - auch im Export - weniger Konkurrenz als der Schoko-Nikolaus. Zu Weihnachten gebe es vor allem aus dem Bereich der Gebäcke viele Spezialitäten, die auch im Ausland beliebt seien - etwa Lebkuchen, Spekulatius und Printen. Zu Ostern hingegen setzt sich meist der Klassiker durch, ein Osterhase - zumeist aus Vollmilchschokolade.

Was passiert mit Restbeständen? Mythen und Realität

Jedes Jahr aufs Neue rankt sich ein Mythos um die übriggebliebenen Schokoladen-Weihnachtsmänner. An diesem Gerücht ist allerdings nichts dran. Dass die süßen Hasen, die nach dem Osterfest noch die Regale in den Supermärkten hüten, von den Herstellern zu Weihnachtsmännern verarbeitet werden, ist eine weit verbreitete Annahme. Sie ist allerdings nichts weiter als ein Mythos. „Die werden weder neu verpackt noch zu Nikolausen eingeschmolzen“, sagt Solveig Schneider vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI).

Den Schoko-Osterhasen zum Weihnachtsmann zu machen, das wäre aus ökonomischer Perspektive wenig sinnvoll. „Das rechnet sich einfach nicht, alle Hasen wieder einzusammeln, auszupacken und erneut einzuschmelzen. Vor allem ist Schokolade auch ein sehr sensibles Produkt. Das Einschmelzen würde die Schokolade nicht unbedingt besser machen“, sagt Sabine Holzäpfel von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Eingeschmolzen und wiederverwendet werden laut Holzäpfel Produkte nur dann, wenn sie die Produktion noch nicht verlassen und beispielsweise verformt sind. Stand das schokoladige Produkt jedoch schon im Laden, habe der Hersteller die Verantwortung dafür abgegeben und kann es nicht wieder zurück nehmen.

Meist werden überschüssige Saisonartikel drastisch im Preis reduziert oder gespendet. Diejenigen von ihnen, die auch nach dem Osterwochenende noch in den Supermärkten stehen, werden drastisch im Preis reduziert. Was selbst danach noch nicht im Einkaufswagen gelandet ist, wird häufig gespendet. Die Supermarktkette Lidl gibt an, ihre Osterprodukte, die eine Woche nach Ostern noch nicht verkauft sind, an regionale Tafeln zu spenden. Dort ist die Freude über die Produkte häufig groß.

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Beispiele von Spenden und Handelspraxis

Ungefähr 8000 Osterhasen hat die Stuttgarter Tafel vergangenes Jahr erhalten. In den Tafeln sind aber von Jahr zu Jahr weniger Schokoladen-Osterhasen angekommen: „Wir freuen uns immer wieder, wenn wir ihnen dann auch den Luxus von Schokolade bieten können“, sagt die Leiterin der Tafel, Ingrid Popper. Paul Bundschuh, Leiter der Tafel in Ravensburg, bestätigt: „Der Handel disponiert immer besser. Aber wir bekommen nach wie vor viele Osterhasen.“ So teilte Lindt mit, dass sie nur nach Bedarf ihrer Abnehmer produzieren und daher nach Ostern keine Osterprodukte übrig hätten. Auch Edeka Südwest gab an, durch das starke Reduzieren der Preise alle Osterhasen restlos abzuverkaufen.

Qualitätsansprüche, Lebensmittelrecht und Verbrauchersicht

Der Verband vertritt die Interessen von rund 200 nationalen und internationalen Süßwarenunternehmen in Deutschland. Darunter Lindt & Sprüngli, Mondelēz (Milka), Ferrero oder Rübezahl. Auch Katharina Kunze, Sprecherin für den Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli in Deutschland versichert, dass das Unternehmen keine Ware zurücknimmt, die die Produktion bereits verlassen hat. „Ein solches Vorgehen verbietet sich zum einen aus rechtlichen Gründen und zum anderen ist es auch mit unserem Anspruch auf Warenfrische nicht vereinbar“, teilt sie auf Nachfrage der „Schwäbischen Zeitung“ mit.

Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e.V. würde das Gerücht der Metamorphose der schokoladig süßen Weihnachtsmänner und Nikoläuse zu Osterhasen (und umgekehrt) gerne für immer ins Land der Märchen und Sagen verbannen. In einer aktuellen Pressemeldung weist er darauf hin, dass die saisonalen Schokoladenfiguren generell aus frischer Schokoladenmasse hergestellt werden. „Alles andere würde den hohen Qualitätsansprüchen nicht genügen und wäre auch lebensmittelrechtlich gar nicht zulässig“, schreibt der Bundesverband.

Verwertungsmöglichkeiten im Haushalt und von Restbeständen

Was wird denn dann aus den übrig gebliebenen Schokoladenfiguren nach dem Weihnachts- und Osterfest? Die übrig gebliebenen Schokoladenfiguren können als Zutat für ein Dessert (zum Beispiel Schokoladenpudding oder Mousse au Chocolat) verwendet werden, zerkleinert als Schokostreusel über Desserts gestreut oder unter Kuchenteig gerührt werden. Aluminiumfolie weg, Schokoladen-Osterhase in den Topf, einschmelzen und in eine Weihnachtsmannform gießen - fertig ist der Schoko-Weihnachtsmann. Theoretisch ist das also möglich, praktisch und aus Sicht von Herstellern und Handel jedoch nicht der normale Weg.

Herstellungsprozess: Schokolade in Formen gießen

Markttrends, Sortenvielfalt und Sonderformen

Die großen Schokoladen-Hersteller und kleine Manufakturen sind ständig auf der Suche nach innovativen Sorten - mit zum Teil skurrilen Ergebnissen. Damit die Nachfrage trotz Schönheits- und Gesundheitskult nicht einbricht, lassen sich die Hersteller ständig neue Geschmacksrichtungen einfallen und mixen die abenteuerlichsten Zutaten - von Wasabi über Käse bis hin zu salzigen Brezeln. Für Liebhaber von herzhafteren Snacks stehen Schokolade mit Schinken oder eine Tiroler Almkäse-Füllung zur Auswahl - und das ist nur die Spitze des „Schokobergs“.

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Luxusartikel haben ebenfalls ihren Platz: Für die Herstellung der Luxus-Schokolade werden nur bestimmte Kakaobohnen verwendet, und für Firmenkunden gibt es flache Schoko-Osterhasen, die eine Gravur oder das Firmenlogo tragen können. Selbstverständlich können Firmen die Hasen aus Schokolade auch mit ihrem Logo prägen lassen.

Schoko-Osterhase mit Werbegravur

Saisonartikel und Alternative Formen

Seit etwa 10 Jahren gibt es jedoch auch die Möglichkeit als Alternative ein Schokoladenkamel von Al Nassma aus Dubai unter den Weihnachtsbaum zu legen. „Anders als Schokoweihnachtsmann oder Osterhase ist das Kamel für uns DAS Symbol unserer jungen Firma und daher kein so genannter Saisonartikel, den es nur zu bestimmten Zeiten gibt. Eines der Geheimnisse des besonderen Schmelzes von Al Nassma Schokolade ist der niedrige Fettgehalt der Kamelmilch.“

Mythen über Geschmack und Gesundheit

Dunkle Schokolade ist gesünder - dieser Mythos ist weit verbreitet, die ganze Wahrheit ist das aber nicht. Tatsächlich enthalten dunkle Schokoladen und Zartbitter-Mischungen einen höheren Anteil an Flavanolen. Der im Kakao enthaltene Pflanzenstoff hat einen positiven Effekt auf das menschliche Herz, den Kreislauf und steigert zudem die Hirndurchblutung. Eine ebenfalls spürbare Wirkung hat die Aminosäure Tryptophan, bei deren Abbau das Glückshormon Serotonin entsteht. Mit Blick auf die Kalorien ist der Unterschied zu heller oder Vollmilch-Schokolade allerdings nur marginal.

Kurze praktische Tabelle: Produktion und Export (Beispieldaten aus Text)

Artikel Produktion (Beispieljahr) Exportanteil Im Inland verbleibend
Schoko-Osterhasen 220 Millionen (2018) ca. 45% (99 Mio.) 121 Millionen
Schoko-Weihnachtsmänner / Nikoläuse ~144 Millionen (2015) ca. 35% (50 Mio.) ~94 Millionen
Film: Produktionsschritte einer Schokoladenfigur - vom Gießen bis zur Verpackung

Fazit für Konsumenten

Der zentrale Punkt für Verbraucher: Der Mythos, dass Weihnachtsmänner zu Osterhasen werden oder umgekehrt, ist unbegründet. Hersteller produzieren frische Ware, Handel und Gesetzgebung verhindern die Rückführung ausgelieferter Artikel in die industrielle Produktion, und ökonomisch rechnet sich ein solcher Aufwand nicht. Überschüssige Saisonware wird meist rabattiert, gespendet oder in Ausnahmefällen weiterverarbeitet, sofern sie noch nicht die Produktionsstätte verlassen hat.

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