Traditionelle portugiesische Desserts: Klassiker, Geschichten und Rezepte
Naschen Sie gern? Lieben Sie Desserts? Wenn ja, dann ist Portugal ein großartiges Reiseziel für Sie. Portugiesische Desserts sind bekannt für ihren reichhaltigen Geschmack, die Verwendung traditioneller Zutaten und den süßen Genuss, der das kulinarische Erbe des Landes widerspiegelt.
In diesem Land weiß man Essen wirklich zu schätzen, und Desserts bilden da keine Ausnahme. Pastelarias (Konditoreien) und Padarias (Bäckereien) sind allgegenwärtig und bieten die erstaunlichsten Leckereien, die man sich vorstellen kann. Ob Sie einen zarten Kuchen, einen cremigen Pudding oder eine köstliche Pastete genießen möchten - es ist für jede Naschkatze etwas dabei.
Warum portugiesische Süßspeisen so besonders sind
Die Portugiesen trinken zu den mannigfaltigen, knusprigen Dessert-Kreationen Kaffee und noch viel lieber Portwein. Das ist dieser süße, aus Porto stammende Likörwein in rot oder weiß. Die süßen Gerichte der portugiesischen Küche genießt man kalt oder warm. Einige Zutaten entstammen den reichen Backtraditionen anderer Kulturen.
So weisen Süßspeisen mit Marzipan und Mandeln auf maurische Ursprünge aus der Zeit von Al-Andalus (711 bis 1492) hin. Die Esskultur, vor allem in den Städten, zeigt auch Spuren der früheren Kolonien Portugals auf. Manche Speisen tragen bildhafte Namen wie die Mandel-Eiercréme »Kamelspucke« (baba de camelo). Andere bringen einen vor dem Zutatenkauf auf die falsche Spur wie der Feigenkäse.
Die 12 bekanntesten traditionellen Desserts
- Pastéis de Belém / Pastéis de Nata
Das vielleicht berühmteste portugiesische Dessert, Pastel de Nata oder Pastel de Belém, ist ein Puddingtörtchen mit einer knusprigen, blättrigen Kruste und einer cremigen Puddingfüllung. Die kleinen portugiesischen Törtchen wurden vor dem 18. Jahrhundert von einem Mönch des Klosters Mosteiro dos Jerónimos kreiert. Die Blätterteigtörtchen sind beim Backen an der Oberfläche karamellisiert und oft leicht dunkel gebräunt - das ist ein Schönheitsbeweis und Geschmacksgarant.
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Am besten schmecken die Pastéis de Belém noch lauwarm mit etwas Zimtzucker oder Puderzucker bestäubt. Die Originalrezeptur gilt als Geheimnis, angeblich kennen sie nur drei Konditoren.
- Arroz doce (Milchreis)
Dieses beliebte portugiesische Dessert ist auf der ganzen Welt bekannt und wird in verschiedenen Kulturen in vielen Variationen zubereitet. Reis, Milch, Zucker und Zimt bilden die Grundlage für dieses süße Gericht, und jede Familie hat ihr eigenes Rezept mit verschiedenen Varianten wie Vanille, Zitronenschale und sogar Ei, um die Mischung zu binden. Nach dem Kochen wird es mit verschiedenen Motiven verziert, die in der Regel mit Zimt gestaltet werden.
- Pudim de Ovos (Pudim ovos)
„Pudim de Ovos“ bezeichnet in Portugal einen traditionellen portugiesischen Eierpudding oder Flan. Es handelt sich um ein beliebtes Dessert, das im ganzen Land genossen wird. Es hat eine weiche und cremige Konsistenz und wird mit einer reichhaltigen Karamellsauce serviert. Man findet es auf den Speisekarten der meisten Restaurants und bei Familienfeiern.
- Aletria
Aletria ist ein traditionelles Dessert, das auf vielen portugiesischen Weihnachtstafeln zu finden ist, aber auch das ganze Jahr über zubereitet wird. Es wird aus Fadennudeln, Milch, Zucker, Eigelb, Zimt und Zitronen- oder Orangenschalen zubereitet. Diese köstliche Nachspeise wird wie der Milchreis mit Motiven aus Zimt dekoriert und zählt zu den traditionellsten Dessert-Rezepten Portugals.
- Rabanadas
Rabanadas sind eine köstliche portugiesische Variante des Gerichts „Armer Ritter“. Dabei handelt es sich um Brotscheiben, die in einer reichhaltigen Mischung aus Milch und Eiern eingeweicht, goldbraun gebraten und anschließend großzügig mit Zimt und Zucker bestreut werden. Diese süßen Leckereien werden traditionell in der Weihnachtszeit genossen und sind eine echte portugiesische Delikatesse, die den Inbegriff festlicher Schlemmerei verkörpert.
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- Baba de Camelo
Dieses portugiesische Dessert mit dem ungewöhnlichen und amüsanten Namen („Baba de camelo“ bedeutet wörtlich „Kamelspucke“) eignet sich perfekt für alle, die in Eile sind, ihren Gästen aber in wenigen Minuten etwas Beeindruckendes auftischen möchten. Für die Zubereitung zunächst das Eiweiß vom Eigelb trennen. Nun das Eiweiß steif schlagen. Das Eigelb abseihen und mit Kondensmilch vermischen. Dann das Eiweiß unterheben und das Dessert anschließend in den Kühlschrank stellen. Und voilà! Dieses herrlich einfache kalte Dessert ist wirklich beliebt und ein fantastisches portugiesisches Rezept, wenn Sie wenig Zeit haben.
- Leite Creme
Leite creme ist die portugiesische Variante der „Crème brûlée“ und wird auf dem Herd anstatt im Ofen zubereitet. Leite Creme ist ein reichhaltiges Puddingdessert mit einem karamellisierten Zuckerguss. Dieses Dessert wird oft mit Vanille oder Zitrone verfeinert, um ihm zusätzlichen Geschmack zu verleihen.
- Natas do Céu
Dieses mehrschichtige Dessert trägt einen sehr passenden Namen: Natas do Céu oder „Himmlische Creme“. Auf der obersten Schicht befindet sich eine köstliche, dicke Eiercreme, gefolgt von einer Mischung aus Sahne, Eiweiß und Zucker und die unterste Schicht bilden knusprige Streusel aus zerkleinerten Maria-Keksen. Ein Löffel voller Glück bei jedem Bissen!
- Bolo de Bolacha
Die traditionellen Maria-Kekse sind die Hauptzutat eines weiteren berühmten portugiesischen Desserts, dem Bolo de Bolacha. Für diese kalte, kuchenähnliche Leckerei gibt es im ganzen Land unterschiedliche Rezepte, und jeder Koch fügt seine eigene persönliche Note, wie Sahne oder Kondensmilch, hinzu. Die traditionelle Version besteht aus Maria-Keksen, die in starkem schwarzen Kaffee getränkt und dann mit Hilfe einer Buttercreme aus Zucker, Butter und noch mehr Kaffee aufgeschichtet werden.
- Bola de Berlim
Wenn Sie schon einmal an einem portugiesischen Strand waren, vor allem an der Algarve, haben Sie bestimmt die Verkäufer gesehen, die „Bolas de Berlim“ anbieten. Dieses frittierte Gebäck, das in Konsistenz und Geschmack an einen Donut erinnert, kann einfach pur gegessen werden (nur mit Zucker bestreut) oder mit jener Eiercreme gefüllt, die man in so vielen portugiesischen Desserts vorfindet. Heute gibt es sogar alternative Varianten, wie etwa mit Schokolade oder Johannisbrotcreme gefüllte Bolas de Berlim.
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- Pão de Deus
Der Name dieses portugiesischen Desserts bedeutet wortwörtlich „Gottes Brot“ und es schmeckt wirklich himmlisch. Diese saftige, brioche-ähnliche Teigrolle ist mit Kokosstreuseln überzogen und einfach unwiderstehlich. Man findet sie in den meisten „Pastelarias“, und sie eignet sich als perfekter Begleiter zu einer guten Tasse Kaffee.
- Toucinho do Céu
Toucinho do Céu, was wörtlich übersetzt „himmlischer Speck“ bedeutet, ist ein köstlicher Mandelkuchen, der mit Schweineschmalz zubereitet wird, daher das Wort Speck im Namen. Er wurde von den Nonnen des Klosters Santa Clara im Norden des Landes kreiert und ist eines der beliebtesten portugiesischen Desserts überhaupt. Lassen Sie sich nicht von dem Namen abschrecken, denn der Geschmack ist unglaublich!
Weitere typische Gebäcke und Spezialitäten
Portugiesisches Gebäck macht schon Spaß, wenn du die bildhaften Namen wahrnimmst: »Tausend Blätter« (mil folhas) ist Blätterteig mit Pudding und einer Zuckerglasur. Auf die almofadas genannten Blätterteig-Kissen ist Puderzucker gestäubt. Die Törtchen aus Tentúgal (pastéis de Tentúgal) verstecken eine kirchliche Entstehungsgeschichte. Das im Blätterteiggebäck enthaltene Eigelb hatten einst die Nonnen des Klosters übrig. Bohnenpasteten (pastéis de feijão) zeigen mit ihrem Namen, was sie sind: deftig. Als Gebäck haben sie gleichzeitig eine süße Note.
In Form von Muscheln kommen die Ovos moles de Aveiro daher: zarte Waffeln mit einer Eigelbfüllung. Aus der Hafen- und Kanalstadt mit den knalligen Booten im Norden Portugals stammt dieses Rezept. Bricht man die Waffeln auseinander und schaut man in das knallgelbe Innere, erlebt man Essen mit allen Sinnen: sehen, berühren, riechen und schließlich schmecken!
Rezepte, Techniken und Familienüberlieferungen
Süßspeisen-Rezepte vererbt man: Liest du von Pudim caseiro (Pudding des Hauses) auf der Speisekarte, so handelt es sich um einen Eierpudding mit Karamellumhüllung. Diese Knusper-Nachspeise nach Familienrezept gart man im Backofen. Sie ähnelt dem spanischen Flan. Manche gezuckerte Gerichte klingen ganz und gar nicht lecker, sind aber genau das, zum Beispiel: Sägemehlpudding (serradura). Macau, einer einstigen portugiesischen Kolonie im heutigen China, kommt diese schichtweise aufgehäufte Süßspeise.
Die Puddingherstellung gilt oft als Handwerkskunst. Für die Macao-Version hebst du unter die geschlagene Sahne die Kondensmilch und schichtest Kekskrümel mit der Sahne. Nach 15 Minuten Herstellungs- plus zwei Stunden Ruhezeit im Kühlschrank ist das Ergebnis phänomenal.
Pastéis de Nata: ein einfaches Hausrezept (Annäherung)
Falls ihr wie wir allgemein gerne Pudding nascht, solltet ihr auch mal Pastéis de Nata probieren - dabei handelt es sich um die beliebteste Süßspeise Portugals. Basis ist ein Blätterteig, der in Original-Rezepten natürlich komplett selbstgemacht wird. Ich greife hier aber wie für die Cremeschnitten auf die fertige Variante aus dem Kühlregal zurück. Zunächst kommen kleine Teigkreise mithilfe eines Schnecken-Tricks in spezielle Förmchen oder die Mulden einer normalen Muffinform. Wo sie dann mit einer sahnigen Vanillecreme gefüllt werden. Diese besteht aus einer Art einfachem Pudding aus Milch, Zucker, Stärke und Eigelb.
Den Backofen auf 230 Grad Ober- und Unterhitze vorheizen. Die Blätterteigrolle entrollen, halbieren und zwei Lagen übereinander legen. Den „doppelten Blätterteig“ zu einer Rolle formen. Rolle mit einem scharfen Messer in ca. 10-12 Scheiben schneiden. Für die Creme die Eier in einer Schüssel gut verquirlen. 2 EL von der Milch mit der Speisestärke in einer Tasse vermischen. Die restliche Milch mit Zucker und Vanillezucker in einem Topf aufkochen, dann die gemischte Stärke dazugeben, gut unterrühren und kurz unter Rühren bei mittlerer Hitze zu einem Pudding kochen. Vom Herd nehmen und einige Minuten abkühlen lassen. Dann die Eigelb unterrühren. Jede Schnecke mit den Händen etwas flach drücken und in die Mulden einer leicht eingefetteten Muffinform legen. Die Creme mit einem Löffel in die Teigmulden geben (nicht ganz bis zum Rand). Törtchen ca. 12 Minuten backen, bis sie an der Oberfläche dunkel werden und karamellisieren. Am besten noch lauwarm z.B. mit Puderzucker oder Zimtzucker bestäubt essen.
Service, Kultur und Genuss
Die Pastelaria Pastéis de Belém in Lissabon ist berühmt: Hier kannst du eines von 20.000 Vanilletörtchen ergattern. Viele Backrezepte entstanden, weil Nonnen Eigelb verwerten mussten, nachdem das Eiweiß als Wäschestärke diente. So entstanden vielerlei süße Backrezepte, und manche Konditoren hüten ihre Rezepte wie Schätze.
Portugiesische Küchlein zu essen ist so viel mehr als sich zu ernähren. Es ist ein Gefühl. Man verköstigt Pão de ló, den luftigen Biskuitkuchen, zu Ostern und Weihnachten. Die queijadas de Sintra - Käseküchlein aus Frischkäse - sind ein Geheimtipp aus Sintra und werden am besten einen Tag durchgezogen kühl gegessen oder warm direkt aus dem Ofen serviert.
Kurztabelle: Typische Zutaten und Aromen
| Dessert | Hauptzutaten | Typische Aromen |
|---|---|---|
| Pastéis de Nata | Blätterteig, Eigelb, Milch, Zucker | Vanille, Zimt, karamellisiert |
| Arroz doce | Reis, Milch, Zucker, Zimt | Zimt, Zitrone, Vanille |
| Baba de Camelo | Kondensmilch, Eiweiß, Eigelb | Süß, sahnig |
| Toucinho do Céu | Mandeln, Schweineschmalz, Zucker | Mandel, buttrig |
Unsere Empfehlung: Beim Besuch in Portugal unbedingt in einer Pastelaria ein lokales Törtchen probieren und dabei Kaffee oder Portwein genießen. So wird das Dessert-Erlebnis vollständig.
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