Ostfriesische Waffeln Rezept Traditionell – Die Kunst der Neujahrskuchen und Knetwaffeln
Ostfriesische Waffeln, insbesondere die traditionellen Neujahrskuchen - auch bekannt als Neejahrskoken oder Rullerkes - sind fester Bestandteil der friesischen Kultur. Wer in Ostfriesland groß geworden ist, erinnert sich meist daran, wie Oma, Mama und Tante in Windeseile die hauchdünnen Waffeln backten. Warum das so schnell gehen muss? Weil sie sich schon nach wenigen Sekunden nicht mehr formen lassen - ein echter Wettbewerb um Geschicklichkeit und Schnelligkeit!
Nicht alles ist so skurril in Ostfriesland wie viele denken. Aber ein paar Besonderheiten haben wir uns erhalten. Und die Neujahrskuchen gehören definitiv dazu. Sie werden nicht nur zum Neujahr, sondern wegen der weihnachtlichen Gewürze besonders gerne in den Wochen rund um Weihnachten gegessen.
Historischer Hintergrund und Bedeutung der Ostfriesischen Waffeln
Die abwechslungsreiche Tradition der Neujahrskuchen reicht viele Generationen zurück. Ursprünglich wurden die Neujahrskuchen den Gästen nur zum Neujahrsempfang serviert, um das neue Jahr willkommen zu heißen. Das meiner Mutter gehörte die ganze Familie durch. Wir leben seit ewigen Generationen im Osnabrücker Land. Auch heute noch pflegt man diese Tradition: Es gab und gibt immer zu Neujahr diese Neujahrskuchen. Das Rezept wird über die Jahre weitergegeben und auch an die nächste Generation weitervermittelt. Ich bin eine halbe Ostfriesin, das heißt ich bin mit den Neujahrskuchen aufgewachsen. Nun bin ich schon lange verheiratet und habe 4 Kinder und schon 3 Enkelkinder. Und auch die wachsen mit den Neujahrskuchen auf. Ich mache sie JEDES JAHR.
Wer die Waffeln gern spitzer haben möchte, der nimmt einfach einen Trichter, stellt den in eine Tasse oder ein Glas und gibt die Waffeln zum Auskühlen dort hinein. Früher, als wir noch keine Knetwaffeln kannten, sondern zuhause immer Krüllkoken gebacken haben, waren wir mit einer "Teigladung" meistens einen ganzen Nachmittag beschäftigt. Krüllkokenbacken ist also kein Vergnügen, Knetwaffeln sind da ganz anders!
Typische Zutaten für Ostfriesische Neujahrskuchen
- Mehl (ca. 500 g)
- Butter (250-375 g, je nach Rezept)
- Eier (2-4 Stück)
- Rohrohrzucker oder brauner Kandiszucker (250-375 g, traditionell kleine Kandisstückchen)
- Abgekochtes Wasser (500-1000 ml, je nach Konsistenz)
- Kardamom (½-1 Päckchen, ca. 7,5 g, nach Geschmack)
- Anis (ca. 15 g, nach Geschmack)
- Vanillezucker (optional)
- Salz (¼ TL oder nach Geschmack)
Wahlweise wird statt Zucker aufgelöster Kandis verwendet. Entscheidend ist die finale Konsistenz vom Teig und die sollte sämig, jedoch nicht zu flüssig sein. Wenn durch den geschmolzenen Kandis der Teig eine flüssigere Konsistenz hat als mit Zucker, kann die Wassermenge reduziert werden. Wenn der Teig zu weich oder dünn ist, muss etwas mehr Mehl rein.
Lesen Sie auch: Ostfriesische Knüppeltorte: Zubereitung und verschiedene Varianten
| Zutat | Menge | Bemerkung |
|---|---|---|
| Mehl | 500 g | Gesiebt |
| Kandiszucker | 375 g | Alternativ brauner Grümmelkandis |
| Butter | 250-375 g | Feine Butter |
| Wasser | 500-1000 ml | Abgekocht, ggf. halb Milch/halb Wasser |
| Eier | 2-4 | |
| Kardamom | 7,5 g | Je nach Geschmack |
| Anis | 15 g | Je nach Geschmack |
| Vanillezucker | Optional | |
| Salz | ¼ TL |
Zubereitung - Schritt für Schritt
Vorbereitung des Teiges
- Für die Neujahrskuchen zunächst den Teig zubereiten. Traditionell lässt man den Teig über Nacht in der Küche ziehen. Aus Produktsicherheitsgründen empfehlen wir, den Teig über Nacht im Kühlschrank stehen zu lassen.
- Als Erstes die Butter schmelzen, bis das Restwasser aus der Butter verdampft ist. Nun langsam den Zucker in die heiße Butter rieseln lassen, bis dieser aufgelöst ist. Wahlweise statt Zucker aufgelösten Kandis verwenden. Alles gut abkühlen lassen.
- Die Eier hinzugeben und die Masse gut durchrühren. Anschließend abwechselnd Mehl und abgekochtes, abgekühltes Wasser hinzufügen. Ungefähr ein Liter Wasser kommt auf die Menge, entscheidend ist aber, wie dickflüssig der Teig ist.
- Nun die Gewürze hinzugeben und alles noch einmal gut mixen. Als letzten Schritt den Teig abschmecken und ggf. nachwürzen.
Zubereitung der Waffeln
- Am nächsten Tag zum Teig so viel abgekochtes Wasser hinzufügen, bis die Konsistenz schön sämig ist.
- Das Waffeleisen vor dem ersten Gebrauch mit Pflanzenöl einfetten. Die Temperatur je nach gewünschtem Bräunungsgrad einstellen.
- Den Teig auf das heiße Waffeleisen geben. Dabei gilt: Je mehr Teig, umso dicker der Neujahrskuchen. Traditionell sind die Neujahrskuchen sehr dünn, deshalb empfehlen wir einen Esslöffel Teig pro Waffel.
- Wenn die Signallampe leuchtet, den Neujahrskuchen herausnehmen. Nun kommt der schwierigste Teil: Die Waffeln werden innerhalb von fünf Sekunden hart und sind dann nicht mehr formbar. Deshalb müssen sie sofort aus dem Waffeleisen herausgenommen und zu spitzen Hörnchen gedreht werden. Entweder per Hand - oder für zartere Hände mit einem speziellen ‚Neujahrskuchenroller‘, den Sie allerdings kaum im Handel finden werden. Da bleibt nur: Augen zu und schnell sein.
- Den Neujahrskuchen ganz auskühlen lassen und in einem luftdichten Behälter - z. B. große Gebäckdosen aus Weißblech - aufbewahren bis sie gegessen werden. Lasse die Knetwaffeln einzeln ausgebreitet vollständig auskühlen, bevor Du sie in einen luftdichten Behälter legst. Wenn sie noch warm sind, könnten sie sonst weich werden.
Praktischer Tipp
Wer die Waffeln gern spitzer haben möchte, der nimmt einfach einen Trichter, stellt den in eine Tasse oder ein Glas und gibt die Waffeln zum Auskühlen dort hinein.
Varianten und persönliche Erfahrungen
Ich habe die friesische Variante ausprobiert und bin begeistert! So lecker, so kroß, nur klasse! Das alte Rezept kann weg. Bei uns werden die Neujahrskuchen mit Kristallzucker gebacken und nach der Teigherstellung direkt gebacken. Auf jeden Fall wird Zucker vermieden. Es muss Kandis verwendet werden (kleine Stücke). Diese (ca. 170g) werden in etwa 450g heißem Wasser aufgelöst. Gleichzeitig können etwa 150g Butter im Ofen oder anderswo geschmolzen werden. Alles zusammen tun und mit den anderen erwähnten Zutaten (je 1/2 Teelöffel) gut verrühren. Mindestens 2 Stunden ziehen lassen.
Wir kochen allerdings halb Milch/halb Wasser und lösen darin braunen Grümmelkandis auf. Ansonsten ist das Rezept identisch! Mit der Milch finde ich es besser! Nach dem Abkühlen die restlichen Zutaten und über Nacht stehen lassen. So hat der Teig die gewünschte sämige Konsistenz.
Jedes herkömmliche Waffeleisen für Neujahrskuchen eignet sich dafür. Wir haben für unser Rezept eins von der Marke Cloer genutzt. Der Teig zum Schluss sollte eine dickflüssige, sämige Konsistenz haben.
Serviervorschläge und Genussmomente
Füllen Sie in die als Hörnchen gedrehten Neujahrskuchen frische aufgeschlagene Sahne. Auch lecker: Zu einem feinen Schokoladenkuchen oder zu Mascarpone-Crème mit RÜCKER Der Cremige. Die fertigen Hörnchen sehen sehr appetitlich aus. Gefüllt werden sie bei uns mit Sahne und Früchten je nach Wunsch. Besonders köstlich ist es auch mit Sahne gefüllt und heißen Kirschen dazu. Und was immer Sie mögen, lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf.
Lesen Sie auch: Genussmomente mit Byodo Waffeln
Getränketipp: In Ostfriesland reicht man dazu entweder klassisch Ostfriesentee. Oder an Feiertagen gern auch einen Grog. Machen Sie es wie die Ostfriesen und gönnen Sie sich ein Elführtje: Eine kleine Teepause um 11 Uhr.
Ja, wir freuen uns auch jedes Jahr aufs Neue die Tradition fortführen zu können. Das Rezept ist ähnlich wie das meines Vaters, der als Konditor jedes Jahr zu Neujahr diese Hörnchen gemacht hat und unsere gesamte Familie hat sie geliebt.
Ostfriesische Knetwaffeln - Die schnelle Alternative
Zu Neujahr werden eigentlich Krüllkoken, bzw. Neujahrskuchen gereicht, aber es gibt auch eine andere ostfriesische Waffelart, die sogar noch viel lieber gegessen wird als die sehr zarten Röllchen: Knetwaffeln. Mit anderen Worten, diese Waffeln sind schlicht und einfach die besseren Waffeln und dazu noch das allerliebste Teegebäck überhaupt. Im Gegensatz zu den Krüllkoken, werden Knetwaffeln nicht mit den Fingern gerollt, sondern man stellt sie einfach in ein spitz nach unten zulaufendes Glas und lässt die darin abkühlen, bis die nächste Waffel fertig ist.
Zutaten für Knetwaffeln (ca. 27 Waffeln)
- 250 g Butter
- 250 g Rohrohrzucker
- 4 Eier
- 500 g Mehl
- 10 g grüne Kardamomkapseln, frisch gemörsert (alternativ 1 TL gemahlenen Anis)
- 1/4 TL Salz
Die Butter in einem Topf zerlassen und bei mittlerer Hitze leicht bräunen, beiseitestellen und abkühlen lassen. In der Zwischenzeit die Kardamomkapseln in einen Mörser geben und leicht andrücken, sodass sich die schwarzen Samen lösen. Die Eier mit dem Zucker und Salz schaumig schlagen, nach und nach die etwas abgekühlte gebräunte Butter in einem feinen Strahl einlaufen lassen. Das Mehl ebenfalls dazugeben und alles zu einem glatten Teig verrühren. Den Teig für 30 Minuten oder besser über Nacht ruhen lassen.
Am nächsten Tag den Teig erneut Zimmertemperatur annehmen lassen, mit einem Eiskugelformer oder tiefen Löffel ca. walnussgroße Kugeln aus dem Teig formen und in einem Waffeleisen ausbacken. Je nach Hitze und Bräunungsgrad müssen Sie ausprobieren, wie lange das dauert. Die fertigen Waffeln sofort in das spitz zulaufende Glas oder den Trichter stellen und einrollen, um ihnen die typische Form zu verleihen.
Lesen Sie auch: Inhaltsstoffe und Wissenswertes zu Milka Waffeln Rund
Aufbewahrung und Tradition
Gut geeignete Behälter zur Bevorratung der Waffeln sind große Gebäckdosen aus Weißblech wie die Vorratsdose mit Ostfrieslandwappen. Die knusprigen Röllchen werden so lange frisch gehalten, bis festliche Gäste oder die Familie sie genießen.
Die Tradition der Ostfriesen, zum Neujahr etwas Süßes zu reichen, ist ein Symbol für Glück und Zusammengehörigkeit. Smakelk Eten wie der Ostfriese sagt oder einfach guten Appetit!
tags: #ostfriesische #waffeln #rezept #traditionell


