Pain au Chocolat: Bedeutung, Herkunft und regionale Debatte um den Namen

Sie thronen Seite an Seite in allen Bäckereiauslagen: Croissants und Pain au Chocolat gehören zum Alltag der Franzosen. Entgegen der landläufigen Meinung sind Croissants und Schokoladenbrötchen keine rein französischen Erfindungen. Ihr Ursprung geht auf das 17. Jahrhundert in Wien zurück.

Historischer Ursprung: Wiener Wurzeln und die Legende vom Halbmond

Die bekannteste Legende besagt, dass Wiener Bäcker nach dem Sieg über die Osmanen während der Belagerung Wiens im Jahr 1683 ein Gebäck in Form eines Halbmondes kreierten, dem Symbol des Osmanischen Reiches. Eine ironische Art, den Feind zu „verspeisen”. Croissants und Pain au Chocolat haben eine gemeinsame Geschichte, zwischen Wiener Erbe und französischem Genie.

Der entscheidende Wendepunkt erfolgte 1839 in Paris mit der Eröffnung der Boulangerie Viennoise durch Auguste Zang, einen österreichischen Offizier. Er führte dort Wiener Spezialitäten ein, darunter die Kipferl. Zu dieser Zeit begann man, diese Rezepte mit französischen Techniken anzupassen. Die Pariser Bäcker ersetzten nach und nach den Briocheteig durch einen leichteren und knusprigeren Blätterteig mit Butter.

Historische Darstellung Wiener Bäckerei und Kipferl

Entwicklung des Pain au Chocolat in Paris

Das Schokoladenbrötchen, das oft als „Cousin” des Croissants angesehen wird, hat eine ähnliche Entwicklung durchlaufen. Inspiriert vom wiener Schokoladencroissant wurde es ebenfalls im Laufe des 19. Jahrhunderts in Paris eingeführt. Ursprünglich handelte es sich um einen mit Schokolade gefüllten Briocheteig. Doch dann überarbeiteten Pariser Bäcker das Rezept, nahmen statt Brioche fortan Plunderteig.

Seine rechteckige Form, seine Blätterteigstruktur und seine Einfachheit machen es zu einem sehr beliebten Produkt, sowohl zum Frühstück als auch zum Nachmittagssnack. Goldgelb, buttrig und feinblättrig muss der Teig sein. Am besten schmecken sie morgens vom Bäcker. Und am liebsten noch ofenwarm. Wie zwei Äuglein gucken an beiden Seiten die runden Enden der zwei lecker-herben Schokostreifen heraus, die sich im Innern verbergen.

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Pain au Chocolat frisch aus dem Ofen

Begriffsvielfalt: Pain au chocolat vs. chocolatine

Doch wie heißen sie nun? In der Schule lernte ich: pain au chocolat. Mais non!, schreit da der Südwesten auf. Das ist eine chocolatine! Eine unsichtbare Linie teilt das Land. Sie verläuft grob zwischen La Rochelle im Westen und Béziers im Süden. Südlich der Linie heißt das Plundergebäck chocolatine. Nördlich davon nennen es rund 40 Millionen Franzosen pain au chocolat. Doch darunter verstehen die Südfranzosen nur ein goûter, das Schülern früher mit auf den Weg gegeben wurde.

Der Begriff chocolatine tauchte erst der Mitte des 19. Jahrhunderts auf, so der Autor des Buches Les mots du pain. Die Bezeichnung Chocolatine ist nichts anderes als eine Verballhornung dieses Namens. Dazu geführt hat der österreichische Akzent. Er spricht das ‚d‘ wie ein ‚t‘ aus. Doch die Diskussion kümmert sich um solche Details schon lange nicht mehr. Im Südwesten ist das Schokogebäck zu einem Symbol für die lokale Identität geworden. So wie Rugby und Cassoulet.

Regionale Karte Frankreichs: chocolateine vs pain au chocolat

Sprachlicher Lokalpatriotismus und mediale Debatte

Vormittag in der Konditorei Multari, deren Verkaufsschlager in den verschiedenen Läden das pain au chocolat, die tarte de citron und das köstliche Baguette sind. Inzwischen hat sich das Ganze zu einem lebhaften und spaßigen Sprachwettkampf entwickelt, an dem sich auch gerne regionale Marken beteiligen. Sie produzieren Produkte und Kleidungsstücke so wie diese T-Shirts aus Bordeaux, die mit ‘Au pays des chocolatines‘ bedruckt sind. Natürlich greifen auch die sozialen Medien diese witzige Kampagne auf, wodurch sie ein großes Publikum erreichen.

Chocolatine-Anhänger treten vom Atlantik (Charente-Maritime, Les Landes, französisches Baskenland) bis zum Mittelmeer auf (Aude) sowie von den Pyrenäen, dem Gers, Lot-et-Garonne bis zur Dordogne und sogar zum Cantal, in der Auvergne. Inzwischen machen Fotos von Bäckern aus dem Südwesten Frankreichs die Runde, die zwei Preise ausschreiben: Ein Pain au chocolat kostet 1,50 € und eine Chocolatine nur 1 €.

Debatte chocolatine vs pain au chocolat (ARTE/YouTube Ausschnitt)

Kulinarische Praxis: Herstellung und Genuss

Rollt den Plunderteig aus. Rollt die Rechtecke zusammen. Lasst die Rohlinge mindestens 90, höchstens 150 Minuten bei Raumtemperatur aufgehen. Badigeonner les pains au chocolat de jaune d'œuf. Pain au chocolat mit Eigelb bepinseln. Je ein Stück mit der Verschlussseite nach unten auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben. 10 Min. So entstehen die charakteristischen, goldgelben und buttrigen Brötchen.

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Ob zu einem starken Kaffee oder einer heißen Schokolade - diese beiden Backwaren werden auch weiterhin für knusprige Pariser Morgen sorgen. Joghurt, einer Tartine beurrée, Butter auf Toast, oder einem Pain au chocolat: Das Schokoladengebäck ist fester Bestandteil des Frühstücks. Les baguettes, les flans et les pains au chocolat soudain me manquent. Plötzlich fehlen mir wieder baguette, flan und pain au chocolat.

Wo findet man die besten Pain au Chocolat?

In Paris ist das Buttercroissant ein fester Bestandteil des Frühstücks. Blättrig, knusprig, nicht zu buttrig - es spiegelt das französische Know-how wider. Wo kann man in Paris ein gutes Pain au Chocolat essen? Unsere Empfehlungen: Von traditionellen Bäckereien bis hin zu angesagten Adressen - hier sind die besten Adressen für Liebhaber von Pain au Chocolat! Petit-déjeuner à la pâtisserie Multari dans les différents points de vente, où triomphent le pain au chocolat, la tarte au citron et la baguette croustillante.

Bäckerei-Auslage mit Pain au Chocolat und Croissants

Kulturgeschichte und moderne Forschung

Heute sind Croissants und Schokoladenbrötchen zu einer festen Größe in der französischen Bäckerei geworden, obwohl sie ausländischer Herkunft sind. 2022 widmete sich der Historiker Jean Lapoujade in Toulouse ganz wissenschaftlich dem Thema. Gaston Lenôtre hatte 1976 bereits das i-Tüpfelchen gesetzt! Pain au chocolat pour toujours! // Ende des Spiels! Gaston Lenôtre hatte 1976 bereits das i-Tüpfelchen gesetzt!

ARTE widmete 2018 dem kulinarischen Streitthema in Karambolage einen Beitrag. Der deutsch-französische Kultursender löste damit eine Debatte aus, die in den sozialen Medien mit Leidenschaft und Humor geführt wurde. In Toulouse rief der Lokalsender Toulouse FM prompt 2019 die erste Journée Mondiale de la Chocolatine ins Leben. Am 19. Januar 2020 schloss Élysée-Koch Guillaume Gomez offiziell die Debatte. Fin de la partie! Doch das Machtwort half wenig. Die Pain-au-Chocolat-Debatte ist in den Medien weiterhin voll in Fahrt.

Lexikalische Randbemerkungen

Vom patois (lokaler Dialekt) ist zwar in der französischen campagne so gut wie nichts mehr übrig geblieben, doch viele Gegenden klammern sich neuerdings mit einem nostalgischen Lokalpatriotismus an Wörtern fest, die im Rest des Landes nicht vorkommen. Neben dem Schokoladengebäck existieren noch andere Wörter, welche die Gemüter erhitzen, beispielsweise die Plastiktüte, die im Südwesten poche heißt, in Nordfrankreich jedoch sachet, in der Bretagne dagegen pochon und sac im restlichen Frankreich.

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Praktische Begriffsnutzung und Fazit zum kulturellen Stellenwert

Seid ihr an eurem Ferienort auch Beispielen von regionalem Französisch begegnet? Für Interessierte liegt seit letzter Woche ein Atlas du français de nos régions (2017) im französischen Buchhandel. Der Begriff und die Debatte zeigen, wie eng Essen, Sprache und regionale Identität in Frankreich miteinander verwoben sind. Pain au chocolat oder chocolatine: Unabhängig vom Namen bleibt das Gebäck ein international geschätztes Symbol französischer Backkunst.

Aspekt Details
Ursprung Wien (Kipferl), Legende 1683, Einführung 1839 durch Auguste Zang in Paris
Teigentwicklung Brioche → Plunder-/Blätterteig mit Butter
Form Rechteckig, zwei Schokoladenstreifen innen
Namen Pain au chocolat (Norden), Chocolatine (Südwesten)
Kulturelle Bedeutung Symbol regionaler Identität und Alltagsfrühstück in Frankreich

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