Die Geschichte des Schokoladen-Weihnachtsmanns in der DDR

Schokolade gehört zu Weihnachten wie der Weihnachtsbaum oder der Adventskalender, und zwar in vielen Ländern der Welt. Weihnachten war bei uns immer was besonderes. Meine Eltern sind Weihnachtsfans. Wir wohnten in einer Altbauwohnung mit sehr hohen Räumen und wir hatten immer einen mindestens drei Meter hohen Baum, den mein Vater auf der Leiter stehend dekorierte.

Schon viel früher wurden Weihnachtsmänner und Nikoläuse aus Schokolade kreiert. Um das Jahr 1820, also vor rund 200 Jahren, sollen sich die ersten Konditoren an die künstlerisch herausfordernde und symbolträchtige Figur getraut haben und die ersten, manuell geformten Exemplare zum Verkauf angeboten haben. Diese waren, anders als heute, aus massiver Schokolade hergestellt. Wenige Jahrzehnte später schufen ebenfalls Konditoren die ersten Schokoladenhohlfiguren zur Weihnachtszeit. Doch für den Durchbruch zum Massenphänomen brauchte es die industrielle Fertigung in größeren Mengen.

Produktionstechniken und Formgebung

Dann, ab den 1950er Jahren, nahm die Erfolgsgeschichte richtig Fahrt auf und durch neue Verfahren konnte die Schokolade in verschließbare Formen gegossen werden. So entstanden die noch heute beliebten Relief-Weihnachtsmänner. Sie sind nicht hohl und zeigen ihre Struktur, wie den langen Bart, nur auf einer Seite. Die andere ist flach. Darauf aufbauend und, eine aus Dänemark stammende Erfindung nutzend, begann in der Folge die Herstellung von Hohlfiguren, die dann geschleudert werden, so dass die flüssige Schokolade innen an der Form gleichmäßig verteilt wird. So entstehen die perfekt ausgeformten und mit vielen Details verzierten kleinen Kunstwerke. Ein Verfahren, dass auch bei Osterhasen eingesetzt wird - aber immer neu auf Basis frischer Kakaobohnen - denn aus Weihnachtsmännern werden keine Osterhasen und auch nicht umgekehrt.

Formgießverfahren für Hohlfiguren (Schematische Darstellung)

Rohstoffknappheit, Ersatzprodukte und Kreativität in der DDR

Natürlich wusste jedes Kind, dass Kakaobohnen knapp waren, immerhin mussten sie gegen harte Devisen eingeführt werden. Rohstoffe mussten für harte Währung eingekauft werden, die immer knapp war. In der Lebensmittelproduktion der DDR ging es um "Substitution", um den Austausch von Inhaltsstoffen. Anders in der DDR. Dort machte der Mangel kreatives Mixen und die Suche nach Ersatzstoffen nötig.

F.O. Mangels Rohstoffen wurden in den Nachkriegsjahren oft Ersatzschokoladen hergestellt. Recht erfolgreich war die ab 1953 erhältliche Vitalade, hergestellt unter anderem aus Haferflocken, Braumalz, Sojamehl und gehärtetem Pflanzenfett. Kaum war wieder richtige Schokolade verfügbar, ging der Absatz der Ersatzschokoladen schnell wieder zurück. Waren Schokoladenersatzprodukte im Westen längst verschwunden, gab es sie im Osten bis zum Ende der DDR. Das bekannteste Produkt war die „Schlager Süßtafel“ von Zetti, die ganz ohne Kakaobestandteile auskam.

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In den Betrieben ersetzte man die teure Kakaobutter durch Palmfett. „Schokoladenersatzprodukte“ hießen dann die wie Schokolade eingepackten Tafeln, und das war wenigstens nicht gelogen. Die "Schlager Süßtafel" bestand aus Fett, Zucker, Molke, Nüssen und 7 Prozent Kakao. Ab 1970 stellte der VEB Rotstern in Saalfeld diese Süßigkeit her. VEB Elfe in Berlin produzierte "Creck". Die Tafel enthielt außerdem Knäckebrot und war mit Eiweiß, Calcium und Lecithin angereichert.

In den Betrieben ersetzte man teure Zutaten durch lokale oder synthetische Alternativen: Orangeat wurde aus Möhrenpaste hergestellt, "Rosinen" aus Apfeltrester. Die Potsdamer Forscher fanden grüne Tomaten als Ersatz für das Zitronat im Christstollen. In einem besonderen Verfahren gekocht, mit Zucker und Aromen versetzt konnte eine Masse aus Erbsen gut als Marzipan- und Persipanersatz in Backwaren durchgehen.

Beispiele für Ersatzstoffe: Möhrenpaste, Apfeltrester, Hülsenfrüchte

Die Süßwarenindustrie der DDR: Verstaatlichung, Betriebslayout und Marken

Mit dem „Volksentscheid in Sachsen“ vom 30. Juni 1946 über die „Enteignung der Naziaktivisten und Kriegsverbrecher“ begann man in der Deutschen Demokratischen Republik damit die meisten Betriebe in Volkseigentum umzuwandeln. So war eine schnelle Wiederaufnahme einer kontinuierlichen Produktion, auch wegen fehlender Rohstoffe nicht möglich. Wie in ganz Deutschland waren auch im Osten zahlreiche Betriebe der Schokoladenbranche zerstört, oder im Krieg zu Rüstungsbetrieben umgebaut worden. Die Trennung von den anderen Besatzungszonen schafft Probleme.

Die nachfolgende Auflistung zeigt einige Umbenennungen und Neuorganisationen: Most-Mignon, neu: Süßwarenfabrik „Halloren“, Halle; Berger, neu: Süßwarenfabrik „Berggold“, Pößneck; Mauxion, neu: Süßwarenfabrik „Rotstern“, Saalfeld; Rolle AG, neu: Süßwarenfabrik „Bergland“, Niederoderwitz; Hartwig & Vogel, neu: Dresdener Süßwarenfabrik „Elbflorenz“, Dresden; Oehler, neu: Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik „Zetti“, Zeitz; Felsche, neu: Schokoladenfabrik „Goldeck“, Leipzig; Böhme, neu: Kakao- und Schokoladenfabrik „Sachar“, Delitzsch.

In der DDR kam der Schokoladenproduktion wie dem gesamten Süßwarenbereich eine große Bedeutung zu, zum Beispiel wurde in den 50er Jahren das Geld, das durch Süßwaren made in GDR hereinkam, zum Aufbau des Schwermaschinenbaus genutzt. Auffallend ist, dass nach der Wende verhältnismäßig viele Produktionsstätten erhalten blieben, wenn auch oft mit jetzt westdeutschem Besitzer.

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Alte Fabrikhallen und Produktionslinien in der DDR (historische Fotodokumentation)

Advents- und Weihnachtsprodukte: Kalender, Nikoläuse und Westpakete

Adventskalender gehören in die Vorweihnachtszeit und begleiten mit einer täglichen kleinen Überraschung durch den Dezember. Die heute geläufigste Version eines Adventskalenders, der gefüllte Adventskalender, geht auf Gerhard Lang zurück. Auch diese Idee wurde von anderen Verlagen aufgegriffen, so war die in Hamburg bekannte Firma Pea lange Zeit Marktführer für gefüllte Adventskalender. Neben mit Schokolade gefüllten Adventskalender gab es bereits damals welche mit Plastikfiguren, die am Ende des Kalenders dann ein ganzes Set darstellen, aber entsprechend teuer waren. Auch in der DDR wurden Füllkalender angeboten, so gab es in den ersten Nachkriegsjahren mit Schokolade gefüllte Adventskalender aus Thüringen.

Mit dem Füllkalender wurde die Adventszeit, welche ursprünglich eine Zeit des Fastens war, zu einer Zeit der kleinen Geschenke, an denen sich Jung und Alt erfreuen können. Adventskalender sind für viele aus der heutigen Vorweihnachtszeit nicht mehr wegzudenken und begleiten die Vorfreude und Spannung von Kindern. Durch die Veranschaulichung der übrigen Tage bis Weihnachten, wie auch durch eine tägliche süße Überraschung, wird die Wartezeit für viele erträglicher.

Und zugegeben, ein Highlight war für mich auch immer das "Westpaket" (das duftete so gut nach "Westen") - vor allem in dem Jahr, in dem ich ein Monchichi bekam. Wie »richtige« Schokolade schmeckte, wussten die Leute, war sie doch ein beliebtes Geschenk der Westverwandtschaft.

Adventskalender und Schoko-Nikoläuse aus Ost- und Westpaketen

Alltag, Geschmack und Erinnerungen: Konsumkultur rund um Schoko-Weihnachtsmänner

Schokolade in der DDR - da werden Erinnerungen wach an Bambina, Katzenzungen und Knusperflocken. Schokolade gehört zu Weihnachten wie der Weihnachtsbaum oder der Adventskalender. Als die Weltmarktpreise für Kaffee 1976 stiegen, entwickelten die Potsdamer Forscher zusammen mit der Venag in Halle/Saale den "Kaffee-Mix" - einen Ersatz für Bohnenkaffee. Er bestand nur zu 51 Prozent aus Kaffeebohnen und war mit Hülsenfrüchten, Getreide und Zichorie gestreckt.

„Das hat man nicht herausgeschmeckt“, erinnert sich Klaus V. Vor allem die Chemiker des "Zentralinstituts für Ernährung" in Potsdam waren die kreativen Köpfe bei der Nachahmung von Geschmack und Konsistenz. In den Betrieben ersetzte man die teure Kakaobutter durch Palmfett. Die Historikerin Jana Männig weiß durch ihre Recherchen quer durch die neuen Bundesländer, dass die Arbeiter oft mit großem Erfindungsreichtum zu Werke gingen. Sie erzählt: »Es gab Kurioses«, etwa schokolierte Gelee-Bananen oder spezielle Rezepturen, die im Westen als exotisch galten.

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Als die Weltmarktpreise sanken oder Devisen verfügbar wurden, lieferte die ostdeutsche Süßwarenindustrie wieder qualitativ vergleichbare Produkte wie die Nachbarn im Westen. Sind genug Rohstoffe vorhanden, liefert die ostdeutsche Süßwarenindustrie die gleiche Qualität wie die Nachbarn im Westen. Ab 1953 kommt auch wieder Schokolade in die Geschäfte der DDR. Kaum war wieder richtige Schokolade verfügbar, ging der Absatz der Ersatzschokoladen schnell wieder zurück.

Beliebte DDR-Schokoladenprodukte: Bambina, Schlagersüßtafel, Hallorenkugeln

Nach 1989: Privatisierung, Verschwinden und Wiederkehr

Mit dem Ende der DDR 1989/1990 werden zahlreiche Betriebe der Schokoladenindustrie geschlossen, von Firmen aus dem Westen aufgekauft oder privatisiert. Ostdeutsche Schokoladenprodukte verschwinden zunächst völlig vom Markt der jetzt von westdeutschen und internationalen Marken beherrscht wird. Erst einige Jahre später kommen mit der „Ostalgie“ ehemalige DDR-Marken zurück auf den Markt.

Auffallend ist, dass nach der Wende verhältnismäßig viele Produktionsstätten erhalten blieben, wenn auch oft mit jetzt westdeutschem Besitzer. So gibt es auch heute noch Grabower Schaumkusse, Bambina und Schlagersüßtafeln genauso wie die typischen Nougatstangen. Allerdings hat sich bei der Schlagersüßtafel der Kakaoanteil von 7 auf 32 Prozent erhöht.

Historische Werbung und modernes Packaging von wiedergekehrten DDR-Marken

Tabelle: Ausgewählte Firmen und ihre Umwandlungen in der DDR

Vorkriegs-/Vorkontext-Firma Neuorganisation/Name in der DDR
Most-Mignon Süßwarenfabrik "Halloren", Halle
Berger Süßwarenfabrik "Berggold", Pößneck
Mauxion Süßwarenfabrik "Rotstern", Saalfeld
Oehler Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik "Zetti", Zeitz
Felsche Schokoladenfabrik "Goldeck", Leipzig
Dokumentarisches Zeitzeugeninterview: Schokoladenproduktion in der DDR

Warum der Schokoladen-Weihnachtsmann in der DDR so bedeutsam war

Die Kombination aus Tradition (Weihnachtsmann/Nikolaus als Symbol), technischer Produktion (Formguss, Hohlfiguren) und der politischen-wirtschaftlichen Realität (Mangel an Devisen, Substitutionsstrategien, Verstaatlichung) macht den Schoko-Weihnachtsmann in der DDR zu einem besonderen Kultur- und Alltagsgegenstand. Für Kinder war er wie in anderen Ländern der erste große Auftritt am Nikolausmorgen, dem 6. Dezember, wenn die glitzernd eingewickelten Nikoläuse Groß und Klein erfreuten. Und für Erwachsene waren Westpakete, mit oft höherwertiger Schokolade, ein starkes nostalgisches und kulinarisches Erlebnis.

Die Schokoladenproduktion, die in der DDR trotz Beschränkungen weiterlief, zeigte bemerkenswerten Einfallsreichtum: Maschinen und Rezepturen wurden angepasst oder substituiert, lokale Rohstoffe und Ersatzstoffe genutzt, und Forscher entwickelten Mischungen wie den „Kaffee-Mix“ oder Ersatzzutaten für Marzipan. So blieb der Weihnachtsmann aus Schokolade ein vertrauter und geliebter Begleiter durch die Advents- und Weihnachtszeit, selbst wenn sein Geschmack oder seine Zusammensetzung mitunter von westlichen Vorbildern abwich.

Schokoladen-Nikoläuse verschiedener Jahrzehnte (Vergleich DDR/BRD)

Jedes Produkt hat seine ganz eigene spannende Geschichte, die immer weiter fortgeschrieben wird. Durch neue Ideen, Mischungen und Rezepturen, aber vor allem von unzähligen treuen und immer neuen Fans. Mit besten Zutaten werden heute unter der Marke Zetti etwa 30 besondere Schokoladen-Kreationen hergestellt.

tags: #geschichte #schokoladenweihnachtsmann #ddr

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