QVC Dubai Schokolade — Hintergründe, Untersuchungsergebnisse und Marktentwicklung
Die Dubai-Schokolade erlebte 2024 und Anfang 2025 einen Hype in den sozialen Medien und wurde einst als Luxusprodukt gefeiert, entwickelte sich aber schnell zu einem weit verbreiteten Phänomen mit Nachahmern und rechtlichen wie lebensmittelrechtlichen Problemen.
Was ist unter "Dubai-Schokolade" zu verstehen?
Dubai-Schokolade ist Schokolade, die mit Pistaziencreme und Kadaifi gefüllt ist. „Can’t Get Knafeh of It“ wurde 2021 von Sarah Hamouda, der Gründerin von Fix Dessert Chocolatier, in Dubai entwickelt. Als Schokolade wird meist Vollmilchschokolade verwendet, alternativ Bitterschokolade. Die Füllung besteht aus geröstetem und gehacktem Kadaifi („Engelshaar“), gehackten Pistazien bzw. Laut dem Deutschen Patent- und Markenamt gab es in Deutschland zum Stand 4. Dezember 2024 insgesamt 19 aktive Markenanmeldungen, die den Begriff „Dubai“ im Zusammenhang mit Süßwaren umfassen.
Hype, Nachahmung und Markenrecht
Virale Food-Trends haben oft eine kurze Lebensdauer, und die Dubai-Schokolade ist keine Ausnahme. Einst als Luxusprodukt gefeiert, hat sie sich von einer exklusiven Delikatesse zu einem weit verbreiteten Phänomen entwickelt, das inzwischen seinen Reiz zu verlieren scheint. Ursprünglich ein Symbol für Luxus und Exklusivität, wurde die Schokolade durch ihre immense Popularität zur Massenware, was die anfängliche Faszination schmälerte.
Der Oberlandesgericht Köln entschied, dass der Begriff „Dubai-Schokolade“ nur für Produkte verwendet werden darf, die tatsächlich in Dubai hergestellt wurden. Lindt reagierte darauf mit der Umbenennung in „Dubai Style Chocolade“ und distanzierte sich bewusst von geografischen Ansprüchen. Lindt, der Schweizer Premium-Hersteller, hat diese Entwicklung erkannt und bringt mit der „Dubai Style Chocolade“ eine eigene Interpretation des Trends auf den Markt.
Im Dezember 2024 mahnte ein Importeur andere Hersteller ab, da deren Dubai-Schokolade nicht in Dubai produziert wird. Trotz der Abmahnungen vertreiben zahlreiche Hersteller weiter unter der Bezeichnung Dubai-Schokolade. Der Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie ist der Meinung, dass als „Dubai-Schokolade“ bezeichnete Schokoladenerzeugnisse auf der ganzen Welt hergestellt werden dürfen. In Europa wurden mehr als 30 ähnliche Markenanmeldungen für Schokolade registriert.
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Lebensmittelrechtliche Anforderungen: Was darf Schokolade enthalten?
Was genau in einer Schokolade drinstecken darf, ist genau geregelt. Und zwar in der so genannten Kakaoverordnung. Laut dieser Kakaoverordnung müssen in einer Schokolade mindestens 35 Prozent Kakaotrockenmasse sein. Kakaotrockenmasse ist das, was entsteht, wenn Kakaobohnen gepresst werden: also Kakaopulver und Kakaobutter. Produkte, die anstatt Kakaobutter andere pflanzliche Fette enthalten - die günstiger sind - sind keine Schokolade.
Untersuchung in Baden-Württemberg: Stichprobe von acht Proben
Im Dezember 2024 führte die Lebensmittelüberwachung in Baden-Württemberg eine Untersuchung von acht Proben „Dubai-Schokolade“ durch: Fünf Proben waren unterschiedliche Chargen eines Herstellers aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), drei stammten von verschiedenen Produzenten aus der Türkei. Bei einer Stichprobe von acht Schokoladeprodukten, die als Dubai-Schokolade beworben wurden, sind bei einer Untersuchung alle durchgefallen.
Drei Chemische und Veterinäruntersuchungsämter des Landes (CVUA) in Stuttgart, Freiburg und Sigmaringen entdeckten demnach in sämtlichen Proben Verunreinigungen, Farbstoffe, Allergene und Fremdfett in Form von Palmöl. Fast alle untersuchten Proben enthielten zudem künstliche Farbstoffe, die einen höheren Anteil an hochwertigen Zutaten vortäuschten.
Wesentliche Beanstandungen
- In fünf der acht Proben sei keine Schokolade enthalten gewesen, sondern Palmöl, teilte das Ministerium mit. Sie stammten den Angaben zufolge aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und waren demnach aus unterschiedlichen Chargen vom selben Hersteller.
- Die VAE-Proben enthielten herstellungsbedingte Verunreinigungen und waren demnach nicht zum Verzehr geeignet.
- Sie enthielten dem CVUA-Bericht zufolge eine fast doppelt so hohe Menge wie der erlaubte Höchstwert für Glycidyl-Fettsäureester - eine Substanz, die als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft wird.
- Drei Proben stammten laut Mitteilung aus der Türkei. Sie enthielten den Angaben zufolge Sesam, ohne dass dies auf der Packung gestanden habe. Für Sesam-Allergiker sei dies gesundheitsschädlich.
- Bei einem stichprobenartigen Screening seien in einer Probe mit Pistazienfüllung hohe Anteile an Schimmelpilzgiften (Mykotoxine), vor allem Aflatoxine, festgestellt worden. Der Verdacht auf eine Aflatoxin-Höchstgehaltsüberschreitung habe sich bestätigt. Die Ware darf bis zur endgültigen Ergebnisermittlung nicht verkauft werden.
- Die Forschenden fanden bei der Untersuchung der acht Proben weitere Mängel. Zum Beispiel fanden sie Farbstoffe, die in der Zutatenliste nicht angegeben waren.
Reaktionen von Politik und Kontrolleuren
„Von Betrug bis Gesundheitsschädlichkeit wurde in den ersten Importproben von 'Dubai-Schokolade' alles gefunden. Das ist so nicht akzeptabel", sagte Verbraucherminister Peter Hauk (CDU). Wo Dubai-Schokolade draufstehe, müsse auch echte Schokolade mit hochwertigen Zutaten ohne Verfälschungen oder Verunreinigungen drin sein, so Verbraucherminister Hauk.
Er hat wegen der Untersuchungsergebnisse nach eigenen Angaben ein landesweites Sonderprogramm gestartet, um angebotene Dubai-Schokolade genauer unter die Lupe zu nehmen. Dazu gehört auch Ware von kleinen einheimischen Firmen, Konditoreien und Confiserien sowie Proben von Pistaziencreme aus dem Großhandel. Die Lebensmittelaufsicht warnte vor importierter Dubai-Schokolade.
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Marktentwicklung und Perspektiven
Der Trend um Dubai-Schokolade klingt ab. Während der Hype abklingt, versucht Lindt, mit einer neuen Sorte im Premium-Segment die nächste große Schokoladentrendwelle auszulösen.
Die neue Sorte kombiniert knusprigen Kadayif und cremige Pistazienfüllung, bleibt aber bewusst im Premium-Segment und könnte den nächsten Schokoladentrend einläuten. Mit „Dubai Style Chocolade“ will der Hersteller auf sensorische Innovation und Positionierung im gehobenen Preissegment setzen, um sich von der Massenware abzuheben.
Die Dubai-Schokolade mag ihren Höhepunkt überschritten haben, doch die Idee hinter ihrer Beliebtheit - die Verbindung von luxuriösen Zutaten und ungewöhnlichen Texturen - bleibt relevant. Die Zukunft des Premium-Schokoladenmarktes liegt in sensorischen Erlebnissen, die über Geschmack hinausgehen und Konsumenten auf neue Weise begeistern.
Worauf sollten Verbraucher achten?
- Auf die Zutatenliste: Laut Kakaoverordnung müssen mindestens 35 Prozent Kakaotrockenmasse enthalten sein; Produkte mit anderen pflanzlichen Fetten sind keine Schokolade.
- Auf vollständige Deklaration von Allergenen wie Sesam.
- Auf Produktionsangaben und Herkunft, besonders wenn mit einem geografischen Begriff wie „Dubai“ geworben wird.
- Auf Qualitätssiegel und bekannte Hersteller, die transparent über Rohstoffe und Herstellung informieren.
Datenübersicht: Untersuchungsergebnisse Baden-Württemberg (vereinfachte Darstellung)
| Untersuchungspunkt | Ergebnis |
|---|---|
| Anzahl Proben | 8 |
| Proben aus VAE | 5 (verschiedene Chargen eines Herstellers) |
| Proben aus Türkei | 3 (verschiedene Produzenten) |
| Palmöl statt Kakaobutter | In 5 Proben |
| Un deklarierte Allergene (Sesam) | In 3 Proben (Türkei) |
| Aflatoxine / Mykotoxine | Hohe Anteile in mindestens 1 Probe; Überschreitung bestätigt |
| Glycidyl-Fettsäureester | Fast doppelt so hoher Wert in VAE-Proben |
| Künstliche Farbstoffe, Verunreinigungen | In fast allen Proben nachgewiesen |
Die Ergebnisse zeigen, dass bei titulierten Luxusprodukten nicht automatisch Qualität, sichere Zutaten oder korrekte Deklaration gewährleistet sind. Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Händler und Kontrolleure sind gefordert, genau hinzuschauen.
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