Miriam Milord: Die Kunst der Torten und ihre außergewöhnlichen Rezepte

Miriam Milord begeistert New York mit außergewöhnlichen Torten-Kreationen, die täuschend echt aussehen und sogar Stars wie Rihanna, Jay-Z und Justin Bieber anziehen. Ihre Backkunst ist nicht nur handwerklich anspruchsvoll, sondern auch Ausdruck ihrer künstlerischen Persönlichkeit. Die Geschichte von Milord, die aus Kaarst nach Brooklyn auswanderte, zeigt, wie Leidenschaft und Kreativität zu internationaler Bekanntheit führen können.

Von Kaarst nach New York: Milords Weg zur Backkünstlerin

Um Grafikdesign und Kunstgeschichte zu studieren, zog Miriam Milord mit 19 Jahren nach New York. Schon als Schülerin hatte es sie aus Kaarst weggezogen. Mit Freundinnen traf sie sich am liebsten in Düsseldorf oder Mönchengladbach. Doch erst in New York fühlt sie sich so richtig zu Hause. „Menschen, die so aussehen wie ich, sind hier nicht ‚anders‘“, sagt die Tochter einer Deutschen und eines Ghanaers.

Nach New York kam sie für ein Kunst- und Grafikstudium, den Job in einer Galerie bekam sie gleich nach ihrem Abschluss, samt Greencard. Mit der permanenten Aufenthaltsgenehmigung war die Firmengründung kein Problem. Schon bald nach Abschluss ihres Studiums fand sie ihren Weg zur Backkunst.

Kunsthochschule in New York

Anfänge und Aufstieg: Die ersten Schritte bis zum Durchbruch

Ihr Unternehmen begann nicht mit Stars, es entstand eher per Zufall. Milord konnte sich den Kuchen für die Babyparty einer Freundin nicht leisten und backte ihn mit Hilfe von YouTube-Videos selbst. Kurze Zeit später hatte sie eine Handvoll Bestellungen jede Woche. Ein paar Monate lang backte sie nachts, bevor sie ihren Job in einer Kunstgalerie kündigte und sich als Vollzeitunternehmerin versuchte.

„Mit einem Kuchen für meine schwangere Freundin fing alles an. Sie hatte zur Babyparty geladen und die bunten Torten, die es in den amerikanischen Supermärkten zu kaufen gibt, konnte ich mir einfach nicht leisten - außerdem schmecken sie nicht. Ein Marmorkuchen war mir auch zu simpel. Also kaufte ich eine runde Kuchenform und suchte auf YouTube nach Backvideos. Wenn ich mir jetzt die Fotos anschaue, denke ich: Oh Gott, was hast du da nur gemacht? Die Torte war pink mit kleinen Blumen. Aber damals war ich sehr stolz. Und meine Freunde waren so begeistert, dass sie mich baten, auch für sie zu backen. Das habe ich gemacht, abends, nach meinem Job in einer Kunstgalerie.“

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Die erste Torte von Miriam Milord

Ihr Chef staunte, als sie ihm den Grund für ihre Kündigung nannte: Statt in seiner New Yorker Galerie zu arbeiten, wollte sie lieber Vollzeit Kuchen backen, in einem alten Lagerhaus in Brooklyn. Dann half er ihr sogar beim Schreiben des Businessplans. Die Bereitschaft, einfach mal etwas zu riskieren, ist in den USA viel größer als in Deutschland.

Die ersten Monate habe ich daheim gebacken, dann habe ich für wenig Geld eine Küche in einem alten Lagerhaus in Brooklyn gemietet und meine Freundin überredet, ihren Job zu kündigen und bei mir einzusteigen. Was ich ihr dafür bieten konnte, war ein Zimmer in meiner Wohnung und Essen, wobei das im ersten Jahr eigentlich nur Spaghetti waren.

BCakeNY: Das Unternehmen und die Innovationen

Miriam Milord gründete im Jahr 2008 das Unternehmen "BCakeNY" und erschuf im New Yorker Stadtteil Brooklyn ausgefallene Zuckerbackwerke. Heute stellen sie und ihr Team aus 18 Mitarbeitern 20 bis 35 Kuchen pro Woche her. „Alles kann ein Kuchen sein“, sagt die Gründerin von „B Cake NY“. Daher auch der Firmenname, der wie „be cake“ (sei Kuchen) klingt.

BCakeNY Torten Atelier in Brooklyn

Zu einer Tortenkonstruktion gehört eine Menge Bautechnik, also innere Struktur, Architektur, fast wie bei Gebäuden“, erklärt Milord. Es reiche nicht aus, Kuchenteig in eine Form zu gießen und zu backen. Gelernt hat Milord diese Tortenkunst durch Übung - und aus Fehlern. „Der Mut, Projekte anzunehmen, ohne zu wissen, wie man sie bewältigt, ist die halbe Miete“, sagt sie.

Die Kreationen kosten zwischen 75 und 7500 US-Dollar (etwa 60 bis 6000 Euro). Es gibt aber auch Cupcakes ab zwei Dollar. Cupcakes zum Preis einer Tasse Kaffee oder Kuchen für eine Großveranstaltung, der Zehntausende Dollar kostet: Die Bandbreite spiegele die Kreativität der Kuchen wider, sagt Milord.

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Handwerk und Kreativität: Von der Bildhauerei zur Tortenkunst

Wir backen immer zuerst einen Kuchenblock aus dünnen Schichten, zum Beispiel mit Buttercreme oder Marmelade als Füllung. Daraus schneiden wir mit Messern, Sägen, Zangen und Meißeln die Form, wie ein Bildhauer. Bei der Handtasche mit Lederoptik ist jede Rille von Hand gezeichnet. Das dauert schon mal zwei Tage.

Handtaschenkuchen Lederoptik von Miriam Milord
  • Handtasche, Steak, Eisenbahntunnel: Mit verblüffenden Torten hat sich Miriam Milord in New York eine Existenz aufgebaut.
  • Von einem lebensgroßen Sofa bis hin zu einem überfahrenen Gürteltier hat Milord schon die verrücktesten Spezialanfertigungen geschaffen.
  • 150 Dollar war der Mindestpreis für eine solche Torte vor sieben Jahren, mittlerweile verlangt Milord mindestens 225 Dollar. „Die Zutaten werden jedes Jahr teurer, vor allem Eier und Butter. Und auch die Gehälter steigen, als Gewinn bleibt da gar nicht so viel“, sagt Milord.
  • „Ich sehe mich in erster Linie als Künstlerin und nicht als Konditorin. Es gibt keine Form, an die ich mich nicht wagen würde.“

Prominente Kunden und außergewöhnliche Aufträge

Die Kreativität zieht scharenweise Promis an, darunter Rihanna, Mariah Carey, Barbra Streisand, Jay-Z und Heidi Klum. Sie beliefere aber nicht nur Millionäre, betont Milord. Viele ihrer Kunden kämen aus der Mittelklasse.

PromiKuchenkreationBesonderheit
Justin BieberFerrari-Tortetäuschend echter Sportwagen aus Cake
RihannaLippenstift-Tortekünstlerisch und handgezeichnet
Jay-Z5-stöckige Hommageaufwendig, mehrere Ebenen, Extravaganz
Kevin HartWaschbär-Tortelebensecht modelliert
Kourtney KardashianHimmelblauer ZugBabyparty 2009, begeisterte Gäste
Kourtney Kardashian Babyparty Kuchen von Miriam Milord

Der Durchbruch kam, als die Mutter von Fernsehstar Kourtney Kardashian anrief. Ihre Tochter hatte ein Foto von einem täuschend echt aussehenden Schuh aus Kuchenteig gepostet - gebacken von Miriam Milord in Brooklyn. Ob sie nach Los Angeles liefere? Na klar, sagte Milord, obwohl sie keine Ahnung hatte, wie sie die Torte quer durchs Land transportieren sollte. Tatsächlich habe ich es geschafft, eine Airline zu überreden, den Schuh gratis auf einem eigenen Sitz nach Los Angeles zu fliegen.

Einmal haben wir einen Kuchen in der Form eines Hinterns für eine Party gebacken. Als sie dann mit dem Kuchen am Flughafen stand, um ihn nach Los Angeles zu liefern, habe der Sicherheitskontrolleur entgeistert gefragt: „Ist da ein Hintern in der Box?“ Auch mit 50 Kilo Buttercreme ist Milord schon geflogen.

Das Erfolgsrezept und die Herausforderungen

Das Tolle an den Torten ist, dass ich keine Werbung mehr machen brauche. Jeder will sofort ein Foto ins Internet stellen: Schaut her, ich und mein Kuchen. Von einigen weiß ich, dass sie ihn gar nicht gegessen, sondern eingefroren haben.

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Lesen Sie mehr über Milords kreative Torten im folgenden Video:

Kreative Torten von BCakeNY

Milord wählt ihre Mitarbeiter sorgfältig aus; schon der Bewerbung müssen Fotos von eigenen Kuchenkreationen beiliegen, einen Arbeitsvertrag gibt es erst nach einem Tag Probebacken.

Aus Zeitgründen muss sie jede Woche fünf bis 15 Aufträge ablehnen. Mehr als 25 Torten pro Woche schaffe ich mit fünf Mitarbeitern und vier Praktikanten nicht. Es haben sich schon Investoren bei mir gemeldet, aber ich muss erst in Ruhe überlegen, wie es weitergehen soll.

Das Angebot werde gut angenommen, sagt Milord: „Wir haben zwar viele berühmte Kunden, aber 90 Prozent unserer Aufträge kommen aus der Nachbarschaft, und die Nachbarn halten uns noch die Treue.“ Das sei der typische „New Yorker Spirit“ - in einer Krise hielten alle zusammen.

Preisstruktur und Arbeitsalltag

Einen Kuchen zu kreieren, bedeutet für Milord viel Arbeit: „Manche denken, dass wir einen Kuchen backen und dann davon leben können, doch es steckt sehr viel Arbeit dahinter.“ 225 Dollar ist der Mindestpreis für eine Torte. „Die Zutaten werden jedes Jahr teurer, vor allem Eier und Butter. Und auch die Gehälter steigen, als Gewinn bleibt da gar nicht so viel.“

Als Unternehmerin habe sie bislang auch nicht mehr verdient als in ihrem alten Job in der Kunstgalerie. Den wieder aufzugreifen, kann sie sich aber nicht vorstellen. Mehr als drei Tage am Stück nehme ich nicht frei, der Laptop kommt mit an den Strand.

Krisen und neue Wege: Die Coronakrise

Die Coronakrise trifft sie und ihr Team mit aller Härte. Denn aufwendige Torten werden immer dort aufgetischt, wo viele Menschen zusammenkommen - bei Firmen- und Geburtstagsfeiern, Hochzeiten oder Jubiläen, all den Veranstaltungen, die nun verboten sind. Plötzlich Therapeutin für enttäuschte Bräute: Nur elf kleinere Kuchen konnte Milord in der vergangenen Woche verkaufen, ständig klingelt das Telefon, weil Kunden ihre Bestellungen stornieren wollen.

Sogar die ersten Aufträge für Juli wurden gecancelt. „Ich bin gerade vor allem Therapeutin für enttäuschte Bräute“, sagt Milord.

Leere Veranstaltungshalle während Corona

Auch Milord versucht, die Krise kreativ zu meistern. Sie hat ihr Onlineangebot erweitert, verkauft jetzt Muffins, Kekse oder Kuchen in Gläsern, die zum Beispiel von Freunden als Gruß gesendet werden sollen. Für 54,99 Dollar gibt es drei Kuchen, die Lieferung in New York ist gratis.

Ihre Rücklagen reichten für maximal zwei Monate, sagt Milord. „Ich habe alle möglichen Versicherungen abgeschlossen, gegen Hurrikane oder Überflutungen, aber das hilft mir jetzt nichts.“ Mit staatlicher Hilfe rechnet sie nicht. Bisher waren ihre Erfahrungen mit der New Yorker Bürokratie auch eher ernüchternd.

Inspiration und Geschmacksvielfalt

Eins hat sie aber doch aus Kaarst in die Backstube in Brooklyn mitgebracht: den Zuckeranteil im Gebäck. „Ich mag es nicht so supersüß“, sagt Milord. „Mir schmeckt es butterig-cremig besser als zuckrig-wässrig.“

Sonst fließt wenig Heimatliches in Milords Torten ein. Was sie aus Deutschland vermisst, schmeckt indes überhaupt nicht süß: Döner. „Auch eigentlich kein traditionelles deutsches Essen“, sagt Milord und lacht.

Die New Yorker Spirit und Zukunftsperspektiven

„Ich liebe es, wie aufgeschlossen hier alle sind und wie lebendig und multikulti Brooklyn ist. Mittlerweile rufen sogar alteingesessene Konditoren bei mir an, um zu fragen, wie ich meine Torten mache, oder schicken Leute mit Sonderwünschen zu mir. Ich helfe immer gerne; es ist kein Geheimnis, was wir machen. Das ist wie beim Kochen: Ein Rezept zu haben bedeutet noch nicht, dass auch das Essen gelingt.“

Vielleicht mache ich noch ein zweites Geschäft auf oder expandiere ins Ausland. Zurück nach Deutschland möchte ich eigentlich nicht. Wenn du einmal in New York gelebt hast, kannst du nirgendwo anders leben.

Brooklyn Multikulti Viertel

Grenzen des Backens und Ethik

Doch bei bestimmten Anfragen wie etwa nach Waffen als Kuchen ziehe Miriam eine Grenze. „Manchmal rate ich Kunden von einer Idee ab, zum Beispiel einen (roten) Red Velvet Cake in der Form eines Babys. Wenn man den anschneidet, sieht es auf dem Tisch wie ein Massaker aus.“ Auch Sachen mit Blut mache ich nicht: Einmal wollte ein Kochshowkandidat, dass ich seinen Konkurrenten backe - mit einem Messer im Herz. Abgelehnt habe ich allerdings, als ein Typ Waffen gebacken haben wollte. Er gehörte zu einer Gang und hatte sich das als Gag für eine Party überlegt. Das war mir suspekt.

Soziale Medien und Bekanntheit

„Prominente suchen immer die neusten und verrücktesten Sachen, die ihr Instagram explodieren lassen“, sagt Milord. Bei der Foto-App hat „BCakeNY“ heute mehr als 260.000 Follower. Das Tolle an den Torten ist, dass ich keine Werbung mehr machen brauche. Jeder will sofort ein Foto ins Internet stellen: Schaut her, ich und mein Kuchen.

Instagram Kanal von BCakeNY

Die Produkte, für die sich Stars begeistern, profitieren davon. Popstar Beyoncé trägt Medien zufolge Kosmetik der Marke Glossier, Taylor Swift kauft Kleidung bei Reformation, Schauspielerin Blake Lively mag Kekse der Levain Bakery. Ex-Präsident Bill Clinton stöberte schon im Buchladen The Strand und Sängerin Katy Perry wurde schon im Vintage-Laden What Goes Around Comes Around gesichtet. All diese Geschäfte liegen in Manhattan.

Fazit: Milords Tortenrezepte zwischen Kunst und Genuss

Miriam Milord steht für Backkunst, die weit über das Gewöhnliche hinausgeht. Ihre Rezepte und Kreationen sind viel mehr als Gebäck: Sie verbinden Kunst, Technik und Genuss. Ihre Geschichte zeigt, wie aus einem Hobby eine internationale Erfolgsgeschichte werden kann - angetrieben von Kreativität, Mut und New Yorker Spirit.

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