Milka Schokolade: Weniger Inhalt, teurer – Die Hintergründe der Shrinkflation und Mogelpackungen

Die Milka Alpenmilch Schokolade wurde Anfang 2025 mit deutlichem Vorsprung zur »Mogelpackung des Jahres 2025« gewählt. Zwei Drittel der abgegebenen Stimmen (66,7 Prozent) entfielen auf das Produkt von Mondelez, ein Rekordwert in der Geschichte der Abstimmung. Insgesamt beteiligten sich 34.731 Verbraucherinnen und Verbraucher, so viele wie seit sechs Jahren nicht mehr. Die Wahl macht auf ein immer drängenderes Problem aufmerksam: versteckte Preiserhöhungen, auch als Shrinkflation bekannt.

Milka Alpenmilch Schokolade Verpackung im Vergleich 2024/2025

Was ist Shrinkflation?

Shrinkflation beschreibt das Phänomen, dass Hersteller die Füllmenge ihrer Produkte reduzieren, während der Preis gleich bleibt oder sogar steigt - oft ohne, dass dies auf den ersten Blick ersichtlich ist. So werden Verbraucher getäuscht: Der Inhalt vieler Produkt-Packungen im Supermarkt schrumpft kontinuierlich, während der Preis gleich bleibt oder steigt. Dieses Vorgehen ist sehr verbreitet und kommt quer durch den Supermarkt vor.

  • Viele Milka-Tafeln wiegen nur noch 90 statt 100 Gramm.
  • Die Verpackung und das Design sind nahezu identisch geblieben.
  • Die Tafel selbst ist unmerklich rund einen Millimeter dünner geworden.
  • Der Preis ist von 1,49 auf 1,99 Euro gestiegen.

Beispiele für Shrinkflation

Im vergangenen Jahr hat die Verbraucherzentrale Hamburg 77 neue Produkte ihrer Mogelpackungsliste hinzugefügt - rund 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Die durchschnittliche versteckte Preiserhöhung lag bei 28,4 Prozent. Besonders betroffen sind Süßwaren, Fertigprodukte und Müsli.

Produkt Alte Füllmenge Neue Füllmenge Alter Preis Neuer Preis Preiserhöhung (%)
Milka Alpenmilch 100 g 90 g 1,49 € 1,99 € 48,4 %
Milka Mmmax Sorten 270 g 250 g 3,45 € 3,89 € ~30 %
Käse-Streusel Backmischung 730 g 370 g 3,99 € 3,79 € 90 %
Shrinkflation: Beispiele aus verschiedenen Produktbereichen

Die Hintergründe der Milka Shrinkflation

Der Hersteller Mondelez hat bei der Milka Alpenmilch Schokolade die Füllmenge von 100 auf 90 Gramm reduziert, während der Preis im Handel von 1,49 Euro auf 1,99 Euro gestiegen ist. Mondelez nennt als Grund gestiegene Rohstoffpreise, insbesondere die Preise für Kakao. Laut Unternehmensbericht stiegen jedoch gleichzeitig die Gewinne und die Herstellungskosten sanken.

Das Gewicht sei klar auf der Verpackung zu erkennen, teilte eine Sprecherin mit. Darüber hinaus habe das Unternehmen die Kunden in den sozialen Netzwerken und auf der Milka-Webseite über die Änderungen informiert. Dennoch ist die reduzierte Füllmenge im Supermarkt kaum erkennbar, da die Verpackung nahezu unverändert blieb - lediglich die Tafel ist etwa einen Millimeter dünner geworden.

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Interview mit Verbraucherzentrale über Milka Shrinkflation

Kritik der Verbraucherzentrale

Die Verbraucherzentrale Hamburg wirft Mondelez Irreführung vor und hat das Unternehmen verklagt. Im Frühjahr 2026 muss sich Mondelez vor dem Landgericht Bremen verantworten. Dabei wird geklärt, ob die Füllmengenreduzierung rechtswidrig oder nur ärgerlich war. Das Landgericht Hamburg bestätigte 2024 bereits einen ähnlichen Fall bei der Margarine „Sanella“.

Die Verbraucherzentrale fordert verpflichtende Hinweise auf Mengenreduktionen und sichtbare Kennzeichnungen in Geschäften. Hinweise wie „Weniger Inhalt, gleiche Qualität“ wären vor drei, vier Jahren noch undenkbar gewesen. Außerdem wird eine verbindlichere Gesetzgebung gefordert: „Deutschland hinkt beim Schutz vor Shrinkflation bislang hinterher. In mehreren anderen Ländern gibt es bereits Vorgaben, um versteckte Preiserhöhungen einzudämmen.“

  • In Österreich und Frankreich müssen Händler entsprechende Hinweise am Regal anbringen.
  • In Brasilien steht der Hinweis direkt auf der Verpackung.
Shrinkflation-Markierungen im internationalen Vergleich (Deutschland, Österreich, Frankreich, Brasilien)

Wie reagieren Verbraucher?

Die Verbraucherinnen und Verbraucher haben ihrem Ärger mit großer Deutlichkeit Luft gemacht und greifen seltener zu Produkten von Milka. Medienberichten zufolge verzeichnete Mondelez im vergangenen Jahr rückläufige Absatzzahlen. Verkäufe wurden oft nur noch durch umfangreiche Rabattaktionen gestützt. Allein in den letzten drei Monaten registrierte die Smhaggle-App mehr als 100 Rabattaktionen für Milka-Schokoladen.

Befragungen des Meinungsforschungsinstituts YouGov weisen auf einen deutlichen Imageverlust der Marke hin - bis August 2025 im Vergleich zum Vorjahr besonders ausgeprägt. Der Unmut scheint sich auch im Einkaufsverhalten niederzuschlagen.

Abstimmung zur Mogelpackung des Jahres

Wie jedes Jahr konnten Verbraucher online abstimmen, welches Produkt ihnen besonders negativ auffiel. Für 2025 ging der Negativpreis an Milka Alpenmilch - auf Platz zwei folgte die Käse-Streusel Backmischung von Dr. Oetker.

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  • Die Milka Alpenmilch Schokolade wurde von fast 70 Prozent der Abstimmenden als Mogelpackung des Jahres bewertet.
  • Der Preis pro Gramm bei Milka stieg um fast 50 Prozent.
Abstimmungsergebnisse: Mogelpackung des Jahres

Gesetzliche und politische Forderungen

Die Verbraucherzentrale Hamburg fordert die Politik zum Handeln auf: „Die Politik ist gefordert, endlich für echte Preiswahrheit im Supermarkt zu sorgen.“ Deutschland hinkt beim Verbraucherschutz hinterher. Während die Bundesregierung im Koalitionsvertrag mehr Transparenz bei versteckten Preiserhöhungen verspricht, fehlt es bislang an verbindlichen Regelungen. Verbraucherschützer kritisieren zudem, dass Verstöße häufig als unbedeutend eingestuft werden.

  • Klare und verpflichtende Hinweise auf Mengenänderungen am Regal oder auf der Verpackung.
  • Deutlich ausgewiesener Grundpreis für besser vergleichbare Kosten.
  • Anpassung gesetzlicher Rahmenbedingungen, um Tricksereien zu verhindern.
Infografik: Gesetzliche Kennzeichnung von Preiserhöhungen in Europa

Einkaufstipps der Verbraucherzentrale

  1. Grundpreise vergleichen: Der Preis pro Kilogramm oder Liter zeigt oft mehr als die Verpackung.
  2. Mengenangaben merken: Bei regelmäßig gekauften Produkten frühere Füllmengen oder Zutaten im Blick behalten.
  3. Vorsicht bei „Neuem“: Begriffe wie „neu“, „Maxi“, „XXL“ oder „verbesserte Rezeptur“ kritisch prüfen.

Foodwatch und die Werbelüge des Jahres

Auch die Verbraucherorganisation Foodwatch hat Milka Alpenmilch-Schokolade zur »dreistesten Werbelüge des Jahres« gekürt. Der Negativpreis „Goldener Windbeutel“ ging 2025 an Milka Alpenmilch. Die Milka-Tafel sei ein klassisches Beispiel für Shrinkflation, so Foodwatch.

  • Milka Alpenmilch: Preis von 1,49 auf 1,99 Euro, Inhalt von 100 auf 90 Gramm verringert.
  • Die Verbraucher wurden laut Hersteller über die Änderung informiert.

Shrinkflation - Ein systematisches Problem im Handel

Milka Alpenmilch ist kein Einzelfall. Viele Hersteller reduzieren klammheimlich die Füllmenge von Produkten des täglichen Bedarfs. Für die Verbraucherzentrale Hamburg ist es elementar, dass die Politik Rahmenbedingungen schafft, welche diese Tricksereien verhindern. Die Verbraucherorganisation führt eine Liste mit mehr als 1.000 Mogelpackungen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Preisvergleiche sind oft schwieriger als gedacht. Die Angabe des Grundpreises in Supermärkten soll Orientierung geben, ist aber häufig nicht gut lesbar oder fehlerhaft. In kleinen Geschäften oder an Automaten wird der Grundpreis meist gar nicht angegeben.

Preisvergleich: Grundpreisangabe im Supermarkt

Ausblick: Bedeutung für Verbraucher und Handel

Konkrete Konsequenzen hat das Urteil nach Angaben des Gerichts zunächst nicht, da die vier Monate seit der Umstellung der Packungsgröße bereits um seien. Bedeutung hat das Urteil aber für künftige Fälle, da Wiederholungsgefahr besteht. Schon seit dem Urteil zur Sanella-Margarine seien viele Unternehmen vorsichtiger geworden und kennzeichnen Änderungen besser.

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Nur wenn Produkte dauerhaft im Regal liegenbleiben, ändern Unternehmen vielleicht künftige Marketingpolitik. Bis zu 3.000 Beschwerden erreichen die Verbraucherzentrale jedes Jahr. Wer eine solche Entdeckung macht, kann den Artikel online melden.

Infografik Shrinkflation: Auswirkungen auf Einkauf und Markenimage

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