Ritter Sport Schokolade „Ganze Grille“: Der Aufrüttelnde Marketing-Gag und die Kontroverse um Insekten in Lebensmitteln
Die Schokoladenvielfalt von Ritter Sport wird von Genießerinnen und Genießern geschätzt, aber manchmal sorgt eine neue Sorte für besonders große Diskussionen. Mit der Präsentation der Scherz-Sorte „Ganze Grille mit crunchy Heimchen-Beinchen“ hat Ritter Sport einen Nerv getroffen und eine breite Debatte entfacht. Diese angebliche Protein-Edition, die im Netz unter dem Hashtag #AnGrillen2023 beworben wurde, erwies sich jedoch schnell als humorvolle Fakesorte - und als Reaktion auf aktuelle Entwicklungen in der Lebensmittelbranche.
Der Ursprung des Grillen-Gags: EU-Verordnungen und Verbraucherängste
Der Hintergrund für die Scherz-Sorte liegt in den jüngsten EU-Durchführungsverordnungen, die Ende Januar verabschiedet wurden. Diese erlauben „teilweise entfettetes Pulver aus Acheta domesticus (Hausgrille)“ sowie „Larven von Alphitobius diaperinus (Getreideschimmelkäfer)“ in gefrorener, pastenartiger, getrockneter und pulverisierter Form als Lebensmittel. Nach den neuen gesetzlichen Beschlüssen dürfen Grillen und Larven künftig im Essen enthalten sein. Diese Änderungen sorgten für große Verunsicherung unter Verbraucherinnen und Verbrauchern.
- Viele Bäcker erhielten zahlreiche Anfragen, ob sie Insektenmehl verwenden.
- Nudelhersteller und Supermärkte informierten, keine Insektenprodukte anzubieten.
Die Präsentation der „Ganze Grille“ Schokolade im Netz
Ritter Sport nutzte die mediale Aufmerksamkeit rund um Insekten als Lebensmittel und präsentierte auf Instagram ein Bild der angeblichen neuen Sorte „Ganze Grille - mit knusprigen Heimchenbeinchen“. Die Protein-Edition wurde ironisch mit den Worten beworben: „Seit heute zugelassen! Wir sind schon lange bereit - ihr auch? #AnGrillen2023“. Die Aktion wurde sofort von vielen Nutzerinnen und Nutzern für echt gehalten oder sorgte für Empörung: „Ich kaufe nie wieder Ritter Sport“, hieß es etwa in einem Telegram-Beitrag. Auch in sozialen Netzwerken sammelten sich Tausende von Kommentaren, überwiegend kritisch.
| Datum | Reaktionen | Thema |
|---|---|---|
| 20.02.2023 | Über 2300 Kommentare | „Ganze Grille“-Posting |
| 24.01.2023 | Bild der Fakesorte veröffentlicht | Instagram-Aktion |
Die Reaktionen der Kundschaft: Zwischen Empörung und Zustimmung
Der Schokoladenhersteller Ritter Sport habe damit seinen Ruf zerstört und Käufer vergrault, heißt es in vielen Kommentaren. Insgesamt 3210 Kommentare (Stand: 20.02.2023) haben sich bereits unter dem Posting gesammelt, viele davon sind negativ. Aussagen wie „Ich kaufe NIE wieder Ritter Sport Schokolade. Eure Scherze sind gar nicht so lustig!“ und „Darüber macht man keine Witze“ zeigen die Bandbreite der emotionalen Reaktionen.
Doch im Netz gibt es unterdessen auch Zustimmung. Ein Schokoladen-Fan postete: „Ich würde sie kaufen.“ Das Bild einer Tafel Ritter Sport kursiert seit Ende Januar in sozialen Netzwerken. Es soll die Sorte "Ganze Grille" zeigen, "mit crunchy Heimchen-Beinchen".
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An anderer Stelle kommentierte der Konzern, der Humor in der Aussage sei wohl nicht überall angekommen: „Derzeit nutzt Ritter Sport keine Insekten und es gibt auch keine Pläne, dies zu ändern.“
Fake News und die richtige Einordnung: Faktencheck und Klarstellungen
Die Schokolade gibt es nicht, doch dieser Kontext ging in sozialen Netzwerken teilweise verloren. Vereinzelt berichteten auch Medien darüber, ohne auf den Satire-Aspekt hinzuweisen. Ritter Sport klärte mit mehreren öffentlichen Statements auf: „'Ganze Grille' ist eine Fake-Sorte“, so das Social-Media-Team. „Sie dürfen Ihre Häuser wieder verlassen und sorglos Ihre Schokolade genießen. 'Ganze Grille' ist nicht echt und kann Ihnen nichts tun.“ Die Ankündigung wurde auf Instagram mit dem Hashtag #fakesorte versehen. „Derzeit nutzt Ritter Sport keine Insekten und es gibt auch keine Pläne, dies zu ändern“, hieß es in einer der Antworten des Unternehmens.
Schon in vergangenen Jahren machte das deutsche Unternehmen mit falschen Sorten von sich reden. Sondereditionen wie Currywurst, Eintopf oder Spinat waren als Scherz allerdings schnell entlarvt. Immer wieder wirbt Ritter Sport mit skurrilen Sorten, die nicht wirklich verkauft werden. Auf Anfrage teilte Ritter Sport mit, dass die humorvoll gemeinten Fake-Sorten schon fast Kultstatus hätten. So gibt es bereits über 300 dieser Scherze, wie beispielsweise „Grünkohl“ oder „Bier“.
Wie erkennt man Fake News zuverlässig?
Nach Recherchen lässt sich leicht feststellen, dass das deutsche Unternehmen Ritter Sport auch schon in der Vergangenheit die Aufmerksamkeit mit falschen Schokoladensorten auf sich gezogen hatte. Eine plausiblere Ankündigung, mit der das Unternehmen definitiv einen Nerv getroffen hat, ist die neue Sorte „Protein Edition Ganze Grille mit crunchy Heimchen-Beinchen“.
Die investigativen Journalisten von CORRECTIV recherchieren langfristig zu Missständen in der Gesellschaft und betreiben eine eigene Faktencheck-Redaktion - CORRECTIV.Faktencheck - die irreführende Behauptungen und Gerüchte in den sozialen Medien überprüft.
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Insekten als Lebensmittel: Vorteile und Verbraucherängste
Dass Insekten in Lebensmitteln verarbeitet werden dürfen, sorgt auch außerhalb der Schokoladenwelt für Aufregung. Insekten haben einen ähnlich hohen Proteingehalt wie Fleisch, stehen aber laut dem WWF mit ihrer Ökobilanz besser da als Rind und Schwein. Doch Veganer und Allergiker fürchten, dass Insektenmehl in Produkte gemischt werden könnte, ohne dass dies eindeutig gekennzeichnet wird. Diese Sorge sei unbegründet, sagen Verbraucherschützer. Lebensmittel mit Insekten würden nur einen Nischenmarkt darstellen, außerdem sei es immer auf der Verpackung angegeben.
Das kultige Konzept der „Fakesorten“ bei Ritter Sport
Die Vielfalt der Sorten ist für die Fans des Waldenbucher Schokoladenherstellers Ritter Sport ein dicker Pluspunkt. In den sozialen Netzwerken sind die Anhänger dazu aufgerufen, eigene Kreationen einzureichen. „Wir sind immer wieder erstaunt, wie viele spannende und amüsante Schokoladen Kombinationen von unseren Ritter Sport Fans gestaltet werden. Doch auch wir selbst bringen in regelmäßigen Abständen humorvoll gemeinte Designs in den Umlauf“, so Ritter Sport. Diese sogenannten „Fake Sorten“ hätten mittlerweile schon echten Kultstatus erlangt. „Von diesen Fake-Sorten gibt es im Internet übrigens mittlerweile schon rund 300 Stück“, erklärt das Unternehmen weiter. „Im wahren Leben seien diese Sorten, wie Ritter Sport Mett, Bier + Ravioli oder Wiesn, nicht erhältlich.“
Der Schokoladenhersteller spielte mit dem Beitrag ironisch auf zwei EU-Verordnungen an, die Insektenbestandteile in Nahrungsmitteln in größerem Umfang erlauben als bisher. Ernst gemeint ist die angeblich neue Sorte nicht, wie Ritter Sport klarstellte. Der Gag fußte auf den beiden EU-Durchführungsverordnungen für „teilweise entfettetes Pulver aus Acheta domesticus (Hausgrille)“ und „Larven von Alphitobius diaperinus (Getreideschimmelkäfer)“.
Ritter Sport enthält keine Insekten. Die Sorten wie „Ganze Grille“ sind nur digital zu bewundern - wie all unsere Fakesorten, antwortete Ritter Sport einer Nutzerin. Der humorvolle Marketing-Gag wurde von vielen Kundinnen und Kunden dennoch missverstanden, was zeigt, wie kontrovers und sensibel das Thema Insekten in Lebensmitteln aktuell diskutiert wird.
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